Mittwoch, 30. November 2011

Happy Feet 2


Pixar verlor bislang nur zweimal den Oscar für den besten Animationsfilm. Die Monster AG verlor gegen Shrek und Cars zog gegen Happy Feet 2 den kürzeren. Nächstes Jahr wird Cars 2 ebenfalls unprämiert bleiben, aber ich bezweifle, dass es dem an den US-Kinokassen scheiternden Happy Feet 2 wesentlich besser ergehen wird.

George Miller, der Autor des genialen Ein Schweinchen namens Babe, will mit Happy Feet 2 auf allen Hochzeiten zugleich tanzen. Klar, die Umweltbotschaft des ersten Teils wird wiederholt, erneut darf bei Miller ein Tier die schreckliche Wahrheit über Fleisch essende Menschen erfahren, außerdem werden Sozialdarwinismus, Individualität, Selbstfindung, verlogene Prediger, die Verbundenheit aller Lebewesen und Gemeinschaftsgefühl angesprochen. Wirklich durdacht ist das alles jedoch nicht - Miller schmeißt uns einfach jede Idee entgegen, die er so hat. Das alles dürfte einigen Kindern zu hoch sein, einigen älteren Zuschauern aber gehörig auf den Keks gehen, da Millers diese Dinge behandelnden Dialoge in Happy Feet 2 mitunter an Zahnschmerzen verursachendes Kinderfernsehen erinnern. Und zwischendurch wird halt noch getanzt, schließlich erwarten das die Kinogänger. Nun auch auf Deutsch, sollte man die Synchronfassung sehen. In dem Fall ist Ohrenbluten vorprogrammiert. Selten schlechtere Popsong-Übersetzungen gehört.

Aber es gibt auch gutes: In irgendeinem Paralleluniversum hat irgendjemand einen großartigen Animationsfilm über Krill produziert. Und aus irgendeinem verrückten Zufall landeten die besten Szenen dieses Films in unserem Happy Feet 2. Hervorragende Charakteranimation ohne übertriebene Verniedlichung dieser kleinen, halbdurchsichtigen Krebstierchen, fantastische, schnelle Kamerafahrten und großartige Gags, die zwischendurch intellektuell, stets aber spritzig und einfallsreich sind. Was das in Happy Feet 2 sucht? Nun, rein thematisch ist die Geschichte eines Krills, der sich die Nahrungskette hochfressen will, irgendwie mit Happy Feet 2 verwand, aber beim Krill ist alles viel ausgereifter.

Naja, wahrscheinlich lag bei Miller das Konzept zu einem genialen Kurzfilm herum. Und dann hat er die Drehbuchseiten unter das Happy Feet 2-Skript gemischt, um die Deadline einhalten zu können. Tja, so ist die Welt um einen tollen Kurzfilm ärmer geworden. Und der sterbenslangweilige, aber immerhin ambitionierte Happy Feet 2 hat irgendwas zu bieten, das mich aus meinem Frust über das kopflose Drehbuch reißen konnte.

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