Mittwoch, 20. August 2014

Planes 2: Immer im Einsatz


Das Fließbandprodukt Planes war noch nicht einmal angelaufen, da kündigten die DisneyToon Studios bereits zwei Fortsetzungen an. Die erste spurtete sogar mit beachtlichem Tempo in die Lichtspielhäuser und hob in den USA nicht einmal ein Jahr nach der Premiere des ersten Flugzeugfilms ab. Höhenflüge waren für den 84-minütigen Computeranimationsfilm allerdings nicht drin: Anders als der Erstling hat Planes 2: Immer im Einsatz Probleme damit, weltweit auch nur auf mehr als 100 Millionen Dollar einzuspielen. Mit seinen miesen Kritiken und eher dürftiger Zuschauerrezeption war Planes auch wahrlich kein guter Anfang für ein neues Franchise. Anders aber als bei TinkerBell, wo der erste Film klar der stärkste der Reihe war, findet Planes in seiner Fortsetzung zu neuen Höhen.

Seine Identität als primär an das kindliche Publikum gerichtetes Produkt kann Roberts Gannaways Regiearbeit zwar nicht abschütteln, allerdings nehmen Gannaways Inszenierung und Jeffrey M. Howards Drehbuch die Zuschauer bedeutsam ernster als noch der seichte, uninspirierte Vorgänger. Dies liegt unter anderem daran, dass ungleich fester an der Spannungsschraube gedreht wird: Direkt im Prolog zerreißt es ein wichtiges Getriebeteil, weshalb der erfolgreiche Rennflieger Dusty nicht länger seinen Traum leben kann. Da Dusty dies nicht wahrhaben will, geht er bei einem nächtlichen Testflug weit über seine Grenzen hinaus und verursacht dabei einen Unfall, in dessen Folge den Behörden auffällt, wie unfähig der örtliche Feuerschutz ist. Um seinem alternden Freund von der Feuerwehr die Blamage der Zwangsrente zu ersparen, willigt Dusty ein, sich zum Feuerwehrflieger ausbilden zu lassen. Dazu geht er in einem nah gelegenen Nationalpark in die Lehre und macht dabei nicht nur mit illustren Feuerbekämpfern Bekanntschaft, sondern auch mit dem gestrengen Ausbilder Blade Ranger.

Diese geradlinige Story erfindet das Rad zwar ebenso wenig neu wie die Handlung von Planes, wird aber mit viel mehr Esprit erzählt und fußt stärker als das lustlose "Malen nach Zahlen"-Skript des Rennsportfilms auf den Handlungen des Daueroptimisten Dusty. Dessen Entscheidungen haben in Planes 2: Immer im Einsatz auch stets Konsequenzen, was für eine kindgerechte Dramatik sorgt: Erst muss Dusty, der sich erfolgreich in einer eigentlich eh nie für ihn gedachten Welt austobte, eine Pause vom ihn auslaugenden Rennsport nehmen. Dann verursacht er beim Versuch, sich bezüglich seiner körperlichen Leistungsfähigkeit selbst zu betrügen, einen Unfall, der nicht nur seine Lage in Mitleidenschaft zieht, sondern auch die Unbeteiligter. Und erst einmal im Nationalpark angekommen ist es seine gefährliche Mixtur aus steter Selbstüberschätzung und einem auf Unerfahrenheit treffenden Helferdrang, die Dusty und seine Mitstreiter im Kampf gegen Waldbrände in brisante Situationen manövriert.

Robert Gannaway schreckt in den dynamischen Actionsequenzen nie davor zurück, die Gefährlichkeit eines Waldbrandes für Natur und ... äh ... Vehikelbevölkerung aufzuzeigen. Die Leinwand wird mehrmals von bedrohlichen Rauchschwaden und höllisch roten Flammen dominiert, so dass die Figuren von der Naturgewalt förmlich verschluckt werden. Im Gegensatz zum letztjährigen Planes-Film, der nach einer DVD-Produktion aussah, befindet sich dieses Sequel hinsichtlich der Animation auf gehobenem Kinoniveau. Zwar sind die Charaktere weiterhin weniger vital als ihre Cars-Pendants, doch insbesondere die Rauch- und Feuerpartikel, das Hitze anzeigende Flackern der Luft und die weitläufige, bildhübsche Aussicht des Nationalparks machen Planes 2: Immer im Einsatz zu einer visuellen Wucht, die sich locker mit jüngeren Produktionen aus den Häusern Illumination Entertainment oder Blue Sky Studios messen lassen kann. Der cartoonige Einfallsreichtum der DreamWorks-Filme Die Croods oder Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman wird auf optischer Ebene wohlgemerkt nicht erreicht, der Detailreichtum dieser Produktionen wird dagegen vielleicht sogar überboten. Planes 2: Immer im Einsatz ist also tatsächlich wie fürs Kino gemacht, was sich auch im imposanten 3D widerspiegelt, das gerade die Actioneinlagen noch aufregender macht. Kleine Zuschauer dürften von ihnen wie gefesselt sein, das ältere Publikum dagegen kann sich zwar stets den Ausgang der Szenen denken, dank der schwungvollen Inszenierung ist Planes 2: Immer im Einsatz trotzdem durchwegs unterhaltsam.

Gleichwohl erkennt Robert Gannaway die lächerliche Natur dieser Filmreihe und nutzt dies zu seinem Vorteil: Wo Planes noch beim Versuch, seine fiktive Welt durch dramatische Enthüllungen zu vergrößern, eine Bruchlandung hinlegte, scheint Planes 2: Immer im Einsatz den Irrsinn des Cars-/Planes-Universums zu akzeptieren und setzt abseits des zentralen Plots auf ansteckende Heiterkeit. Auch Planes 2: Immer im Einsatz beinhaltet eine Enthüllung, was Dustys neuer Mentor in seiner Vergangenheit trieb, statt einer abgeschmackten und die Logik des Films in Frage stellenden Weltkriegsreferenz gibt es hier aber urkomische Anspielungen auf die Popkultur der 70er und 80er zu sehen. Generell gehen die Dialoge leichtfüßiger und spaßiger mit dem gebotenen Material um und sind vermehrt an einfallsreichen, selbstironischen oder einfach nur verspielt-albernen Wortwitzen interessiert, statt daran, die Planes-Welt als schlüssiges Filmuniversum darzustellen, was eh brutal zum Scheitern verurteilt ist.

Ebenso sind die Nebenfiguren zwar weiterhin flach und einseitig, aber immerhin wirkt es so, als wüssten die Filmemacher das, so dass sie das Figurenensemble wenigstens auf den Unterhaltungsfaktor hinbürsten. Von einer frivol-gruseligen Stalkerin über einen keinerlei Gefahrensituation erkennenden, schleimigen Lodgebesitzer (in der deutschen Fassung saukomisch: Axel Malzacher) sind die meisten Charaktere allein darauf aus, für Kurzweil zu sorgen. Misslungen ist allein ein veralteter Ureinwohner-Stereotyp (der mit einer makaberen Lagerfeuergeschichte allerdings einen unerwartet guten Lacher auf seiner Seite hat), außerdem nerven die gelegentlichen Pupswitze, die sich einfach nicht in die Stimmung dieses von Mark Mancina musikalisch treibend untermalten Films fügen wollen. Mit dem verbissenen Blade Ranger (effektiv: Henning Baum) und einem älteren Autoehepaar, das einen durch seine sympathische Ausstrahlung im Finale durchaus mitfiebern lässt, gibt es daneben aber noch immer ein paar Figuren, die keine reine Lachnummern sind.

Ärgster Kritikpunkt ist lediglich der Schluss, der die lobenswerte Aussage von Planes 2: Immer im Einsatz mit Blick auf weitere Fortsetzungen etwas untergräbt. Diese DisneyToon-Studios-Produktion strotzt vor Respekt für Brandbekämpfer und unterrichtet sein junges Publikum ganz mühelos nicht nur darin, dass nicht allein Sportler Idole sein können, sondern auch darin, dass es manchmal einen alternativen Karrierepfad einzuschlagen gilt. Letzteres wird aber, um dem viel durchmachenden Dusty einen sprichwörtlichen Knochen (Kolben?) hinzuwerfen, korrumpiert, obwohl die positive Laune des Films auch ohne dieses Eingeständnis beibehalten werden könnte. Das ist zwar bedauerlich, da Planes 2: Immer im Einsatz aber für die Art Film, die er sein will, sonst geradezu beispielhaft gelungen ist, lässt sich dies verschmerzen.

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