Samstag, 5. Dezember 2009

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil XIV)

zurück zu Teil XIII

Platz 254: Roses & Rainbows aus Zum Teufel mit Max
Musik von Marvin Hamlisch, Text von Carole Bayer Sager

In Zum Teufel mit Max, Disneys gar nicht so untypischem Versuch, einmal untypisch und "edgy" zu sein gibt es zwei Lieder, die von der aufstrebenden Sängerin Stella (gespielt von Julie Budd) angestimmt werden. Zum einen ihr während des Films überreiztes Any Fool Can See (Platz 317) zum anderen den "Rausschmeißer" aus der zahmen Komödie, Roses & Rainbows. Dieser beginnt sehr bedächtig und minimalistisch (schwache Klavieruntermalung, leise hauchende Gesangsstimme), nur um sich im letzten Drittel plötzlich in einen an Varietés erinnernden, klimpernd-spielerischen Showtune zu verwandeln. Und die Kombination funktioniert - gen Schluss wird der eher mäßige Film nochmal kurz emotional und dann hebt sich die Stimmung. So wird der Zuschauer auf einem Hoch aus dem Kino entlassen. Clever.

Platz 253: Schaumen, spülen und parier'n ("Rappin' Drakken") aus Kim Possible (Episode: Drakken rappt)
Musik und Text von Bob Schooley, Adam Berry und Mark McCorkle (dt. Fassung von Katrin Fröhlich)

Zunächst war ich mir unsicher, wie ich mit reinen Spaßgesangseinlagen umgehen soll, aber dann wurde mir klar, dass Lieder wie dieses mitunter elaborierter und länger sind, als die meisten Songs aus Alice im Wunderland. Dass Schaumen, spülen und parier'n es obendrein auf CD-Veröffentlichungen schaffte, war für mich zunehmende Bestätigung, dass ich Lieder dieser Kajüte nicht von dieser Hitliste ausschließen darf, bloß weil sie ausführliche Gags sind.

Schaumen, spülen und parier'n
ist einer der verrücktesten Momente der außerordentlich gelungenen Disney-Trickserie Kim Possible: Der Oberschurke Dr. Drakken möchte mittels eines Gehirnwäscheshampoos (und Schädelkondition!) die Weltherrschaft an sich reißen, was allerdings daran scheitert, dass das mit einer scheußlichen Verpackung gestrafte Shampoo wie Blei in den Regalen liegen bleibt. Auf Anregung seiner wesentlich kompetenteren Gehilfin Shego tritt Drakken als Rapper in einer TV-Sendung auf, um dort für sein Produkt zu werben. Schließlich prägt niemand den Konsum stärker, als ein hipper Rapper.
Das Lied ist zugleich ideal um jemandem vorzuführen, weshalb Kim Possible in deutschsprachigen Gefilden so besonders beliebt ist: Das englische Original mit John Di Maggio als exzentrisch-planloser Fiesling ist bereits witzig, mit einem herrlich quiekig-krächtzenden, übertreibendem Jan Spitzer als Dr. Drakken und der spritzig-ironischen Übersetzung von Katrin Fröhlich haut einem dieses Werbelied vor Lachen vom Hocker.

Platz 252: Bleibt nur eine Hoffnung ("One Last Hope") aus Hercules
Musik von Alan Menken, Text von David Zippel (dt. Fassung von Frank Lenart)

In Disneys Zeichentrickfilm Hercules führten Ron Clements und John Musker (die Autoren und Regisseure von Arielle, die Meerjungfrau und Aladdin) weiter die Komödienroute hinunter. Karikatureske Zeichnungen, eine sehr selbstironische, spritzige Story mit vielen parodistischen Elementen und oben drauf der witzigste Bösewicht der Disney-Geschichte. Musikalisch lieh sich Alan Menken einige Ideen vom Motown- und Gospelklang, die er mit seinem typisch schwungvollen Broadwayklang vermengte. Hinzu kamen flotte Texte von David Zippel, die mit Witz und Leidenschaft von den singenden Musen dargeboten werden. Bleibt nur eine Hoffnung fällt da ein wenig aus dem Schema und lässt stattdessen Hercules' Trainer, den Satyr Philoctetes (im Original gesprochen von Danny DeVito), mit Frust und Glauben in Hercs schlummernden Talenten über die Trainingsmontage hinwegsingen. Die Fortschritte von Hercules vergehen wie im Nu und auch wenn das Lied im Vergleich zu den meisten anderen Songs in Hercules etwas verhalten ausfiel, gehört diese "Schnell älter werden"-Montage für mich zu den witzigsten Disney-Montagen.

Platz 251: Wild ist der Westen ("(You Ain't) Home On The Range") aus Die Kühe sind los!
Musik von Alan Menken, Text von Glenn Slater (dt. Fassung von Frank Lenart)

Nachdem Michael Eisner aus dem kommerziellen Misserfolg von Atlantis und Der Schatzplanet die in seinen verblendeten Augen einzig mögliche Konsequenz zog und die Entwicklung neuer Kino-Zeichentrickfilmen einstellte, konnten zwei in ihrer Produktion bereits recht weit fortgeschrittene Filme der Todesspritze entkommen: Bärenbrüder und Die Kühe sind los!. Zwischenzeitlich sollte der in den Florida-Zeichenstudios entwickelte Bärenbrüder der letzte Disney-Zeichentrickfilm sein, der in die Kinos kommt, doch Produktionsprobleme bei Die Kühe sind los! legten einen Tausch der Starttermine nahe. Und so wäre das letzte Lebenszeichen der Disney-Zeichenkunst beinahe ein Haufen Dung geworden (mehr zum Film). Glücklicherweise übernahm Disney die Pixarstudios, und seither drängt John Lasseter die Trickstudios wieder in die richtige Richtung. Dadurch ist die Tragik hinter der unlustigen Komödie Die Kühe sind los! erträglicher geworden, ein mit grellen, augenunfreundlichen Farben, mittelmäßiger Animation, grauenhaften Witzen und uninteressanten Charakteren ausgestattetes Zugunglück. Wenn man sich ansieht, wer an dieser Katastrophe beteiligt war, dann fallen einem die Augen aus.

Alan Menken, der als Komponist an einigen der erfolgreichsten und beliebtesten Disneyfilmen aller Zeiten beteiligt war, ist einer von diesen Leuten. Er schrieb für Die Kühe sind los! den möglicherweise dämlichsten Bösewichtsong aller Zeiten, aber er ist auch für zwei kleine Goldklumpen in Mitten all dieses Mists verantwortlich. Darunter die Westernmusik-Parodie Wild ist der Westen mit männlichem Chor, eingestreuter Westernfidel, "YIIIIIHAAAA"s und eingängiger, schneller Melodie. Aus dem Song hätte man sicherlich mehr machen können, aber wen wundert das schon?

Platz 250: Animagique Song aus Animagique
Musik und Text von Peter Lurye

Animagique ist eine fantsievolle Schwarzlichttheater-Show im Walt Disney Studios Park Paris, in der Donald Duck durch mehrere Disney-Klassiker reist und mit den Charakteren aus diesen Filmen singt und tanzt. Eine wirklich heitere Aufführung mit tollen Neuaufnahmen klassischer Disneylieder und Lebensfreude ausstrahlenden kleinen Tanzeinlagen und gelungenem Einsatz von Schwarzlichteffekten.
Extra für Animagique wurde außerdem ein nicht minder fröhliches, energiereiches Lied geschrieben, das als Finalnummer dient und während dessen man stets zum Mitklatschen aufgefordert wird. Das Lied Animagique vermengt frohes Gelalle, den Titel der Show (sowie missverstandene Wiedergaben des Titels) und simple, schwungvolle Reime zu einem Angriff auf die zynischen Elemente eines jeden Themenparkbesuchers, dem man sich nicht entziehen kann, und in meinem Fall auch nicht entziehen will.

Platz 249: Humuhumunukunukuapua'a aus High School Musical 2
Musik und Text von David Lawrence und Faye Greenberg

Humuhumunukunukuapua'a bezeichnet nicht nur den auch als Diamant-Picassodrücker bekannten hawaiianischen Nationalfisch, es ist auch eine wirklich sehr witzige musikalische Einlage in der DVD-Version von High School Musical 2. Sharpay, noch immer hinter Troy Bolton her, möchte den von Zac Efron gespielten, nicht sonderlich hellen, Basketballspieler für sich (und ihre Nummer beim allsommerlichen Talentwettberb im Club ihrer Eltern) gewinnen, indem sie mitten in der Nacht eine völlig ab- und überdrehte Gesangsdarbietung aufführt, in der sie die Legende einer Ananas-Prinzessin besingt, die sich in einen Fisch verliebt, der mittels ein wenig hawaiianischer Zauberei in einen tollen Prinzen verwandelt wird. Die Szene ist insgesamt ein humoriges Highlight des mit freiwilligem Trash-Camp gespickten Films, von der völlig übertreibenden Sharpay zum überhetzten Ryan, der sämtliche Spezialeffekte machen muss und schließlich - urkomisch - als "oberlässiger" DJ fungiert. Echt putzig, der total bunt gekleidete Kerl, der gerne im Rampenlicht stehen würde, und dann im Hintergrund als Ober-DJ eine Show abzieht. Als für sich stehendes Lied nichts für eine überhöhte Hörfrequenz (Sharpays "real Fishtalk, no Lie!" ist halt wie Dories Walisch witzig, aber anstrengend), doch in Verbindung mit der Szene und als bunter musikalischer Farbtupfer zwischendurch sehr gut.

4 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

Die Trainingsmontage aus Hercules find ich ganz hübsch, aber das Lied bleibt mir am wenigsten im Gedächtnis. Hades hingegen ist genial. :)

Mist, die DVD zu HSM 2 hab ich immer noch nicht, ich sollte mich schämen. Aber dieses Lied ist wunderbar. Der arme Ryan... *g*

Jonathan hat gesagt…

ARGH, wie konntest du nur dieses grässliche Ding soweit vor "Breaking Free" packen?
Und dass der Drakken-rappt-Song auch drin sein wird, hätt ich nicht gedacht. :]

milan8888 hat gesagt…

Animagique hätte ich irgendwie viel weiter oben auf der Liste erwartet

Sir Donnerbold hat gesagt…

@milan8888: Hast du etwa mit einem dicken Donald-Duck-Bonus gerechnet? ;-)

Ich liebe die Attraktion und die Abwandlung der "Rosa Elefanten", ich finde "Animagique" perfekt besetzt (sowohl von der Film- als auch von der Figurenauswahl) und das Lied ist wirklich spaßig. Aber für noch höhere Weihen fehlt dem Song mir persönlich dann doch etwas.

Freut mich allerdings, dass sich meine Leser scheinbar schon Gedanken über den eventuellen Ausgang der Liste machen. Zeigt, dass sie wohl doch recht interessant zu sein scheint. :-)

Kommentar veröffentlichen