Donnerstag, 27. November 2008

Australia ist weder Fisch noch Fleich, macht wieder Platz an der Oscar-Tafel

"Deine Haare fühlen sich viel weicher an, als die von meinem treuen Ross!"
- "Oh, Wolverine, das ist das romantischste was jemals jemand zu mir gesagt hat. Das ist noch romantischer als Toms Frage, ob ich Scientologin werden möchte..."


Baz Luhrmann ist Australiens großer Regieexport. Und wie ein gutes Buschmesser teilt er die Menge. Die einen lieben ihn für seine rasant gezündeten, überbrodelnden visuellen Feuerwerke, die anderen hassen ihn für den knallbunten Kitsch, den er fabriziert.

Amerikas Kritiker und die Acadamy of Motion Picture Arts & Sciences standen bei Moulin Rouge auf Luhrmanns Seite, für den ganz großen Oscarregen genügte es allerdings nicht. Dementsprechend gebannt waren Brancheninsider, Filmjournalisten und Oscar-Blogger auf Australia, in dem sich Luhrmann staubiger Western-Ästhetik, dem zweiten Weltkrieg und einer epischen Romanze zwischen Nicole Kidman und Hugh Jackman widmete. Kerniges und zugleich (typisch Luhrmann) fantasievoll-romantisiertes und farbexzessives versprachen die Trailer. Sollte diese mutige Mischung gelingen, so wäre Australia garantiertes Oscarmaterial. Wenn nicht, so erwarte uns eine Katastrophe, dachte ich mir.

Weder das eine, noch das andere traf ein. Stattdessen teilt Luhrmann mit Australia die Filmkritiker so, wie er zuvor das allgemeine Publikum teilte. Von 120 bei Rottentomatoes gezählten Kritiken sind 61 positiv gestimmt. Die Wertung von 51% macht Australia nicht unbedingt zu einem schlechten Film, zumal die generelle Luhrmann-Begeisterung in Kritikerkreisen erloschen ist (was die Durchschnittsnote gerne mal drückt), eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Film kann sich der Australier dennoch abschminken.

Australia sei zu lang, zu albern, melodramatisch an Stellen, die romantisch sein sollen; sagen seine Gegner. Klassische Romantik aus vergessenen Zeiten in wunderschönen Bilder, sagen die Anhänger. Und in einer Filmbesprechung bezeichnet ein Kritiker Baz Luhrmann als Australiens Michael Bay. Ist das nun positiv oder nicht? Nun, Rottentomatoes zählt diese Kritik als positiv...

Ich werde mich bei Gelegenheit (ob Kino oder DVD entscheidet meine Geldbörse) selbst von Australias Stärken / Schwächen / Michael Bay-Plagiaten überzeugen. Doch auch ohne ihn im Kino gesehen zu haben, wage ich mich, ihn aus meiner Oscar-Prognose rauszuwerfen und an dessen Stelle Slumdog Millionaire zu setzen.

Und falls ihr gerade ein schadenfrohes Händereiben hört, keine Sorge, ihr seid nicht verrückt. Ihr habt bloß extrem gute Ohren, denn das was ihr da hört kommt direkt aus Burbank und Emeryville, wo sich Disney und Pixar freudig die Hände reiben. Je mehr (inhaltlich) oscartaugliche Spielfilme an den Kinokritikern scheitern, umso höher die Chancen, dass sich tatsächlich die Liebesgeschichte zweier Roboter durchsetzt...

Mehr dazu:

0 Kommentare:

Kommentar posten