Mittwoch, 30. Juni 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil XLVIII)

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Platz 45: Der Fuehrer's Face aus Der Fuehrer's Face
Musik und Text von Oliver Wallace

Der Fuehrer's Face ist für mich als Donald-Fan natürlich ein ganz besonderer Film, immerhin brachte dieser Cartoon meinem geliebten Wüterich einen Oscar ein. Ach, und dann ist da noch diese Sache mit der Nazi-Thematik und der für Disney daraus resultierenden niedrigen Wiederverwertbarkeit dieses Cartoons, so dass man in Zeiten vor der Walt Disney Treasures-Reihe zwar einiges über die mordslustige Kriegspropaganda lesen konnte, den Film selbst aber weder zu Gesicht bekam, noch ernsthaft mit einer Veröffentlichung rechnen konnte.
Der Kurzfilm von Donald-Stammregisseur Jack Kinney zeigt Donald als widerwilligen Munitionsfabrikarbeiter im Dritten Reich, der unter den Lebens- und Arbeitsbedingungen im Nazireich zu leiden hat und andauernd in seiner Ruhe gestört wird, indem er zum Hitlergruß aufgefordert wird. Der Cartoon quillt vor visuellen Einfällen und schnellen, spritzigen Gags nur so über und ist zudem Geburtsstätte eines der cleversten und amüsant-hartknäckigsten Ohrwürmer der Disneygeschichte, nämlich dem seinerzeit immens erfolgreichen und titelgebenden Der Fuehrer's Face. Eine vorab veröffentlichte, von Spike Jones and His City Slickers eingespielte Aufnahme des Liedes eroberte Amerika im Sturm, die erste Auflage der Schallplatte soll innerhalb von zehn Tagen ausverkauft worden sein. Und nur aufgrund dieses Erfolges wurde der als Donald Duck in Nutzi Land geplante Cartoon umbenannt, außerdem wies man auf dem Filmplakat explizit daraufhin, dass dies der Film ist, aus dem der Sensationshit stammt. Der Fuehrer's Face imitiert das stereotype Bild deutscher Blas- und Marschmusik und fügt einen doppelbödigen Text hinzu, der den Führerglauben der Nazis und deren blinde Gefolgsamkeit mit Zeilen wie "When der fuehrer says / we is de master race / We heil heil / right in der fueher's face" und "Is this Nutsy land so good / Would you leave it if you could / Ja this Nutsy land is good / We would leave it if we could" auf's Korn nimmt. Die Melodie dieses Songs wurde übrigens im letzten Abschnitt von Jimmie Dodds Quack Quack Quack Donald Duck (Platz 232) wiederverwendet, selbstverständlich mit völlig neuem Text.

Platz 44: Der Geist der Weihnacht ("It Feels Like Christmas") aus Die Muppets Weihnachtsgeschichte
Musik und Text von Paul Williams (dt. Fassung von Eberhard Storeck)

Die Muppets Weihnachtsgeschichte ist für mich eine alljährliche Weihnachtstradition, und der zentrale Song Der Geist der Weihnacht, den der Geist der gegenwärtigen Weihnacht singt um den kaltherzigen Ebeneezer Scrooge langsam zu erwärmen ist genau die Nummer, während der für mich Jahr für Jahr aus der geliebten und amüsanten Tradition ein Stück Weihnachtsfest wird. Die deutsche Version gefällt mir übrigens ganz klar am besten. Zu einem Teil aufgrund der Nostalgie, zu zehn Teilen wegen Hartmut Neugebauer als warmherziger und fröhlich aufgelegter, fülliger Weihnachtsgeist. Mit ihm als Sänger verstärkt sich nochmal die frohgemute, von innen heraus glühende Stimmung der schönen, weihnachtlichen Melodie von Paul Williams um ein vielfaches. Der Geist der Weihnacht fühlt sich als Szene außerdem so richtig schön disneyhaft an, es ist eine wundervolle Nummer, in der ein großes Ensemble an Tänzern auftreten kann und Regie, Kameramann und Schnitt zu Hochform auflaufen können, um ein großes Musicalfeeling aufzuziehen. Und dieses Lied hat dabei eine ordentliche Prise Disneymagie. Einfach großartig.

Platz 43: Hier in Halloween ("This is Halloween") aus Nightmare before Christmas
Musik und Text von Danny Elfman (dt. Fassung von Frank Lenart)

Nightmare before Christmas beginnt direkt mit seinem wohl bekanntesten Lied, das den Stil und die Stimmung der nachfolgenden Minuten klar definierende Hier in Halloween, welches mittlerweile eine erfolgreiche und eigenständige Karriere als Halloween-Hymne absolviert hat und obendrein von Marylin Manson gecovert wurde. Manson und Tim Burton, diese stilistische Ehe geht ja durchaus auf, aber man muss es sich nochmal auf der Zungen zergehen lassen: Marylin Manson wurde dadurch Teil der weit verzweigten Disney-Familie! Ich denke, das spricht Bände für das Eigenleben, das der kultige Nightmare before Christmas entwickelte. Eine weitere Coverversion des Songs stammt von Panic! At the Disco, außerdem wurde es wie zahlreiche Bösewichtsongs und Grim Grinning Ghosts (Platz 50) in einer vorantreibenden, energischen Version für das Feuerwerkspektakel HalloWishes neu eingespielt. Letztere gefällt mir außerordentlich gut, und gehört für mich zu den gelungensten Neuinterpretierungen innerhalb des wie ich finde wirklich genialen HalloWishes-Soundtracks, der mir desöfteren einen revitalisierenden Kick verleihen darf. Panic! At the Disco dagegen fallen bei ihrem Versuch an einer eigenen Interpretation von Hier in Halloween etwas flach, da sie eigentlich bloß versuchen mit ihren Mitteln die Wirkung des Originals zu imitieren. Da Danny Elfman ein größeres Ensemble an Sängern und zudem ein ganzes Filmorchester zur Verfügung standen, dürfte offensichtlich sein, dass diese Coverversion eher überflüssig ist. Marilyn Manson wiederum macht sich This is Halloween völlig zu eigen, indem er die Melodie mittels eines für ihn typischen Arrangements adaptiert. Dazu gehört auch, dass Manson selbst sämtliche Stimmen des Originals durch seine eigene ersetzt, die er gemäß der übernommenen Rolle verstellt und verzerrt. Mansons Rearrangement ist sehr elektroniklastig, aber dennoch klar einem alternativen, harten Industrial-Rockgenre zu verordnen. Halt typisch für Manson, einem Musikkünstler der mir nicht wirklich sonderlich zugänglich ist, unter anderem eben auch wegen seiner verzerrten und überfrachteten Stilistik, aber auch, weil seinen eigenen Titeln eine mir genehme Melodieführung fehlt. Bezeichnenderweise sind This is Halloween und Tainted Love seine einzigen Lieder, die mir wirklich gefallen (mit Personal Jesus als in sehr geringen Dosen akzeptable Ergänzung). Zu diesem Lied passt Mansons Stil einfach, auch wenn natürlich einiges von der humorig-grotesken Orchestrierung Elfmans darin verloren geht. Denn neben der vergnügt finster hüpfenden Melodieführung des Songs und der herrlich bösen Texte gewinnt Hier in Halloween vor allem durch das im Film verwendete, ursprüngliche Arrangement viel seiner unwiderstehlichen Wirkung, weshalb mir diese Fassung auch klar am besten gefällt, selbst wenn die HalloWishes-Fassung und Mansons Cover wie angedeutet je nach Laune und Anlass ebenfalls willkommen sind. Danny Elfman bereitet mit seiner spaßig-grotesken und pointiert schwarzhumorig-makabren Komposition im Zusammenspiel mit den nicht anders gelagerten Texten vorzüglich auf den Film vor und verbreitet ganz nebenher die wie ich finde perfekte Halloween-Spaßgruselatmosphäre. Die englische Fassung hat unschlagbare Texte, wobei die deutsche Fassung (vom disktuablen "Ob in Wien oder in Berlin / nichts ist schöner als Halloween" abgesehen) insgesamt sehr nah drankommt und vor allem die besseren Stimmen hat, weshalb ich mich zwischen diesen beiden nicht entscheiden kann.

Platz 42: Der Titelsong von Quack Pack
Musik und Text von Jeff Martin (dt. Fassung von ?)

Sir Donnerbold in einer Walnussschale: Donald Duck und fetziger, mitreißender Rock, gesungen von einem gut aufgelegten Interpreten. Sämtliche Grundbedürfnisse zur vollsten Zufriedenheit abgedeckt!
Sowohl der Quack Pack-Titelsong, als auch die dazugehörige Serie werden meiner Ansicht nach nicht genügend respektiert und beachtet, wobei der Song einfach von der schlechten Rezeption der Serie mit in den Abgrund gerissen wurde, statt einen der raren Glücksfälle darzustellen, in denen der Titelsong die Serie bei weiten überlebt. Das könnte wohl an mangelnden Dauerohrwurmqualitäten und einer geringeren Mitsingbarkeit im angetrunkenen Zustand liegen, allesamt Attribute, die den Titelthemen von DuckTales (Platz 86), Käpt'n Balu (Platz 95), Chip & Chap (Platz 99) und ganz besonders Die Gummibärenbande (Platz 290) zu einer sehr hohen Haltwertszeit auf Jugendpartys verhalfen. Wer noch nie von einer Disney-Titellieder trällernden, angeheiterten Mitschülerin begrüßt und fast schon unangenehm lange umarmt wurde, der hat was versäumt. Neben dem angegorenen Apfelsaft, den das Gummibären-Titellied darstellt und dem leichten Biermixgetränk Chip & Chap ist Quack Pack eine starke Vodka/RedBull-Mischung: Energiegeladen, aufpuschend und knallig-rockig. Der Song nimmt die Fetzigkeit des Darkwing Duck-Titelliedes (Platz 54) und potentiert sie mit der Intensität eines donald'schen Wutausbruchs. Gewissermaßen verkörpert der Titelsong so auch die gesamte Geisteshaltung der Serie: Quack Pack ist der aufgedrehte, durchgeknallte und kernige verrückte kleine Bruder von DuckTales und Darkwing Duck, diese Serie hat eine tüchtige Dosis des Wahnwitz' von Timon & Pumbaa oder gar der von Disney in die Vergessenheit gedrängten, kurzlebigen Serie Shnookums & Meat intus, nur mit deutlich konsitenterer Erzähldramaturgie. Wer aufgrund des harten E-Gitarren-Einsatzes während des Titelsongs hier die erwachsenere, reifere Serie erwartet, übt sich in einem Trugschluss, denn das Intro zu Quack Pack schlägt einen strikt jugendlich-punkigen Weg ein. Darüber ist der etwas zurückhaltendere Titelsong zu Darwing Duck bereits wieder hinweg und so auch die Serie. Quack Pack ist knalliger, krawalliger und aberwitziger. Doch genau das mag ich an dieser Serie. Nicht, dass ich einen solchen Stil in DuckTales und Darkwing Duck vemrisst hätte, doch genau wie sich dieser Serien voneinander unterschieden, besetzt auch Quack Pack einen anderen Slot im breiten Spektrum der Disney-Serien. Bloß schienen viele eine etwas gestittetere Serie erwartet zu haben, was Quack Pack zusammen mit den Personaländerungen hinter den verschlossenen Türen von Disneys Fernsehtrickstudios zum Verhängnis wurde. Aber das Titellied rockt in meinem Herzen ewig weiter!

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