Freitag, 25. Mai 2012

Men in Black 3


Men in Black 3 hatte keine vertrauenserweckende Produktionsgeschichte: Die Dreharbeiten wurden für eine längere Zeit unterbrochen, um das Drehbuch fertigzustellen, aber der geplante Starttermin für das zweite Drehsegment musste mehrfach verschoben werden, weil das Skript noch immer nicht stand. Schauspieler mussten vom Film abspringen, zwischen den kreativen Köpfen hinter dem Film kam es zu Unstimmigkeiten und aus der geplanten Verwendung von 3D-Kameras wurde nach kurzer Drehzeit der Verzicht auf entsprechendes Equiment und die Kehrtwende zur Konvertierung.

Bei allem begründeten Pessimismus war ich dann trotzdem einer der wenigen, die Spaß an den Trailern hatten. Sie versprachen kein komödiantisches Meisterwerk, aber einen kurzweiligen Film. Deshalb war ich ziemlich unschlüssig, was ich letztlich von meinem Kinobesuch erwarten soll. Die ersten Minuten spielten sich dann auch zeitgleich in beiden Welten ab: Seit vierzig Jahren fristet der grausige Außerirdische Boris, die Bestie (Jemaine Clement) ein Dasein in einem Weltraum-Hochsicherheitsgefängnis. Doch nun stackst sein treues Fangirl Lily (Nicole Scherzinger) herbei, um ihm bei der Flucht zu helfen, so dass er endlich Rache an Agent K (Thommy Lee Jones) nehmen kann, der ihn damals eines Armes und seiner Freiheit beraubte.

Boris macht schnell den Eindruck eines coolen Alienschurken. Leicht makaber, ein genüsslich biestiges Spiel von Jemaine Clement und tolles Effektmakeup von Rick Baker (sowie unterstützende Computereffekte). Nicole Scherzinger dagegen kann einfach ums Verrecken nicht schauspielern, selbst als aufgebretzeltes Fangirl agiert sie unnatürlich und steif.

Sobald sich Boris seine Freiheit erkämpft hat (auf originelle und effekttechnisch interessante Weise) und wir das schauspielerische Nulltalent aus den Augen verlieren, wird aber klar, dass Men in Black 3 nicht einfach ein weiteres Men in Black 2 ist. Diese Fortsetzung nimmt sich nicht einfach die beliebtesten Elemente des ersten Teils und dreht sie auf, sie geht auch nicht haarsträubende Wege, um familiäres zu wiederholen. Es zeichnet sich keine Lovestory ab, die Dynamik zwischen J und K wird nicht umgedreht oder 1:1 auf dem Stand des ersten gelassen, obwohl sich J mittlerweile an alles gewöhnt haben müsste. Smith und Autor Ethan Cohen (nicht zu verwechseln mit Ethen Coen) finden einen schönen Grad zwischen "er ist der Naivling, der menschlich gebliebene von der Straße" und "er ist in seinem Job fest angekommen". Die Story wiederum, nun, sie ist neu für das Men in Black-Universum, aber sonst nur bedingt originell, wobei es überrascht, wie kurzweilig und peppig sie hier umgesetzt wurde:

Boris reist in die Zeit zurück, um K zu töten und so den Lauf der Zeit zu ändern. Da J aufgrund eines Zeitparadoxes zu sehr in diese Geschichte verbunden ist, dass einzig und allein er in der neuen Gegenwart Erinnerungen an die ursprüngliche Zeitlinie hat, macht auch er sich auf ins Jahr 1969 begeben, um Boris daran zu hindern, in den Zeitfluss einzugreifen. Auf dem Weg dahin begegnet er einem jungen K (Josh Brolin), Andy Warhol (Bill Hader) und einem Alien, das zu jeder Zeit mehrere mögliche Zeitlinien vor seinem Auge ablaufen sieht, was für seinen Lebensgenuss mehr ein Fluch, denn ein Segen ist (Michael Stuhlbarg).

Die Gagdichte ist nicht so hoch wie im Original, aber das Zusammenspiel zwischen Will Smith und Josh Brolin ist außergewöhnlich frisch, Michael Stuhlbargs durch seine Gabe zum winselnden Melancholiker gewandeltes Alien sehr witzig und bodenständig, Boris gibt einen guten Widersacher ab und mehrfach nimmt die Handlung, wenngleich keine überraschenden Wendungen, so wenigstens nicht stets die naheliegendste Abzweigung. Der Film sieht toll aus, bloß das 3D ist für die Katz, da es zwar für den Effekt ausgelegte Momente gibt, die einzelnen Ebenen des Bilds zu dicht beieinander sind. Außerdem sind die Objekte nicht mehrdimensional, sondern stehen schlicht wie bei einem Pop-Up vor und hinter anderen Objekten.

Gelungen ist auch, wie der Film die Beziehung zwischen J und K vertieft. Für eine rührende Freundschaftsgeschichte ist Men in Black 3 zu flach und zu poppig, aber dem Film gelingt es locker, dass man sich sehr für diese Figuren sorgt und mit ihnen mitfühlt. Kurzum ist Men in Black 3 kurzweiliger Popcornspaß und eine überraschend angenehme Möglichkeit, sich nochmal in dieses Filmuniversum zu begeben.

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