Montag, 19. April 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil XXXVI)

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Lang hat's gedauert, aber endlich erreichen wir das obere Drittel meiner Hitliste über die meiner Meinung nach besten Disneylieder. Ob es auch einen Unterschied zwischen den Liedern in diesem bereich gibt, und denen aus dem mittleren Drittel? Durchaus. Die bisherigen Lieder wollte ich unbedingt dabei haben, ich konnte einfach keine musikalische Disney-Hitliste verfassen, ohne sie zu erwähnen. Doch die Songs, die jetzt noch kommen musste ich gar nicht erst hineinquetschen, sie waren sozusagen auf Anhieb dabei. Ich dachte an meine liebsten Disney-Kompositionen und schon standen sie auf meiner inneren Hitliste, wenngleich vollkommen unsortiert. War es vor allem im unteren Drittel noch relativ leicht für mich, irgendwie eine Rangordnung zu schaffen, werdet ihr in den kommenden Wochen das Ergebnis tagelanges, harten Grübels nachlesen dürfen. Hier ergibt sich aus den unterschiedlichsten Faktoren ein knappes und hartes Rennen um die exakten Positionen. Erst rund um die Top 50 herum wird wieder eine kurze Phase eintreten, wo sich einige der Platzierungen für mich wieder von selbst ergaben.

Platz 112: I Don't Dance aus High School Musical 2
Musik und Text von Matthew Gerrard und Robbie Nevil

Fanservice pur: Die während des ersten Teils im Schatten von Troy, respektive Sharpay geparkten Figuren Chad (Corbin Bleu) und Ryan (Lucas Grabeel) erhalten eine gemeinsame Tanzroutine, in der Sportler Chad singend und tanzend seine Abneigung gegen das Tanzen kundtut, während er vom Schauspieler, Sänger und Tänzer Ryan (beinahe) in Grund und Boden gespielt wird. Wild ihre Prügel durch die Gegend schwingend tanzen sie und zig Hintergrundtänzer einen atheltischen Baseballtanz, und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass irgendwer bei der Gestaltung dieser Szene seinen komischen Tag hatte. Glücklicherweise, denn ohne gezielte Scherzhaftigkeit würde so etwas nur in ein zweites Bet on it ausarten (siehe Platz 124).
Stilistisch ist I Don't Dance wohl das interessanteste (beziehungsweise brutalste und beleidigendste, je nachdem wie man zum High School Musical-Genremischmasch steht) Lied aus High School Musical 2. Es vermischt mit intensivem Elektrobeat- und Stimmenfiltereinsatz Elemente aus Ragtime, Swing, Salsa, Rap, Dance-Pop im Michael-Jackson-Stil der 80er und Teenie-Pop der 00er Jahre zu einem ungewöhnlichen musikstilistischen Brei, der einen wahlweise verschrecken oder faszinieren kann. Egal was man davon halten mag, es ist durchaus anerkennenswert, dass man zumindest versucht den jüngeren Zuschauern der High School Musical-Filme sozusagen von hinten herum ihnen weniger geläufige Genres unterzujubeln. Wie erfolgreich diese Missionarsarbeit ist dabei eher nebensächlich.
Mir zumindest gefällt dieses wilde Kauderwelsch an Stilrichtungen, vor allem weil es einheitlich rüberkommt und sich selbst nicht so ernst nimmt, wie manch andere Nummer aus der Teenie-Trilogie.

Platz 111: Ers' a Strolch bzw. Strolch ist toll ("He's a Tramp") aus Susi und Strolch
Musik & Text von Sonny Burke & Peggy Lee (dt. Fassung von Eva-Maria Brock - 1. Synchro - bzw. Heinrich Riethmüller - 2. Synchro)

Einer der prägenderen frühen Fälle einer Zusammenarbeit zwischen den Disney-Zeichenstudios und berühmten Persönlichkeiten ist das wunderschöne Meisterwerk Susi und Strolch, für den die damals sehr bekannte Peggy Lee gewonnen wurde, die für den Film Lieder schrieb und an mehreren Stellen auch zu hören ist. Die Sängerin und Songwriterin Peggy Lee durfte in Susi und Strolch nämlich die Rollen der siamesischen Katzen (siehe Platz 277), Susis Frauchen und der nach ihr benannten Peg bzw. Peggy übernehmen. Gerade in der letzten Rolle blüht Lee richtig auf und beweist, wie sehr sie den musikalischen Stil dieses Zeichentrickfilms beeinflussen konnte. Verrucht jazzig singt diese Straßenhündin darüber, was für ein verführerischer Weiberheld Strolch sei und wie gerne sie sein wäre, was der zuhörenden Susi selbstverständlich überhaupt nicht passt. Diese Gesangseinlage ist sehr kurz, hinterlässt aber dessen ungeachtet einen bleibenden Eindruck und ließe sich durchaus als früher Vorläufer der später folgenden jazzig-swingenden Phase der Disney-Zeichentrickstudios ansehen. Sehr schön anzusehen sind auch die (wie man Walt Disney kennt sicherlich fotogener nachgestellten) Filmaufnahmen von Peggy Lees Einfluss hinter den Kulissen des Films, in denen sie kokett neben den Animatoren steht oder während der Tonaufnahmen dieses Songs wie ihre tierische Filmfigur mit dem Hintern wackelnd vom Mikrofon wegstolziert. Dieses Filmmaterial trifft die Attitüde des Songs wie ein Hammer den Nagel auf dem Kopf.
Die original Filmaufnahme ist für mich unschlagbar, allerdings ist He's a Tramp trotzdem einer der besonders gut in viele Sprachen übertragenden Disneysongs. Es gibt halt nahezu überall mindestens eine Sängerin mit sinnlich-dunkler Stimme, die man für dieses Lied hinter's Mikro stellen kann. Die Dänen haben beispielsweise eine gefunden, die stimmlich sehr nah an Peggy Lee herankam. Aber auch bei uns in Deutschland hat man den Song sehr gut in die Landessprache übertragen, und das gleich zwei Mal! Ob's nun Er's a' Strolch von Herta Kravina in der ersten Synchronfassung oder Beate Hasenau in der zweiten sein darf, ist wohl ein klarer Fall von "was man zuerst gehört hat". Die erste Fassung hat den für mich minimal besseren Text, dafür gefällt mir Hasenaus Timbre wesentlich besser. Außerdem könnte ich in der Erstfassung gut ohne den östereichischen Einschlag der ersten Version leben (macht Er ist 'n Strolch draus, dann passt die akzentlose Stimme auch wieder zum Text), bloß wird das wohl auch wieder jeder dritte oder vierte anders sehen.

Platz 110: Aristocats ("The Aristocats") aus Aristocats
Musik & Text von Robert B. & Richard M. Sherman (dt. Fassung von Heinrich Riethmüller)

Meine liebste Sherman-Komposition aus dem charmanten und nicht genug respektierten Disney-Meisterwerk Aristocats ist der mit viel klassischem französischem Flair versehene Titelsong, den das Komponistenduo mit dem Schauspieler und Chansonsänger Maurice Chevalier (siehe auch Platz 279) im Hinterkopf schrieben. Dieser befand sich mittlerweile allerdings im Ruhestand. In der Hoffnung ihn dennoch Ködern zu können, nahmen die Shermans eine Demofassung ihres feinen und atmosphärischen Chansons auf, in der Richard Sherman sich als Chevalier-Imitator versuchte. Chevalier sagte nach erhalt des Demos zu, und so wurde der Song Aristocats, den er auf englisch und französisch einsang, zu seiner letzten offiziellen Aufnahme.
Chevalier, Disney und die Shermans verbindete eine lange Geschichte. Chevaliers erster Gassenhauer in den USA, Livin' in the Sunlight, Lovin' in the Moonlight aus dem Film The Big Pond, wurde vom Vater der Sherman-Brüder mitverfasst. Walt Disney, dem diese Verbindung bewusst war, ließ deshalb eines Tages ein großes Wiedersehensessen mit den Sherman-Brüdern, deren Eltern und Maurice Chevalier organisieren. Da verwundert es wohl kaum, dass Chevalier seine Verbindung zu Walt Disney als eine enge Freundschaft bezeichnete und später über seine Beteiligung an Aristocats schrieb, er "hätte es für niemand anderes gemacht oder für irgendwelche Summen an Geld, sondern einzig für die Ehre und um [s]eine Liebe und Bewunderung für den einzigartigen Walt zu zeigen."
Walt Disney höchstpersönlich redete Chevalier bereits schon einmal aus dem Ruhestand heraus, damals um ihn als Schauspieler für Schmeißt die Affen raus (1967) zu gewinnen. Während der Dreharbeiten stieß Chevalier auf it's a small world (Platz 191) und There's a Great Big Beautiful Tomorrow aus der Attraktion Carousel of Progress, die er so wunderbar fand, dass er sie daraufhin in sein nächstes Album aufnahm und sie bei seinen letzten Auftritten als Eröffnungs- (it's a small world), respektive Schlussnummer wählte.
Die deutsche Fassung ist meines Erachtens nach übrigens Chevaliers Aristocats ebenbürtig - Paul Kuhn macht einen wundervollen Job und eröffnet den Film mit Stil, Wärme und einer darin liegenden, für diese Komposition nötige Prise vornehmer Distanziertheit.

Platz 109: Optimistisch sein ("Fortuosity") aus Der glücklichste Millionär
Musik & Text von Robert B. & Richard M. Sherman (dt. Fassung von ?)

Schaut man sich den im Jahre 1916 spielenden, in Philadelphia lokalisierten Disney-Realfilm Der glücklichste Millionär zum ersten Mal an, erhält man aufgrund der Eröffnungssequenz einen vollkommen falschen Ersteindruck von diesem Musical. Kaum beginnt die Handlung des Films, läuft uns der charismatisch-keck grinsende John Lawless (gespielt von Tommy Steele) entgegen und beantwortet die im Namen des Publikums gestellten Fragen, wie so ein Immigrant im Nu ansehnlich gekleidet seinen Weg zu der High Society fand. Sein Geheimnis sei es, dass er stets optimistisch sei, Gelegenheiten beim Schopfe packe und mit der Einstellung ans Tagewerk ginge, dass für ihn schon etwas erfreuliches bei herausspringe. Singend und tanzend schreitet er durch eine viktorianische Straße, tauscht als selbstbewusster Schlawiner Blicke mit schönen Frauen aus und erfreut sich an seiner eigenen, sorglosen Lebensphilosophie. Timon, Pumbaa und Balu sind im Disney-Universum nunmal nicht die einzigen praktizierenden Optimisten, die ihr Motto singend in die Welt hinaustragen. Während allerdings Balu sowie Timon & Pumbaa genau richtig dosiert ihre jeweiligen Filme auffrischen, ist von Lawless in Der glücklichste Millionär viel zu wenig zu sehen und zu hören. Bereits in zeitgenössischen Rezensionen des letzten von Walt Disney überwachten Spielfilms wurde Steeles Ausstrahlung gelobt. Außerdem ist seine ausgefuchste und lebenstüchtige Rolle die interessanteste in dieser mit ausgedehnter Laufzeit bedachten Produktion. Leider muss Steele mit voranschreitender Spieldauer des Films immer mehr von seinem Scheinwerferlicht an die Titelfigur sowie die zentrale Liebesgeschichte des Films abgeben. Möglicherweise war den Disneystudios die Figur des John Lawless damals noch etwas zu forsch und progressiv, als dass man sie in einer höheren Dosis hätte verwenden wollen, immerhin existiert für ihn keine vierte Wand. Bereits während Fortuosity adressiert er mit einem ironischen, eingeweihten Blick das Publikum und spielt damit, dass alles nur ein Film sei.
Der Song aus der Feder der Sherman-Brüder vereint den Charakter von Lawless (so gesehen ein vorzüglich passender Name für diese Figur) mit einer zum zeitlichen Setting des Films passenden Eleganz und Zurückhaltsamkeit mit dem offenherzigen Positivismus eines "Lucky Village"-Musicalsongs. Es ist eine einfach klingende, überaus einprägsame und, wer hätt's gedacht, optimistisch stimmende Nummer, die gemeinsam mit Darauf wird einer gezischt (Platz 165) den Weg anzeigt, den der Film durchgehend hätte nehmen sollen. John Lawless ist so etwas wie die für die Filmwelt der 60er Jahre angemessene, viktorianisch gezügelte Mischung aus Donald Duck, Jack Sparrow und Jiminy Grille im Butlerkostüm. Ihn kann man nicht einfach so unterverwenden!
Mehr noch als mit Der glücklichste Millionär verbinde ich Fortuosity mit der Main Street, U.S.A. im Disneyland Park, wo eine besonders harmonische, verspielte und vor lauter Atmosphäre triefende Instrumentalversion dieses Liedes zum Standardrepertoire der stimmungsvollen Ragtime-Hintergrundmusikdauerschleife gehört. Um genauer zu werden ist das unbeschwerte, und dennoch bedacht gespielte Disneyland-Fortuosity sogar meine erste akustische Assoziation mit der prachtvoll detaillierten Flaniermeile Main Street, U.S.A., die mit ihrer beschaulichen Atmosphäre ein ganz besonderes Fleckchen in Disneys Themenparks darstellt. Und da die Main Street die erste Station eines Disneylandbesuchs darstellt, ist Fortuosity auch eine meiner ersten musikalischen Verbindungen mit den immer wieder wunderschönen Kurzurlauben im Disneyland.

Platz 108: Endlose Nacht ("Endless Night") aus Der König der Löwen - Das Broadway Musical
Musik von Lebo M, Hans Zimmer und Jay Rifkin, Text von Julie Taymor (dt. Fassung von Michael Kunze)

Um das musikalische Repertoire des Der König der Löwen-Bühnenstücks zu erweitern bat Regisseurin Julie Taymor nicht nur die Liedkomponisten Elton John und Tim Rice um drei neue Songs, sie nahm sich auch dem ambitionierten Musikprojekt Rhythm of the Pride Lands an, welches vor allem aus vom Film inspirierten, teilweise den Score von Hans Zimmer und die afrikanischen Gesänge von Lebo M ausbauenden Stücken besteht. Während sie das Lied One by One (Platz 203) ohne Veränderungen für ihr Musical übernahm, wurden von Julie Taymor für das in Zulu verfasste Lala, welches von der Stimmung her bereits eine Beziehung zur Rolle Simbas hatte, neue Texte in englischer Sprache geschrieben.
Umfunktioniert zu Endlose Nacht dient diese ergreifende, etwas zu langgezogene Ballade als Simbas zentrale Nummer, in der er ausdrückt, wie hilflos er sich ohne seinen Vater Mufasa fühlt und dass ihm sein Leben, Hakuna Matata und der Freundschaft zu Timon und Pumbaa zum Trotz, wie ein dunkler Albtraum vorkommt. Ganz langsam schöpft Simba den Schimmer einer Hoffnung und verspricht sich selbst, dass eines Tages diese vermeintlich endlose Nacht sehr wohl ein Ende finden wird und für ihn ein neuer, glücklicher Tag anbricht, an dem er letztlich seine emotionale sowie tatsächliche Heimat wiederfindet.
Die Stärke von Endlose Nacht ist sehr vom Interpreten abhängig, ein schwacher Simba-Darsteller liefert diese sich nur sehr zaghaft aufbauende, minimalistische Komposition ihrer unspektakulären Seite aus. Mit einer kräftigen, mitreißenden Stimme vorgetragen entwickelt sich dieses zarte Musikstück allerdings zu einem der packenderen Momente im Löwen-Musical.

Platz 107: I Can't Take My Eyes Off of You von der Soundtrack-CD zu High School Musical
Musik und Text von Matthew Gerrard & Robbie Nevil

Wem High School Musical zu aufgedreht, hibbelig und musikalisch zu sehr auf junge Spunde abgestimmt ist, der könnte vielleicht mittels des gelassenen I Can't Take My Eyes Off of You seinen Frieden mit Disneys Gelddruckmaschine schließen. Dieser Song klingt überhaupt nicht nach High School Musical - und ist konsequenterweise nur auf der Soundtrack-CD des ersten Teils, im Bonusmaterial der DVD und auf der Konzert-DVD zu finden, nicht aber im Film. Es existiert nichtmal eine geschnittene Szene mit diesem Lied. Es ist einfach nur ein schnell übersehener Appendix zum populären High School Musical, wenngleich ein sehr gefälliger. Es ist eine entspannte, ruhige Nummer, gesungen von den vier Hauptdarstellern (bzw. -figuren, da zum Beispiel Herr Efron seine Stimme hier noch mit der eines anderen jungen Mannes ergänzen lassen musste) des Films, also dem Kitschpaar Troy & Gabriella sowie den "Bösewichtern" Sharpay & Ryan. I Can't Take My Eyes Off of You vermischt eine relaxte Sommeratmosphäre mit zurückhaltendem Las Vegas-Showstyle (man denke an die langsamere Nummer zwischen zwei großen Krachern) und kommt ohne den Schmalz der anderen gemäßigten High School Musical-Songs aus. Ein wirklich sehr sympathisches Lied, das man zu vielen Gelegenheiten sehr gut einfach so nebenher laufen lassen kann.

Platz 106: Putz weg ("Chow Down") aus Der König der Löwen - Das Broadway Musical
Musik von Elton John, Text von Tim Rice (dt. Fassung von Michael Kunze)

Neben Der Morgenreport (Platz 224) und Der Wahnsinn von König Scar (Platz 260) gehört Putz weg zu den drei Liedern, die Elton John und Tim Rice auf Wunsch der für die Gestaltung der Broadwayadaption von Der König der Löwen verantwortlichen Julie Taymor komponierten um den Nebenfiguren ebenfalls gelungene musikalische Momente zu verleihen. Für die Hyänen sah Taymor ein gleichwohl komisches wie bösartiges Lied vor, eine Art Jagdtarantella. Das Musikerduo verfasste nach diesen Richtlinien als Bühnenäquivalent für die im Film vorkommende Jagdsequenz über den Elefantenfriedhof eine Rocknummer mit launigen, Kalauer und Wortspiele beinhaltenden Texten und herrlich schmutzigem E-Gitarren-Sound. Nimmt man die dramatischen Takte, die das klassische Orchester spielt, und den spaßigeren Instrumentalpart, der sich stärker an den Stil einer typischen Zeichentrickjagd-Hintergrundmusik orientiert, und fertig ist ein impressiver Bösewichtsong mit gewaltig höhnischem Grinsen, der das von Regisseurin Taymor gesteckte Ziel vollends erreicht und die Hyänen gleichzeitig komischer, als auch bedrohlicher erscheinen lässt. Umso enttäuschter bin ich, dass Elton John, Tim Rice und Disney bislang kein gemeinsames Rockmusical auf die Beine gestellt haben.

Platz 105: Call Me, Beep Me, das Titellied von Kim Possible
Musik und Text von Cory Lerios & George Gabriel

Kim Possible, Disneys beste Zeichentrickserie seit der Jahrhundertwende, handelt von einer Cheerleaderin, die neben den üblichen Problemen einer zur High School Teenagerin in ihrer Funktion als überaus fähige Agentin auch mit der Rettung der Welt beschäftigt ist, und eröffnet wie es sich für moderne Agenten gehört mit einem elektrisierenden, tanzbaren und sehr flotten Titelsong. Alias hat das bereist vorzüglich vorgemacht, nur reduzierte Kim Possible kindgerechterweise die "Beats per Minute" und setzt noch auf poppigen Gesang, statt auf reine Technobeats. Als Sängerin konnte man Christina Milian gewinnen, die dem Song eine jugendhafte, frische und dennoch geheimnisvoll-agentenhafte Stimme verlieh.
In Deutschland verzichtete man glücklicherweise darauf den Titel bzw. den Namen der Hauptfigur sowie den Titelsong zu übersetzen (es gibt Stellen, wo sich unsere Muttersprache als fähiger herausstellt, hier ist eher das Gegenteil der Fall, zumindest sehe ich das so), was allerdings niemanden davon abhielt, das Intro hiesigen Interpreten auszuliefern. Sowohl die Preluders, die zweitplatzierte Gruppe bei einer Geschlechterkampf-Staffel der Castingshow Popstars, als auch die vierköpfige (2008 aufgelöste) Hausband Super RTLs Banaroo vergewaltigten das coole Lied mit ihrem überproduzierten, künstlichen und aufgesetzten Stil, stets auch zum Unmut der (älteren) Kim Possible-Fans, die sich nach diesem Schock gewaltig auf neue Ausstrahlungstermine mit dem Originalgesang von Christina Milan freuten. In Frankreich glückte die Lokalisierung von Call Me, Beep Me wesentlich besser. Dort singt die 1989 geborene Priscilla eine Mission Kim Possible getaufte Version des Songs in französischer Sprache, die sich wirklich problemlos neben Milans Original behaupten kann. Die Interpretin hat eine gute Stimme, was die deutschen Teilzeit-Titelsänger nicht so wirklich von sich behaupten konnten, und der Klang des französischen Textes ist ähnlich dynamisch und cool wie der in der Ursprungsfassung. Klar meine liebste internationale Umsetzung dieses Songs, während man in Dänemark die am süßesten klingende Lokalisierung hinbog. Die Ungarn hingegen wären durchaus besser damit beraten gewesen es uns gleichzutun und ansichtlich der Herausforderung einer respektablen Übersetzung kleinbeizugeben, deren Fassung zerhackt die Melodie gewissenlos und den Takt trifft sie auch nicht. Sehr gelungen ist hingegen wiederum die im Retro-James Bond gehaltene, von Angela Michael gesungene Version von Call Me, Beep Me, die zu Beginn des als Finale geplanten Kim Possible-Films zu hören ist.

Platz 104: Einmal im Traum ("Once Upon a Dream") aus Dornröschen
Musik und Text von Sammy Fain und Jack Lawrence (dt. Fassung von Richard Busch)

Und da hätten wir auch wieder ein sanftes Prinzessinnenliedchen. Dieses Mal darf uns die wunderschöne Aurora in einem Lied von ihrem Traumprinzen erzählen, und sie tut dies dank der Tchaikovsky-Anleihen von allen adligen Disneydamen auf die wohl galanteste, prinnzessinnenhafteste Weise. Dornröschen, von Walt Disney als das absolute Nonplusultra des Zeichentricks vorhergesehen, hat wohl nicht die unschuldige Herzlichkeit von Schneewittchen und die sieben Zwerge und auch nicht den einfach gestrickten Charme von Cinderella, aber dennoch ist dieser Märchenfilm mein Favorit der drei Prinzessinnenproduktionen aus Walt Disneys Ära. Die Prinzessin und ihr Prinz werden von den drei Feen und der finsteren Malefiz an den Rand gedrängt, die intensive Stilisierung dieses bewegten Wandteppichs ist eine wahre Augenweide und musikalisch ist mir die stilvolle, kultürliche Adaption von Tchaikovskys Ballett lieber als die alltäglich-mädchenhafteren Kommt erst mein Prinz zu mir (Platz 171) oder Ich hab' ihn im Traum gesehen (Platz 181). Einmal im Traum geht tiefer, ist komplexer und schöner als die im direkten Vergleich eher flachen Schwärmereien der vorherigen Disney-Märchenheldinnen.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Trotz deines nicht ganz nachvollziehbaren Wahns für HSM und das KdL Musical, muss ich dir bei " Einmal im Traum" vollkommen zustimmen.
Dornröschen ist wirklich DAS Kronjuwel unter den Prinzessinenfilmen und das Lied wirklich eines der Besten!

Sunshine hat gesagt…

Fanservice! YAY! ;)

Hach ja, Pegs Lied in "Susi & Strolch" ist auch wunderbar! "Strolch ist toll, jeder liebt ihn. Er bricht Herzen..." *g* Ich müsset mal Video und DVD vergleichen, da ich mal wieder keine Ahn ung hab, welche Version ich kenne. Das Video ist allerdings uralt (mein 2. Disney-Video nach "Dornröschen"), möglich also, dass mir auch die 1. Version bekannt ist.

Das einzige, was mir zu "I can't take my eyes off of you" einfällt, ist das Lied "You're just too good to be true", bevorzug in der "Gnadenlos schön"-Version. *g*

"Einmal im Traum" ist ein wunderbares Lied zum, jaaa, träumen. :) Im Grunde für mich die Quintessenz der sehnsuchtsvollen Disney-Prinzessinnen-Lieder. Einfach schön.

Andi hat gesagt…

Cool, dass dir die Lieder aus dem König-der-Löwen-Musical auch so gut gefallen. Mit hauchdünnem Vorsprung würde jetzt bei mir als letztes noch "Shadowland" folgen. Dieses sehr schlichte, melancholische Thema erweckt den Eindruck, als enthälte es die Verstörtheit, Trauer aber auch Hoffnung und Sehnsucht der genzen Menschheit enthalten.
Überhaupt bin ich fasziniert von dem ganzen Pathos, den Lebo M mit seinen afrikanischen Klängen in die Musik bringt. Und von dem Spaß, den er dabei hat. Ein großer Mann!

Zurück auf der Erde... Das "Aristocats"-Lied finde ich (ein wenig zu meinem eigenen Erstaunen) in beiden Versionen (ein wenig zu meinen eigenen Erstauenen) auch sehr gut. Schon immer. Und dabei kann man mich mit Akkordeon-Klängen eigentlich jagen ;-)

Sir Donnerbold hat gesagt…

@ Sunshine: Du wirst wahrscheinlich nur die 2. Version kennen, die war auch auf Video.

@ Andi: Schattenland? "Mit hauchdünnem Vorsprung"? Vergiß es... ;-p

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