Donnerstag, 21. Mai 2009

Die Zehn-Satz-Rezension zu "The Illusionist"


  1. The Illusionist erschien 2006 nahezu zeitgleich mit Prestige in den US-Kinos, wobei der von Christopher Nolan gedrehte und mitverfasste Illusionistenfilm Prestige mit Hilfe der Starpower von Christian Bale und Hugh Jackman sowie der geballten Promotionenergie der produzierenden Studios Touchstone Pictures und Warner Bros. sowohl an den US-Kinokassen als auch weltweit der finanziell größere Erfolg wurde, während bei den Kritikern beide Filme ungefähr gleich gut ankamen.
  2. Das unabhängig produzierte Historien-Drama The Illusionist, welches auch Mystery- und Thrillerelemente aufweist, wird aufgrund seines Settings und der Profession seines Protagonisten gern mit dem erfolgreicheren und bekannteren Prestige verglichen, wobei viele ihn ungesehen schnell als schwächeren Abklatsch abtun, was in Deutschland durch den Umstand, dass der Film erst Jahre später veröffentlicht wurde und nicht ins Kino kam, verschlimmert wird.
  3. In Wahrheit haben Prestige und Der Illusionist abgesehen davon, dass die Hauptfigur ein Illusionist ist und dass sie im Europa vor der Jahrhundertwende spielen, nicht sehr viel gemeinsam.
  4. Die Handlung spielt im kaiserlichen Österreich, in dem sich ein junger Tischlersohn mit Zaubererambitionen in die Herzogin von Teschen verliebt, jedoch wird ihre Jugendliebe aufgrund der Ständetrennung jäh gestört.
  5. Nach einer ausführlichen Weltreise verdient sich der Tischlersohn als Erwachsener (gespielt von Edward Norton) unter dem Künstlernamen "Eisenheim, der Illusionist" mit einer verblüffenden Magiershow, in der er auch philsophische Monologe hält, sein Geld.
  6. Als eines Abends der Kaiserssohn mit seiner Verlobten Eisenheims Aufführung besucht, stellt er fest, dass es sich bei der Verlobten des Thronfolgers um niemand geringeres als seine Jugendliebe (gespielt von Jessica Biel) handelt, die Eisenheim wiedererkennt und noch immer liebt, doch dem Glück der beiden stehen der besessene Thronfolger und der Polizisten Walter Uhl (Paul Giamatti) im Weg, eine Konstellation die nur im Unheil enden kann...
  7. Der Film lebt vor allem vom sehr subtilen und ruhigen Schauspiel von Edward Norton und Paul Giamatti, zwischen denen eine magische Chemie besteht, denn Eisenheim ist Uhl gar nicht so unsympatisch, wie es ihm wohl eigentlich lieb wäre, aber auch Jessica Biel kann ausnahmsweise Mal schauspielerisch überzeugen.
  8. The Illusionist ist ein sehr ruhiger und bedächtiger Film mit einem gemächlichen Tempo, und genau darin liegt seine Stärke, so erzeugt er seine zum Setting und Inhalt passende Atmosphäre.
  9. Erst gegen Schluss zieht der Film etwas stärker an und lässt sich die Ereignisse, wie bei einem Zaubertrick, überschlagen, ohne jedoch der Gesamtstimmung einen Knacks zu verpassen.
  10. The Illusionist ist toll gespielt und sehr gut inszeniert, hat allerdings keine nachhaltige Wirkung oder besonders denkwürdige Szenen, einzig die großteils von Edward Norton in echt aufgeführten, allesamt wirklich aus der Zeit vor der Jahrhundertwende stammenden Zaubertricks bleiben länger im Gedächtnis hängen, weshalb man zusammenfassend sagen könnte, dass The Illusionist im Bereich der Illusionistenfilme das stimmungsvolle, bedächtige Fingerkunststück ist, während Christopher Nolans Prestige das faszinierende, einen noch lang begleitende, verschachtelte und hypnotische Glanzstück einer intelligenten Magiershow ist.
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