Dienstag, 5. Januar 2010

Zombieland

Mein neues Kinojahrzehnt wollte ich damit beginnen, "Schulden" aus dem letzten Jahr einzulösen. So versäumte ich es aufgrund der sich breit machenden Feiertagsfaulheit, mir Zombieland im Kino anzuschauen. Das wurde dann im jungen Jahr flux nachgeholt - und kein bisschen bereut.
Beinahe die gesamte Bevölkerung der USA mutierte zu Zombies. Einer der wenigen Überlebenden ist der ängstliche, schüchterne und sexuell unerfahrene Columbus (alle noch lebenden Menschen sprechen sich nur noch mit dem Zielort ihrer Reise an), der für sich selbst ein kleines Regelbuch erstellt, was man als Einwohner der "Vereinigten Staaten von Zombieland" zu beachten hat. Unter steter Berücksichtigung seiner Regeln tastet er (Jesse Eisenberg) sich nach Columbus, Ohio vor. Auf dem Weg dorthin begegnet er dem kernigen und schießwütigen Tallahassee (Woody Harrelson), der nur noch einen Sinn im Leben findet: Die letzten Twinkies aufspüren und das Süßgebäck genüsslich aufzuessen.
Die zwei treffen auf ihrer gemeinsamen Reise durch die verwüsteten USA zwei Geschwistern, den aufgeweckten Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin), die unbedingt in Kindheitserinnerungen schwelgen und einen Freizeitpark bei Los Angeles besuchen wollen. Und dann ist da noch ein brüllend komischer Cameo eines Hollywoodstars...

Wie alt das Subgenre der Zombiekomödie ist, lässt sich sicherlich lange ausdiskutieren. Viele Zombieklassiker sind durchaus komisch, ob der Humor beabsichtigt ist, liegt jedoch allein im Auge des Betrachters. Spätestens mit Sam Raimis Tanz der Teufel sollten die Untoten aber im Bereich der gewollten Komik angelangt sein, und der Humorquotient wurde immer weiter hochgeschraubt. Tanz der Teufel II oder Peter Jacksons Braindead sollten schwache Gemüter noch immer Magengrummen beschert haben, Mein Freund, der Zombie von 1993 dagegen fällt eindeutig in die Kategorie "Komödie... mit Zombies" und ist, egal wie sehr er gefloppt sein mag, massentauglich und keineswegs schaurig.

In den letzten Jahren fanden Filmemacher immer häufiger gefallen an komödiantischen Zombiestreifen, die brutaler als Mein Freund, der Zombie, aber leichtfüßige als Braindead & Co. sind: Fido, Shaun of the Dead, Planet Terror (eindeutig der brutalste in dieser Liste) und jetzt nunmal Zombieland.

Unter den Zombiekomödien ist mir Planet Terror (sofern man ihn gelten lässt, schließlich werden dort viel mehr "Sickos" abgeschlachtet, als klassische Zombies) weiterhin der liebste, die abstrusen Einfälle, das rockende Tempo und die frivole Schmuddeligkeit ist einfach unerreichbar. Zombieland platziert sich für mich persönlich aber nach Planet Terror auf den zweiten Rang und hängt somit Shaun of the Dead ab. Dieser hatte zwar die durchdachteren Charaktere und die dichtere Atmosphäre, aber Zombieland rockt mit einem schnelleren Tempo (Metallica fetzt im Vorspann, und danach wird es nicht langsamer) und der ironischen Kommentierung des Filmgeschehens durch Einblendungen von Columbus' Regeln sowie seiner zynisch-trockenen Off-Erzählung. Für gelungene, klug eingesetzte Erzählerstimmen in Filmen bin ich halt (fast) immer zu haben.

Die Charaktere sind optimal zusammengestellt - hier spürt man, dass das Skript ursprünglich als TV-Pilot gedacht war, und ich hätte durchaus Freude an einer regelmäßigen Fortsetzung. Der Phobiker, der Draufgänger und die abgezockten Ladys, das sind die Figuren, die eine Zombie-Apokalypse überleben und sich unter den richtigen Umständen auch zusammenrotten würden. Diese Zusammenstellung sorgt für ordentliche Wortgefechte und charakterbezogene Gags, die für Abwechslung vom immer wieder witzigen Zombietöten sorgen. Vor allem Harrelson brennt vor Energie und Spiellust, aber sogar Amber Heard aus dem grauenhaften All The Boys Love Mandy Lane kann in einer kurzen Rückblende als Columbus' Nachbarin überzeugen.

Fazit: Schnell, witzig und überaus einfallsreich - Zombieland ist eine gelungene Zombiekomödie und in Sachen Gewaltgrad und Atmosphäre womöglich sogar eine ideale Einstiegsdroge.

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3 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Zugegeben, ich hatte mich auch schon ein wenig gewundert: Ein vielversprechend aussehender Zombiefilm und von dir kein Sterbenswort da drüber? Da konnte ja was nicht stimmen... ;)
Naja, besser spät als nie. Und so hast du das Kinojahr 2010 auf jeden Fall mit einem Hit begonnen. ;)

"Zombieland" ist definitiv ein Film, der einfach Laune macht! Für mich liegt "Shaun" zwar hauchdünn vorne (liegt vielleicht auch einfach daran, dass ich den bereits so oft gesehen hab^^), aber allein vom Spaßfaktor her dürfte "Zombieland" gewinnen ("Planet Terror" hab ich nicht gesehen, vielleicht ist da der Spaßfaktor ja noch höher *g*).

Die Regel-Einblendungen waren eine geniale Idee. Mir hat's besonders "#17 Aufwärmen" angetan. Zusammen mit dem visuellen Gag einfach wunderbar. *g*

InvaderPhantom hat gesagt…

Das mit den Twinkies haben die aber von Family Guy. :D in einer Folge ist die Welt untergangen, und da hat die Familie ne Reise zur Twinkie-Fabrik gemacht, die aus irgendeinem Grund noch steht... *hust*

Sir Donnerbold hat gesagt…

Achja, stimmt, "Family Guy" ist die einzige Serie, die je Scherze mit Twinkies gemacht hat... ;-)

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