Freitag, 4. September 2015

Freitag der Karibik #16


Das obige Szenenbild aus Pirates of the Caribbean - Die Truhe des Todes steht für mich exemplarisch dafür, wie Regisseur Gore Verbinski tickt. Denn die Idee, in einem Film zu zeigen, wie jemand auf einem Pferd sitzt, das in einem Boot steht, welches sich einem Ufer nähert, haben die Drehbuchautoren Ted Elliott und Terry Rossio viele Jahre mit sich getragen. Aber wann immer sie dieses Bild einem Regisseur oder Produzenten vorgestellt haben, wurde diese aufgrund ihrer hohen Impraktibilität abgelehnt. So etwa von Martin Campbell, dem Regisseur des Mantel-und-Degen-Films Die Maske des Zorro. 

Letztendlich waren Rossio und Elliott kurz davor, ihren Wunsch aufzugeben. Während der Planungsphase von Pirates of the Caribbean - Die Truhe des Todes haben sie aber doch noch Gore Verbinski von ihm erzählt. Und dieser willigte ohne mit der Wimper zu zucken ein, den Autoren ihren lang gehegten Traum zu erfüllen. Besser kann man Verbinskis Hang zu gesitteter Absurdität kaum belegen, und genauso schwer ist es, ein Beispiel dafür finden, wie wenig sich Verbinski von kniffligen logistischen Herausforderungen abschrecken lässt.

Und obendrein zeigt es, dass bei Verbinski beeindruckende, ungewöhnliche Bildsprache und Storytelling Hand in Hand gehen, selbst wenn manche seiner Kritiker anderes behaupten. Zwar mag dieses Bild von Beckett auf einem Pferd in einem Boot auf dem ersten Blick reine "Coolness over Substance" darzustellen, aber dem ist nicht so: Bereits unser allererster Eindruck von Beckett vermittelt, dass er - wie Käpt'n Jack Sparrow - einen Hang zu Theatralik hat, und obendrein führt dieses Bild vor, dass Beckett über einen gewaltigen Willen verfügt. Mit einem Pferd lässt sich solch ein Auftritt üblicherweise nicht hinlegen, Beckett will, wird auch gemacht. Und somit ist er ein Widersacher, vor dem man sich in Acht nehmen sollte. Und dem man es abkauft, wenn er sogar Davy Jones in Schach hält ...

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