Sonntag, 7. März 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil XXVII)

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Platz 172: Der Titelsong von Bonkers
Musik und Text von Mark Watters (?) (dt. Fassung von ?)

Ein Titelsong sollte im Idealfall den Geist und die Stimmung der Serie einfangen. I'm no Superman aus Scrubs - Die Anfänger etwa ist ein perfekter Titelsong. Er ist nicht nur sehr gut und auch von der Serie losgelöst außerordentlich gefällig, nein, er trifft den komisch-dramatischen Nagel der wunderbaren Serie auf den Kopf. Bonkers kann natürlich nicht mit solch einem fantastischen Titellied wie Scrubs aufwarten, aber zumindest schmeißt der Song den Zuschauer sofort in das überdrehte Chaos der Zeichentrickserie über den zum Polizisten gewordenen Cartoon-Luchs, der zusammen mit seinem menschlichen Partner Kriminalfälle im Zeichentrickmilieu Hollywoods löst.

Platz 171: Kommt erst mein Prinz zu mir ("Someday My Prince Will Come") aus Schneewittchen und die sieben Zwerge
Musik von Frank Churchill, Text von Larry Morey (zweite dt. Fassung von Eberhard Cronshagen, 3. dt. Fassung von Lutz Riedl, basierend auf der 1. und 2. Synchronisation)

Ähnlich wie Ich hab' ihn im Traum gesehen aus Cinderella (Platz 181) ist auch das bekannte Liebeslied aus Schneewittchen und die sieben Zwerge für mich im Erzählfluss des Filmes nicht gerade als ein großer Höhepunkt der Zeichentrickproduktion einzuschätzen. Meine Anerkennung für dieses Lied rührt viel mehr aus der disneytpischen Weiterverwertung, die ihm widerfuhr. Als eines der prominentesten Lieder aus Disneys erstem Meisterwerk und ersten Song aus einer langen Reihe von ähnlich gestrickten "Ich warte auf meinen Prinz"-Balladen der Disney-Protagonistinnen findet Kommt erst mein Prinz zu mir natürlich eine sehr herausgestellte Position im musikalischen Disneyerbe. Walt Disneys ursprüngliches Konzept für diese Sequenz war auch besonders wegweißend für zukünftige Prinzessinnenfilme: Schneewittchen sollte von einem Walzer in den Wolken fantasieren. Kommt euch das vielleicht irgendwoher bekannt vor?
Während ich die Filmfassungen dieses Liedes, ganz gleich in welcher Sprache, nur ganz passabel finde, haben es mir einige der ungezählten Remixe, Coverversionen und umorchestrierten Instrumentalfassungen, die einem in den Disneyparks und auf Disney-Tribute-CDs findet richtig angetan. Besonderen Reiz an diesem Lied fanden in der Vergangenheit vor allem Jazz-Künstler wie Dave Brubeck, Bill Evans, Miles Davis, Oscar Peterson und die Legende Herbie Hancock. Selbstverständlich wurde das Lied auch von zahlreichen Popdiven wie Barbara Streisand, deren Version des Songs als Bonusmaterial für die erste Platinum-Edition aufgenommen wurde, oder Anastacia eingespielt.
Weitere nennenswerte Cover des Songs sind das von En Vouge, die mit ihrem Beitrag zum grandiosen Album Simply Mad About The Mouse das Gesamtniveau tüchtig nach unten zerrten, und die in jüngster Zeit immer öfter auftauchenden Cover von Disney-Zöglingen wie Ashley Tisdale (naja...) oder den Cheetah Girls (brrrrrr...). Doch die erblassen selbstverständlich im Nu, wenn man die Abwandlungen einer gelungenen Disneypark-Liveshow danebenstellt.

Platz 170: Get'cha Head in the Game aus High School Musical
Musik und Text von Ray Cham, Greg Cham und Andrew Seeley

In diesem Countdown finden sich zahlreiche Lieder, die für den Oscar nominiert wurden. Emmy-nominierte Lieder sind hier eher rar gesät. Get'cha Head in the Game aus High School Musical, Disneys erstaunlicher Sensationserfolg aus dem Jahr 2006, gehört zu dieser Minderheit. Er und Breaking Free (Platz 289) verloren jedoch gegen die Disneyparodie Wonderfully Normal Day aus MADtv. Mit Breaking Free und Get'cha Head in the Game wurden übrigens zwei verschiedene Typen von Musicalsongs nominiert. Während ersterer als Bühnensong während eines Rollencastings für eine Schulaufführung sozusagen auch in unserer Realität funktionieren könnte, ist Get'cha Head in the Game vom narrativen Standtpunkt aus gesehen ein waschechter Musicalsong, als dass die Charaktere inmitten einer normalen Situation in Gesang ausbrechen, um auf diesem Wege ihren Emotionen Ausdruck zu verleihen. Dabei wird nicht referenziert, dass sie singen. Dies ist die "Musicalrealität", was bei High School Musical besonders amüsant wirkt, da Troy Bolton in diesem Lied im Grunde genommen darüber singt, dass er nicht singen möchte, sondern sich lieber weiter der Gruppendynamik beugt und bei seiner bisherigen Paradedisziplin, dem Basketball, bleibt. Dass als musikalische Grundlage für Tory Boltons Konflikt zwischen neu entdecktem Talent und gewohnter Leidenschaft passend zum Rhythmus der dribbelnden Bälle und quietschenden Turnschuhe ein sehr leicht-poppiger Hip-Hop-Beat mit eingeschmuggelter Musical-Ballade im Herzstück der Gesangseinlage gewählt wurde ist nur konsequent und ist einer der durchdachteren Kunstgniffe in der HSM-Reihe. Zugleich hat sich dieses Lied eine gewisse naive Unschuld bewahrt, was es sehr sympatisch wirken lässt, besonders wenn man es neben das kühl durchkalkulierte Wesen von HSM-Trittbrettfahrern stellt.

Platz 169: Bibbidi Babbidi Bu ("Bibbidi-Bobbidi-Boo") aus Cinderella
Musik und Text von Mack David, Jerry Livingston und Al Hoffman (dt. Fassung von Christine Lembach)

Ein Disney-Zauberlied mitsamt klassischem, disney'schem Fantasiewort. Noch dazu eine heitere, stets aufmunternde Melodie und eine reizende Szene, und fertig ist eine klassische Szene der Zeichentrickgeschichte. Manche Quellen behaupten sogar, dass die Verwandlung von Cinderellas Lumpen in ein atemberaubendes Abendkleid zu Walt Disneys Lieblingsszenen gehört haben soll.
Wäre auch durchaus verständlich, schließlich vereinigen sich hier Spaß, der typische Disney-Zauber und Gänsehaut-Gefühl zu einem starken Gesamtergebnis. Als eine der bekanntesten Kompositionen aus Disneys Schaffen wurde Bibbidi Babbidi Bu bereits mehrmals neu interpretiert. Unter anderem kann man es sich, sofern man denn mag, im Abspann der Video-Fortsetzung Cinderella 2 - Träume werden wahr als überdrehten Bubblegum-Popsong anhören. Und für eine dieser hippen Coverversionen ist diese meiner Meinung nach sogar recht annehmbar geraten. Die kommerziell erfolgreichste Aufnahme des Songs stammt von Perry Como and The Fontane Sisters, die bekanntesten dürften allerdings die von Bing Crosby (White Christmas) und Louis Armstrong sein. An die englische Aufnahme für das Meisterwerk von 1950 reicht für meinen Geschmack jedoch keine einzige der Coverversionen heran. Das hat einfach die ideale Länge und die beste Mischung aus Albernheit und Magie für sich gepachtet.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Deutsche Fassung von Bonkers ist von Frank Lenart.

Andi hat gesagt…

Hallo Anonymus, bist du dir da sicher? Aus anderer Quelle habe ich Hartmut Neugebauer gehört. Weißt du zufällig mehr über Disney-TV-Synchros? Also in welchen Studios sie gemacht wurden und wer für Dialogbuch bzw- -regie verantwortlich war?

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