Dienstag, 15. Juni 2010

# 9


Es ist eine postapokalyptische Welt. Die Erde ist so gut wie verlassen, keine Menschen und keine Tiere weit und breit. Wir begleiten eine stumme, von Menschenhand geschaffene Maschine durch die Ruinen unserer Zivilisationen. Sie ist ein wenig tollpatischig und neugierig.

Nein, die Rede ist hier nicht von Pixars grandiosem Meisterwerk WALL•E, sondern von Shane Ackers # 9, der wiederum nicht mit Rob Marshalls Musical Nine verwechselt werden darf. Die Ähnlichkeiten zu meinem meistgeliebten Pixarfilm werden in # 9 auch schnell durch Unterschiede übertönt. So ist die Erde in # 9 nicht mit Müll überfüllt, sondern staubverhangen und offensichtlich ein einstiger Kriegsschauplatz. Auch bleibt die Puppenmaschine 9 nicht lange stumm und allein: Sie trifft auf weitere ihrer Art, die alle gegen ein übermächtiges Maschinenmonster ums Überleben kämpfen. Während der weise, vorsichtige Anführer 1 möchte, dass sie sich in Sicherheit begeben und verstecken, sucht 9, nachdem das Monster eine der Puppen entführt hat, die Konfrontation.

# 9, dess Originaltitel 9 ist und der in Deutschland nur deshalb einen minimal veränderten Titel trägt, weil er am selben Tag startete wie das Filmmusical Nine, ist Shane Ackers abendfüllende Neuverfilmung eines eigenen Studenten-Kurztrickfilms mit gleichem Konzept. Tim Burton war von diesem Kurzfilm so begeistert, dass er sich als Produzent für die Langfassung anbot. Ein gefundenes Fressen für das Marketing dieses Animationsfilms für Erwachsene. Die düstere Optik und allein schon das Konzept eines westlichen Trickfilms, der sich an ältere Zuschauer richtet, sowas passt gut mit Burtons Namen zusammen. Allerdings darf man an # 9 keine Erwartungen stellen, die einem Film des Kultregisseurs gerecht werden. Denn auch wenn # 9 die Farbpalette eines düsteren Burton-Films aufweist, so hat er weder Burtons skurrile Designideen, noch hält er seine verschrobene Weltsicht und die daraus resultierende Stimmung inne. Das ist nicht zwangsweise schlecht, bloß bietet # 9 keine dermaßen dichte Atmosphäre, wie sich bei einem solchen postapokalyptischen Animationsabenteuer anbietet.

In # 9 kommt es immer wieder zu Leerlauf, und Shane Acker hat zudem Schwierigkeiten, dem Zuschauer seine Figuren nahezubringen, so dass man vielleicht neugierig bleibt, wie es weitergeht, jedoch nicht derart mitfiebert, wie es die Inszenierung offensichtlich intendiert. Man spürt, dass # 9 eigentlich Kurzfilmstoff ist. Der potentielle Eindruck, denn der Film hinterlassen könnte, wird durch künstliche Streckung und den dadurch offenbarten Mängeln in der Charakterisierung, sehr stark unterwandert.

Visuell jedoch ist # 9 wirklich klasse, insbesondere für einen Film, der nicht aus den führenden Animationsstudios kommt. Die zerrüttete Erde wurde sehr greifbar nachgeahmt, die Bilder von finsterer Schönheit und den allesamt sehr ähnlichen Puppenwesen wird eine eigene Persönlichkeit eingehaucht. Die zerstörerischen Maschinen sind Respekt einflößend und die Bildsprache, der sich der Film bedient, deutlich und einprägsam. So sehr, dass man auf die Dialoge am liebsten völlig verzichtet hätte.

Die Musikthemen stammen aus der Feder von Danny Elfman, wurden aber von Deborah Lurie umgesetzt und bilden die ideale Klangtapete für dieses leicht depressive, aber auch fantasievolle und vor allem düstere Abenteuer. Die Aussage des Films ist gut, wird aber sehr bemüht vermittelt. Irgendwie symbolisch für # 9 als Ganzes.

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