Montag, 17. November 2014

Phineas und Ferb: Star Wars


"Keine Sorge, gehört nicht zum Kanon. Also macht euch locker!"

Phineas und Ferb ist eine durch und durch seltsame, seltsame und faszinierende Serie! Ich kann nur mutmaßen, wie sie auf ihre jüngsten Zuschauer wirkt. Wahrscheinlich werden die grellen Farben, der optimistische Grundton, die seltsam-stilisierten Formen und das regelmäßige Singen eine erheiternde Wirkung haben. Hinzu kommt das hohe Tempo und alles paletti. Keine Ahnung. Viel interessanter ist, was die Serienerfinder Dan Povenmire und Jeff Marsh alles hineinpacken, um auch ältere Kinder und kindgebliebene Erwachsene anzusprechen. Eine Serie voller Running Gags zu erschaffen, ist eine Sache. Running Gags zu persiflieren eine andere. Bei Phineas und  Ferb aber ist man längst dabei angelangt, auf der Metaebene zu kommentieren, dass Running Gags in diesem Format öfters parodiert werden. Darüber hinaus umfasst die Serie Tonnen an mal subtilen, mal tolldreist offensichtlichen Popkulturreferenzen, eine ansteckende Freude am formelhaften Erzählen (mit postmodernem Beigeschmack), eine kleine Prise Absurdität und sehr viel Kreativität. Kurzum: Es ist eine Serie, die mit der Zeit immer besser wird. Daher hat sie auch eine konstant wachsende Fanbase abseits des Kinderpublikums und scheint auch frei vom einstigen Disney-Fluch "Wenn wir genügend Episoden haben, um die Serie in attraktive Lizenzpakete zu packen, stellen wir sie ein" zu sein. Stattdessen formt sie sich sogar langsam zu so etwas wie einer "Willkommen im Disney-Konzern"-Tradition: Nach dem sehr, sehr lustigen Crossover zwischen Phineas und Ferb und Marvel folgt dieses Jahr nämlich das Aufeinandertreffen zwischen den Cartoonhelden aus Danville und dem Star Wars-Mythos.

Im Gegensatz zum Marvel-Special, das wohl mehr oder minder im Phineas und  Ferb-Universum spielt und auch ähnlich wie eine normale Episode der kultigen, coolen Trickserie abläuft (bloß halt mit dem Extraspaß an Marvel-Anspielungen sowie einigen Helden und Schurken der Comic-Marke als handelnden Figuren), versteht sich Phineas und Ferb: Star Wars als direkte Parodie des Originalfilms aus dem Jahre 1977. Wie aber noch während der obligatorischen Texteinblendung zu Beginn erklärt wird, ist das Special keineswegs Teil des Kanons (egal welchen Franchises). Und daher darf es gern als schlichter Spaß von Fans für Fans betrachtet werden. Ähnlich wie Starballs, nur mit dem offiziellen Star Wars-Namen im Titel und auch einigen der Figuren der Sternensaga in kleinen Rollen. Wer die LEGO-Kurzfilmreihe Die Yoda-Chroniken kennt, weiß, was also ungefähr ihn erwartet. Bloß, dass ich das Phineas und Ferb-Special viel gewitzter finde.

Die Grundidee hinter Phineas und Ferb: Star Wars erinnert somit nicht von ungefähr an Rosenkrantz und Güldenstern sind tot, dem mittlerweile selbst zum Klassiker gewordenen Theaterstück, das die Ereignisse aus Hamlet nacherzählt, indem es von zwei Randfiguren und ihrer Sicht der Dinge erzählt: Glaubt man diesem Special, so sind während Episode IV allerhand weitere interessante Geschehnisse vonstatten gegangen, die hier nun beleuchtet werden. So wohnen auf Tattooine nicht unweit von Luke Skywalker die Stiefbrüder Phineas und Ferb, die im Gegensatz zu ihrem Nachbarn das Leben auf dem Wüstenplaneten lieben und daher nie etwas an ihrem Leben verändern wollen. Als aber das zu den Rebellen gehörende Schnabeltier Perry auf Tattooine bruchlandet und verzweifelt versucht, R2-D2 die Disc mit dem Bauplänen des Todessterns zu übergeben, löst es eine Ereigniskette aus, die Phineas und Ferb dazu bringt, sich den Rebellen anzuschließen – und unentwegt hinter der "echten" Rebellentruppe um Han Solo hinterher zu rennen. Hinzu kommt je ein Subplot über den verpeilten Schurken Darthenschmirtz (den wahren Erfinder des Todessterns, der vergeblich versucht, von den Sith ernst genommen zu werden), drei niedere Sturmtruppler, die Darth Vader neue Socken besorgen sollen, und Han Solos ewige Konkurrentin Isabella, die das Kesselrennen beinahe in elf Parsecs geschafft hätte, wäre sie von Solo nicht geschnitten worden. (Je mehr ich drüber nachdenke, hat das Special also auch etwas von Das Leben des Brian ...)

Allein schon zu sehen, wie sich in Phineas und Ferb: Star Wars die Plots dieses Specials und die im Hintergrund ablaufende Story des Originalfilms immer wieder überschneiden, ist überraschend unterhaltsam und macht somit bereits einen gewissen Reiz dieser George Lucas' Weltalloper zelebrierenden Parodie aus. Die Seitenhiebe auf die Vorlage sind genauso gerissen wie augenzwinkernd. So streuen die Autoren eine ironische Erklärung für die offensichtliche Sicherheitslücke des Todessterns ein, zeigen in kleinen, pointierten Einsprengseln den Arbeitsalltag auf besagter Zerstörungsmaschine und suhlen sich – ohne zu gehässig gegenüber Star Wars zu werden – in der Vorstellung, dass weite Teile des imperialen Militärapparats unfähig sind, weil sie sich auf irrelevante Dinge versteifen.

Die spritzigen Dialoge sind derweil mit diversen Star Wars-Vokabeln bereichert, was auch zu einigen witzigen Interjektionen und Schimpfwörtern führt, darüber hinaus aber auch paradoxerweise unterstreicht dass dieses Special auch eigenständig funktionieren will: Es ist keine schale Parodie, die einzig aufgrund dessen funktioniert, dass sie Schwächen der Vorlage auf den Arm nimmt. Stattdessen kreiert Phineas und Ferb: Star Wars eine eigene, kleine Zeichentrickwelt, eine lockerere Form des LucasFilm-Universums, in der eine etwas, sagen wir mal, freimütiger-albernere Sprache gesprochen wird.

Die bei Phineas und Ferb unerlässlichen Lieder sind im Star Wars-Special leider etwas bemühter als etwa im Marvel-Crossover, wo sie gar zu den humorvollsten Momenten gehören. Dennoch lässt sich dank der eingängigen Melodien und soliden Texte auch hier während der Songs ein Schmunzeln schwer verkneifen. Der musikalische Ausrutscher nach oben findet sich hier (Überraschung, Überraschung!) in der Cantina-Sequenz, in der eine Kreuzung aus der heimlichen Phineas und Ferb-Fanfavoritin Vanessa und der öfters sexualisierten Star Wars-Randfigur Aayla Secura eine swingende Bluesnummer von sich gibt. Inklusive Erwachsenenbonus für jene, die auf das Reimschema achten. Da gibt es dann solche Liedtexte wie: „Du hast das Kabek durchgebissen … Und jetzt geht es mir / nicht so gut!“

Hinzu kommt eine aufwändigere Produktionsqualität als sonst von der Serie gewohnt, und schon mischt Phineas und Ferb: Star Wars ganz weit oben mit in der Riege der Star Wars-Persiflagen. Vielleicht ist es sogar die beste – Rohrkrepierer und Durststrecken sind hier nahezu nonexistent, gewitzte Volltreffer dafür zuhauf.

Phineas und Ferb: Star Wars ist ab dem 20. November 2014 auf DVD erhältlich.

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