Freitag, 10. April 2015

Real oder nicht real, das ist hier die Frage

Credit: Annie Leibovitz for Disney Parks

Tim Burtons inkonsistentes Fantasyspektakel Alice im Wunderland, Robert Strombergs künstlerischer Totallausfall Maleficent - Die dunkle Fee und Kenneth Branaghs prachtvolles Realfilmmärchen Cinderella haben ihren Dienst getan: Mit ihren ansehnlichen bis hervorragenden Kinoeinnahmen haben sie dem Disney-Konzern einen Floh ins Ohr gesetzt, woraus das nächste Disney-Erfolgsfranchise besteht. Neben dem Klassiker schlechthin (dem Disney-Meisterwerke-Kanon), Pixar, Marvel und Star Wars dient vorerst das Konzept der Real-Neuverfilmungen bereits in Trickform adaptierter Geschichten als weitere Konzernstütze.

Dass Disney diese Idee generell besser nicht überstrapazieren sollte, habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Doch wenn wir nun all unseren Glauben an die Vernunft in den Köpfen der Disney-Geschäftsführung zusammennehmen und darauf vertrauen, dass das Traditionsstudio nicht zu einer reinen Recyclingstation verkommt, stellt sich trotzdem eine Frage: Sofern Disney seinen Meisterwerke-Kanon weiter als Inspirationsquelle für neue Realfilme nutzt - welche der Animationsklassiker bieten sich an und welche sollten in Ruhe gelassen werden?

Natürlich kann ich keine allgemeingültige Antwort geben, aber ich kann wenigstens meine eigene Meinung auf die Welt loslassen - und gespannt Fragen, wie ihr dazu steht. Welche "Realmakes" könnt ihr euch vorstellen, auf welche wollt ihr mit aller Macht verzichten?

Eignet sich dieses Disney-Meisterwerk für ein Realfilm-Remake?
  • Schneewittchen und die sieben Zwerge: Ein schwieriger Fall. Die einfache Antwort lautet: Nein! Die ausführliche Antwort: Das Märchen von Schneewittchen als Realfilm umgesetzt zu sehen, hat seinen Reiz - jedoch wurde dies bereits zu häufig versucht, erst recht in jüngster Vergangenheit. Zudem wäre eine Neuadaption im echten Disney-Stil ein kleines Sakrileg, schließlich handelt es sich hierbei um das erste Meisterwerk. Wenn, dann würde ich eine sehr lose Neuinterpretation des Märchens bevorzugen, nur mit subtilen Referenzen auf den 1937er Film. Anders gesagt: Das aufgegebene Projekt Order of the Seven fand ich ansprechend. Eine Disney-Version von Snow White and the Huntsman oder Spieglein Spieglein dagegen braucht es wirklich nicht.
  • Pinocchio: Bereits angekündigt. Ich stehe dieser Idee erstmal neutral gegenüber, bis mehr über Cast und Crew bekannt ist. Generell bietet sich Pinocchio sowohl für eine finstere, wie eine magisch-heitere Neuinterpretation an. Entscheidend ist das Design der Titelfigur und das Talent der involvierten Persönlichkeiten. Alles kann, nichts muss.
  • Fantasia: Eine Zeichentrick-Fortsetzung? Ja, bitte. Ein Realfilm-/CG-Sequel? Nein, auf keinen Fall! Ein Realfilm-/CG-Remake? Skandal!
  • Dumbo: Bereits angekündigt und eine der dämlichsten Ideen der jüngeren Disney-Historie. Die Geschichte eines Außenseiter-Elefanten ist wie geschaffen für das Zeichentrick-Medium und wurde zudem schon perfekt umgesetzt. Remakes haben den größten Reiz, wenn sie dem Original etwas neues abgewinnen können oder sie ein gescheitertes Projekt perfektionieren können. Dumbo kann man nur verschlimmbessern, und wenn dann noch das Medium wechselt,  ist jede Hoffnung verloren.
  • Bambi: Abgesehen davon, dass kein Remake angekündigt wurde: Siehe oben.
  • Saludos Amigos: Wird nicht passieren, darf nicht passieren.
  • Drei Caballeros: Eine im Geiste dieses Films gehaltene Zeichentrick-Fortsetzung? Extrem unwahrscheinlich, aber willkommen. Ein Remake? Vergebene Liebesmüh.
  • Make Mine Music: Siehe oben. Ausnahme: Ein "echtes" Peter und der Wolf aus dem Hause Disney wäre durchaus interessant, solange es auf eine aufgesetzte "Dark and gritty"-Attitüde verzichtet.
  • Fröhlich, frei, Spaß dabei: Ein Remake des Bongo-Parts: Unnütz, es gibt nicht genug her. Es sei denn, ein Auteur hat einen Narren an der Story gefressen und will sie unbedingt neu anpacken. Die Bohnenranke-Story? Im effektlastigen Realfilmsektor vorerst wohl verbrannte Erde, aber ich bin neugierig, was Nathan Greno im Animationsbereich daraus gemacht hätte, wäre Giants noch immer im Rennen ...
  • Musik, Tanz und Rhythmus: Einen Pecos Bill-Realfilm gibt es schon, aber den kann man mühelos verbessern. Einen Johnny Appleseed-Film stelle ich mir derweil langweilig vor. Und der Rest dieses Packagefilms will wohl niemand als CG-lastigen Realfilm sehen ...
  • Die Abenteuer von Ichabod und Taddäus Kröte: Einen Realfilm zu Der Wind in den Weiden braucht es eh schon nicht, und noch weniger braucht es einen zweiten, der Teil der erweiterten Disney-Familie ist. Terry Jones' Film taugt nur was als Kuriosum für Monty-Python-Fans was. Einen ausgewachsenen Disney-Realfilm zu Sleepy Hollow wiederum halte ich für äußerst unwahrscheinlich. Aber ich würde ihn gern sehen, vorausgesetzt, er wird nicht von einem bloßen Disney-Ja-Sager verwirklicht, sondern von einem Regisseur, der freies Geleit hat und das Gruselelement ausreizen darf. Ja, natürlich denke ich an dieser Stelle an Gore Verbinski, aber auch Joseph Kosinski traue ich das zu, Sam Raimi natürlich auch. Rob Marshall derweil würde ich nicht hinter dem Projekt sehen wollen, obwohl er bereits einen PG-13-Disney drehte ...
  • Cinderella: Haben wir schon hinter uns.
  • Alice im Wunderland: Been there, done that.
  • Peter Pan: Wäre eigentlich sehr interessant, aber nach dem Universal/Sony-Realfilm von 2003 und dem demnächst startenden Joe-Wright-Film dürfte es vorerst genügend reale Peter Pans geben. Disney, gedulde dich noch was!
  • Susi und Strolch: Wie schon bei Dumbo und Bambi gilt auch hier: Das funktioniert als Zeichentrickfilm am besten, wir brauchen es nicht nochmal in einem anderen Medium.
  • Dornröschen: Ich warte noch immer auf eine Entschuldigung aller Beteiligten
  • 101 Dalmatiner: Gab es schon und war auch ganz akzeptabel. Und dennoch arbeitet(e) Disney an einem Cruella-Realfilm. Die Sache ist schon abgegrast, könnte aber funktionieren ...
  • Die Hexe und der Zauberer: Ein direktes Remake wäre vollkommen unsinnig. Denn wer den inhaltlichen Ansatz dieses Films mag (also die Idee, die Kinderjahre von König Artus zu erzählen und diese Story dann noch von Merlin und seiner Feindin Mim einnehmen zu lassen), wird wohl auch seinen visuellen Stil mögen. Einen Disney-Realfilm rund um die Artus-Saga aber fände ich durchaus spannend - nachdem ja Jerry Bruckheimers Touchstone-Epos in der Filmwelt keinen bleibenden Eindruck hinterließ. Das Problem daran ist, dass Guy Ritchie bereits bei Warner an einem "King Arthur Cinematic Universe" arbeitet, und Disney da als Trittbrettfahrer zu sehen, würde mir sehr missfallen. Erst recht, da dank der mittelalterlichen Epen rund um die einzelnen Ritter der Tafelrunde hier der "Cinematic Universe"-Ansatz tatsächlich Potential hat. Disney hätte sich dieses Projekt krallen sollen. Ritchies Sherlock Holmes-Filme hätten meiner Meinung nach schon unter dem Disney-Label funktioniert, und seine Ritterfilme werden sicher ebenfalls ähnlich ticken. Und in dem Fall wären sie sicher spannende Erweiterungen des Disney-Filmkosmos. Naja, dann eben nicht ...
  • Das Dschungelbuch: In Produktion und eine saudämliche Idee für einen Realfilm-/CG-Hybriden! Es braucht ein Wunder, damit das ansehnlich wird. Angesichts dessen, wie mies Favreaus Cowboys & Aliens ist und wie mager Iron Man 2 daherkam, stimmt mich zudem die Wahl des Regisseurs missmutig. Seit Iron Man hat er nichts wirklich gutes mehr gerissen ...
Die Disney-Meisterwerke der Post-Walt-Ära hake ich demnächst ab ...

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