Donnerstag, 25. Dezember 2014

Die schlechtesten Filme des Jahres 2014

Oder, wie diese Flopliste eigentlich betitelt sein müsste: "Die Filme, die mir dieses Jahr durch meiner Ansicht nach aggressive Idiotie, magere Drehbücher, schwache Performances, verschenktes Potential oder quälende Langeweile besonders stark missfielen". Bloß wäre dieser Titel längst nicht so griffig, so leicht über Google zu finden und auch nicht so gut darin, Aufmerksamkeit zu erregen. In dieser Liste geht es nicht vorrangig um Filme, die von vorne bis hinten stümperhaft gemacht sind. Unterfinanzierte Studentenfilme, die einen Alibikinostart erhielten und sich kaum als Film qualifizieren, müssen nicht weiter geschunden werden. Nein, hier dreht sich alles um Filme, die mich ganz persönlich frustrieren, verärgern oder nerven. Wer an ihnen Gefallen findet, darf es gerne tun. Jedem Tierchen sein Pläsierchen, vielleicht übersehe ich ja auch Qualitäten. Gerade bei den höheren (äh ... niedrigeren?) Platzierungen fällt es mir nur zunehmend schwerer, nachzuvollziehen, was zum Henker an diesen Filmen unterhaltsam, interessant oder spannend sein soll.

Und, na gut. Ein unprofessioneller Unfall, bei dem doch kaum jemand gedacht haben konnte, dass er so reif für eine Kinoveröffentlichung ist, hat sich sehr wohl hier eingeschlichen. Da er allerdings stolz als 3D-Kinoerlebnis positioniert wurde, haben sich die Macher meinen Hohn selber eingebrockt. Aber nun genug der Vorrede! Auf ins Abenteuer!

Platz 15: Rio 2: Dschungelfieber (Regie: Carlos Saldanha)

Es bestand eine nicht völlig zu verachtende Möglichkeit, dass mir Rio 2 gefällt. Inmitten dieser von unnötigen und/oder schlechten Musiksequenzen in die Länge gezogenen Trickfilmkomödie gibt es eine Reihe an Sketcheinlagen, die mir auch Monate nach Kinostart in Erinnerung geblieben sind. Ein Beispiel: Die musikbegeisterten Vögel Pedro, Nico und Rafael laden die tierischen Bewohner des brasilianischen Dschungel zu einem Casting ein, um die perfekte Urwald-Karnevalsshow auf die Bühne zu bringen. In dieser kurzen Passage beweist der Film Timing, Einfallsreichtum und eine gesunde Prise Verrücktheit. Nahezu alles drumherum? Klischeebeladen, unambitioniert und teilweise anstrengend. So, wie hier die sympathischen (wenn auch wenig denkwürdigen) Figuren aus Teil eins zu Dummbatzen herumkommandiert werden, macht das einfach keinen Spaß!

Platz 14: Pompeii 3D (Regie: Paul W. S. Anderson)

Nicht wenige Filmkritiker machen einen Sport daraus, auf Paul W. S. Anderson (alias "Der Trash-Anderson") einzuprügeln. Und es fällt schwer, es ihnen zu verdenken. Schließlich werden in seinen Filmen "Logik" und "Respekt vorm Ursprungsmaterial" klein geschrieben. Ach, reden wir uns nichts ein: Diese Dinge werden bei Paul W. S. Anderson höchstwahrscheinlich sogar falsch geschrieben. Aber, verdammichnocheins, gerade daher können seine Filme extrem unterhaltsam sein. Die drei Musketiere landete aus exakt diesem Grund 2011 sogar in meiner Jahresbestenliste. Poppig, peppig, deppert! Pompeii 3D dagegen übernimmt die flache Figurenzeichnung von Die drei Musketiere, verzichtet allerdings auf den Drive dieses verrückten Spektakels. In jeder einzelnen Minute wird deutlich, dass Anderson hier glaubt, die Quadratur des Kreises gefunden zu haben. Eine ach-so-schwelgerische, ständeübergreifende Romanze, ein nahendes, tödliches Schicksal und Einblicke in das schlimme Leben eines Gladiators treffen zusammen und wollen somit jede mögliche Demographie ansprechen. Nur versagt Anderson in sämtlichen Belangen. Sein "Gladiator trifft Titanic trifft Geile trashige 3D-Action"-Experiment ist zu oberflächlich und unsinnig, um auch nur als Popcorn-Bespaßung ernst genommen zu werden, jedoch zu dröge und geerdet, um die Trash-Fun-Faktor-Karte spielen zu können. Schlussendlich bleibt so nur steinerne Langeweile.

Platz 13: Honig im Kopf (Regie: Til Schweiger)

Ich schwöre hoch und heilig: Ich wollte diesen Film mögen. Ich wollte zeigen, dass ich nicht blind in die Kerbe der Schweiger-Abneigung haue. Doch diesen Beweis müssen dann wohl weiterhin meine Positionen zu Eisbär und barfuss liefern. Denn Honig im Kopf ist einfach nur ein weiterer Eintrag in die wachsende Liste der Schweiger-Wohlfühl-Kitschproduktionen, die sich selbst den Boden unter den Füßen wegziehen. Generell hätte ein akzeptabler "Crowdpleaser" aus dem Konzept von Honig im Kopf entwachsen können: Dieter Hallervorden spielt (hingebungsvoll und mit der richtigen Balance aus Tragik und einer bis ins schwere Krankheitsstadium reichenden humorigen Ader) einen demenzkranken Großvater. Während er seinem Sohn (Til Schweiger) und dessen Frau (Jeanette Hain) durch seine Erkrankung zur Last wird, macht es sich seine Enkelin zur Herzensaufgabe, sich um ihn zu kümmern. Erzählt mit Situationskomik und einem netten Maß Rührseligkeit hätte Schweiger vielleicht an das Niveau seiner früheren Filme anknüpfen können. Doch weit gefehlt: Eine Vielzahl an Schwachpunkten nimmt der Geschichte ihre Wirkung. Sie lassen sogar die gelegentlich vorkommenden, auf den Punkt genau ausbalancierten, tragikomischen Höhepunkte von Honig im Kopf verblassen.

Ärgstes Problem ist das Casting: Dadurch, dass der Regisseur, Co-Autor, Co-Cutter und Produzent seine Tochter Emma in der zentralen Rolle der Enkelin besetzt, begrenzt er die Möglichkeiten seines Werks. Zwar spielt sie deutlich besser als noch in den Kokowääh-Filmen, trotzdem hat sie schlicht noch?) nicht die darstellerische Bandbreite und Intensität, die es für einige ihrer Szenen benötigt. Ein weiterer Aspekt, der Honig im Kopf außerordentlich schadet, ist das Übermaß an ausschweifenden, Lust an Zerstörung zeigenden Slapstick-Passagen, welche so inszeniert sind, dass sie von einem möglichst breiten Publikum deftige Lacher ernten. Sie stellen der unentwegt einen schwierigen Tanz zwischen den Tonlagen versuchenden Atmosphäre immer und immer wieder ein Bein und nehmen den Figuren passagenweise ihre Menschlichkeit,. Zahllose Unfälle und Peinlichkeiten lassen sie zu polternden Cartoon-Pappkameraden verkommen. Darüber hinaus stört Schweiger den von seinem Werk beabsichtigten Familienfrieden, indem der Regisseur schon wieder ein fragwürdiges Frauenbild zelebriert. Schweiger, der in seiner Mittelalter-Blödelkomödie 1 1/2 Ritter propagierte, dass nur erfahrene Weiberhelden gute Ehemänner sein können und diese ihre ideale Frau in sexuell unerfahrenen Partnerinnen finden sollten, tritt dieses Mal gegen berufstätige Frauen. Schon recht zu Beginn des Films wird etabliert, dass beide der zentralen Eheleute berufstätig sind. Schweigers Figur ist selbstständig und kann jederzeit frei seine Arbeitstage planen, seine Frau dagegen ist fest angestellt. Die Gehälter beider Partner sind auf Augenhöhe. Als sich die Familiensituation beider verschlechtert, kennt Schweigers Drehbuch nur eine Lösung: Die Frau muss ihren Job hinschmeißen, wofür ihr in der abschließenden Montage auch (sinnbildlich) brav die Schulter geklopft wird. Ja, schönen Dank auch!

Als wäre dies nicht genug, vermiest ein dilettantischer Schnitt selbst einige der schöneren Filmmomente: Frenetisch schneiden Schweiger und Constantin von Seld in intimen, dramatischen Gesprächen innerhalb von Sekundenbruchteilen zwischen allen Anwesenden hin und her, bis einem schwindlig wird. Harte Übergänge zwischen einzelnen Sequenzen, ab und an aufkommende Phantombilder und das Fehlen eines wirklichen Erzählflusses degradieren Honig im Kopf dann endgültig zu einer wahren Enttäuschung. "You're kidding me?!" - "I'm not!"

Platz 12: Nicht mein Tag (Regie: Peter Thorwarth)

Der Bankangestellte Till (Axel Stein) ist von seinem öden Job und seiner wenig verständnisvollen Frau genervt. Als der Kleinkriminelle Nappo (Moritz Bleibtreu) Tills Bank überfällt, nimmt er ihn als Geisel. Anfangs gehen sich die zwei Männer gegenseitig gehörig auf die Nerven, aber nach und nach zeigt sich, dass sie gar nicht so unterschiedlich sind. Womöglich ist Till sogar der wildere Kerl?
Abgesehen von Axel Steins Hauptfigur sind alle Charaktere unausstehlich, und Steins Rolle wird vom Skript ungeheuerlich mies behandelt, indem ihr ein völlig inkonsequentes Handeln angetextet wird. Die Gags in dieser Komödie bestehen aus den Puzzlesteinen "niedriger Soziolekt trifft auf hohen Soziolekt" und "der Macho-Gangster hat Ahnung von Autos, Till nicht, Till ist kein Mann", die schnell eintönig werden. Gelungen ist einzig ein perfekt sitzender Cameo und der Soundtrack, der ganz angenehm ist.

Platz 11: Winter's Tale (Regie: Akiva Goldsman)

Hinsichtlich des Skripts und der kreativen beziehungsweise tonalen Gesamtleitung müsste Akiva Goldsmans Regiedebüt sogar noch schlechter abschneiden, denn dieses in Pathos getränkte Romantikdrama ist mehr Wust denn Film. Westentaschenphilosophie, Kostümfilm-Liebesstory, Fantasy und gegenwärtiger Mysteryherzschmerz wechseln sich hier ohne eine kohärente Vision ab. Die Dialoge sind zuckrig, nehmen sich aber spürbar wichtig und die Nebendarsteller sind grausam: Russell Crowes Akzent in der englischen Originalfassung kippt unentwegt, Jennifer Connelly wirkt geistig abwesend ... Dass Winter's Tale' trotzdem den Sprung in meine Flop Ten versäumt hat, liegt an den wenigen Elementen, die sich erfolgreich zusammenfügen (die Chemie zwischen Colin Farrell und Jessica Brown Findlay zum Beispiel ist recht bezirzend) sowie am Vergnügen, das manche der misslungenen Aspekte bereiten können. Von einem fehlbesetzten, unpassend gekleideten Cameo über Russell Crowes campigen Gehabe in einem Restaurant gibt es genügend helle Momente in diesem sonst vom dunklen Schleier der Langeweile bedeckten Film, um ihn von den nachfolgenden Filmen abzuheben.

Platz 10: Transcendence (Regie: Wally Pfister)

Ein Film, der viele, viele Fragen aufwirft. Nicht aber über die Natur des Menschen, die Gefahren und Möglichkeiten digitaler Technologien und die Abhängigkeit, in die wir uns im Umgang mit Computern begeben. Sondern eher Fragen wie folgende: Weshalb sieht ein Film, der vom talentierten Kameramann Wally Pfister inszeniert wurde, so flach und abstoßend aus? Wieso sind die Anti-Technologie-Terroristen, die den Dialogzeilen des Films nach zu urteilen durchaus graumoralische Sympathieträger sein sollen, genauso ineffektiv wie unerträglich? Weswegen spielt Johnny Depp seine Rolle so runter, als hätte er keine Lust gehabt? Und wenn das Drehbuch die Fähigkeit, unberechenbar zu sein und auch mal seine Meinung zu ändern, als große Stärke des Menschseins bezeichnet, wieso muss Rebecca Halls Protagonistin dann in ihrem Wankelmut so vorhersagbar sein? Geschweige denn, dass ihre unentwegt durchdrehenden Gefühle durch ihr Schauspiel und die aufzusagenden Zeilen so unplausibel wirken … Nette Idee, mies umgesetzt. Eine Verschwendung von Talenten.

Platz 9: #Zeitgeist (Regie: Jason Reitman)

Es tut mir im Herzen weh, ein Werk von Jason Reitman in meine alljährliche, cineastische Flopliste aufzunehmen. Aber hier sind wir nun. Eine Bestandsaufnahme des Zeitgeistes unserer digital geprägten Gesellschaft, hätte unter der Regie Reitmans verschiedene ansprechende Formen annehmen können. Satirisch süffisant wie Thank You For Smoking. Dramatisch-hip wie Juno, bittersüß wie Up in the Air oder so desaströs, schwarzhumorig und brillant-hinterfotzig wie Young Adult. Aber weit gefehlt. Der Jason Reitman, der #Zeitgeist verwirklichte, ist der melodramatische Jason Reitman, der die Kreuzung aus Coming-of-Age-Drama und Stockholm-Syndrom-Romanze namens Labor Day filmte. Fruchtete dieser Ansatz beim Schmachtfilm mit Kate Winslet und Josh Brolin noch, ist er hier völlig deplatziert. Die Kritik an Fehlkommunikation verfehlt ihr Ziel, da #Zeitgeist kein Gespür für den Klang realer oder digitaler Gespräche aufzeigt. Das menschliche Drama geht kaputt, da die Figuren so dimensional sind wie Sitcomfiguren der späten 80er, die auf Druck des Senders durch eine 'Very Special Episode' über dringende soziale Themen stolpern und dabei jegliche Schattierung ihres Charakters verlieren. Allein eine großteils stumme Szene, in der Mutter und Tochter im wortwörtlichen Sinne nebeneinander her kommunizieren, und ein Romantiksubplot über zwei Außenseiter, die sich durchs Netz näher kommen (aber auch in arge Probleme geraten), wollen zum Großteil gefallen. Einmal schlicht aufgrund der treffenden Grundidee und einmal dank der guten Jungdarsteller. Trotzdem: Lieber Disconnect auf DVD oder Blu-ray kaufen, denn dieser Episodenfilm behandelt das gleiche Thema um ein Vielfaches besser.

Platz 8: Hüter der Erinnerung (Regie: Phillip Noyce)

Basierend auf dem vor allem in den Vereinigten Staaten immens populären Kinderbuch aus der Feder Lois Lowrys erzählt der Australier Phillip Noyce in dieser 25-Millionen-Dollar-Produktion von einer trostlosen Zukunft, in der Lügen verboten sind und Gefühle durch Medikamente unterdrückt werden. Als Jonas (Brenton Thwaites) vom Ältestenrat in einer Zeremonie seine berufliche Zukunft erfährt, erstaunt er die Anwesenden: Ihm wird die Ehre zuteil, Lehrling des Hüters der Erinnerung (Jeff Bridges) zu werden. Dieser darf lügen, hat Emotionen und Zugriff auf zahllose Relikte aus einer früheren Zeit … Im Kern keine dumme Story (das Buch hat sich seinen Status nicht erschwindelt), jedoch wird sie durch eine stupide Figurenzeichnung und eine uninspirierte Regieführung (trotz einzelner Farbspielereien!) kaputt gemacht. Selbst bei nur 97 Minuten Laufzeit sind mehrere Längen spürbar, die Darsteller tragen entweder zu dick auf oder fahren auf Sparflamme und die innere Logik der Filmwelt ist verflucht löchrig. Dass die Moral des Films ununterbrochen mit dem Holzhammer vorgetragen wird, verdirbt dann auch beinahe den letzten Rest Sehvergnügen, den Jeff Bridges und die süßlich-netten Montagen über die Welt der Emotion diesem Film mitgeben.

Platz 7: Besser als Nix (Regie: Ute Wieland)

Frustrierend, dass diese Tragikomödie in meiner Flopliste landet. Denn sie hat gute Momente: Der melancholische Halbwaise Tom (François Goeske) fällt in seinem Heimatdorf auf wie ein bunter Hund. Sein Vater schämt sich für ihn, er schämt sich für seinen Vater. Und als ihm die Agentur für Arbeit auch noch empfiehlt, als Bestatter zu arbeiten, ist er in seinem Umfeld völlig unten durch. Die Lektion über den Umgang mit dem Tod ist bestückt mit einem guten Hauptdarsteller und einer starken Montage, welche fesselnd einen Wendepunkt zum Schlechteren markiert. Aber: Die Balance zwischen Drama, Groteske und Blödelkomödie ist ungelenk. Die Dorfjugend ist sehr inkonsistent karikiert. Figuren werden für unsinige Gags ihrer Funktion zum Denken beraubt, das Finale basiert auf einem nutzlosen Gag, es gibt mehrere tonal sehr negativ rausstechende Szenen und die Lösungen der zentralen, groß aufgebauten Probleme, kommen in den finalen Minuten schlagartig. Besser als Nix hätte nett werden können, gibt sich aber redlich Mühe, diesen Eindruck zu zerstören.

Platz 6: Grace of Monco (Regie: Olivier Dahan)

Was für eine Schlaftablette von einem Film. In feinstem Rosamunde Pilcher-Weichzeichner-Look gehalten und mit der inhaltlichen Dringlichkeit einer Kissenschlacht ausgestattet, greift Grace of Monaco nach den Sternen eines The King's Speech. Wie im Oscar-prämierten, humorvollen Adelsdrama dreht sich hier alles darum, dass eine Person des Königshauses ihren Mut finden und eine wichtige Ansprache halten muss, um ein Übel aufzuhalten. Bloß kommt Olivier Dahans Regiearbeit mit dem Bonus daher, dass im Mittelpunkt Grace Kelly steht, die obendrein eine Schauspiellegende ist. Und während The King's Speech ein gewitztes, spannendes Drehbuch aufwies, sind die Dialoge in Grace of Monaco zäh wie Zuckerrübensirup. Und genauso aggressiv süßlich. Von den fragwürdigen Geschlechterrollen (und das in einem Film über eine starke Frau!) und einigen nahezu lächerlich inkompetenten Kompositionen (einmal wandert der Fokus in einer Nahaufnahme von Nicole Kidman quer über ihre Stirn) mal ganz abgesehen. Nach allen Regeln der Kunst ein Unfall von einem Film. Nur halt ein langweiliger, statt ein erzürnender. Und manchmal, aber nur manchmal, ist er sogar unfreiwillig komisch.

Platz 5: Doktorspiele (Regie: Marco Petry)

American Pie für das Fack Ju Göhte!-Publikum. Das Dialogbuch? Nerven zerfetzend: Männliche Jugendliche schimpfen in einer Tour wie die härtesten Gangsterrapper, das weibliche Geschlecht kann nichts anderes als Rumzicken (abgesehen von Hauptfigur Lilli, gespielt von der alleinigen Sympathieträgerin dieses Trauerspiels, Lisa Vicari). Die Story? Vom Fließband, nur dass eine Durchschnittssexkomödie eine solidere Dramaturgie aufweist als Doktorspiele, da das eh von Beginn an vorhersehbare Finale mehrmals dreist hinausgezögert wird. Nebendarstellerin Ella-Maria Gollmer klingt so, als lese sie von neben der Kamera hängenden Karten ab, mehrere Szenen scheinen sehr mies nachsynchronisiert zu sein und diverse Gags sind so forciert, dass sie den gesamten Film aufhalten – ohne ihn zu bereichern. Der Soundtrack? Mit wenigen, wenigen Ausnahmen eintönig, lärmend und ideenlos. Vor vielen Jahren brachte ProSieben fast wöchentlich eigenproduzierte Jugend-Sexkomödchen auf die Bildschirme. Und die waren zwar Massenware, trotzdem waren sie im Normalfall deutlich besser als dieses qualvolle Machwerk.

Platz 4: Tarzan 3D (Regie: Reinhard Klooss)

Auch wenn mich die Filme auf dem Podest deutlich mehr gegen sich aufgebracht haben, tat mir schon Tarzan 3D beim Anschauen weh. Wenngleich aus völlig anderen Gründen. Denn dieser Computeranimationsfilm gehört nicht ins Kino! Selbst für DVD ist er zu unausgereift. Sämtliche Figuren, ob Mensch oder Affe, haben leblose Augen. Die Menschen sehen aus und bewegen sich wie Zombies, die an Fäden hängen. Die Affen haben zwar eine lebensnahe Fülle an Details, ihre Proportionen stimmen aber nicht völlig - willkommen in der Uncanny Valley. Die Hintergründe? Ebenfalls relativ aufwändig, doch die digitale Beleuchtung ist so unnatürlich gesetzt, sie verhindert jegliche Möglichkeit, den Regenwald als realen Raum wahrzunehmen. Inhaltlich ist Tarzan 3D auch überhaupt kein großer Wurf, aber nicht ganz so grausig wie auf der handwerklichen Ebene. Die Logik macht einige Sprünge (ein Tarzan im Schulalter verliert seine Eltern und hat als Jugendlicher bereits sämtliche Erinnerungen an Menschen verloren) und von Dramaturgie braucht man überhaupt nicht reden. Dass die Vorlage extrem freimütig umgemünzt wird, ist da eher zweitrangig.

Platz 3: The Philosophers (Regie: John Huddles)

20 Philosophiestudenten haben ihre letzte Stunde bei ihrem Lehrer Mr. Zimit, bevor sie ihren Abschluss erhalten. Der von James D’Arcy verkörperte, gestrenge Prof. sieht es nicht ein, am Tag vor Schulschluss einen Gang zurückzuschalten, und macht mit seinen Schülerinnen und Schüler daher ein Gedankenexperiment: Vor ihnen spielt sich eine atomare Katastrophe ab und sie müssen entscheiden, wer von ihnen in den rettenden 10-Personen-Bunker darf. Es verlangt vom Zuschauer bereits, ein Auge zuzudrücken, da kein vernünftiger Philosophielehrer solch ein Gedankenexperiment nutzen würde, um den Wert des Einzelnen für die Gesellschaft zu diskutieren. Aber gut, wir wollen Mal nicht so sein. Erstens ist dies ein Film, der uns eine Ausnahmesituation präsentiert, zweitens wurde sogar das Experiment aus Die Welle einst in Echt ausgeführt, also glauben wir einfach Mal, das Mr. Zimit einen an der Waffel hat. Somit ist das, was in The Philosophers geschieht zwar keine mustergültige Philosophiestunde, jedoch sind die in den ersten Minuten angerissenen Lektionen nicht all zu überzogen. Allerdings reißt dieser in Deutschland direkt auf DVD geparkte Film sein Konzept mit Hochgenuss ein. Die Figuren? Flach und im Fall von Mr. Zimit auch noch ein gewaltiger Bremsklotz, der sämtliche philosophischen Theorien im Keim erstickt. Spannung kann nicht aufkommen, da die Szenarien selbst innerhalb der Story fiktiv sind UND zudem rasch deutlich wird, dass die Schüler immer wieder von Mr. Zimit (farblos hassendswert!) ans Messer geliefert werden. Nur Sophie Lowe als Spitzenschülerin Petra ringt ihrer Figur mehr als eine Dimension ab, umso flacher sind aber die Settings. Der Klassenraum sieht wie digitale Rückprojektion aus, laut Produktionsnotizen wurde er aber vor Ort in Indonesien gedreht. Also stellt sich die Frage: Welcher Stümper hat den Film bitte ausgeleuchtet? (Antwort: John Radel) Es ist aber eh alles schnuppe, da es im Film eh nicht um das vermeintliche Thema "Was würdest du tun?" geht. Unterschwellig läuft es die ganze Zeit mit, in den finalen Minuten macht er endgültig klar, dass es von Beginn an um etwas Anderes ging. Dieses Etwas ist jedoch so lachhaft und so unfundiert in den Film geklatscht, dass es ebenfalls nicht zur Fruchtung kommt. Dadurch ist The Philosophers nicht nur pseudo-philosophisch und möchtegern-dramatisch, sondern zudem selbstzerstörerisch und prätentiös. Sascha hat es bei PewPewPew perfekt ausgedrückt: Eine absolute Katastrophe.

Platz 2: American Hustle (Regie: David O. Russell)

Aus der Kategorie "In meinen Augen vollkommen überbewertete Oscar-Hoffnungsträger" präsentiere ich euch dieses Jahr: Die Betrügerposse American Hustle. Uninteressante Charaktere, die sich alle für etwas anderes ausgeben, als sie wirklich sind (wobei diese Gemeinsamkeit allein schon das Thema 'Betrug' hier völlig ausschröpft, eine tiefere Betrachtungsweise ist nicht aufzufinden), stolpern durch einen unrhythmisch erzählten Plot und sagen pseudocoole Dinge. Die begnadete Jennifer Lawrence trifft nur eine Note in diesem Machwerk, nämlich "selbstgefällige, dumme Zicke" und ist einfach nur laut, ennervierend und für den zentralen Plot schockierend unbedeutend, obwohl ihre Rolle als gehörnte Ehefrau Dramatik und Verletzlichkeit bieten könnte. Christian Bale verzieht kaum eine Miene, die "lustigen" Machenschaften unserer Protagonisten sind ohne jeglichen Esprit, für eine Heist-Movie-Dekonstruktion ist der Look allerdings zu gelackt, die Inszenierung zu zelebrierend und das Skript zu arm an innovativen, hinterfragenden Argumenten. Aufgesetzt, überbewertet und aufgebläht. Will ich einen Film über Betrug und Exzess sehen, der sich gerne als Teil von Martin Scorseses Vita sehen will (denn Russell schielt überdeutlich zu diesem großen Vorbild), dann schau ich The Wolf of Wall Street. Der ist zwar 42 Minuten länger, fühlt sich aber maximal halb so lang an.

Platz 1: Maleficent (Regie: Robert Stromberg)

In Lars von Triers epochaler Sex-Tragikomödie Nymph()maniac erklärt die Erzählerin, dass sie in ihrem Leben eine Phase durchlief, in der sie so viele Liebhaber hatte, dass sie es mit einem Schlag leid war, sich zu merken, wie sie sich bei wem verhält. Also entwickelte sie ein Würfelsystem und überließ dem Glück die Entscheidung, wie sie sich im jeweils nächsten Gespräch zu benehmen habe. Weshalb ich dies hier erwähne? Nun ...

Kein einziger Film 2014 hat mich gleichzeitig dermaßen genervt, frustriert, beleidigt und angeödet wie dieser voll und ganz entgleiste Versuch Disneys, seiner diabolischen Schurkin aus Dornröschen ein Fantasydrama im Stile des Romans Wicked zu verpassen. Und selten merkte ich einem Film seine Produktionsprobleme so sehr an wie diesem 180 Millionen Dollar teurem Schundwerk. Und ich möchte mich nicht einmal zu sehr an visuellen Ärgernissen aufhalten, wie den mitunter lächerlichen Spezialeffekten (wie einem nach Greenscreen schreiendem Flug der jungen Titelfigur durch ihr Märchenland, den abscheulich gestalteten und unglaublich lieblos animierten Feen und Trollen, dem nach zehn Jahre alten Computerspielen aussehenden Drachen und den fast schon schmerzend miesen grünen Flammen Maleficents). Auch der uninspirierte Score des fähigen James Newton Howard und das rammdösige Once Upon a Dream-Cover im Abspann sind nicht die ausschlaggebenden Punkte, dass mich 2014 kein Film mehr verärgerte als Maleficent, selbst wenn all dies bereits nach einer Platzierung in dieser Flopliste ruft. Sogar die inkohärenten, unterkühlten Nebendarsteller (abgesehen von Sam Riley als Lakai Maleficents, der mit Engagement agiert und daher all seine Ensemblemitglieder überflügelt) sind es nicht. Oder die Ella Purnell, die die junge Maleficent mit einem albernen Lolita-Grinsen gibt. Nein, es ist der Inhalt dieses Films, der so unsagbar schlecht ist.

Ich will Drehbuchautorin Linda Woolverton nicht unterstellen, dass sie viel mit Nymphomanen gemeinsam hat. Trotzdem handelt so wie die junge Joe aus Nymph()maniac. Zumindest im Umgang mit ihren zahllosen Maleficent-Drehbuchentwürfen, die schlussendlich in einen Mixer gesteckt wurden, um einen 97-minütigen Tiefpunkt in der jahrzehntealten Disney-Historie zu ermöglichen. Es gibt keine zwei aufeinanderfolgende Szenen, in denen die Mythologie des Films, Maleficents Charakterzüge, ihre Motivation oder auch ihre Ziele übereinstimmen. Ist es eine Komödie über eine missverstandene gute Fee? Ein düsteres Fantasyepos? Eine semi-grimme Märchen-Uminterpretation? Ein quietschbunter Kinderbelustigungsfilm? Ein Fantasydrama, das aufklärt, dass der Schein zu trügen weiß? Unsäglicher Kitsch? Maleficent ist alles auf einmal und zugleich Nichts!



Und um auf einer minimal positiveren Note zu enden, seien hier noch einige ehrenlose Sondernennungen fallen gelassen:

Fast hätte es Brick Mansions in diese Liste geschafft, da die Action völlig zerschnitten ist und zahlreiche Figuren dem Streifen ihren Flair rauben. Letztlich hat dieses Remake des französischen Überraschungserfolgs Ghettogangz – Die Hölle vor Paris aber zu wenig Tiefpunkte, um den hier präsentierten 15. Platz zu "toppen". Auch Noah wäre fast Teil dieser Übersicht geworden, da Aronofskys Bibel-Verfilmung inkonsistent ist, träge und mitunter unfreiwillig komisch. Einige wenige Höhepunkte (darunter eine visuell umwerfende Neudeutung der Genesis-Erzählung) bewahren das Projekt aber davor, ein waschechter Flop zu sein. Die schmalzige Teenie-Romantiktragödie Wenn ich bleibe wiederum rettet sich allein durch ihre Darsteller vor einer Erwähnung in der obigen Auswahl, genauso wie Sieben verdammt lange Tage. Mit Die Abenteuer von Mr. Peabody und Sherman wäre fast noch ein Animationsfilm hier gelandet, da die zweite Hälfte kaum uninspirierter und pathetischer sein könnte. Zuvor unterhalten manch nette Einfälle aber genügend, um diese DreamWorks-Trickproduktion so geraaaaaade aus meinen Flops rauszuhalten.

4 Kommentare:

Manu hat gesagt…

Ich vermisse Noah... ;)

Manu hat gesagt…

Ach ne, da steht er ja im letzten Absatz... sorry...

Luanalara hat gesagt…

Praktischerweise habe ich nur 3 Filme aus dieser Liste überhaupt gesehen, ein paar hiervon klangen aber schon aufgrund der Kritiken nicht sehr vielversprechend. Andererseits hast du ja einige Filme hier drin, die von der Cinema als gut oder sehr gut bewertet wurde. *g* (Zeitgeist, Honig im Kopf, Besser als nix,ich glaub auch Nicht mein Tag) Aber dass die dort einen etwas... seltsamen Geschmack haben, kann man ja schon seit einiger Zeit beobachten.

Schade, dass Honig im Kopf doch so viele Fehler macht. Immerhin scheint die kleine Schweiger etwas besser zu werden, vielleicht gibt das ja irgendwann doch noch was. Aber solange sie mehr oder weniger ihr Niveau hält, geh ich die Filme nicht gucken. Schad um die guten Ansätze (der Schweiger kann ja, wenn er will).
Oh bei The Philosophers kann ich mich an den ersten Trailer erinnern, da dachte ich noch, "Sieht ganz interessant aus", aber dann hörte man ja nix mehr von dem Film (anscheinend leider zu recht).

Joaaa, Transcendence war wirklich sehr, öhm, puhh. Ich komm immer noch nicht drüber weg, dass der Film so tut, als wüsste man nicht, wie's ausgeht, und als ob's die große Frage wäre, ob der Depp jetzt böse ist oder nicht. Tatsächlich absolute Talentvergeudung, obwohl alle Schauspieler jetzt nicht gerade mit vollem Einsatz geglänzt haben...

Den Hype um American Hustle konnt ich auch überhaupt nicht nachvollziehen. der Film fühlte sich an wie 3 Stunden, war absolut nicht witzig, am besten waren noch Amy Adams und Jeremy Renner. Warum Jennifer Lawrence da wieder mit Lorbeeren überschüttet wurde, wird auf ewig ein Geheimnis bleiben.

Ach, ich fand Maleficent nicht sooo schlecht. Aber auch nicht wirklich gut. Irgendwie so... mittelmäßig, so ähnlich wie Zauberer von Oz mit James Franco, obwohl ich den Film komplett vergessen hab, während ich mich an Maleficent immerhin noch erinnere. Das CGI war allerdings wirklich in vielen Belangen grottig, der Ton sehr uneben, und die Feen eine Katastrophe. Sam Riley war Gold wert für den Film.

Anonym hat gesagt…

Ich stimme zu, dass American Hustle ueberbewertet war. Das Ende war ganz nett, jedoch wird der erste Teil des Films durch seine staendigen Dialoge so langweilig, dass man zu muede ist, um das komplizierte Ende zu verstehen. Ich denke zwar, dass Jennifer Lawrence eine sehr gute Schauspielleistung hingelegt hat, jedoch stimme ich zu, dass ihre Figur unnoetig war!

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