Sonntag, 11. April 2010

Schlag den Teufelskerl

Wer gestern Abend erst gegen Schluss Schlag den Raab einschaltete, der könnte ein Déjà Vu erlebt haben: Ein Kandidat namens Hans Martin sitzt am Pult, spricht mit sich selbst und gewinnt am Ende des Abends den Jackpot. Doch keine Sorge, dieser Hans Martin war nicht der gelackte Sozialversager Hans-Martin, auf den Matthias Opdenhövel, Stefan Raab und Kommentator Frank Buschman im Laufe des Abends mit Sprüchen wie "Tun sich da Parallelen auf? Nein, dieser Kandidat ist sympathisch!" mehrfach anspielten.

Dennoch dürften auch nach dieser Sendung mehr Zuschauer die Niederlage Raabs bedauert haben, denn in der 22. Ausgabe von Schlag den Raab bewies der einstige Metzger, was für ein kämpferischer Teufelskerl er ist. Nach sechs bereits sehr spannenden Spielen mussten Stefan Raab und sein Herausforderer, ein sportlicher Unfallchirurg, Mountainbike fahren. Der Modus des Spiels: Beide fahren gleichzeitig auf zwei identischen Hindernisparcours. Wer zuerst drei Mal schneller ins Ziel kam, gewinnt die sieben Punkte.

Im zweiten Rennen stürzten sowohl Raab, als auch Hans Martin. Während Hans Martin nach seinem Sturz recht schnell wieder aufsprang, blieb Stefan Raab im Dreck liegen, nachdem er mit hoher Geschwindigkeit vornüber vom Mountainbike fiel und den Sturz mit seinem Gesicht auffing. Das Fahrrad fiel ihm sogleich hinterher und traf seinen Kopf.
Kaum wurde einem bewusst, dass Raab so schnell nicht wieder aufstehen wird, rannten die ersten Schlag den Raab-Mitarbeiter zu ihm, und auch Hans Martin brach seinen Lauf ab und ging besorgt zu seinem Spielgegner, als er dies sah. Leise hörte man, wie Raab und Hans Martin sich unterhielten und Stefan Raab fragte, ob er denn gestürzt sei. Spätestens in diesem Moment wusste man, dass Raab ernsthafte Verletzungen davontrug. Einige Minuten vergingen, in denen sich das anwesende ärztliche Personal um Raab kümmerte und seinen Zustand abcheckte. Moderator Opdenhövel erklärte den Zuschauern und einem verwirrten Raab, dass das Reglement in einem solchen Ernstfall vorsieht, dass dieser Lauf annulliert wird und der Verletzte entscheiden darf, ob er das Spiel aufgibt oder zu Ende spielen möchte. Raab, der vor wenigen Minuten noch hochgehoben wurde und wackelnd versuchte auf eigenen Beinen zu stehen, entschloss sich das Spiel weiterzuspielen. Beim nächsten Lauf stürzte er erneut, doch er wollte unbedingt weitermachen, obwohl er selbst keine Erinnerung mehr an seine beiden Stürze hatte.

In dieser erschreckenden Situation zeigte sich erneut die große Klasse von Matthias Opdenhövel als Live-Moderator: Als Raab desorientiert und mir klarem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses an der Startlinie herumstand und fragte, was geschehen sei, antwortete Opdenhövel, der zuvor noch besorgt neben Stefan Raab im Dreck stand und sich mehrfach versicherte, ob er denn wirklich unbedingt weitermachen möchte, mit freundschaftlich verschmitztem Lächeln: "Keine Details. Die Sendung heißt Schlag den Raab, du bist der Hauptdarsteller. Soviel kann ich dir verraten." Und als Raab weitere Schwächen zeigte, fragte Opdenhövel in betont fürsorglichem Tonfall, ob Raan wenigstens ihn noch kennt. Auf Raabs erschöpft gehauchtes "Ja" erwiderte Opdenhövel mit euphorischer Stimme "Dann können wir ja weitermachen!", so als wäre nichts geschehen. Wegen solcher Aktionen gehört Opdenhövel für mich zu den Besten im Geschäft.

Doch nicht nur Opdenhövel ging souverän durch den Abend, auch Raab selbst bewies wieder einmal, was für ein Showmensch er ist. Nach Mountainbike und einem Gabelstapler-Wettstapeln (welches Raab ohne jegliche Probleme gewann) wieder im Studio angekommen, blickte er verwirrt ins Publikum und fragte mit ironischem Glitzern in seinen Augen "Wo ist die Band?"

Nach seinem Unfall, der sein Gesicht an das Auftreten in Schlag den Raab-Werbeanzeigen anglich, kämpfte Raab weiter, als sei nichts geschehen. Mountainbike verlor er zwar, und aufgrund schwacher Leistungen in einem Gedächtnisspiel und "Wann ist das?" auch den Abend, dennoch biss er sich durch und entschied auch einige Spiele für sich. Einzig beim Hochsprung war Raabs angeschlagener Zustand offensichtlich: Der Arzt diagnostizierte bei Raab eine Gehirnerschütterung und riet ihm im Off dringlich dazu, das Spiel kampflos aufzugeben. Selbst wenn Raab lieber einen Versuch gestartet hätte.

An solchen Abenden trennt sich im Showbereich die Spreu vom Weizen: Opdenhövel ist ein begnadeter Livemoderator, der mit angemessenem Anstand und Humor die Klippen der ernsten Situation umschiffte, was ein Marco Schreyl nie im Leben hinbekommen hätte. Der wäre nach der Sendung kaputter gewesen als Raab. Und Raab, pffff, der Kerl ist ein wahnsinniges Kampfschwein. Leider hatte er am Schluss des Abends kein Glück mehr. Ein Sieg hätte diese denkwürdige Ausgabe von Schlag den Raab noch legendärer gemacht.

Siehe auch:

4 Kommentare:

Wodan hat gesagt…

Für mich ist Opdenhövel zur Zeit DER fähigste Abendshowmoderator.
Ich tippe darauf das uns das Gesicht noch 20 Jahre erhalten bleibt...

ps Ich hab grad mein eigenen blog gestartet :S
Weiß irgendwie nicht was ich jetzt machen soll, kannst du mir als Blogveteratn evtl weiterhelfen...Sir? :D

Anonym hat gesagt…

"Dennoch dürften auch nach dieser Sendung mehr Zuschauer die Niederlage Raabs bedauert haben" - lol?
Die Leute gucken ja nur Schlag den Raab um zu sehen, wie diesem Assi der Deutshclandsabendprogramm seid Jahren vergewaltigt endlich mal eine auf sein hässliches Maul bekommt...
Du scheinst da etwas falsch verstanden zu haben, Sir Donnerbold!

Andi hat gesagt…

@Wodan & Sid: Was an Opdenhövel so herausragend sein soll verstehe ich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich Moderatoren als solche einfach nicht mag, weil sie nur Phrasen dreschen und uninspiriert(e) Fragen stellen müssen oder daran, dass ich es gar nicht so souverän fand, dass er einfach so "darüberhinweg" moderierte - damit meine ich gerade die Beispiele, die du nennst. Lastet aber ohnehin nicht auf seinen eigenen Schultern, dass die Show ja weitergehen musste. Ich hätte eine längere Unterbrechung für sinnvoll gehalten - im Interesse des Patienten. Auch eine Live-Show muss da eher zweitrangig sein. Schließlich ist es nur Fernsehen. Hab mich schon geärgert, dass die Werbung so spät kam, da ich schon befürchtet hatte, die hieven den Raab direkt auf den Gabelstapler. Immerhin anständig, dass die Kamera nach dem Unfall schön weit weg blieb. In der heutigen Zeit, wo Lena im morgenmagazin einen Video-Clip unter die Nase gehalten bekommen hat, in dem man sieht, wie sie nach dem USFO-Finale-Gewinn die geifernden Kamerateams anschnauzt, sie doch endlich mal alleine zu ihrer Mutter gehen zu lassen, ist soviel Anstand nicht mehr selbstverständlich. RTL hätte bestimmt draufgehalten.

@Anonym: Ich bin mir sicher, dass der Sir nichts falsch verstanden hat; bin mir aber nicht so sicher ob du den Begriff "Assi" richtig verstanden hast. "Assig" ist es sich darüber zu freuen, wenn jemand anderes eine Gehirnerschütterung erleidet!

Mirco hat gesagt…

Mein vor Ort-Bericht: http://www.stoppagen.net/?p=2144

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