Dienstag, 16. Oktober 2012

Mann tut was Mann kann


Die deutsche Romantikkomödie. Ein qualitatives Kino-Sorgenkind der gehobenen Gewichtsklasse. In enormer Masse finden diese humorigen Liebesgeschichten ihren Weg in die deutschen Kinos, und auch wenn sie nur alle Jubeljahre mal zu solchen Megaerfolgen wie Keinohrhasen werden, zerren sie doch mit gewisser Verlässlichkeit eine ansehnliche Anzahl an Leuten ins Kino. Wirkliche Alleinstellungsmerkmale weisen nur die wenigsten dieser Romantikkomödien auf, häufig sind sie weder wirklich witzig, noch wirklich romantisch. Stattdessen residieren sie in einer undenkwürdigen Grauzone, in der die Liebe nicht genug bewundert wird oder nicht glaubwürdig genug erscheint, um ans Herz zu gehen, die Witze dagegen zu beiläufig daherkommen und zu selten sind, als dass sich der Film als Lachmuskeltraining eignet.

Mann tut was Mann kann, von Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring in deutschen Fernsehsendungen ausgiebig beworben, hat durchaus eine eigene Grundidee, einen relativ unverbrauchten Winkel, aus dem er an die ewig gleichen Geschichten herantritt. Die Ausführung indes ist dermaßen träge und unengagiert, dass Mann tut was Mann kann ganz tief im Sumpf der typischen RomCom-Fehler Kinodeutschlands versinkt.

Die neue Regiearbeit von Marc Rothemund (der Kopf hinter dem zwar klischeelastigen, doch bezaubernd-süßen Groupies bleiben nicht zum Frühstück) erzählt vom überzeugten Junggesellen Paul, der sich mit seinen 42 Jahren von einer einmaligen Affäre zur nächsten schleicht. Sogar bei der Wahl seines Haustiers will er keine Verpflichtungen eingehen, und führt deswegen einen Problemfall aus dem Tierheim Gassi, statt ihn bei sich aufzunehmen. Auch Pauls bester Freund und Arbeitskollege Schamski (Jan Josef Liefers) ist ein Frauenheld und gönnt sich neben seiner Ehe immer wieder heiße Affären. Seine jüngste, ungezwungene Liason führt er jedoch firmenintern, was ihm einen miesen Stand in der Firma gibt. Günther (Oliver Korittke) hat mit seinen beiden aufreißerischen Kumpeln wenig gemein, ist stattdessen ein schüchterner Bub, der beim Anblick einer süßen Kellnerin ins Stottern kommt und jedes kleine Liebeswehwehchen bei seinen Freunden ausdiskutieren muss. Während Pauls Umfeld in Liebeskummer versinkt, entdeckt er nicht nur eine herzliche Zuneigung zu seinem Leihhund, sondern auch ehrliche Gefühle für desse Tierärztin Iris (Jasmin Gerat), welche jedoch kurz vor der Eheschließung steht. Als auch noch Pauls Fahrer Bronko (Fahri Yardim) bei einer abendlichen Zusammenkunft des bunten Männertrupps eine philosophische Frage stellt, mutiert Pauls Junggesellenbude zum Denkerclub der orientierungslosen Männerherzen ...

Eine sich zufällig bildende Männer-WG, deren Mitglieder bei Tag ihre Beziehungsprobleme zu kitten versuchen, und die zu später Nachtstunde bei Zigarren und Alkohol über den ewigen Tanz zwischen den Geschlechtern philosophieren. Eine durchaus ansprechende Grundidee, die einen tollen Nischenfilm abgeben könnte, aber selbst für eine Mainstream-Komödie einige Ausgangssituationen für rezitierfähige Sprüche und überzeugende Charakterzeichnungen bietet, vielleicht auch für so manchen einsichtigen Dialog. Dieses Element von Mann tut was Mann kann ist es auch, das Wotan Wilke Möhring bei seinen Medienauftritten groß anpreist. Bloß findet es sich lediglich in marginaler Dosis im Kinofilm vor. Die verrauchten, promillereichen Liebesberatungsgespräche, exakt auf der Linie zwischen Überzeichnung und ehrlich-humoriger Darstellung angesiedelt, sind zwar qualitative Highlights des Films, da sie zum Schmunzeln anregen und charmant den männlichen Makel in der romantischen Ratsuche aufs Korn nehmen, und zugleich auch ernsthaftes Interesse an den Figuren aufzeigen, aber sie werden von einer Überzahl an belang-, ideen- und witzlosen Handlungsszenen erdrückt.

Denn abseits besagter WG-Ratssitzungen und zwei, drei vereinzelter Gags funktioniert kaum etwas in Mann tut was Mann kann. Figuren werden holpernd und polternd eingeführt, ebenso wie sie mit der Brechstange in den letzten Filmminuten zum Ende ihrer Handlungsfäden geprügelt werden. Durch die Masse an Handlungsfäden (und der vielen, sich ziehenden Randsequenzen, in denen keine der Storys vorangetrieben wird) ist für keinen genug Raum, um Emotionalität zu entwickeln. Könnten die Nebenplots gegebenenfalls auch ohne auskommen, wirkt die Läuterung des überzeugten Singles Paul durch die wenigen 08/15-Szenen, die ihr gegönnt sind, vollkommen unglaubwürdig. Zwischen Möhring und der ihre Rolle bloß so runterspielenden Jasmin Gerat besteht keinerlei Leinwandchemie und durch das viel zu langgezogene Finale strapaziert diese Geschichte zum Filmabschluss auch ordentlich die Geduldsfäden. Die Randplots derweil sind für ein paar Sprüche gut, vor allem von einem lockeren Jan Josef Liefers, der mit augenzwinkernder Schmierigkeit eindeutig die engagierteste Performance abgibt, verirren sich aber alsbald in vorhersehbare und sich wiederholende Wenden.

Fazit: Trotz einer überdurchschnittlichen Grundidee und so manch sympathischen Darstellern manövriert sich Mann tut was Mann kann durch das keinerlei Gefühl fürs Pacing, Überraschungen und einer annehmbaren Gagdichte sowie den Mangel an Emotionalität leider sogar deutlich unter das Durchschnittsniveau deutscher Romantikkomödien.

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