Montag, 2. April 2012

(Ab)Gebildet: Die Top 5 der witzigen Details in "High Fidelity"

Ich kann mich schon gar nicht mehr richtig erinnern: Hatte ich mir den möglicherweise besten Film mit John Cusack wieder einmal angesehen, weil ich melancholisch-nostalgisch drauf war, oder bin ich nun melancholisch-nostalgisch drauf, weil ich mir wieder einmal den möglicherweise besten Film mit John Cusack angesehen habe?

So rum oder so rum, Fakt ist, dass High Fidelity zu den Filmen gehört, die nicht alt werden, sondern mit jeder Betrachtung besser wirken, da sich die zunächst amüsanten Feinheiten immer mehr als reale Beobachtungen und durchdachte Geniestreiche offenbaren. Randbetrachtungen, die anfangs zum Schmunzeln waren, werden zu schlüssigen Details, die in den Film hingehören, da er ja eh nur von einem durch seine persönliche Sicht eingefärbten Erzähler übermittelt wird.

Und weil ich meine Gedanken nicht davon ablassen kann, gibt es nun meine Top 5 der witzigsten Requisiten- und Kostümdetails in High Fidelity. In chronologischer Reihenfolge sind es das entlarvende Band-Shirt, das Buch, das eine Vorwarnung gab, die perfekt platzierten Poster, wichtige Nachrichten und ein weiteres entlarvendes Shirt.

(Faire Warnung, auch wenn alle diesen Film kennen sollten: Spoiler zu High Fidelity voraus ... )

Nummer 1: Rob erinnert sich an sein eigenes, persönliches Vietnam zurück ... die Trennung mit der eine Klasse über ihm stehenden Charlie. Er fühlte sich in dieser Beziehung nie wohl, da er sich für zu schlecht hielt, um mit ihr zusammen zu sein. Er kam sich vor wie ein Betrüger, jemand der sich für wen ausgibt, der er nicht ist. Und genau das scheint ihm Charlie eines Morgens nach dem Sex mit ihrer Kleidungswahl auszudrücken. Bonuspunkte dafür, dass dieses Shirt nicht nur Rob vorhält, wie er sich fühlt, sondern auch für Charlies wahre Natur spricht!

Nummer 2: Rob hätte sich eine Menge Ärger ersparen können, wenn er sich mehr für die Bettlektüre seiner Freundin Laura interessiert hätte. Sofern sie auch wirklich jemals Love Thy Neighbor las, und sich Robs Gedächtnis keinen Spaß mit ihm erlaubte ...

Nummer 3: Die Frau, die Rob so sehr am Herzen lag, dass er sich selbst beim Erstellen seiner Top 5 Trennungen etwas vormacht, machte er neben zwei Herzchen-Postern an einem Club klar. Wie musikalisch-subkulturell-romantisch ...

Nummer 4: Laura besucht Rob in einem verletzlich-versöhnlichen Geisteszustand, woraufhin sie ausdiskutieren, dass ihre gescheiterte Beziehung eine neunprozentige Chance hat, gerettet zu werden. Selbstverständlich blitzen dabei im Hintergrund die Shipping News auf, also entweder die Übersicht neuer Lieferungen, oder die "Verkupplungsnachrichten". Die zweite Bedeutung von "to ship" ist mittlerweile weit geläufig, entstand aber schon Mitte der Neunziger, deshalb traue ich es den Filmausstattern zu, 2000 absichtlich diesen Gag gemacht zu haben.

Nummer 5: Rob erfährt, dass er Chancen bei seiner Ex hat und feiert dies, indem er eine ihn faszinierende Sängerin flachlegt. Was für ein Schwein ...

Ich glaube, ich habe die obersten Regeln des Sample-Erstellens eingehalten ... Endlich scheine ich es begriffen zu haben. Als nächstes lerne ich, auf die Bücher meines sozialen Umfelds zu achten. Und die Tentakelmonster-Shirts sollte ich wohl auch im Schrank lassen ...

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3 Kommentare:

Alice hat gesagt…

Sehr klasse!

Der Wahrheitspeter hat gesagt…

Schön dass die solche Details eingabaut haben.
Der bleibt natürlich trotzdem langweilig. Einfach zum gähnen. War aber auch dumm von mir anzunehmen, John Cusack könnte in einem guten Film mitspielen. Keine Ahnung was alle an dem Film finden.

Herbert de Vaucanson hat gesagt…

Grossartiger Film nach einer großartigen Geschichte. Wahrscheinlich muss man so ab 1000 CDs nichtalphabetisch sortiert im Schrank haben, um Hornby nachempfinden zu können. ;-)
Und es ist sehr schön, das eigene Leben immer wieder begleitet zu finden von tollen Filmen aller Genres, in denen John Cusack mit fassungslosem Gesicht die Anteilnahme des Kinobesuchers hat. (Ja, ich konnte "Sure Thing" schon im Kino sehen ...)
Schöner Artikel, übrigens ...

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