Freitag, 3. Dezember 2010

Megamind

Doppelte Dreamworks-Fratze, dopppelter Spaß?

Vor einigen Wochen eroberte mit Ich - Einfach unverbesserlich ein Superschurke die Kinoleinwände und die Herzen zahlreicher Zuschauer. Diese Woche startete mit Megamind die Dreamworks-Interpretation einer Animationskomödie mit einem Bösewicht in der Protagonistenrolle. Das vor Jahren angekündigte Grundkonzept ist hinreißend: Was passiert, wenn ein Superschurke aus Versehen und vollkommen unverhofft seinen Widersacher erledigt?

Aus der reizvollen Idee spinnt der Madagascar-Regisseur Tom McGrath einen gelungen Anfang, der das typische, glorifizierende Superhelden-Origin-Intro auf seinen blauen und großkäpfigen Schurken Megamind verwendet, während Superheld Metro Man als widerlicher Lackaffe dargestellt wird, der schon in der Schule unverdient populär war. Nach Megaminds jüngster Schandtat und seinem unverhofft unglamourösen Sieg gegen Metro Man baut Megamind jedoch rapide ab: McGrath möchte unbedingt auf den Zug der emotional ansprechenden Animationskomödien aufspringen. Wie aber schon bei Für immer Shrek will das für Dreamworks auch bei Megamind ein weiteres Mal nicht gelingen: Megamind bleibt eine flache Persönlichkeit und die melancholische Mitte sorgt nur für Ungeduld zwischen den vereinzelten Gags im typischen Dreamworks-Stil. Zum Schluss fängt sich Megamind wieder und kann dank eines actiongeladenen und witzigen Finales wieder fangen. Von der anfänglichen Zynik und der im Konzept steckenden genialität bleibt aber nichts übrig.

Megamind ist für mich eine der größeren Kinoenttäuschungen des Jahres, auch wenn sich durch die Trailer bereits abzeichnete, dass Dreamworks die großartige Idee verhauen und sich bestenfalls in seine Komfortzone verschanzen wird. Das Ergebnis ist für mich der schwächste Dreamworks-Film des Jahres: Mehrere Ligen von Drachenzähmen leicht gemacht getrennt und sogar hinter Für immer Shrek, der Märchen- und Disney-Klischees eher kopierte, statt sie zu parodieren (was nicht ganz Sinn des Shrek-Franchises ist und den Film recht scheinheilig wirken lässt) und durch seine höhere Gagdichte an Megamind vorbeizieht.

Die deutsche Synchro ist übrigens halbgar: Bastian Pastewka, Oliver Welke und Oliver Kalkofe machen zwar einen guten Job, allerdings werden bei den ersten beiden einige Gags durch die Fehlbesetzung abgeschwächt (Pastewka als Will Ferrell) oder komplett zerstört (Oliver Welke als Brad Pitts große Selbstparodie). Manche Filmanspielungen werden komplett aus Megamind gebügelt, dafür sind die Profisprecher in den Nebenrollen wirklich gut. Sagen wir so: Der Gelegenheitskinogänger dürfte mehr Spaß haben, als diejenigen, die sich über Synchros Gedanken machen.

Ansonsten seien noch zwei Dinge angemerkt: Die (ausführlichen) Trailer sind die einzige Spoilerparade und Megamind ist dem elendigen Dreamworks-Danceparty-Virus anheim gefallen. Ja, am Schluss wird zu fetziger Mucke peinlich getanzt, vollkommen egal, ob's zur (angepeilten) Stimmung des Films passt oder nicht...

5 Kommentare:

InvaderPhantom hat gesagt…

Als ich das hier gezeigte Poster sah, musste ich wirklich lachen. :D

Deswegen nämlich: http://www.theshiznit.co.uk/media/NewsNov2010/pixar-dreamworks-face.jpg

Cooper hat gesagt…

@InvaderPhantom:
*rofl* Dobble Brillianceness? Fail!

@Sir D.:
Ich war nach dem ersten Trailer vor langer Zeit recht angetan. Die Idee und Auachung schien wirklich mal etwas anderes und drohte auch nicht in eine "The Incredibles"-Alternativ-Superheldenchose zu mutieren.
Tja, den Helden von Pixar sowie "Despicable Me" reicht "Megamind" damit sicherlich nicht das Wasser. Leider wieder nur ein Film der Kategorie - was hätte sein können, leider aber nicht ist... Ansehen werde ich mir den Streifen, doch wird er sicherlich einen der hinteren Ränge der von mir geachteten CG-Filme einnehmen. Zu den Lieblingen wird er wohl niemals avancieren können - dafür hätte mehr aus den guten Ansätzen gemacht werden müssen.

"Bis zur Unendlichkeit..." und "Hinterm Mond gleich links", euer Space-Cowboy Cooper. So long, Fellows.^^

Sunshine hat gesagt…

Mir hat der Film ziemlich gut gefallen. Kommt nicht an "Drachenzähmen" ran, aber ich fand ihn doch sehr unterhaltsam.

Und verdammt, es ist Tobias Müller, der Hal/Tighten spircht! Wirklich, VERDAMMT! Kein Wunder, das mir die Stimme so bekannt vorkommt... musste aber tatsächlich an Axel Stein denken. Tut mir leid, Herr Müller, ich beuge mein Haupt in Scham!

Aber echt mal, den nicht zu erkennen, das von mir! *aufreg* *brabbel*

Sir Donnerbold hat gesagt…

Brabbel nicht so mein Kind, du weißt, dass ich das nicht mag! *zornig Blick*

Sunshine hat gesagt…

Ach pöh, du kannst mir nix! :P

Ich guck mir jetzt nochmal das dramatische Ende von "Rapunzel" an, das war so toll. *schluchz*

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