Freitag, 26. März 2010

Drachenzähmen in der Green Zone

Vergangene Woche "durfte" ich mir aus beruflichen Gründen Green Zone ansehen. Die neue Zusammenarbeit von Matt Damon und Paul Greengrass (die letzten beiden Teile der Bourne-Trilogie) spielt im Jahr 2003: Die Amerikaner haben sich gerade nach Bagdad gekämpft und suchen erfolglos nach Massenvernichtungswaffen. Ein Soldat, gespielt von Matt Damon, beginnt an der Mission zu zweifeln und wird deshalb von seinen Vorgesetzten kritisiert. Zusammen mit einem irakischen Zivilisten und einem den Kurs der Armee ebenfalls kritisierenden CIA-Agenten deckt er eine politische Verschwörung auf.

Green Zone mag für patriotische Amerikaner, die seit die US-Medien bezüglich des Irakkriegs wenigstens ansatzweise ihre Objektivität wiedererlangten Nachrichten meiden, möglicherweise schockierend sein, ansonsten ist die 08/15-Intrigengeschichte zwar ehrlich, aber unnötig simplifizierend. Die Figuren sind blass, die Spannung im Film entsteht allein durch den charismatischen Matt Damon. Green Zone ist ein überaus durchschnittlicher Thriller mit unübersichtlicher Kameraführung und lose über die Laufzeit verteilten, gelungeneren Sequenzen. Meine ausführliche Filmbesprechung findet ihr hier.

Gestern konnte ich meinen allwöchentlichen Kinobesuch hingegen vollstens genießen. Es ging nämlich in Drachenzähmen leicht gemacht (Trailer gibt's hier und hier), den neusten Film von Dreamworks Animation. Viel wichtiger jedoch: Es ist zugleich der neue Film von Chris Sanders und Dean DeBlois, den Genies, die uns 2002 den fantastischen Lilo & Stitch bescherten.
In Drachenzähmen leicht gemacht bringen sie ihre eigene Sensibilität in die Dreamworks-Studios - und wieso sollte ich lange drum herum reden? Sie hauen auf Anhieb den bislang besten Animationsfilm der Studios raus. Nicht nur das, sie übertrumpfen den bisherigen Primus Kung Fu Panda (*zu meiner Rezension*) um mehrere imposante Drachenflügel-Spannweiten.

In Drachenzähmen leicht gemacht folgen wir dem tollpatschigen und mickrigen Hick, der aufgrund seiner Hänflingsgröße und fehlender Muckis (zur Schande seines Vaters, dem Oberhaupt der Siedlung) das Gespött seines Wikingerdorfes ist. Zum Drachen bekämpfen ist er vollkommen untauglich. Um endlich integriert zu werden und das Herz der toughen Astrid zu gewinnen, baut er eine klapprige Drachenfangmaschine. Und sie funktioniert! Auch wenn es ihm niemand glauben mag... Als Hicks den von ihm abgeschossenen Drachen im Wald findet, befreundet er sich mit ihm und verliert jegliche Drachentöter-Ambitionen. Nur blöd, dass er ausgerechnet jetzt zum Drachenkampftraining zugelassen wird...

Drachenzähmen leicht gemacht ist bei weitem nicht der originellste oder anspruchvollste Animationsfilm der letzten Jahre, doch er verfügt dennoch über eine dramatische und emotionale Tiefe sowie eine gefühlvolle Ehrlichkeit, die man bei den blödelnden Dreamworks-Studios sonst mit der Lupe suchen muss. Der Film sieht außerdem grandios aus - DeBlois und Sanders taten es Andrew Stantons Wall•E gleich und holten sich Rat bei Kameralegende Roger Deakins (mehr über die Kollaboration in diesem Artikel der NY Times) und die Qualität des 3D-Effekts würde ich deutlich über der von Oben (sorry) und Coraline stellen. Die rasanten und zugleich lyrischen Flugsequenzen stellen, für mich, die von Avatar in den Schatten.

DeBlois und Sanders konnten zwar nicht ihr letztes gemeinsames Werk überragen, doch mit den Disney-Computeranimationsfilmen (Himmel und Huhn, Triff die Robinsons, Bolt) wischen sie den Boden. Möglicherweise sollten die beiden einfach immer zusammenarbeiten. Erst kürzlich las ich wieder von einem Disney-Mitarbeiter, der Sanders Alleingang American Dog dramaturgisch chaotisch und unausstehlich fand. Ob dieser Kommentar überhaupt echt ist, und wenn ja, ob ich über den Film genauso denken würde, das kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass American Dog vollkommen durchgeknallt wirkte, bevor das Projekt nach Sanders' Abgang zu Bolt mutierte, und dass den Regisseuren bei Drachenzähmen leicht gemacht keineswegs die Gäule durchgingen... Soll jeder die Schlüsse ziehen, die er ziehen mag.

So oder so: Dreamworks' Bestleistung. Gratulation an Sanders und DeBlois! Wer mehr über Drachenzähmen leicht gemacht erfahren möchte, der sollte sich meine ausführliche Filmbesprechung durchlesen.

6 Kommentare:

Andi hat gesagt…

Aha, "Objektivität" wird bei dir also mit "Irak-Kriegs-ablehnend" gleichgestzt.

DreamWorks Pfui!

Sir Donnerbold hat gesagt…

Nö.
Aber wenn die Medien jetzt die Fakten berichten, statt die Lügen der Regierung nachzuplappern, dann ist das objektiv. Wenn es nahezu jedem nach Präsentation der Fakten nahe liegt, den Krieg abzulehnen, ja mei...

Und nein, du verwickelst mich jetzt in keine politische Diskussion, ebenso wenig wie in eine mit Vorurteilen belastete Anti-Dreamworks-Diskussion. Wir mögen es doch auch nicht, wenn Leute schön davonrennen, wenn sie nur "Disney" hören.

Sunshine hat gesagt…

*g* Mir ists prinzipiell erstmal egal, von welchem Studio der Film denn nun ist. Wenn er gut ist, ist das eben so. :P

Ich freu mich jedenfalls auf "Drachenzähmen" mit super 3D! :) Und wenn der deiner Meinung nach sogar besser ist als "Kung Fu Panda" (den ich richtig gut fand, weil er sogar wirklich Herz hatte), dann wirds wohl richtig toll!

Sir Donnerbold hat gesagt…

@ Andi: Da mir irgendwas sagt, dass dir die Erklärung eben eh nicht reicht, erkläre ich dir hier nochmal exklusiv, was ich aussagen wollte: "Green Zone" kann nur diejenigen schockieren, die Pro-Kriegs-Propaganda zu Gehör bekamen. Wer objektive Berichterstattung verfolgte, wird ebenso wenig neues zu hören bekommen, wie diejenigen, die Gegenberichterstattung erhielten.

Ich entschuldige mich für die dich anscheinend so böse verwirrrende Formulierung...

@ Sunshine: Ich bin ja mal gespannt, wie lange er mit Super-3D angeboten wird. In meiner Vorstellung war ein auffälliger Kinderüberschuss, was auf frühes Abschieben auf die Mittagsschiene hindeuten könnte...

Sunshine hat gesagt…

@ Sir D.: NEEEEEIIIIIIIN!

... Nächsten Dienstag wird der ja wohl noch abends laufen. (Wehe, wenn nicht....)

Andi hat gesagt…

Hehe, cool, dass ich jetzt schon mit einem Satz eine Diskussion in Rollen bringen konnte, an der ich mich weiter gar nicht beteiligt habe. Eine 1-Mann-Diskussion!
Ich bin aber damit zufrieden, wenn du, wie in deinem letzten Kommentar eingestehst, dass Anti-Irak-Kriegs-Berichterstattung nicht automatisch die objektive ist.
Nimm's nicht persönlich, ich piekse nur gerne Mal in die allgemeine, arrogante, deutsche Konsens-Weltanschauung, die aber in den letzten Jahren immerhin deutlich zusammenbröckelte. Obama sei Dank!

OK, die DreamWorks-Dikussion erspare ich dir, denn alles andere als zu behaupten, dass ich in diesem einen Punkt wirklich vorurteilsbeladen bin, ist gelogen.
Tu mir schon schwer genug, mich in Zukunft für Kassenerfolge von DreamWorks Live Action freuen zu müssen. Diese Umstellung vom Feind zum Freund...^^

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