Samstag, 13. Februar 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil XXIV)

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Platz 190: Der Titelsong von Goofy & Max
Musik & Text von John Beasley, Robert Irving, Randy Petersen und Kevin Quinn (?) (dt. Fassung von ?)

Das Titellied zur Serie Goofy & Max ist für mich ein typischer 90er-Jahre-Titelsong. Er ist hipp, flott, witzig und verkauft die Serie moderner, als sie eigentlich ist. Denn Gooy & Max modernisiert den klassischen Goof-Humor recht behutsam und vermeidet auch erfolgreich die elendige "Die Kinder sind so cool und krass, dass es einem zu den Ohren rauskommt"-Epidemie anderer Trickserien mit ähnlichem Grundkonzept. Der Titelsong stimmt energiereich und cool auf die Serie ein - und wie viele andere Trickserientitellieder gefällt mir auch hier die deutsche Fassung um einiges besser als die englische Originalversion. Irgendwie scheint es mir, als gäben sich die deutschen Sänger und Sängerinnen für eine Fernsehserie wesentlich mehr Mühe hinter'm Mikro als ihre US-Pendants.

Platz 189: Der Titelsong von Pepper Ann
Musik und Text von Pat Irwin (?) (dt. Fassung von?)

Bei Pepper Ann empfinde ich die Qualitätsschere zwischen deutschem und englischem Titellied als besonders stark. Der Song soll ein bisschen so wirken, als singe die an der Schwelle zur Pubertät stehende Protagonistin dieser Serie ihn ihrem Kopf ihr eigenes Titellied über sich selbst, und dazu gehört auch, dass einige Töne schief sitzen und das Lied generell sehr fix zusammengeschustert wirkt. Auf Deutsch kann man den übertrieben rockenden, prahlerischen und außerordentlich schlicht strukturierten Song dennoch sehr gut hören und zusammen mit Pepper Ann dazu abgehen, die englische Version hingegen schmerzt an manchen Stellen zu sehr und opfert ihre "In-Dauerschleife-anhör"-Qualitäten zu Gunsten des billigen, schnellen Lachers über die krummen Noten. Diese Klangschere zwischen Overstatement und gezielt erzeugter, bescheidener musikalischer Qualität verleiht diesem coolen Song eine so spaßig-fetzige Note, dass das Pepper Ann-Titellied für mich seinerzeit während der Pepper Ann-Ausstrahlung im Rahmen des RTL-Disney Clubs synonym für Wochenende stand und deswegen auf dem freitäglichen Heimweg von mir vorfreudig gesummt wurde. Interessanterweise fand ich Pepper Ann immer um einiges besser als Disneys Doug, der zuweilen recht langweilig wurde. Ein ganz besonderes Highlight der Serie war die lange vor Buffys Once More with Feeling... produzierte und ausgestrahlte Musical-Episode, in der Pepper Anns Leben plötzlich zu einem Musical wird. Unvergesslich.

Platz 188: Kinder des Urwalds ("W-I-L-D") aus Das Dschungelbuch 2
Musik und Text von Paul Grabowsky und Lorraine Feather (dt. Fassung von Frank Lenart)

Buchstabiererei und Wortspiele in amerikanischen Produktionen sind stets ein Grauen für die Synchronisation. Manchmal stellt sich die Lokalisierung als so umständlich heraus, dass man auf eine Eindeutschung komplett verzichtet. Deswegen hat beispielsweise Käpt'n Balu und seine tollkühne Crew in Deutschland eine Episode weniger als in englischsprachigen Ländern: Die Folge, inder Balu als Himmelsschreiber einen Fehler nach dem anderen macht, wollte man dem deutschen Publikum nicht zumuten.
Balu ist hinsichtlich kniffliger Synchronstellen ein richtiger Wiederholungstäter. Schon in Das Dschungelbuch hätte er manchen Liedtexter mit seinen Bear Necessities in den Wahnsinn getrieben. Glücklicherweise zeichnete sich für die Übersetzung des Disneyklassikers Heinrich Riethmüller verantwortlich, welcher das Wortspiel über den haufen warf und mit dem kongenial übersetzten Probier's mal mit Gemütlichkeit einen Evergeeen schuf, der an der Popularität des Dschungelbuchs in Deutschland sicherlich nicht ganz unschuldig ist. In der Fortsetzung aus dem Jahre 2003 stimmt Balu in den uns bereits bekannten Tempelruinen einen beschwingten Showstopper an, der ganz klar für King Louies Ich wär so gern wie du einspringen soll. Die DisneyToon Studios wollten halt auch ohne Verwendung des Affenkönigs die musikalische Mischung des ersten Teils aufrecht erhalten. Frei nach dem Vorbild der Village People buchstabiert der musikalische Bär W-I-L-D und besingt die ihn mit Lebensfreude und -energie erfüllende Wildheit seiner Dschungelfreunde. Der gute Frank Lenart ließ bei der Übersetzung sein musikalisches Gespür und sein Feingefühl für die deutsche Sprachführung anklingen und erkannte, dass "Weeeeeeh - Iiiiii - Ellll und Deeeee" sehr gestelzt und hölzern klingt, will man es in die Melodie dieses Lieds zwängen, sondern auch ein selten dämlicher Songtext ist, der den Liebhabern des ersten Teils die Galle aus den Ohren rausquillen ließe. Also gab er sein bestes, um die überflüssige Fortsetzung des legendären Zeichentrickfilms ein Stückchen erträglicher zu machen, und verbesserte den Text in Kinder des Urwalds. Der übertrieben groß angelegte und für sein eigenes Wohl ein kleines bisschen zu modern gestaltete Song wird in der deutschen Fassung zu einer feschen Big-Band-Swingeinlage, deren Lebensfreude ansteckend wirkt.

Platz 187: Cinderella, Cinderella ("The Work Song") aus Cinderella
Musik und Text von Mack David, Jerry Livingston und Al Hoffman (dt. Fassung von Christine Lembach)

Und wieder einmal ein Arbeitslied. Davon gibt es bei Disney ja mehrere, fast so viele wie singende Mäuse mit Piepsstimmen. Hier werden die Zuschauer und -hörer sogleich mit beidem konfrontiert. Cinderella, Cinderella ist ein vergleichsweise schnelles Lied, das als fröhliche Untermalung für die Szene dient, in der die Mäuse und Vögelchen für ihre Freundin Cinderella ein wunderschönes Ballkleid schneidern. Der spaßige Song von David, Livingston und Hoffmann macht im Zusammenspiel mit der liebevollen Animation aus dieser Arbeitsmontage eine richtig kurzweilige, hübsche Szene, die ins Nichts läuft und dennoch niemand missen möchte. Schließlich versprüht sie dieses wohligwarme Disney-Gefühl.

Platz 186: Hi-Diddel-Di-Dei bzw. Heißa ist das fein ein Komödiant zu sein ("Hi-Diddle-Dee-Dee") aus Pinocchio
Musik von Leigh Harline, Text von Ned Washington (dt. Fassung von Heinrich Riethmüller)

Nachdem wir in diesem Block bereits einen klassischen Disney-Arbeitssong und einen swingenden Disney-Song abgehaken konnten, fehlt eigentlich nur noch eins, nämlich ein Disneylied mit Spaßwörtern. In Pinocchio, einem Film der bezüglich seiner Songs außerordentlich frontlastig ist, wird das Fantasievokabular, gänzlich undisneyhaft, dazu verwendet um die Hauptfigur vom rechten Weg abzubringen und sein Gewissen links liegen zu lassen. In der zweiten deutschen Synchronfassung des hervorragenden Disney-Zeichentrickfilms von 1940 erhält der singende Verführer, der ehrenwerte John, seine Stimme von einem munteren Harald Juhnke, dem man auf Anhieb sein Gerede vom schmackhaften Künstlerleben abkauft. Mir persönlich gefällt dank der heiteren, gelebten Intonation des Entertainers Juhnke Hi-Diddel-Di-Dei in der (zweiten) deutschen Fassung des Films besser als im amerikanischen Original. Dort kommt mir dieses sorglose Liedchen zu stark so rüber, als singe der ehrenwerte John vom Fleck weg und improvisiere teils planlos den weiteren Verlauf. Unter Juhnke hat es mehr von einem gesungenen Lebensmotto á la Hakuna Matata, welches jetzt nunmal dazu zweckentfremdet wird, Pinocchio zu sich zu locken.

Platz 185: Saludos Amigos aus Saludos Amigos
Musik von Charles Wolcott, Text von Ned Washington

Saludos Amigos, in Deutschland auf Videokassette zwischenzeitlich auch als Drei Caballeros im Sambafieber vertrieben, müsste eigentlich zu den beliebtesten Disney-Meisterwerken überhaupt gehören, jedenfalls wenn man Qualität und Popularität anhand der Anzahl von Oscar-Nominierungen misst. Ganze drei Stück konnte diese Mixtur aus Cartoons und (Pseudo-)Dokumentarfilm einheimsen. Diese Anerkennungen erhielt der Film in den Kategorien "Bester Ton", "Beste Musik" und "Bester Song" (*mehr dazu*).
Dennoch vermag es der gerade Mal 43 Minuten lange Mischfilm, welcher so gerade noch nach Bestimmungen der Academy of Motion Picture Arts & Sciences als Langfilm durchgeht, nicht wirklich in sonderlich viele Lieblingslisten von Disney-, Animations- und Filmfans Einzug zu halten. Dabei war Saludos Amigos zu seiner Zeit ein großer Erfolg beim Publikum. Aber ähnlich wie Oliver & Co. ist auch dieser Teil des Disney-Kanons ein Testament seiner Zeit, welches sich nur unter Einbußen einem heutigen Publikum präsentieren kann. Im Auftrag von Nelson Rockefeller unternahm Walt Disney eine "Good Will Tour" durch Südamerika, um das Image der USA aufzupolieren und den Einfluss der Nationalsozialisten zu unterbinden. Saludos Amigos war der erste Film, der unter dem Einfluss dieser Reise entstand. Disney und einige treue Mitarbeiter ließen sich vonden Sehenswürdigkeiten und der Musik Südamerikas inspirieren und gestalteten vier Kurzfilme, die sie in dokumentarisches Filmmaterial von ihrer Reise einbetteten. Das Ergebnis fühlt sich dem entsprechend kein bisschen wie ein klassischer Disney-Zeichentrickfilm, sondern mehr wie ein engagiertes Making of an, was den Film für Disney-Aficionados nicht minder interessant machen sollte. Die Umsetzung ist allerdings ein wenig hölzern, und auch die in Saludos Amigos enthaltenen Kurzfilme zählen nicht durchweg zu Disneys allerbestem Schaffen (überdurchschnittlich bis gut sind sie dann aber doch). Der Höhepunkt ist ganz klar das letzte Segment, in dem Donald Duck und José Carioca zu Samba-Rhythmen durch ein frisch vor ihnen herbeigemaltes Rio de Janeiro tanzen. In diesem Kurzfilm blüht bereits ein wenig vom Geist des unter Animations- und Disneyfans wesentlich beliebterem Drei Caballeros auf.
Der Oscar-nominierte Song Saludos Amigos stammt, anders als die Lieder aus Drei Caballeros oder die nicht für diesen Film geschriebenen Songs Tico Tico und Aquarelo do Brasil, nicht aus der Feder von Latinomusikern, sondern von den Disney-Stammmusikern Charles Wolcott und Ned Washington, was man der Musik auch anmerkt. Wolcott und Washington gaben zwar ihr bestes, die heißblütige Energie und den unverkennbaren Charakter der damaligen Latinomusik zu imitieren, aber es bleibt eine reine Imitation, die im Vergleich zu den restlichen Gesangsnummern des Films unterkühlt wirkt. Dennoch ist Saludos Amigos eine gelungene Einstimmung auf den wohl ungewähnlichsten Film im Meisterwerke-Kanon, welcher wiederum eine nette Aufwärmübung für den einfallsreichen, überdrehten und gepfeffert psychadelischen Drei Caballeros darstellt.

Platz 184: Rock Shock aus Videopolis
Musik von David Hallyday, Text von David Young

Kommen wir nun zum möglicherweise unbekanntesten Song auf der gesamten Hitliste. Als das europäische Disney-Themenparkresort im April 1992 unter dem Namen Euro Disney Resort eröffnete, wurde im Videopolis Theater des retrofuturistischen Discoverylands ein Rockmusical aufgeführt, welches von einer Truppe junger Erwachsener handelt, die in die Fußstapfen der Romanhelden Jules Vernes traten und zum Meeresgrund sowie auf den Mond reisten. Die Songs für die circa 25-minütige Aufführung stammten aus der Feder von Texter David Young und dem französischen Musiker und Autorennfahrer David Michael Benjamin Smet, besser bekannt unter seinem Künstlernamen David Hallyday. Hallyday ist der Sohn des Sängers und Schauspielers Johnny Hallyday und der Chansoninterpretin Sylvie Vartan und begann seine musikalische Karriere als Songwriter für Filmproduktionen. Hallydays musikalischer Stil vereinigt elektronische und rockige Klänge zu einer modernen Symbiose mit Retrocharme, was perfekt zum ursprünglichen Konzept des Videopolis-Theaters passte. Die in einem auffällig gestalteten Gebäude mit einer gewaltigen Luftschiffattrapppe im Jules-Verne-Stil behauste Showbühne verknüpfte den Look vergangener Zukunftsvisionen mit einer seinerzeit hypermodernen Sound- und Lichttechnologie und sollte, anders als die Theaterbühne neben dem Dornröschen-Schloss für märchenhafte Aufführungen, Jugendliche und junge Erwachsene magisch anziehen. Wider Erwarten fand die mit aufwändigen Tanzchoreographien ausgestattete Show Rock Shock keinen Anklang beim Publikum, weshalb sie früh abgesetzt wurde. Anscheinend hatten Besucher eines Disneythemenparks kein Interesse an Aufführungen gänzlich ohne Disney-Charaktere und altbekannte Disneyklänge. Rock Shock wurde durch Bühnenfassungen von Disneyfilmen ersetzt und durfte 1995 pünktlich zur Eröffnung der Achterbahn Space Mountain ein kurzes Revival mitmachen.
Nicht nur die anfänglichen Visionen der Videopolis-Bühnenshows scheiterten an der Resonanz der Parkbesucher, das gesamte Konzept dieses aufwändig gestalteten Theaters starb ab. Zwischen den Showaufführungen sah das ursprüngliche Konzept vor, dass auf den riesigen Videomonitoren des Videopolis aktuelle Musikclips gezeigt werden, und nach der letzten Show sollte sich das Videopolis in eine hochmoderne Disco mit topaktuellen Lichteffekten und "hammermäßigem" Sound verwandeln, um den Teenagern des Parks eine Anlaufstelle im späten Abend zu bieten. Die Musikclips wurden von den Familien, die sich im dem Videopolis angeschlossenen Fast-Food-Restaurant Café Hyperion einen Snack gönnten abgelehnt, während die jugendlichen Parkbesucher die letzten Stunden ihres Aufenthalts im Park lieber damit weiter mit den Attraktionen verbrachten, anstatt tanzen zu gehen. Deswegen musste das Videopolis seine zweite Identität als Disco noch im Laufe des ersten Jahres aufgeben, während die Videoclips durch Classic Cartoons ersetzt wurden, welche sich bei den Themenparkbesuchern als wesentlich beliebter herausstellten. Einen Eindruck von dem, was sich die Pariser Parkleitung vor mittlerweile über fünfzehn Jahren für das Videopolis ausmalte, kann man mittlerweile an besonderen Abenden gewinnen, etwa während der Halloween-Partys oder in der Silvesternacht, an denen die einmaligen Atmosphäre des zur Partylocation umgestalteten Theaters viel Zuspruch erhält.
Die einzig verbliebenen Relikte von Rock Shock sind eine kurze Hörprobe des Musicals im Space Mountain-Pressematerial sowie der auf einer Park-CD veröffentlichte gleichnamige Track, eine ernergiereiche musikalische Reise, die Stilgrenzen durchbricht und exakt das verkörpert, was zu Beginn der 90er als bahnbrechend modern mit scheinbar zeitlosem Charme gilt. Aus heutiger Sicht ist Rock Shock deswegen gleich doppelt nostalgisch, als dass die Musik mit Rückgriffen auf Stilistiken vergangener Jahrzehnte eh schon eine gewisse Retroatmosphäre erzeugt, die ganzen typischen 90er-Beats und die aus jeder Note tropfende, naive Vorstellung etwas ungeheuer wegweisendes geschaffen zu haben (ähnlich wie der Eurodance ja mal dachte, der ultimative und letzte Musiktrend zu sein) verpasst der Sache aber noch einen putzigen "Was wir damals für zukunftsweisend hielten!"-Schliff an Nostalgie.
Rock Shock eröffnet mit einem elektrisierenden Gitarrenriff, gefolgt von klassischem 80er-Männergebrüll ("Huah!") und einer Tina Turnern artigen Frauenröhre, bevor der Song zu einem wilden Mix aus 80er und 90er-Dancefloormusik mit funkiger 70er-Gitarrenbegleitung mutiert. Nach einem kleinen musikalischen Dialog zwischen einem Mann mit rauchig-dunkler 60er-Stimme und einer durchgefilterten Frauenstimme wechselt der Song erneut komplett den Stil und wird zu einer retrofuturistischen Dancerock-Powerballade, welche mehr als die Hälfte des Tracks einnimmt. Rock Shock ist zwar keineswegs typisches Disneymaterial, aber durchaus ein Teil dessen, was ich den Disneyparks in ihrer freien kreativen Gestaltung erlaube und wozu ich sie öfter wieder ermuntert sehen möchte. Denn auch ohne Disneycharaktere und bekannten Liedern kann man etwas gutes auf die Beine stellen. Ein Lied, oder gar eine ganzes Musical, welches gleichermaßen mit den Adjektiven "modern", "nostalgisch", "funky", "fetzig", "rockig" und "implusiv" zutreffen kann so übel nicht sein und sollte von den Disneyparks öfter in Betracht gezogen werden.


3 Kommentare:

milan8888 hat gesagt…

»Donald Duch«??????

Anonym hat gesagt…

Du weißt, dass das ein Tippfehler ist. Die erstaunten zigtausend Fragezeichen sind da unnötig. So viele Zeilen, und dir fällt sonst nichts zu diesem Artikel ein?

Ich habe jetzt irgendwie Lust auf Disneylandurlaub.

Puschi hat gesagt…

Goofy und Max is toll... warte ja sehnsüchtig auf Dark Wing Duck und Hakuna matata ....da bekommt man richtig Lust auf nen Disney-Abend^^

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