Sonntag, 4. März 2012

Waltmenschen: Pete Young

In der Serie Waltmenschen möchten wir den bekannten und weniger bekannten kreativen Mitarbeitern Walt Disneys einige Zeilen widmen.


Pete Young, 1948–1985

Zusammengefasst könnte man über Pete Young resümieren, dass er wusste, mit welchen Ideen er seine Regisseure und Produzenten überzeugen konnte. Pete gehörte zweifelsohne zu denjenigen, die den Weg einer typischen (aber dennoch seltenen) Karriere gingen, die einige herausragende Künstler bei Disney auszeichnete: Er kam, sah und siegte. Dabei waren die Voraussetzungen nicht die besten, als er Anfang der 1970er seinen Weg zu Disney fand. Das Studio steckte in einer tiefen kreativen Krise; zwar war den Filmen weiterhin Erfolg an den Kinokassen beschieden, die Qualität des gezeigten war aber nicht mehr mit den Werken früherer Jahre zu vergleichen.

Pete Young war sich im Klaren darüber, dass er seine Ideen hier nicht ausleben konnte – und tat es deswegen zuhause. Er fand in den Disney-Studios ein Buch, von dem er überzeugt war, dass es perfekt als Vorlage für einen Trickfilm dienen würde. Gleichzeitig wusste er, dass die Entscheidungsträger nur dann Grünes Licht für das Projekt geben würden, wenn er mehr in der Hand hätte. Nach monatelanger Vorarbeit riskierte er den Gang vor die Produzenten – und hatte Erfolg. Ihm wurde der erfahrene Vance Gerry zugeteilt, um die Idee weiter auszuarbeiten. Als der Produktionsprozess weiter fortgeschritten war, wurde das Projekt Don Bluth zugeteilt, der es zum großen Ärger von Pete Young massiv veränderte. Der Esel von Bethlehem (The Small One) kam 1978 zusammen mit einer Wiederaufführung von Pinocchio in die Kinos.

Heute gilt der Film als Experiment vieler junger Zeichner, vor allem aber als Denkmal für Don Bluth; dass man Pete Young damit nicht verband, störte ihn nicht lange, bedeutete der Film für den jungen Trickfilmzeichner doch die Eintrittskarte ins Story Department Disneys. Dort arbeitete er zunächst an Cap und Capper und Taran und der Zauberkessel. Seine eigentlich Leidenschaft galt aber Basil, der große Mäusedetektiv, ein Projekt, an dem er zusammen mit Ron Clements (im Bild links neben Pete Young in der Mitte) feilte. Ron Miller und Jeffrey Katzenberger gaben auch diesem Projekt Pete Youngs ihr Einverständnis. Er begleitete den Entwicklungsprozess und prägte den Film mit seiner Fähigkeit, eigene Ideen zur richtigen Zeit ins beste Licht zu stellen – ihn Verband mit dem Gründer des Studios die absolute Überzeugung, das Richtige zu tun; er war in der Lage, diese Einstellung auch anderen zu vermitteln. Als größter persönlicher Clou kann dahingehend ein weiteres Projekt genannt werden, das Pete Young privat entwickelte und auf der selben, legendären Konferenz vorstellte, die auch Ron Clements nutzte, um Konzepte für Arielle, die Meerjungfrau und Der Schatzplanet zu präsentieren: Oliver & Co. In den Disney-Studios wurde gemunkelt, dass Pete die Regie für seine Idee angeboten werden würde.

Mit seinem plötzlichen Tod im Herbst 1985 wurden diese Gedanken mit ihm begraben. Oliver & Co. feierte 1988 Premiere und wurde seinem Ideengeber gewidmet. Für die Studios war sein Tod ein unverständlicher Schock – Pete Young, der seine Ehefrau und drei kleine Kinder hinterließ, war an den Folgen einer nachlässig behandelten Grippe gestorben.

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