Dienstag, 10. Januar 2012

Transporter II


Frank Martin arbeitet aushilfsmäßig als Fahrer für die gut verdienende Politikerfamilie Billing. Täglich holt er den kleinen Jack Billing von der Schule ab und soll ihn auch zum Kinderarzt bringen, wo ihn eine Impfung erwartet. Ein ausgebuffter und skrupelloser Gangsterboss fädelt jedoch gemeinsam mit seiner psychotischen Angetrauten Lola eine Entführung Jacks ein. Die örtliche, absolut inkompetente Polizei verdächtigt Frank aufgrund seiner mysteriösen Vergangenheit, an dem Verbrechen beteiligt zu sein. Also liegt es allein an Frank, sein Versprechen einzuhalten: Jack würde nichts geschehen ...

Transporter II, oder auch Transporter - The Mission wie er in Deutschland unerklärlicherweise genannt wird, ist in Sachen Action die konsequente Weiterführung seines unerwartet erfolgreichen Vorgängers aus dem Jahr 2002. Und, meine Fresse, was für ein Thrillride! Ein grundsympathischer Jason Statham rennt, fährt, prügelt und trickst sich saucool durch eine äußerst simple, flott erzählte Story, die wie geschmiert läuft und für das nötige Spannungsmoment sorgt. Natürlich fehlen Tiefe und schwerwiegende Dialoge, doch diese Art von ultrarasantem, knackigen Actionfilm braucht das nicht. Wichtig ist, dass man sich mitfiebernd an die Fersen des Helden heftet und stets fragt "Wie soll er das denn nun schaffen", um daraufhin staunend "Wow, so macht er das also!" auszurufen.

Regisseur Louis Leterrier gelingt es mit Transporter II genau den Punkt zwischen simpler, actionorientierter Spannung und bewusst anspruchslosem Gewaltspaß zu treffen. Der Film legt in wenigen, aber gezielten Minuten seine Grundsituation sowie seine Figuren fest, darauf folgt eine halbstündige Achterbahnfhart einer Verfolgungsjagd mit perfekt choreographierten Faustkämpfen, coolen Schießereien und ausgeklügelten Fahrzeug-Stunts. Der Einfallsreichtum, mit dem sich Frank durchschlägt sowie der gelegentliche Gag sorgen auch für eine peppige Dosis Humor. Nach einer sehr kurzen Verschnaufpause folgt dann der immer weiter eskalierende Showdown, und in nichtmal neunzig Minuten ist die Sache schon geritzt. Schnell, unumständlich, voller Power. So sollte "Hirn aus, Adrenalin aufgekocht, Spaß gehabt!"-Action sein.

Für mich ist das einzige Problemchen an Transporter II das Kuddelmuddel an Schnittfassungen. Die US-Version wurde um etwas Blut und Nacktheit erleichtert, die deutsche Kinofassung werkelte die blanke Haut wieder rein. Eine französische Fassung vermied die US-Kürzungen und eine auf RTL ausgestrahlte Version ging in Sachen Härte noch weiter, als die unserer geschätzten Nachbarn. Ich selbst habe den Director's Cut in meine Filmsammlung einverleibt, was die für mich bestmögliche Variante ist. Er mag etwas weniger Blut als die RTL-Fassung haben, jedoch geht es in den Transporter-Filmen eh nicht um die schiere Härte, sondern um Dynamik, einfallsreiche, handgemachte Action sowie einen spaßigen Adrenalinschub. Also habe ich lieber ein paar Sekunden weniger Film, genieße dafür aber Leterriers eigentliche Vision des Streifens.

Aus irgendeinem Grund hatte ich bis vor kurzem keinerlei Ahnung von der Publikumsrezeption der Transporter-Fortsetzungen. Was ich mitbekam, scheint die Mehrheit der Fans den zweiten Teil als eine Verschlechterung gegenüber dem Original aufzufassen. Ich kann das tatsächlich nicht im geringsten nachvollziehen. Ja, mit der überzogenen Figur Lolas, in ihrer Reizwäsche, den überdimensionalen Knarren und ihren Stöckelschuhen, sowie seiner Rastlosigkeit ist Transporter II comichafter als Teil 1. Aber diese Elemente machen auch sehr viel Spaß und verleihen dem Film ein Profil. Meiner Meinung nach spielen auch beide Produktionen in einer Actionfilm-Realität, bloß dass Transporter II auf jeglichen für einen rasanten Andrenalinschuss überflüssigen Fluff verzichtet. Die Vorwürfe, der Film rutsche in eine Crank-Mentalität hab, kann ich nicht verstehen. Crank lebt von seiner Derbheit, kruden Witzen und zu gewissen Teilen einem Schockelement. Crank konzentriert und pervertiert in postmoderner Weise den klassischen Action-Schund. Transporter II ist inhaltlich und atmosphärisch ganz klassisch, von wenigen miesen CGI-Effekten abgesehen ist es ein Film im Stil der Haudrauf-Stallone- oder -Schwarzenegger-Streifen. Bloß sehr, sehr viel einfallsreicher, spaßiger und impressiver choreographiert.

Meiner Meinung nach ist Transporter II ein perfekter Vertreter seines Subgenres. Rasant und dennoch übersichtlich montiert, saucool, beeindruckende Kämpfe, ideenreiche Verfolgungen und ein "Kick-Ass Soundtrack".

3 Kommentare:

Lutz hat gesagt…

Nee, also, Transporter II ist meiner Meinung nach einfach langweilig. Das Argument, dass Tiefe, etc. ja nicht so bedeutsam seien, weil es nur ein Actionfilm ist, zieht bei mir nicht so ganz, weil der Film dann zumindest Spaßmachen sollte.

Hier vermisst man jedoch nicht nur Tiefe, sondern auch Logik, Plausibilität und vor allem Kreativität. Im ganzen Film sind nur zwei Szenen, die ich wirklich gut gemacht finde, der Rest ist eine platte Aneinanderreihung von ollen Klischees.

Transporter II ist für mich Luc Besson at his worst.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Natürlich lässt sich mangelnde Tiefe nur verkraften, wenn Spaß und Kreativität gegeben sind. Nur ... im Gegensatz zu dir finde ich "Transporter II" witzig und kreativ. *g*

Ehe Missverständnisse aufkommen: Diese Meinungsdifferenz kann ich problemlos akzeptieren. Nur wollte ich das nochmal betonen, ehe z.B. für Gelegenheitsleser der Eindruck entsteht, ich würde bei Actionfilmen alles mit "is' nur 'n Actionfilm" verzeihen. In dem Fall müsste ich ja die Transformers-Teile mögen, was ja nicht der Fall ist. Also bin ich entweder äußerst doppelzüngig oder habe im Falle von "Transporter II" einfach einen anderen Humor als du. *g*

Lutz hat gesagt…

Ich weiß nicht mehr genau, wer es war, aber irgendein Filmkritiker hat einmal geschrieben, dass Plausibilität unwichtig ist, wenn man den Film mag, aber wichtig wird, wenn man ihn nicht mag. Dem stimme ich voll und ganz zu und denke, damit kann man auch viele "guilty pleasures" erklären.

Bei Transporter II finde ich halt nicht nur die fehlende Plausibilität auffällig, sondern vor allem die gänzlich unoriginelle und einzig auf Klischees basierende Story.

Aber ich habe nicht den Eindruck, dass du jeden Actionfilm einfach so mit "is nur'n Actionfilm" durchwinkst. ...nur die, die du magst :-D

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