Montag, 24. November 2008

Ich könnte Ihnen da eine gut abgedunkelte Fledermaus empfehlen...

WALL•E und dessen Oscar-Kampagne habe ich euch bereits mehrfach nahe gebracht, und es ist an der Zeit, euch jetzt mit den Anzeigen für The Dark Knight vertraut zu machen. Im Gegensatz zu Disneys Versuch, High School Musical 3 ins Golden Globe- und Oscar-Rennen zu bringen, schließen Warners Werbeaufrufe für Nolans Batmanfilm nahtlos an die düsteren und stilleren "For Your Consideration"-Anzeigen der letzten Oscar-Saison an.

Vornehmlich informativ war die erste Werbeanzeige, die Jurymitglieder auf spezielle IMAX-Vorführungen aufmerksam machte. Die dahinterstehende Absicht ist offensichtlich: The Dark Knight beinhaltet einige extra für dieses Mega-Breitbildformat gedrehte Szenen, die nur im IMAX ihre volle Wirkung entfalten können. Je mehr Stimmberechtigte den Thriller in diesem Format sehen, desto größer sind die Chancen auf Nominierungen für die Kamera oder auch die Regie. Ganz zu schweigen, dass der gesamte Film gleich viel epochaler und eindringlicher wirkt, wenn man ihn im Kino sieht, und nicht auf einer extra für Jurymitglieder erstellten DVD mit lästigen Wasserzeichen...

Taktisch außerordentlich klug ausgewählt ist das Kritikerzitat auf dieser auf Internetseiten geschalteten Werbeanzeige, das (ohne das Wort "Comic" zu erwähnen) betont, wie sehr sich The Dark Knight von seiner Vorlage entfernte und weiterentwickelte. Die Charaktere reißen das Publikum mit, sind also dreidimensional. Somit möchte Warner die Vorurteile mancher Juroren gegenüber Comics aus dem Weg räumen. Dass das Zitat sogleich noch die Darsteller, die Regie und die Technik lobt soll im gleichen Atemzug die Chancen in eben diesen Kategorien verbessern...
Nicht umsonst steht hier das Zitat an der präsentesten Stelle.

Ganz anders diese Anzeige. Sie konzentriert sich auf Heath Ledger und die Empfehlung, ihn in der Nebendarstellerkategorie auszuzeichnen. Statt einen typischen "Poster Shot" zu wählen, auf dem Ledger frontal in die Kamera guckt, am besten noch möglichst grimmig, sehen wir ihn mit geneigtem Haupt, wie er seine Clownsmaske vom Kopf zieht, um darunter seine Schminke zu enthüllen. Es ist ein beeindruckendes und beklemmendes Bild, ohne übertrieben zu sein. Eher ist es ein bescheidenes, zurückhaltendes Motiv.


Die DIN A4-Seite voller Zitate sollte für sich alleine stehen können, oder?

Das Titelblatt der Variety-Ausgabe von letztem Montag. Keine Schriftzüge. Keine Zitate, kein Logo. Nicht einmal ein Kategorienvorschlag. Einfach nur die omnipräsente Figur des Jokers, die am helllichten Tag auf der Straße steht.
Ein Bild, das sich im Gedächtnis festsetzt und den Film zusammenfasst, ohne die publikumsorientierten Tricks der Posterästhetik anzuschneiden.

Aber wird das ein elitäres Klientel zum wählen überreden?

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