Freitag, 7. Mai 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil XXXVIII)

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Platz 96: Can I Have This Dance aus High School Musical 3: Senior Year
Musik und Text von Adam Anders und Nikki Hassman

Hätte man mir im Vorfeld des Kinostarts von High School Musical 3: Senior Year gesagt, dass eine Ballade zwischen den im vorhergegangenen Teil der Reihe überaus nervigen Hauptfiguren Troy (Zac Efron) und Gabrialla (Vanessa Hudgens) zu meinen musikalischen Favoriten des High School Musical-Kinoausflugs gehören wird, hätte ich diese Person nicht für voll genommen. Diese übertrieben kitschigen, überdramatischen Nervteenies sollen ein gescheites Liebeslied singen? Okay, Breaking Free (Platz 289) und Start of Something New (Platz 291) waren schon gut, allerdings nahm die Liebesgeschichte dieser zwei Figuren in Teil 2 eine radikale Wende ins Ennervierende, von der sie sich meiner Erwartungen nach nicht erholen kann. Weit gefehlt. Wüsste man nicht, wer da gerade singt, dann ließe sich glatt vermuten, dass Can I Have This Dance ein waschechtes Liebesduett im charakteristischen Disneystil ist. Man muss sich selbst als Verteidiger der Reihe eingestehen, dass sich die meisten High School Musical-Songs schon allein stilistisch nicht gerade nahtlos ins Disney-Pantheon einfügen, doch Can I Have This Dance rückt dramaturgisch schon stark in die klassische Typologie der beliebten Disney-Meisterwerke. Der Walzer zwischen süßlich-kitschig und ehrlich-warmherzig, der die besten Disney-Liebeslieder ausmacht gelingt auch dieser Teenieballade, und hätte man auf die für die Kernzielgruppe des Films wohl obligatorischen Synthiesounds verzichtet und stattdessen ein richtiges Orchester in stattlicher Filmmusikbesetzung engagiert würde man gar keinen Unterschied mehr vernehmen. Das von den nicht zur HSM-Stammcrew gehörenden Nikki Hassman und Adam Anders (der sich kurz darauf als Musikproduzent der HSM-Satire Glee einen Namen machte) komponierte Lied ist wirklich süß, romantisch und die nur wechselhaft talentierten Sänger geben bei dieser zärtlichen Gesangseinlage ihr Bestes. Da kann man eigentlich nicht meckern.

Platz 95: Der Titelsong von Käpt'n Balu und seine Crew ("Spin it")
Musik und Text von Michael Silversher und Patty Silversher (dt. Fassung von Frank Lenart)

Käpt'n Balu und seine tollkühne Crew gehörte für mich zu den Highlights des ARD-Disney Clubs. Mit den vielen, stetig wechselnden Schauplätzen und den für's Medium recht komplexen Flugsequenzen wirkte diese Serie sehr aufwändig, die Figuren waren durchweg sympatisch und generell hatte das Grundkonzept einen großen Reiz. Schatzsucher und Kriminalitätsbekämpfer sind toll, ein Flugspeditionsunternehmen und Luftpiraten, das war außergewöhnlich.
Das Titellied zu Käpt'n Balu und seine tollkühne Crew passte ideal zur Serie. Es ist fröhlich, ein klein wenig exzentrisch und sehr schnell. Zudem lieferte es mit dem abschließenden Zungenbrecher eines der größten und meistdiskutierten Rätsel meiner Kindheit. Die besten Versionen sind für mich klar die deutsche und englische, die meisten anderen internationalen Synchronfassungen klingen in meinen Ohren relativ stümperhaft übersetzt. Der Gesang hapert oft und beißt sich mit der Musik. Für Sommerfeeling sorgt derweil die leicht umarrangierte, längere, knapp zweieinhalbminütige Version in englischer Sprache, die mit ihren längeren, karibisch angehauchten Instrumentalstellen die Sehnsucht nach seiner eigenen Stammkneipe im Stile von Louis' in die Höhe schnellen lässt.

Platz 94: Armer Jack ("Poor Jack") aus Nightmare before Christmas
Musik und Text von Danny Elfman (dt. Fassung von Frank Lenart)

Dramatische Wende in Nightmare before Christmas: Jack Skellingtons Vorhaben das Weihnachtsfest an sich zu reißen und den Menschen mit seiner monströsen Umsetzung des Fests der Liebe einen Wohlgefallen zu tun geht in Rauch auf. Schwer lädiert beklagt der Kürbiskönig auf einem Friedhof seine Niederlage, die ihn aufgrund seinem voreiligen und blinden Verhalten ereilte. Als er erkennt, dass er mit seinen Versuchen als Weihnachtsmann verloren geglaubte Kreativität in seinem eigenen Metier bewies, erwächst aus Jacks betrüblicher Selbstanklage ein tonal dunkler, morbide angehauchter Triumphgesang. Armer Jack ist für mich das dramatischste und poetischste Lied aus Nightmare before Christmas. Die schwarz beseelte, verletzliche Melodie Danny Elfmans und der einen weiten, emotionalen Bogen schlagende Gesang harmonieren wundervoll und ergeben einen sehr berührenden und mitnehmenden gesungenen Monolog. Wie schon bei Nanu? (Platz 117) ziehe ich die deutsche Aufnahme dem Original vor. Alexander Goebel bringt den Stimmungswechsel wesentlich überzeugender rüber und verleiht den ersten Zeilen eine bedeutsam größere Tragik als Danny Elfman. Dessen Version gefällt mir allerdings noch immer besser als das Cover der Plain White T's, wobei diese die Stimmung der Filmfassung adäquater in ihr Genre rettet als es bei den meisten anderen Cover des Nightmare Revisited-Albums der Fall ist.

Platz 93: Das Titellied von Muppets Tonight
Musik und Text von Eric Colvin und Philip Giffin (?) (dt. Fassung von Eberhard Storeck)

Die leider gefloppte modernisierte Neuauflage der Muppet Show legt von der ersten Sekunde an ein wahnsinniges Tempo hin. Hatte das Original Muppet Show-Thema die Verspieltheit einer schmucken Varieté-Eröffnungsnummer, hält das Titellied von Muppets Tonight das rasante Chaos inne, das hinter den Kulissen einer Fernsehsendung herrscht. Zudem ist es ein ungeheuer sitzfester Ohrwurm, der gerne auch Mal aus dem Nichts auftaucht und einen stundenlang verfolgt. Lästig wurde mir dieses Lied allerdings noch nie, mit seiner Energie und dem spaßigen Muppet-Chor hebt es einfach nur die Stimmung. Mir ist übrigens wieder einmal die deutsche Version lieber, da Cliffords deutsche Gesangsstimme wesentlich angenehmer und dynamischer ist, als die dick aufgesetzte, dunkle Originalstimme.

Platz 92: Schritt und Tritt ("Step in Time") aus Mary Poppins
Musik & Text von Robert B. & Richard M. Sherman (dt. Fassung von Eberhard Cronshagen)

Jedes große Kinomusical braucht eine originelle Tanznummer. Mary Poppins nimmt dazu sein staunendes Publikum an der Hand und führt es auf die Dächer des abendlichen Londons, wo Bert und seine fröhlichen Arbeitskollegen losgelöst singen und tanzen. Choreographiert wurde dieser unvergessliche Dachfürsttanz von Marc Breaux und Dee Dee Wood.
Schritt und Tritt ist kein emotionales Lied, kein besonders gern gesehener Ohrwurm oder ein musikalisches Meisterwerk, stattdessen ist es einfach ein gutes Lied, das keine hervorstechenden Qualitäten benötigt, um sich in meiner Hitliste nach vorne zu mogeln. Es ist einfach ein perfektes Beispiel für die zauberhaften Komponistenqualitäten der Sherman Brüder, die aus jedem Thema und jeder noch so unaufdringlichen Nummer einen Song machen können, den man weder vergessen kann, noch will.

Platz 91: Stick to the Status Quo aus High School Musical
Musik und Text von David Lawrence & Faye Greenberg

Stick to the Status Quo ist die Musicaleinlage in Disneys ungeheuer erfolgreichem Fernsehfilm High School Musical. Andere Lieder verstecken sich hinter der "Es ist ein Bühnenauftritt"-Masche oder locken die jugendliche Zielgruppe mit Einflüssen, die mit ihrem alltäglichen Musikkonsum kompatibel sind, wie etwa den mit Hip Hop vermengten Song Get'cha Head in the Game (Platz 170). Die große Ensemblenummer Stick to the Status Quo hingegen ist ein waschechter Musicalsong und die Macher des Films zeigen deswegen keinerlei Scham. Im Vergleich mit den etwas großspurigeren Fortsetzungen ist Stick to the Status Quo zwar relativ klein, gegenüber den restlichen Musiksequenzen des Originals ist diese Sequenz allerdings überaus pompös. Zahlreiche Backgroundtänzer, Dialoge, die als Strophen dienen und ein Refrain, hinter dem gewaltige Macht steckt. Zugleich enthält Stick to the Status Quo die oberflächlich betrachtet paradoxe Kernaussage von High School Musical: Jeder ist was besonderes und soll seine Einzigartigkeit ausleben dürfen, zugleich sind wir alle eine große Gemeinschaft. Dies unterrichten uns die Macher dieses Fernsehfilms, indem sie umgekehrte Psychologie anwenden, denn der eingängige Refrain dieses Liedes besingt den festgefahrenen Status Quo der mit klar abgegrenzten Gruppen ausgestatteten West High. Skateboarder haben verpeilte Skateboarder zu sein, Streber sollen lernen, Sportler haben "männliche" Dinge zu tun und gehören auf keinen Fal hinter einen Herd, und so weiter. Zwar ist Stick to the Status Quo etwas zu dick aufgetragen, aber die dynamische Mischung aus klassischem Musicalstil und moderner Popenergie geht wunderbar auf und zeigt die Richtung auf, in die High School Musical sehr gerne hätte gehen dürfen.

Platz 90: The Boys Are Back aus High School Musical 3: Senior Year
Musik und Text von Matthew Gerrard und Robbie Nevil

Es liest sich wie aus dem Lehrbuch für filmische sowie musikalische Horrorszenarien: Elektronisch manipulierter Gesang im Stile von Boybands aus den späten 90er Jahren, handzahm wummernde Elektro-Hip-Hop-Beats und ein dreck schrammelnder Gitarrenbass, der böse misshandelt in diese Teenie-Mucke reingesamplet wurde. Und im Film tanzen dazu Milchbubi Zac Efron und sein Leinwandkumpel, gekleidet in zerrissenen Jeans und offenen Holzfällerhemden beziehungsweise engen schwarzen Shirts mit kurios-pseudoschaurigem Aufdruck. The Boys Are Back darf nicht funktionieren, ich wollte nicht, dass dieses Lied funktioniert und... grauenhafterweise funktioniert dieser Song auf voller Strecke. Vielleicht gingen High School Musical-Regisseur Kenny Ortega, die Komponisten Gerrard & Nevil und Disney einen Pakt mit dem Teufel ein, bevor dieser seinen Vertrag mit James "Zwei Mal erfolgreichster Film aller Zeiten, Suckers!" Cameron verlängerte. Vielleicht befanden sich irgendwelche illegalen Stoffe in den Eiswürfeln meines Softdrinks, den ich während meines Kinobesuchs von High School Musical 3: Senior Year meine Kehle hinunterschüttete. Oder die ganzen Fiesheiten dieses Songs wiegeln sich gegenseitig so sehr auf, dass er wieder genial ist. Auf jeden Fall ist der spielerische The Boys Are Back ein riesiges sündhaftes Vergnügen und versetzt einen sofort wieder in kindische Lausbubenstimmung. Die krude zusammengewürfelten Einflüsse dieses Liedes ergänzen sich optimal und die erfrischende Emphase, die in dieser Kompostion liegt, steckt sofort an. Astreine Teenager-Power, der ich mich nicht entziehen kann. Es müsste eigentlich peinlich sein, aber die Summe aller Verbrechen, die dieser Song begeht, ist so groß, das er eigentlich schon wieder einen Trashreiz hätte. Kurioserweise empfinde ich ihn aber nicht als Trash. Dafür wurde er mit zuviel Bedacht zusammengezimmert.

5 Kommentare:

Andi hat gesagt…

Woher hast du denn die Info, dass Eberhard Storeck noch soviel für die Muppets in den 90ern gemacht hat? Ich bin davon ausgegangen, dass das in der Zeit alles langsam an den Hartmut übergegangen ist.

"TaleSpin" wurde deutsch von Frank Lenart bearbeitet, ob das auch für den Titelsong gilt weiß ich nicht, könnte es mir aber vorstellen, da er auch musikalisch sehr aktiv war/ist.
Ähnliches gilt übrigens für den Titelsong der "Rescue Rangers", die du neulich drin hattest, hier war es Heike Schlüns.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Die Angaben zu den Muppetfilmen übernahm ich stets aus den Filmabspännen. Bei "Muppets Tonight" verließ ich mich auf das sehr sorgsam arbeitende Muppet-Wiki. Bei den Serien ist das mit den Übersetzern immer so eine Sache, aber es stimmt schon, dass gerade Frank Lenart eine sichere Wette ist, dass er auch den Titelsong übersetzte. Trotzdem habe ich lieber ein Fragezeichen zuviel als zuwenig.

Sunshine hat gesagt…

Ein paar gute Lieder aus HSM (ja, wer hätte das gedacht, dass das Liebesduett in Teil 3 tatsächlich schön werden würde?); gerade "The Boys are back" fand ich ziemlich cool und auch glaubwürdig umgesetzt. ... Naja, vielleicht auch nur, weil ich als Kind wohl auch auf einem Schrottplatz rumgetobt wäre, hätten wir hier einen gehabt. *g*

"Poor Jack" ist auch super, und ich stimme dir zu, dass Alexander Goebel die Gefühle besser rüberbringt als Danny Elfman.

Und Käpt'n Balu ist sowieso genial! Eine ganze Generation wurde von diesen Serien geprägt (dazu gehören für mich auch immer Darkwing Duck, die Duck Tales, Gummibären und Bonkers *g*) und das Lied macht einfach Laune. Diesen blöden Rap hab ich nie verstanden damals, aber immerhin konnte ich das Ohwiyeah mitsingen. :D
Naaaa, wo bleibt "Donner, Blitz und Don Kanallie"? Das hatten wir doch noch nicht, oder? (Langsam verlier ich den Überblick, aber nach über 200 Liedern wirst du's deinen armen Lesern sicherlich nachsehen.^^)

InvaderPhantom hat gesagt…

der rap am ende von käpt'n balu geht übrigens so:

sie siegen wenn sie fliegen,
fliegen fracht und fliegen ziegen,
fliegen bis die fetzen fliegen,
sie sind sieger wenn sie fliegen

aber du hast recht, man hat wirklich lange gebraucht um das zu entziffern^^

Andi hat gesagt…

Die erste Zeile ist falsch, sie lautet "Sie fliegen um zu siegen". Das ist das einzige, das ich bisher verstehen konnte.

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