Donnerstag, 17. November 2011

High School Musical


Ich hasse es, meinen Artikeln solche Intros zu geben, da sie nach wenigen Stunden schon wieder inaktuell sind, aber dieses Mal bietet es sich einfach an: Heute Abend feiert High School Musical 3: Senior Year seine Free-TV-Premiere bei ProSieben. Als ich das mitbekam, war mein erster Gedanke ein (leicht ironischer) hysterisch-weibischer Freudenschrei, gefolgt von einem "Moment? Jetzt erst?" Denn gefühlt ist der Kinostart von High School Musical 3 über ein halbes Jahrzehnt her. Seither hat sich so vieles in meinem Alltag geändert, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass "bloß" drei Jahre vergangen sind.

In diesem Blog habe ich mir ja bereits High School Musical 2 sowie den Kinoausflug der singenden und tanzenden Disney-Teens vorgeknöpft, und zum Unmut einiger größtenteils anonymer Kommentatoren spielte High School Musical auch eine Rolle in meinen 333 Disney Songs. Den Begin dieses Teeniephänomens habe ich allerdings noch nicht in Form einer Filmkritik besprochen, also sei dies angesichts der Free-TV-Premiere des dritten Teils endlich nachgeholt.

Wer mangels Neugier oder jüngerer Verwandter nicht weiß, worum es in High School Musical geht, sei natürlich zunächst einmal eingeweiht: An Silvester wird das Sport-Ass Troy Bolton (Zac Efron) während einer Party in seinem Feriendomizil auf die Karaokebühne gedrängt. Zunächst schüchtern seine Zeilen vor sich hinträllernd, werden er und seine zufällig ausgewählte Karaokepartnerin Gabriella (Vanessa Hudgens) langsam warm miteinander. Es funkt zwischen den beiden, doch im Neujahrstrubel verlieren sie sich wieder aus den Augen. Nach den Winterferien begegnen sie sich schließlich auf Troys High School wieder: Gabriella ist neu ins Schulgebiet gezogen und möchte es dort endlich ruhig angehen. Was ihre Freunde nämlich nicht wissen: Eigentlich ist sie ein kleines Mathe-Genie, das auch schon Preise für seine alte Schule gewann.
Die divenartige Englischlehrerin Ms. Darbus (Alyson Reed) wirbt derweil penetrant für das anstehende Schulmusical, das allen Erwartungen nach wieder einmal von den verwöhnten Geschwistern Ryan (Lucas Grabeel) und Sharpay Evans (Ashley Tisdale) dominiert wird. Troy und Gabriella spielen mit dem Gedanken,  für das Erstlingswerk ihrer schüchternen Mitschülerin Kelsi (Olesya Rulin) vorzusprechen, allerdings spielen ihre jeweiligen Freundeskreise dabei überhaupt nicht mit. Ein Basketball-Captain darf einfach kein Querschläger sein und kulturell wertlose Showtunes singen (so Troys Kumpel Chad, gespielt von Corbin Bleu) und auch Gabriella sollte sich lieber den Mathe-Strebern anschließen, als rumzuträllern ...

Hui, doch mehr Stoff, als ich erwartet hätte. Wenn man so will, ist High School Musical aber schlichtweg "Grease ohne Sex und Drogen" und einem zusätzlichen "Wie cool ist Showmusik?"-Ansatz. Die coolen Jungs versus Strebermädchen, das ist die typische Cliquen spezifische Geschichte der "verbotenen Liebe", und das ist in High School Musical die treibende Kraft. Und so, wie es in High School Musical angepackt wird, ist es auch ein guter Disney-Stoff: Gruppendynamik sollte die Individualität nicht einschränken, man darf aus engstirnigen Grenzen auch ausbrechen. Eine nette, kleine Botschaft, die der Film auch gar nicht einmal all zu penetrant vermitteln will.


Überhaupt treffen "nett" und "klein" ziemlich stark auf diese Disney-Channel-Produktion zu. Geht man nämlich ganz trocken an High School Musical heran, ist es ganz für sich betrachtet eine harmlose Disney-Fernsehproduktion mit süßer Story, unkomplizierter Botschaft und einigen grundsoliden Einfällen sowie schmissiger Popmusik. Sofern man kein zwanghafter Zyniker ist, kann man sie als gelungene Familienunterhaltung abnicken, und fertig. Das wäre auch meine Grundhaltung gegenüber High School Musical: Eigentlich wäre es eine Disney-Fernsehproduktion unter vielen. Dank der guten Chemie unter den Darstellern schauspielerisch über'm Disney-Fernsehdurchschnitt und dank der Musikeinlagen auch handwerklich auffälliger als viele andere TV-Filme. Ganz süß, ihn als Disney-Liebhaber mal anzusehen, ein paar Lieder blieben sicher auch im Ohr, unter'm Strich müsste High School Musical aber als Fernseherfolg ein paar glückliche Gesichter in der Senderzentrale verursachen, und fertig. Stattdessen wurde High School Musical jedoch zu einer Weltsensation, und so nehme ich, allein diesen Teil betrachtend, folgende Position ein: "Unerwartet, so ganz verstehe ich nicht, weshalb dieser Film allein so übermäßig erfolgreicher ist, als andere Disney-TV-Filme, aber ich kann das problemlos hinnehmen. Ich hätte ihm diesen phänomenalen Erfolg nicht unbedingt herbeigesehnt, trotzdem gönne ich es ihm!" Es hätte ja auch einen schlechten Disney-Fernsehfilm treffen können. Da doch viel lieber High School Musical!

Dass selbst Disney nicht mit einem derartigen Durchbruch gerechnet hätte, merkt man High School Musical an zahlreichen Ecken und Enden an. Allein schon der Umstand, dass es ein Disney-TV-Film wurde, spricht eigentlich schon Bände. Hocus Pocus (ebenfalls von Regisseur Kenny Ortega) etwa wurde seinerzeit in einer sehr frühen Entwicklungsphase vom TV-Projekt zum Kinofilm befördert, weil er so erfolgsversprechend schien. High School Musical hingegen nicht. Auch der absolut unspektakuläre Anfang zeigt, dass man niemals mit einer Rekordsumme von 7,7 Millionen Zuschauern bei der US-Erstausstrahlung gerechnet hätte. Der Film plätschert anfangs unaufgeregt vor sich her. Da wird ohne jeden Effekt der Titel eingeblendet (ein Understatement, das man offenbar in Teil 3 überaus energisch wieder gut machen wollte), sehr beiläufig werden die Hauptfiguren eingeführt und auch die erste Gesangseinlage ist eher unterkühlt. Ob dies dem Film gut tut, oder ihn unter seinen Möglichkeiten dümpeln lässt, liegt sicher im Auge und Ohr des Betrachters.

Jedenfalls helfen all die Ecken und Kanten, wo High School Musical wie ein kleiner, unschuldiger Disney-Fernsehfilm wirkt, ihn bei nüchterner Betrachtung schlicht "nett und süß" zu finden. Ist man ein überzeugter Sarkast, der mit Filmen nichts anfangen kann, deren Kernpublikum was jünger ist, wird man natürlich auch viele Punkte finden, die einen aufregen. Ja, die Nebenfiguren sind reine Karikaturen, ja, die Hauptfiguren sind kaum mehr als Abziehbildchen. "Hi, ich bin Troy. Basketballer, etwas dümmlich, nett, sehr auf mein Image bedacht", "Hi, ich bin Gabriella und kenne mich mit Mathe aus, mit sozialen Gefügen etwas weniger". Fertig die Kiste. Und wie platt die ganzen Schüler in ihren Schubladen denken, ist sicher auch nicht jedermanns Sache. Ich zum Beispiel hätte zu Schulzeiten vor singenden Basketballern, die sich obendrein für Außenseiter einsetzen, eher Respekt, als Häme übrig gehabt. Einen (nicht auf wahren Begebenheiten basierenden) Disney-Fernsehfilm an der Realität zu messen, ist allerdings eh eine Schnapsidee.

Nun hat der Film es allerdings, bekanntermaßen, irgendwie geschafft, vom nennenswerten Quotenerfolg zum Start eines Mega-Disneyfranchises aufzusteigen. Der Soundtrack wurde in den USA das erfolgreichste Album des Jahres 2006,weltweit sahen insgesamt 225 Millionen Zuschauer das High School Musical, eine Konzert-Tour, Eiskunstlauf-Show und Bühnenadaption folgten, ebenso wie Comics und Jugendromane. Von den zwei Fortsetzungen erst zu schweigen. Kurzum: Mitte des vergangenen Jahrzehnts wuchs eine Generation von Disney-Fans auf, die nicht etwa Micky Maus und Arielle als ihre großen Disney-Idole betrachtete, sondern Troy Bolton und Jack Sparrow.
Und bei all diesem Erfolg muss man sich nunmal entscheiden: Lässt man sich vom Hype nerven, betrachtet man weiter stur den für sich stehenden Film, oder betrachtet man High School Musical aus einer gänzlich neuen Perspektive?

Da ich mich von den Fortsetzungen mitreißen ließ, muss ich mir wohl eingestehen, dass dritter Punkt am ehesten auf mich zutrifft. Schließlich beeinflussten die Fan-Reaktionen auch die Darstellungen der Figuren in den Fortsetzungen, was wiederum beim wiederholten Betrachten des ersten Teils auch das Seherlebnis ändert. Für diese Rezension bemühe ich mich aber um eine Kombination aus "Der Film, so wie er alleine steht" und "Was rückblickend zur Sache zu sagen ist".


Das es sich bei High School Musical um ein Musical handelt (ach, neeee?!), spielt die Musik in der Bewertung natürlich eine große Rolle. Und möglicherweise ist die unheilige Mischung aus Pop-Ohrwürmern und Disneys berüchtiger Marketing-Maschinerie auch der wahre Grund für den unglaublichen Erfolg dieses Fernsehfilms. Denn wer sich auf sein kindliches Ich zurückbesinnt, wird schnell verstehen, wie diese leichten, unbeschwerten und mit einer vorsichtigen Dosis Rock, Hip Hop, Musical-Kitsch und Latino-Pop gewürzte Songauswahl Kinder und jüngere Jugendliche begeistern konnte. Die Songs eignen sich mit ihrer Unbeschwertheit und Simplizität sehr gut für wiederholtes Anhören, und was tun Kinder schon lieber, als ein, zwei Lieder in Dauerschleife zu hören?

Als älterer Zuhörer, ist die Musik von High School Musical ein klarer "lieb es, oder lerne, es zu hassen"-Fall. Beim ersten Kontakt ist es eigentlich ziemlich unaufdringlich, es sei denn man bekommt bei allem poppigen sofort Anfälle, aber die Dosis macht bekanntlich das Gift. Ich für meinen Teil scheine ein Ohr für die in High School Musical angeschlagene Musikrichtung zu haben, denn ja, ich habe mir damals den Soundtrack gekauft (und ich war nicht der einzige aus meinem Jahrgang - und wir waren damals immerhin schon in der Oberstufe), und ja, ich höre ihn auch jetzt noch gelegentlich. Es ist halt richtig sauber produzierter Musical-Sound mit für sich stehen könnenden Pop-Qualitäten und einem merklichen Disney-Touch (was ich von Hannah Montana nicht mehr sagen kann), und von der Warte aus habe ich halt meinen Spaß dran.

Auf die einzelnen Songs gehe ich jetzt nicht mehr großartig ein, schließlich habe ich sie schon in der Reihe "Musikalisches Immergrün" angesprochen. Dennoch möchte ich anmerken, dass Kenny Ortega mit Get'cha Head in the Game eine tolle Choreographie entworfen hat, die den Ohrwurm-Titel toll unterstreicht. Das musicalartigste Lied im Film, Stick to the Status Quo, ist für manche sicherlich "too much", ich find's für ein Disney-Fernsehmusical aber schon recht stark. Es gibt dem so kleinen Film etwas Kinogefühl und der Cast singt ihn mir zu engagiert, als dass ich mich über die Überdeutlichkeit des Songs aufregen könnte. Tja, und dann ist da noch Bop to the Top. Heben wir uns das mal für später auf ...

High School Musical ist für eine Fernsehproduktion wirklich aufmerksam produziert, weshalb ich ihm seinen Erfolg durchaus gönne. Rückblickend ist der Film aber enorm zurückhaltend, so dass man sich nach den Fortsetzungen schon wundert, dass sich die Teenies anno 2006 (lang, lang ist's her) so sehr davon überrollen ließen. Aber naja, vielleicht kam High School Musical schlicht zur rechten Zeit, denn für einige Kids war es die erste nennenswerte Begegnung mit der Kunstform Musical. Nachdem Disney seine Zeichentrickmusical-Formel totgeritten hat und sich zudem Shrek und Co. über diese Filme lustig machte, gab es zu Beginn der 00er keine großen Familienmusicals mehr. Wicked, Chicago und Moulin Rouge ließen zwar ein Musical-Comeback erahnen, sonderlich kinderfreundlich waren diese jedoch nicht. Und dann kommt der Disney Channel an, der eine recht sichere Story in Musicalform packt und obendrein die "gestelzten Showtunes" mit modernen Klängen kreuzt.

Dennoch merkt man High School Musical das "Iiiiih, Musicals!"-Stigma an, nutzt es für viele seiner Lieder doch die Ausrede, dass sie ja auf der Bühne stattfinden. Sei es als Karaoke-Auftritt oder Vorsingen für ein Musical. Schieren Musical-Pomp, wie später in Teil 3, traute man sich damals noch nicht zu.


Dafür traute man sich schon damals, etwas Erwachsenenbonus in den Film zu packen. Die Evans-Geschwister haben Wissen über die Musical-Kultur, welches der Kernzielgruppe des Films verschlossen sein dürfte. Vor allem aber hat ihnen das Songschreiber Duo Randy Petersen & Kevin Quinn den wohl sexuellsten anrüchigsten Song der Disney-Geschichte in den Mund gelegt. Wirklich, man muss nur die unschuldig-poppige Musik mental ausblenden (obwohl sie so schön spaßig-flockig ist) und allein auf Text und Choreo achten, schon wundert man sich, wie dies an den Moralwächtern vorbeifliegen konnte.

Und damit erreichen wir den Punkt "Schauspiel & Figuren". Für jüngere Zuschauer sind die Hauptfiguren Troy & Gabriella sicherlich ganz süß zusammen, mit ihrer simplen Charakterisierung machen sie auch den Identifikationsprozess sehr einfach. Für den erwachsenen Zuschauer sind sie aber entweder blass oder zu zuckrig. Je nachdem, wie harsch man seine Ansprüche an diesen Film stellt. Wenn man nun das Phänomen High School Musical im Rücken hat, und sich den Film eventuell mehrfach ansieht, wird man ein graduell eintretendes Desinteresse an Zac Efron (der seine Songs nichtmal wirklich singt, da seine Rolle in einer anderen Tonart geschrieben wurde, weshalb Drew Seeley einspringen musste) und Vanessa Hudgens bemerken. Proportional steigert sich dafür die Faszination für die "Schurken". Ashley Tisdale und Lucas Grabeel spielen die knalligen, dümmlichen und durchtriebenen Schauspiel-Geschwister mit solch einer ansteckenden Freude, dass man sie schnell als die heimlichen Stars des Films annimmt. Schon in High School Musical bringen sie ein Augenzwinkern mit, das dem Film einen neuen Spaßfaktor verleiht und jede ihrer überzeichneten Szenen zu einem kleinen Fest macht. In den Fortsetzungen drehen sie die Ironie noch weiter auf, so dass sie einen richtig hohen Camp-Faktor erhalten, und dann wird es erst so richtig unterhaltsam.

Aber ja, achtet man mehr auf die sich in Übertreibung aalende Alyson Reed, die süffig-divenhaft agierende Ashley Tisdale und den schlichtweg knuffig-albernen Lucas Grabeel sowie Olesya Rulin, die das Mauerblümchen Kelsi so unfassbar süß rüberbringt, hat man plötzlich einen ganz anderen Film. Zumindest für mich wird aus dem "och ja, nett" ein "oh man, eigentlich schon ganz spaßig". Das hilft High School Musical natürlich nicht darüber hinweg, dass die ganzen schulinternen Intrigen viel zu breit ausgewalzt werden, aber mit der Lust, sich vom Kitsch faszinieren zu lassen, und den Film etwas gegen den Strich zu bürsten, hole ich aus ihm einige zusätzliche, unbeschwerte Grinser heraus.

Nervig bleibt aber Monique Coleman, die ihre Mathestreberin Taylor für meinen Geschmack mit einem unpassenden und somit nervigen "Ghetto-Grinsen" ausstattet. Sie spielt Taylor als (Achtung, Klischeekiste) "sassy young black woman", was mich immer wieder aus dem Film schmeißt. Die Missverständnisse zwischen den Turteltauben Troy & Gabriella werden in diesem Film auch, typisch Hollywood, recht weltfremd-überdramatisch angepackt (zum Glück längst nicht so ätzend wie in Teil 2) und für einen "besten Freund" ist Corbin Bleus Figur Chad auch fast schon lächerlich unzuverlässig. Bleu hat zum Glück einiges an Charisma, so dass seine Rolle in Teil 1 schlicht unter "anwesend" fällt, statt zu nerven. In den Fortsetzungen wird's dann ja besser mit ihm.


Pffffuhh! Eine Menge Text für so einen kleinen Fernsehfilm. Aber das ist irgendwie berechtigt, schließlich spielt er, ob man das nun akzeptieren mag oder nicht, so eine große Rolle in der Disney-Geschichte. Das erste Lied in High School Musical lautet (This Could be) The Start of Something New, und treffenderweise war das Teenie-Musical genau das. In den Jahren zuvor war Disney ziemlich bemüht darum, verstärkt wieder ein älteres Publikum anzusprechen. Kinofilme wie Gegen jede Regel, Das Geheimnis von Green Lake, Fluch der Karibik und Vermächtnis der Tempelritter ließen alte Vorurteile über Disneys-Realfilm-Output weit hinter sich, und dann kam plötzlich High School Musical. Der Streifen war letztlich alles völlig durcheinander. Einerseits faszinierte er sehr viele Teenager, die ihm Alter der zentralen Figuren des Films waren, und somit durchaus auch mit den genannten Kinofilmen anvisiert wurden. Andererseits wurden durch das saubere Image der Filme und das Merchandising auch Scharen jüngerer Teenager und so genannter "Tweens" (irgendwas zwischen "Kind" und "Teenager") angesprochen, welche letztlich zum Kernpublikum des Disney Channels wurden.

Und das ist wohl das größte Erbe von High School Musical: Unter der Federführung von Rich Ross (damals President of Disney Channels Worldwide, heute Chairman of The Walt Disney Studios) bemühte man sich um zahllose Kopien der High School Musical-Formel. Es war zu begrüßen, dass man mit dem Musical ein handwerklich ambitionierteres Fernsehprojekt anpackte, jedoch viel der Disney Channel mit seiner Filmproduktion nach diesem Erfolg in eine Falle der kommerziellen Berechnung und, ja, auch Verblödung. Zuvor experimentierte man gelegentlich auch mit dramatischeren oder (vergleichsweise) schweren Stoffen. Nach High School Musical ging es nahezu nur noch um klinisch saubere Teenies, die keine großen Probleme haben (diese aber höchst theatralisch anpacken) und im Idealfall auch noch singen können. Die Filme wurden nach und nach auch immer kindischer und somit unerträglicher. Eine Seuche, die auch auf die TV-Serien überging. High School Musical macht mir ja noch Spaß, aber Hannah Montana ist nur mit Kopfschütteln zu ertragen und Die Zauberer von Waverly Place finde ich richtig schlimm. Putzig ist allein der (ungewollte?) Geschwister-Inzest-Subtext, aber das ist eine andere Geschichte.

Wie auch immer: High School Musical brachte uns (auf unterschiedliche Art) amüsante Fortsetzungen ein, für die ich dankbar bin, allerdings auch unerträgliche Fahrwasser-Projekte. Und somit eine ulkige Disney-Parallelgesellschaft: Während Disney im Kino am besten mit auch stark an ältere Zuschauer gerichteter Ware wie Pirates of the Caribbean, WALL•E oder Toy Story 3 fährt, ist der Disney Channel von wenigen Ausnahmen wie Phineas & Ferb (welche munter zwischen Disney Channel und Disney XD wechseln) für Erwachsene nahezu unzumutbar geworden. Dabei ist der Auslöser dieses Trends doch ganz goutierbar.

Appropos Phineas & Ferb: Mit Ashley Tisdale ist einer der HSM-Stars weiterhin stolzes Mitglied der Disney-Familie. Spricht sie doch Candace in der Hit-Serie Phineas & Ferb und schlüpfte erst kürzlich wieder in die schrille Rolle der Sharpay. Zac Efron wurde auf den Disney-Sets zur Diva, während Corbin Bleu sein Disney-Image liebt und auch von den Disney-Geschäftsführern geliebt wird. Weshalb es in den letzten Jahren von kurzen Gastauftritten in Hannah Montana und Phineas & Ferb abgesehen nicht zu weiteren Kooperationen kam, bleibt also ein Rätsel. Und sonst? Vanessa Hudgens wird über kurz oder lang sicherlich mit Selena Gomez (halb?)nackt in einem Robert-Rodriguez-Film landen und ich warte weiterhin auf eine HSM-Spin-Off-Serie mit Olesya Rulin und Lucas Grabeel. Kelsi und Ryan, die eine Bar eröffnen, das will ich sehen!

Ähm, ja. Um endlich zum Schluss zu kommen: High School Musical 2 ist für Kinder sicher süß, für ältere schwer ernstzunehmen, jedoch ein geniales Camp-Festival. Teil 3 ist dank gesteigerter Produktiosnqualität, guten Darstellerleistungen und einer etwas zielstrebigeren Selbstironie ein echt gutes Jugendmusical, das aus Camp-Perspektive noch mehr Spaß macht. Und Teil 1? Es ist ein süßer Teeniefilm, den man nicht zu ernstnehmen darf. Mit dem ganzen Erfolg im Rücken denkt man sich "und darum all der Trubel?!" und mit der richtigen, ironische Einstellung hält High School Musical auch mehr, als nur eine Sichtung aus. Er hat nunmal seine Längen, also braucht's die richtige Läster-Gesellschaft, etwas Ablenkung, eine Fernbedieung oder feuchtfröhliche Laune, um ihn so richtig zelebrieren zu können. Der Film nutzt sich mit der Zeit also ab, besser als seine disneyeigenen Trittbrettfahrer ist er dennoch allemal.

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4 Kommentare:

Lumo hat gesagt…

High School Musical gehört ganz eindeutig zur dunklen Seite von Disney. Also ich habs nie gesehen, aber denke doch, dass der Film nur auf Kiddies ausgerichtet ist, wohingegen z.B. die Animationsfilme auch den Erwachsenen ansprechen.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Dafür, dass du es nie gesehen hast, finde ich es faszinierend, dass du es blind "ganz eindeutig" zur dunklen Seite Disneys zählst.

Wie beschrieben nimmt sich der Film das jüngere Publikum gezielter vor, als die besten der abendfüllenden Animationsfilme, allerdings hat er auch einige Boni für ältere Zuschauer (wofür schreibe ich eigentlich so viel Text, wenn dann doch jeder mit seiner vorgefertigten Meinung ankommt *nur Spaß :-p*). Es gibt klar Meisterwerke, die "kindischer" sind, aber auch Meisterwerke, die deutlich reifer sind. Eigentlich ist "High School Musical", ebenfalls wie gesagt, Teil der Kategorie "nettes Disney". Kein Meilenstein seines Mediums/Genres, aber auch keine kommerzielle Kinderverblödung (da würde ich viel, viel eher "Hannah Montana" zur dunklen Seite Disneys zählen). Durch den ganzen Hype kann der Film einem bloß schneller auf die Nerven fallen, als er es verdient hat.

Naja, nochmal wiederhole ich meine Meinung aber nicht. Und klar, andere Ansichten habe ich zu akzeptieren - bloß fand ich's an dieser Stelle angebracht, nach meinem langen "Man muss es so und so sehen"-Posting auf eine "Ich kenne es nicht, aber es ist garantiert böses Disney"-Meinung reagieren zu müssen. Mal so ganz missionarisch. Nichts für ungut.

Aber trotzdem willkommen hier im Blog. Hoffe, auch künftig von dir zu lesen, Lumo. Jeder, der erkennt, dass Disneys Animationsfilme auch Erwachsene ansprechen, ist hier gern gesehen. Blinde "High School Musical"-Abneigung hin oder her. *g*

Gondorff hat gesagt…

Vielleicht sollte ich mir auch endlich mal die drei Filme anschauen. Könnte ja vielleicht ganz lustig werden.

Übrigens gestern "Cars 2" gesehen... ähm... ja... werde vielleicht noch einen kleinen Text in meinem Blog schreiben. Nur zuviel: Die "Moral" fand ich schon mal sehr fragwürdig: Sei einfach du selbst und jeder der das nicht gut findet, ist halt ein Arsch.
Oder auch Hook zur Hauptrolle zu befördern! Je mehr ich darüber nachdenke, deso ärgerlicher wird dieser Film für mich.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Nur her mit den "Cars 2"-Verrissen. :-p

Und zu HSM: Ja, ich denke, mit zwei, drei Bieren dürftest du Spaß haben. Du weißt ja auch wenigstens schon, auf welche Figuren und Zweideutigkeiten du so zu achten hast. *g*

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