Dienstag, 11. April 2017

Worum handelt es sich beim "Untitled Disney Fairy Tale"?


Disney gibt seinen Fans und Konkurrenten Rätsel auf: Seit Monaten befindet sich ein Untitled Disney Fairy Tale im Kinostartkalender des Medienkonzerns. Da es keinerlei offiziellen News zu diesem Film gab und auch die Gerüchteküche still blieb, lag die Vermutung nahe, dass es sich um eine Karteileiche handelt - um einen vorab abgesteckten Starttermin, der klammheimlich aufgegeben wird, weil die für diesen Termin angedachte Produktion nicht vorwärts kam.

Doch weit gefehlt: Auf der Cinema Con in Las Vegas betonte Disney vor wenigen Wochen nochmal, dass am 28. Juli 2017 in den USA ein Untitled Disney Fairy Tale-Realfilm anlaufen wird. Und auch die deutsche Startliste des Verleihs spricht von einem solchen Film. Hier startet die rätselhafte Produktion jedoch am 3. August 2017. Und so drängen sich zwei Fragen auf: Wieso macht Disney das und um welchen Film handelt es sich dabei?

Warum macht Disney das?

Die Wege des Studios sind einzigartig und unergründlich. Disney ist Vorreiter und Meister in der "Starttermine weit im Voraus abstecken". Dies hat mehrere Gründe: So kann der einen mengenmäßig eher kleinen filmischen Output aufweisende Disney-Konzern den Aktionären signalisieren, aktiv und vorausschauend zu sein. Den Mitbewerbern zeigt diese Taktik, welche Starttermine sie mit ihren Großproduktionen besser meiden sollten. Und bei den Fans sorgt es für Spekulationen und somit für Gratishypevorbereitung.

Doch normalerweise deckt Disney die Titel mit genügend Vorlauf auf. Drei, vier Monate vor Kinostart noch immer einerseits geheimnisvoll zu agieren und keinen Filmtitel zu nennen, andererseits aber explizit zu sein und einen Starttermin für sich zu reservieren (statt einfach still zu sein und plötzlich einen Film aus dem Hut zu zaubern), ist ein sonderbares Verleihgebaren. Eine vorläufige Universalantwort habe ich nicht parat. Aber bei manchen potentiellen Filmen habe ich etwaige Antworten - und bei wieder anderen Filmen, die sich hinter dieser Maske verbergen, bin ich ratlos, weshalb Disney so verfährt. Einen Film werden sie ja wohl haben, der dann startet ?!

Um welchen Film kann es sich beim Untitled Disney Fairy Tale handeln?

Magic Camp: Bei dieser Disney-Komödie handelt es sich um einen von Steve Martin erdachten Film über ein Sommerlager für anstrebende Illusionisten. Das Ensemble besteht unter anderem aus Pitch Perfect-Darsteller Adam DeVine, Arrested Development-Rabenvater Jeffrey Tambor und Community-Ensemblemitglied Gillian Jacobs. Regie führte Freaky Friday-Macher Mark Waters. Was dafür spricht, dass dies der titellose Disney-Film ist? Magic Camp ist eine eher kleine Produktion, weshalb es Disney vielleicht reichen würde, seine Marketingmacht kurzfristig anzusetzen. Zudem behauptet Magier und Entertainer Justin Willman, der als Berater am Film beteiligt war, dass Magic Camp in den USA am 27. Juli startet. Da der 27. Juli ein Donnerstag ist, in den USA aber Filme freitags starten, irrt er entweder völlig, hat sich in der Eile um einen Tag vertan oder er hat sich schlicht vertippt. Was dagegen spricht: Magic Camp ist allen bisherigen Informationen zufolge nur für eine 2D-Veröffentlichung vorgesehen, das Untitled Fairy Tale hingegen für 2D und 3D. Außerdem ist eine Sommerlagerkomödie schwerlich als Märchen zu bezeichnen. Zuletzt: Die Dreharbeiten haben im Januar dieses Jahres begonnen, was bei großer Eile für einen Kinostart diesen Sommer genügen könnte. Da nächstes Jahr aber noch ein Untitled Disney Live Action-Film ansteht, würde ich eher tippen, dass dieser Magic Camp ist.

Tinkerbell: Seit Jahren ist ein Realfilm über die selbstverliebte Fee im Gespräch. Vergangenes Jahr postete Hauptdarstellerin Reese Witherspoon bei Twitter einen mysteriös-verräterischen Beitrag. Ein Film über Tinkerbell, die in unsere Welt gerät, könnte klein genug sein, um bislang unterm Radar zu fliegen und als die wahre Identität des titellosen Films geheim zu bleiben. Aber: Es ist bislang nur bekannt, dass Findet Dorie-Autorin Victoria Strouse das Drehbuch verfasst hat. Kein Regisseur wurde bekannt, genauso wenig, wer sonst mitspielt. Ist der Film noch nicht so weit oder wurde er so hervorragend unter Verschluss gehalten? Wenn zweiteres zutrifft: Wieso? Was gewinnt Disney dadurch, ihn nicht früher anzukündigen? Angst vor Übersättigung, die Die Schöne und das Biest ein paar Milliönchen kosten könnte?

Disenchanted: Die humorige Märchen-Hommage Verwünscht wird zehn Jahre alt. Da wäre es ein hübsches Jubiläumsgeschenk, die bereits bestätigte Fortsetzung überraschend aus dem Hut zu zaubern. Anders als bei Tinkerbell steht mit Adam Shankman auch ein Regisseur fest. Und nicht sogleich zwei Romantikmusicals zu bewerben, die sich aus der Disney-Renaissance nähren, könnte als Marketingstrategie gar nicht mal so dumm sein. Aber: Irgendwer hätte doch was von Dreharbeiten zum Verwünscht-Sequel mitbekommen, oder? Tatsächlich jedoch hat bislang niemand dergleichen gemeldet ...

Dumbo, Der König der Löwen, The Jungle Book 2, Aladdin: All diese effektlastigen Neu- respektive Weitererzählungen bereits bekannter Disney-Stoffe sind zwar bereits semiregelmäßig Bestandteil der Branchenberichterstattung, jedoch sind sie alle offiziell noch in der Vorproduktion und wir müssten es mit meisterhafter Täuschung zu tun haben, sollten sie eigentlich viel weiter fortgeschritten sein.

Christopher Robin alias Winnie the Pooh: Disney arbeitet seit April 2015 an einem Realfilmdrama über den erwachsenen Christopher Robin, der an seine Kinderzeit und (imaginären) Abenteuer mit Winnie Puuh zurückdenkt. Marc Forster steht seit November 2016 als Regisseur fest, und ein solches Drama könnte klein genug sein, um nicht weiter aufzufallen sowie in den Augen der Brancheninvestigativjournalisten unwichtig genug, damit sie dem Projekt nicht hinterherzuschnüffeln. Sollten kurz nach Forsters Anheuerung die Dreharbeiten begonnen haben, könnte der Film im Sommer fertig sein. In Disney-Sprech sind die ganzen Reboots von bereits als Meisterwerk behandelten Stoffen Fairy Tales. Selbst Mulan war bis zur offiziellen Startterminenthüllung ein Untitled Fairy Tale. Das hier würde also passen. Die 3D-Sache? Naja, vielleicht trennt Forster durch 2D und 3D die reale und imaginäre Welt. Wieso Disney es noch nicht bewirbt? Keine Ahnung.

Maleficent 2Ein veralteter, entfernter IMDb-Eintrag behauptete, dass das Untitled Fairy Tale eine Joe-Roth-Produktion ist. Joe Roth verantwortete unter anderem Maleficent, von dem nach dem Kassenerfolg eine Fortsetzung angekündigt wurde. Angesichts der giftigen Rezeption von Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln wäre es glaubwürdig, dass Disney einer weiteren Fortsetzung einer düsteren Neuadaption eines bereits verdisneyfizierten Materials nicht zu viel Vorabaufmerksamkeit zukommen lassen will. Aber: Die Klatschpresse hätte von Dreharbeiten mit Angelina Jolie gewiss Wind bekommen!

Cruella: Ein Realfilm über die 101 Dalmatiner-Schurkin in jungen Jahren. Mozart in the Jungle-Schöpfer Alex Timbers führt Regie, Emma Stone spielt die Hauptrolle. Könnte einerseits genug Wow-Faktor haben, dass Disney ihn als Überraschungsfilm wirksam empfindet, und zugleich kostengünstig genug, um diesen unbewährten Weg zu riskieren. Das mittelgroße Budget würde auch erklären, weshalb der Film, sollte er bereits nahezu fertig sein, noch niemandem auffiel. Da die Deals erst Ende 2016 geschlossen wurden, ist dieser Kandidat aber nur mäßig glaubwürdig. Zudem wüsste ich nicht, ob Disney bei einem Cruella-Film tatsächlich auf 3D bestehen würde.

The Nutcracker and the Four Realms: Lasse Hallströms Neuadaption des bekannten Stoffs von E.T.A. Hoffmann mit Helen Mirren, Mackenzie Foy, Keira Knightley und Morgan Freeman in tragenden Rollen und mit Musik von James Newton Howard. Klingt schonmal klasse. Die Dreharbeiten sollen im Januar 2017 beendet worden sein, was je nach Effektlast eine sehr knappe Postproduktion bedeutet. Aber vielleicht geht Hallström die Route von Joe Wrights Anna Karenina und lässt alles sehr bühnenhaft wirken? Das wäre großartig - und ist bei Disney sehr unwahrscheinlich. Aber vielleicht gerade daher auch die atypische Kommunikation? Man bewerbe einen Film, der auch Stoff für ein Big-Budget-Fantasywerk sein könnte, aber letztlich ein kunstvolles, mittelgroßes Projekt wurde, halt lieber kurz und intensiv. Was diese Theorie zerstört: Warum zum Henker sollte Disney ein so winterlich assoziiertes Projekt im Sommer starten?

Das Biest und die Schöne, Gaston & LeFou, LeFous verrücktes Abenteuer oder sonstein Die Schöne und das Biest-Ableger: Hier die verrückte Fantheorie des Tages: Disney und Regisseur Bill Condon haben den massiven Erfolg von Die Schöne und das Biest erahnt und während dessen langer Postproduktion heimlich einen zweiten Film zusammengeschustert, der im selben Universum spielt oder die Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählt. Das wurde noch nicht kommuniziert, um die Kundschaft beim Kartenkauf nicht auszubremsen (es soll ja keiner sagen "Ach, ich warte lieber darauf!"). Nach dem massiven Startwochenende wurde dann seitens Disney gegenüber den Branchenblättern vage über weitere Filme in der Welt dieses Kassenschlagers spekuliert, um die Saat der Neugier in unseren Köpfen zu säen.

So weit meine Gedanken zu dem Thema. Nun bin ich auf eure gespannt!

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