Sonntag, 27. Februar 2011

Oscars 2011: Meine finale Prognose

Es dauert nicht mehr lange, dann beginnt sie endlich: Die 83. Oscar-Verleihung. Viel hat sich seit Beginn der Saision getan, Favoriten gingen unter, andere stiegen auf. Die meisten werden ihr Hauptaugenmerk auf die Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie" legen, wo es wohl heißen wird: The King's Speech vs. The Social Network. Doch auch alle anderen Kategorien sind durchaus interessant - und abseits der Hauptkategorien könnte es auch einige Überraschungen geben.

Bevor die große Galanacht beginnt, möchte ich sie also durchexerzieren, die kleinen und großen Duelle der Oscar-Nacht. Wer wird gewinnen, wer sollte gewinnen? Eine Prognose, basierend auf Oscar-Vorwissen, Buzz (nein, nicht Lightyear) und Bauchgefühl.

(Fett markierte Nominierungen bedeuten, dass ich einen Gewinn vermute)

Bester Film:
  • “Black Swan” Mike Medavoy, Brian Oliver und Scott Franklin
  • “The Fighter” David Hoberman, Todd Lieberman und Mark Wahlberg
  • “Inception” Emma Thomas und Christopher Nolan
  • “The Kids Are All Right” Gary Gilbert, Jeffrey Levy-Hinte und Celine Rattray
  • “The King's Speech” Iain Canning, Emile Sherman und Gareth Unwin
  • “127 Hours” Christian Colson, Danny Boyle und John Smithson
  • “The Social Network” Scott Rudin, Dana Brunetti, Michael De Luca und Ceán Chaffin,
  • “Toy Story 3” Darla K. Anderson
  • “True Grit” Scott Rudin, Ethan Coen und Joel Coen
  • “Winter's Bone" Anne Rosellini und Alix Madigan-Yorkin
Kommentar: Mit dem Ensemblepreis der Schauspielgesellschaft und den Hauptpreisen der Regie- und Produzentenvereinigungen dürfte beim besten Film kaum ein Weg an The King's Speech vorbeiführen. Zudem ist The King's Speech ein Film, dem man schwer Antipathie entgegenbringen kann. Er wird also viele erste Rangplätze auf den Stimmzetteln ergattern, sowie einige zweite und dritte Plätze. Das macht ihn zu einem, wenn auch nicht sehr mutigen, recht deutlichen Anwärter auf den Oscar in dieser Kategorie.
Wer gewinnen sollte? Nun, da bin ich dieses Jahr sehr offen. Toy Story 3 wäre genial, The Social Network würde mich sehr freuen, so auch Inception. 127 Hours wäre geil - und The King's Speech fände ich ebenfalls keinen schlechten Gewinner.

Beste Regie:

  • “Black Swan” Darren Aronofsky
  • “The Fighter” David O. Russell
  • “The King's Speech” Tom Hooper
  • “The Social Network” David Fincher
  • “True Grit” Joel Coen und Ethan Coen
Kommentar:  Tom Hooper wäre als DGA-Gewinner der sichere Tipp, doch ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Fincher für eine kleine Überraschung sorgt. Er ist ein erfahrener, geachteter Regisseur, dem man nun zu einem geeigneten Zeitpunkt seine verdiente Ehrung zuteil kommen lassen kann. Unter den Nominierten ist er auch mein Wunschsieger, knapp vor Darren Aronofsky für Black Swan.

Bester Hauptdarsteller:

  • Javier Bardem in “Biutiful”
  • Jeff Bridges in “True Grit”
  • Jesse Eisenberg in “The Social Network”
  • Colin Firth in “The King's Speech”
  • James Franco in “127 Hours”
Kommentar: Colin Firth, Colin Firth, Colin Firth. Ich kann mir kaum vorstellen, wie er nicht gewinnen soll, nach all den Preisen, die er abräumte. Mein Wunschsieger wäre er ebenfalls. Oder James Franco.

Beste Hauptdarstellerin:

  • Annette Bening in “The Kids Are All Right”
  • Nicole Kidman in “Rabbit Hole”
  • Jennifer Lawrence in “Winter's Bone”
  • Natalie Portman in “Black Swan”
  • Michelle Williams in “Blue Valentine”
Kommentar: Natalie Portman wird und soll gewinnen.

Bester Nebendarsteller:

  • Christian Bale in “The Fighter”
  • John Hawkes in “Winter's Bone”
  • Jeremy Renner in “The Town”
  • Mark Ruffalo in “The Kids Are All Right”
  • Geoffrey Rush in “The King's Speech”
Kommentar: Andrew Garfield und Justin Timberlake hätten wenigstens nominiert werden müssen. Von den Nominierten wünsche ich es Geoffrey Rush am meisten, und ich denke, dass er auch in Wirklichkeit knapp die Nase vor Christian Bale hat. Sehr knapp.

Beste Nebendarstellerin:

  • Amy Adams in “The Fighter”
  • Helena Bonham Carter in “The King's Speech”
  • Melissa Leo in “The Fighter”
  • Hailee Steinfeld in “True Grit”
  • Jacki Weaver in “Animal Kingdom”
Kommentar: So enttäuscht ich von True Grit war, Steinfeld verdient diesen Oscar. Ich habe lange gezögert, ob ich auf sie oder Melissa Leo tippen soll. Leo gewann die wichtigeren Indikatorpreise, aber irgendwie befürchte ich bei den Oscars einen Split mit der bei der Academy sehr beliebten Amy Adams. Trotzdem denke ich, dass Leo gewinnen wird. Bonham Carter ist in The King's Speech zu unauffällig, als dass sie gewinnen wird.

Bestes adaptiertes Drehbuch:

  • “127 Hours” Drehbuch von Danny Boyle & Simon Beaufoy
  • “The Social Network”Drehbuch von Aaron Sorkin
  • “Toy Story 3” Drehbuch von Michael Arndt; Story von John Lasseter, Andrew Stanton und Lee Unkrich
  • “True Grit” Für die Leinwand verfasst durch Joel Coen & Ethan Coen
  • “Winter's Bone” Für die Leinwand adaptiert durch Debra Granik & Anne Rosellini
Kommentar: Wenn mit Toy Story 3 erstmals ein Trickfilm für sein Drehbuch den Oscar erhielte, wäre das ein Traum, aber ich werde mich ebenfalls enorm für The Social Network freuen, der höchst wahrscheinlich auch gewinnt.

Bestes Original-Drehbuch:
  • “Another Year” Geschrieben von Mike Leigh
  • “The Fighter” Drehbuch von Scott Silver und Paul Tamasy & Eric Johnson; Story von Keith Dorrington & Paul Tamasy & Eric Johnson
  • “Inception” Geschrieben von Christopher Nolan
  • “The Kids Are All Right” Geschrieben von Lisa Cholodenko & Stuart Blumberg
  • “The King's Speech” Drehbuch von David Seidler
Kommentar: Ich wünsche es vom ganzen Herzen Christopher Nolan für Inception, doch ich befürchte, dass The King's Speech die Nase vorne hat. Er ist dafür einfach zu beliebt...

Bestes Szenenbild:

  • “Alice im Wunderland” Produktionsdesign: Robert Stromberg; Set-Dekoration: Karen O'Hara
  • “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 1” Produktionsdesign: Stuart Craig; Set-Dekoration: Stephenie McMillan
  • “Inception” Produktionsdesign: Guy Hendrix Dyas; Set-Dekoration: Larry Dias und Doug Mowat
  • “The King's Speech” Produktionsdesign: Eve Stewart; Set-Dekoration: Judy Farr
  • “True Grit” Produktionsdesign: Jess Gonchor; Set-Dekoration: Nancy Haigh
Kommentar: Das gleiche Spiel nochmal. Ich will Inception sehen, denke aber, dass es The King's Speech machen wird.

Beste Kamera:

  • “Black Swan” Matthew Libatique
  • “Inception” Wally Pfister
  • “The King's Speech” Danny Cohen
  • “The Social Network” Jeff Cronenweth
  • “True Grit” Roger Deakins
Kommentar: Inception sollte, aber der ebenfalls sehr gut fotografierte True Grit wird gewinnen, denn irgendwann muss Roger Deakins ja gewinnen!

Beste Kostüme:

  • “Alice im Wunderland” Colleen Atwood
  • “I Am Love” Antonella Cannarozzi
  • “The King's Speech” Jenny Beavan
  • “Der Sturm” Sandy Powell
  • “True Grit” Mary Zophres
Kommentar: Statistisch gesehen müsste Atwood gewinnen, und in Alice gab es auch eindrucksvolle Kostüme zu sehen, was ebenfalls für den Sieg spricht. Ich gönne ihn ihr auch!

Bester Schnitt:
  • “Black Swan” Andrew Weisblum
  • “The Fighter” Pamela Martin
  • “The King's Speech” Tariq Anwar
  • “127 Hours” Jon Harris
  • “The Social Network” Angus Wall und Kirk Baxter
Kommentar: Ich vermisse die Nominierung für Scott Pilgrim und Inception, bin aber unter den Nominierten für den Gewinnerfavoriten. Mit einem Eddie (dem Cutter-Gewerkschaftspreis) im Nacken, scheint es eine beschlossene Sache.

Bestes Makeup:

  • “Barney's Version” Adrien Morot
  • “The Way Back” Edouard F. Henriques, Gregory Funk und Yolanda Toussieng
  • “The Wolfman” Rick Baker und Dave Elsey
Kommentar: Oft wird einfach nur das aufwändigste Make-Up geehrt, und das spricht für Wolfman. Dieser profitiert zudem von Rick Baker, dem meist prämierten Maskenbildner der Oscar-Geschichte. Wer gewinnen soll? Pfff... Baker, einfach, damit meine Prognose stimmt.


Beste Filmmusik:

  • “Drachenzähmen leicht gemacht” John Powell
  • “Inception” Hans Zimmer
  • “The King's Speech” Alexandre Desplat
  • “127 Hours” A.R. Rahman
  • “The Social Network” Trent Reznor und Atticus Ross
Kommentar: Es tut mir in der Seele weh, den meiner nach schlechtesten Score aus diesem Feld als Gewinner vorherzusagen, aber ich kann nicht anders. The King's Speech ist beliebt, Desplat aus mir schwer erklärlichen Gründen ein ungeheuerlich verehrter Komponist und deshalb wird sein Durchschnittsgeklimper gewinnen. Wer es mehr verdient hat? Alle anderen! Wer es am meisten verdient hat? Hans Zimmer für Inception, doch für Drachenzähmen leicht gemacht würde ich ebenfalls jubeln.

Bester Song:

  • “Coming Home” aus “Country Strong” Musik und Text von Tom Douglas, Troy Verges und Hillary Lindsey
  • “I See the Light” aus “Rapunzel” Musik von Alan Menken, Text von Glenn Slater
  • “If I Rise” aus “127 Hours” Musik von A.R. Rahman, Text von Dido und Rollo Armstrong
  • “We Belong Together” aus “Toy Story 3" Musik und Text von Randy Newman
Kommentar: Alle sagen We Belong Together vorher, aber Newman hat seinen Entschuldigungs-Oscar schon erhalten, und zwar für einen waschechten Ohrwurm (Ohne dich wär' ich des Lebens nicht froh aus Monster AG). Damit kann man We Belong Together gar nicht vergleichen. Nein, es wird Zeit, dass Alan Menken wieder gewinnt. Unsichere Wähler könnten für ihn gewonnen werden, weil Rapunzel sonst keine Oscar-Chancen hat. Ich hoffe, dass es so kommt. Inständig.

Bester Tonschnitt:

  • “Inception” Richard King
  • “Toy Story 3” Tom Myers und Michael Silvers
  • “Tron: Legacy” Gwendolyn Yates Whittle und Addison Teague
  • “True Grit” Skip Lievsay und Craig Berkey
  • “Unstoppable” Mark P. Stoeckinger
Kommentar: Verdient haben ihn irgendwie alle (es war ein gutklingendes Kinojahr *g*), für Tron: Legacy und Toy Story 3 würde ich aus Studio-Sympathie jubeln, für Inception, weil er wohl jeden Oscar braucht, den er kommende Nacht kriegen kann. Für seinen traumartigen, dennoch klaren Klang und das Jonglieren von Dialogen, Musik und Action tippe ich auf den letztgenannten.

Bester Ton:

  • “Inception” Lora Hirschberg, Gary A. Rizzo und Ed Novick
  • “The King's Speech” Paul Hamblin, Martin Jensen und John Midgley
  • “Salt” Jeffrey J. Haboush, Greg P. Russell, Scott Millan und William Sarokin
  • “The Social Network” Ren Klyce, David Parker, Michael Semanick und Mark Weingarten
  • “True Grit” Skip Lievsay, Craig Berkey, Greg Orloff und Peter F. Kurland
Kommentar: Siehe oben. Größtenteils. Alle Nominierungen sind okay, am meisten freuen würde ich mich aber für Inception und The Social Network.

Beste Spezialeffekte:

  • “Alice im Wunderland” Ken Ralston, David Schaub, Carey Villegas und Sean Phillips
  • “Harry Potter und die Heiligtümer des Toded - Teil 1” Tim Burke, John Richardson, Christian Manz und Nicolas Aithadi
  • “Hereafter” Michael Owens, Bryan Grill, Stephan Trojanski und Joe Farrell
  • “Inception” Paul Franklin, Chris Corbould, Andrew Lockley und Peter Bebb
  • “Iron Man 2” Janek Sirrs, Ben Snow, Ged Wright und Daniel Sudick
Kommentar: Inception soll gewinnen, wird gewinnen.

Bester Animationsfilm:

  • “Drachenzähmen leicht gemacht” Chris Sanders und Dean DeBlois
  • “The Illusionist” Sylvain Chomet
  • “Toy Story 3” Lee Unkrich
 Kommentar: Er ist als bester Film nominiert, herrje! Und es ist auch men Wunschsieger, so als mein zweiliebster Film 2010. Wäre Rapunzel jedoch nominiert...


Beste Dokumentation:

  • “Banksy - Exit through the Gift Shop” Banksy und Jaimie D'Cruz 
  • “Gasland” Josh Fox und Trish Adlesic
  • “Inside Job” Charles Ferguson und Audrey Marrs
  • “Restrepo” Tim Hetherington und Sebastian Junger
  • “Waste Land” Lucy Walker und Angus Aynsley
Kommentar: Gift Shop als heiß diskutierte Doku mit Unterhaltungsfaktor dürfte ein neues Bowling for Columbine werden. Ich hoffe es.

Bester animierter Kurzfilm:

  • “Day & Night” Teddy Newton
  • “The Gruffalo” Jakob Schuh und Max Lang
  • “Let's Pollute” Geefwee Boedoe
  • “The Lost Thing” Shaun Tan und Andrew Ruhemann
  • “Madagascar, carnet de voyage (Madagascar, a Journey Diary)” Bastien Dubois
Kommentar: Pixar gewann zuletzt vor rund zehn Jahren. Mit der großteils stillen Mischung aus Zeichentrick und Computeranimation sollte es endlich wieder klappen.

Und ab jetzt... Raterunde!

Bester fremdsprachiger Film:

  • “Biutiful” Mexiko
  • “Dogtooth” Griechenland
  • “In einer besseren Welt” Dänemark
  • “Incendies” Kanada
  • “Outside the Law (Hors-la-loi)” Algerien
Bester Kurzfilm:

  • “The Confession” Tanel Toom
  • “The Crush” Michael Creagh
  • “God of Love” Luke Matheny
  • “Na Wewe” Ivan Goldschmidt
  • “Wish 143” Ian Barnes und Samantha Waite  
Beste Kurzdokumentation:
  • “Killing in the Name”
  • “Poster Girl”
  • “Strangers No More
  • “Sun Come Up”
  • “The Warriors of Qiugang”
Ab ca. 1 Uhr diese Nacht werde ich Livebloggen!  Ich bin gespannt, wie gut mein Riecher dieses Jahr ist...

3 Kommentare:

The Hirsch hat gesagt…

Im Großen und Ganzen sind wir uns einig, allerdings sehe ich beispielsweise Christian Bale sehr knapp vor Geoffrey Rush (auch aufgrund dessen Golden Globe Gewinn zuletzt).

In der Kategorie 'Bester Filmsong' habe ich auf "If I Rise" von '127 Hours' getippt; auch weil dies wohl die größte Chance für den Film ist überhaupt einen Oscar zu gewinnen.
Rapunzel dagegen wäre für mich schon eine kleine Überraschung...

Kevin Kyburz hat gesagt…

Ich freue mich auf ... Banksy! Der Film war wirklich außergewöhnlich. Banksy ist absolut zu Recht nominiert, nicht weil es einen Kult um ihn gibt. Er hat angekündigt zu kommen, allerdings getarnt. Das wird ein Spaß. Sein Kommentar war, dass es bisher nur einmal einen nackten Mann in Gold gefasst in seinem Haus gegeben hätte – und das wäre er gewesen.

Flo Lieb hat gesagt…

Ich verstehe ja immer noch nicht, wieso ETTGS überhaupt nominiert ist, da der Film keine Dokumentation ist (aber nichtsdestotrotz genial). Beste Dokumentation unter den Nominierten ist sowieso INSIDE JOB, aber ich denk die extremst patriotische Jury wird wie im vergangenen Jahr Militärpropaganda und damit RESTREPO auszeichen.

Und zwischen Desplat und Einheitsklimperer Zimmer würde ich immer Desplat den Vorzug geben. Denke aber ohnehin, dass hier Facebook die Nase vorn hat (auch wenn ich nicht verstehe, wieso). Und wenn Nolan tatsächlich für seinen unsinnigen Quatsch nen Drehbuchoscar gewinnt, ist die Kategorie nach dem Witz mit Diablo Cody vor ein paar Jahren endgültig für mich gestorben. Zudem glaube ich nicht, dass Bester Film und Beste Regie getrennt werden, weshalb entweder Facebook auch gewinnt oder Fincher, der ebenso überbewertet wird wie Nolan, nicht.

Und weil's so schön war, sag ich noch, dass WINTER'S BONE der beste Film ist und Jennifer Lawrence die Auszeichnung eher verdient hat als Portman.

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