Dienstag, 1. Juni 2010

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil XLII)

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Platz 71: Supercalifragilisticexpialigetisch ("Supercalifragilisticexpialidocious") aus Mary Poppins
Musik & Text von Robert B. & Richard M. Sherman (dt. Fassung von Eberhard Cronshagen)

Häufig parodiert und unzählige Male in Disneywerken und Nondisneywerken referenziert: Das unhandliche Kunstwort Supercalifragilisticexpialigetisch, das die Shermen-Brüder für Mary Poppins in ein unsterbliches Disneylied dichteten. Der möglicherweisel bekannteste Song aus dem Film ist auch der erste, der für ihn geschrieben wurde, angeblich schrieben die Shermans das Lied noch bevor sich Walt Disney überhaupt endgültig die Rechte an P.L. Travers' Kinderbücher sichern konnte. Die Legende besagt, dass die Shermans von einem Sommercamp während ihrer Kindstage inspiriert wurden. Während des Camps in den Adirondack Mountains verwendeten die Kinder ein eigenes, absurd langes Fantasiewort, das sie nur für sich selbst hatten und das sie von den Erwachsenen abgrenzte. Dieses Gefühl wollten sie auch den Banks-Kindern geben. Sofern die Überlieferungen stimmen, was man gerade bei legendäreren Stoffen aus Walt Disneys Lebzeiten nie so ganz garantieren kann, haben die Shermans zwei Wochen lang ihr extralanges Fantasiewort zurechtgebastelt, das sie zusammen mit dem restlichen Text auf eine authentisch klingende "Music Hall"-Melodie des Stils aus dem frühen 20. Jahrhundert legten.

Supercalifragilisticexpialigetisch ist ein Lied, das jeden Respekt verdient hat und wieder einmal beweist, dass die Shermans zu Zeiten ihrer Bestform wirklich jede noch so absurde (gerne auch selbst gestellte) Herausforderung beim Liederkomponieren zu meistern wussten. Es bereichert mit seiner Fantasie und seinem Humor den Film Mary Poppins ungemein und ist ein gutes Beispiel dafür, was bei Disney besser funktioniert, als bei vielen anderen Studios. Und dennoch finde ich Supercalifragilisticexpialigetisch ein wenig überschätzt, da es für mich als alleinstehendes Lied nicht so gut funktionieren mag, wie vergleichbare Kompositionen oder ein paar andere Gesangseinlagen aus Mary Poppins. Daran konnte bislang auch keine der vielen Coverversionen was ändern, auch wenn das Punk-Cover von The Vandals schon ganz angenehm fetzt.

Platz 70: Das Licht des Himmels ("Heaven's Light") aus Der Glöckner von Notre Dame
Musik von Alan Menken, Text von Stephen Schwartz (dt. Fassung von Frank Lenart)

Bereits in Pocahontas griffen Alan Menken und Stephen Schwartz auf musikalische Gegensätzlichkeiten zurück, um die Unterschiede zwischen Figuren zu verdeutlichen. Im Vergleich zum darauf folgenden Disney-Meisterwerk Der Glöckner von Notre Dame wirkt die Verwendung von Thetik und Antthetik allerdings wie eine simple Fingerübung. Denn die zentrale Gegenüberstellung von Quasimodo und Frollo, als beide im Schutze der Nacht über Esmeraldas Wirkung auf sich selbst reflektieren ist viel eindringlicher und musikalisch elaborierter, als Pocahontas' Finalsong Wilde sind's (Platz 159). Während sich Richter Frollo einem Dämonengericht verantwortet, rührt Quasimodos sanfte, leichtgläubige und hoffnungsvolle Ballade zu Herzen. Der einsame Glöckner besingt, wie er bislang nur aus der Ferne glückliche, strahlende Liebespaare beobachtete und davon ausging, dass er aufgrund seines abscheulichen Äußeren niemals in den Genuss solch warmen Glücks gelangen wird - bis Esmeralda ihn küsste und einen kleinen Hoffnungsschimmer in ihm weckte. Die (nicht übertriebene) Tragik in der Musik schwillt zu einem vorsichtigen Triumph heran, bevor das Lied wieder abklingt und ein latainischer Männerchor zum Kontrapunkt überleitet.
Kleiner Anflug musikalischer Trivia: Genauso wie im darauf folgenden Lied Das Feuer der Hölle kann man in Das Licht des Himmels für kurze Zeit die Basismelodie des Eröffnungssongs Die Glocken Notre Dames vernehmen.

Platz 69: Bop to the Top aus High School Musical
Musik und Text von Randy Petersen & Kevin Quinn

Die extrovertierten Zwillinge Sharpay und Ryan Evans erhielten in den High School Musical-Fortsetzungen zwar wesentlich knalligere, aufwändigere und auf gesunde Weise lachhaft-übertriebene Musicalsequenzen (siehe Platz 88 und 87), aber während Fabulous und I Want It All für mich zweifelsohne die besseren, da selbstironischeren, Filmsequenzen sind, ist Bop to the Top aus dem unschuldig-naiveren und bescheideneren ersten Teil klar der bessere Song. Für diesen zeichnete sich das Duo Randy Petersen & Kevin Quinn verantwortlich. Petersen und Quinn gehören eigentlich zur musikalischen Stammcrew von Disneys TV- und DVD-Animationsdepartements und schrieben unter anderem einige der gewitzten Lieder für die Aladdin-Fortsetzungen. Und genau das merkt man Bop to the Top auch an, denn Quinns und Petersens einzige Arbeit für den ersten Teil des High School Musical-Franchises hebt sich klar von dem sonstigen Stil des Films ab, da es als einziges intentional die ironisch-campige Art Ryans und Evans auf die musikalische Ebene überträgt. Die anderen Lieder aus High School Musical nehmen sich dagegen ernster, ein vollkommen blauäugiger Umgang mit dem zuckrig-teeniehaften Einschlag des Films.

Vor allem aber beschleicht mich das Gefühl, dass die alten Schlawiner Quinn und Petersen in den ach so quieksig unschuldigen Disney-Fernsehfilm eine ganz und gar schmuddelige und höchst amüsante Zweideutigkeit einschleusten. Auf dem ersten Blick ist Bop to the Top einfach nur eine schale und gehaltlose, übertriebene Shownummer eines hohlen Schauspieler-Geschwisterpaares, das der gefühlvollen und bodenständigen Ballade der Protagonisten gegenübersteht (Breaking Free, Platz 289). Auf dem zweiten Blick, wenn man sein Interesse stärker an Sharpay und Ryan ausgerichtet hat und für das süße Pärchen im Fokus des Films bestenfalls gezügelten Zynismus oder rollende Augen übrig hat, entpuppt sich Bop to the Top als sich nicht ernstnehmende, flockige Latinopop-Spaßnummer über zwei egomanische, verklärte Schauspieler, die ihren Weg an die Spitze des Erfolgs schon als gesichert ansehen. Sicher, dass es das bereits war? Denkt man nämlich genauer nach, hält sich nochmal Sharpays und Ryans Charakter vor, Sharpays Wirkung auf Männer und die Rücksichtslosigkeit, mit der die Konkurrenz ausgebootet wird, und sieht sich dann den Liedtext an, dann offenbart sich eine tiefer gehende Bedeutung. Sie propagandieren völlig unverschähmt und schwach getarnt, sich hochzuschlafen.
Die beiden Figuren singen zu einer fröhlichen Melodie, hüftschwingend und mit leichtherzigen Schritten, dass sie "Bopp, bopp, bopp" sofort an die Spitze kommen, dass man zum Erklimmen der Erfolgsleiter sein bestes raus holen muss und vor nichts zurückschrecken darf. Man muss die Konkurrenz heiß und "suave" davonblasen, für den Erfolg muss man zum Rhythmus rutschen und gleiten, springen und hüpfen, so lange, bis man ins Schwitzen kommt. Und dann wieder von vorne, nie solle man damit aufhören. Immer schön mit dem Hintern wackeln, seine Hemmungen wegwischen und zeigen, was man hat: "Bopp bopp bopp, direkt an die Spitze"

Muss ich da noch irgendjemandem erklären, weshalb Sharpay und Ryan für mich das beste an High School Musical sind, oder haben sich alle Fragen restlos geklärt? Die Filme sind eben doch nicht nur was für Kinder...

Platz 68: Sei hier Gast ("Be Our Guest") aus Die Schöne und das Biest
Musik von Alan Menken, Text von Howard Ashman (dt. Fassung von Lutz Riedel)

Kommen wir nun zu einem der bekanntesten und beliebtesten Disneysongs überhaupt und einem der Aushängeschilder der Disney-Renaissance. Der Oscar nominierte, ausschöpfende und pompöse Broadway-Style-Showstopper Sei hier Gast steht in den Augen vieler stellvertretend für die schnellen, ungeheuerlich unterhaltsamen Spaßlieder der Menken-Ära und gehört auch völlig zu Recht zu den groß gefeierten Disneyliedern. Sei hier Gast unterbricht den romantischen, reifen Disney-Zeichentrickfilm für ein paar Minuten schieren Cartoonvergnügens, bleibt dabei allerdings stets relavant für den Film. Zwar bringt das ursprünglich für Belles Vater Maurice vorgetragene Sei hier Gast die Handlung nicht so stringent voran, wie das Titellied des Films oder der operettenhafte Eröffnungssong (Platz 80), doch durch dieses Lied wird unmissverständlich verdeutlicht, dass sich der Zuschauer um Belle im Schloss nicht zu große Sorgen machen muss, was für das Seherlebnis eine einschneidende Auswirkung hat. Ohne Sei hier Gast könnte man sich unmöglich so gelassen auf das Geschehen im Schloss einlassen. Vor allem aber ist Sei hier Gast geballtes Vergnügen. Menken und Ashman nahmen sich das beste aus französischem Varieté und modernem Broadway, bereicherten es um die Möglichkeiten des Zeichentrickmediums und bescherten uns so eine wohl für die Ewigkeit unschlagbare Gesangseinlage über Gastfreundschaft.

Platz 67: Lilongo aus Drei Caballeros
Musik und Text von Charro Gil

Drei Caballeros ist nicht bloß ein fantasievolles, psychadelisches Spektakel, sondern auch eine kleine, kurzweilige Lektion in mexikanischer und südamerikanischer Kultur. Gleich mehrere klassische Volkstänze werden in Drei Caballeros vorgeführt, und der für Veracruz charakteristische Tanz wird in diesem Film von einer sehr einfallsreichen, pointierten Symbiose aus mexikanischer Traditionsmusik und amerikanischem Boogie Woogie begleitet. Wie es dazu kommt? Panchito entführt seine Freunde Donald und Josè mit seinem fliegenden Teppich nach Veracruz, wo sich der amerikanische Erpel sofort mitten ins Getümmel stürzt und versucht, ein Tänzchen mit einer der tanzenden Grazien zu ergattern. Dabei agiert Donald allerdings sehr hölzern und altbacken, woraufhin ihn Panchito auch sofort hinweist. Um zu beweisen, wie lässig, agil und anpassungsfähig er ist, beginnt Donald sofort, den Jitterbug zu tanzen. Spontan, wie sie halt so ist, improvisiert die anwesende Musikantentruppe, und lässt swingende Boogie-Woogie-Einflüsse in ihrem Lied erklingen. Das Ergebnis ist ein Stück musikalischer Völkerverständigung und macht in ihrem moderaten Tempo mit hohem Charakter jede Menge Laune. Die Lilongo-Sequenz wird visuell zwar vom Einfallsreichtum anderer Musiksequenzen aus Drei Caballeros meilenweit abgehängt und auch der Humor wird hier eher klein geschrieben, und trotzdem ist es wegen des tollen Musikstücks und des hübschen Tanzes eine wirklich gelungene Szene, die kein Stückchen langweilig wird.

Platz 66: Wir bummeln heute gemütlich zur Main Street U.S.A. ("Main Street U.S.A." aka "Walking Down Right The Middle Of Main Street U.S.A.") aus Disneyland
Musik und Text von Stu Nunnery (dt. Fassung von ?)

Ich liebe Disneyland. Die Atmosphäre dort, die beispiellose Liebe zum Detail, die großartigen Attraktionen, die spaßigen Begegnungen mit den Disney-Figuren, die bunten Paraden, die Geschäfte (ohja, und wie ich die liebe!), die leckeren Brownies und selbstverständlich die ständige Beschallung mit toller Musik in faszinierenden Arrangements. Mein musikalisches Lieblingsland in Disneys traumhaften Themenpark ist übrigens die Main Street U.S.A., die nostalgisch-verklärte, hübsch gepuderte Nachbildung von Walt Disneys geliebter Kindheits-Heimatstadt Marceline, die er immer mit einer unbeschwerteren Zeit verband. Und genau das spürt man selbst über 50 Jahre nach der Eröffnung seines Original-Disneylands, ganz gleich ob man sich in der Main Street U.S.A. befindet, deren Bau Walt Disney selbst überwachte, oder in einer der Nachbildungen im Rest der Welt. Mit ihrer nostalgischen spät-viktiorianischen, kurz nach dem Jahrhundertwechsel angesiedelten Architektur, den schmucken Schaufenstern und den freundlich-heimatlichen Farben verleiht die Main Street U.S.A einem ein richtig warmes, willkommenes Gefühl und bereitet einen so als Bindeglied zwischen der Realität und Disneys Zauberreich perfekt auf die wundersamen Ereignisse und fantasievollen Orte hinter dem Central Plaza vor. Vor allem musikalisch kristallisierte sich die Main Street U.S.A. im Laufe meiner Freizeitparkbesuche zu meinem Favoriten heraus. Die vergnüglichen Barbershop- und Ragtimeklänge, die entspannte Parlourmusik und die leichtherzigen Instrumentalversionen von Disneyklassikern sowie vergessenen Kleinoden (siehe Optimistisch sein, Platz 109) und weiteren zur Thematik des Lands passenden Melodien (wie etwa ein Hello, Dolly-Medley) sind einfach großartig anzuhören und versetzen mich immer in eine unbeschwerte, glückliche Disneyland-Laune. Doch nicht nur die instrumentale Dauerschleife in der Main Street U.S.A. versprüht eine solche Magie, auch weitere musikalische Schmankerl wissen mich zu umgarnen. Aufgrund der Wirtschaftskrise - und im Falle von Disneyland Paris auch aufgrund der instabilen Finanzlage des Parks - sind Liveauftritte von kleinen Musikergruppen und den Barbershopquartetten eher rar geworden, dennoch sind Lieder wie Meet Me Down on Main Street (Platz 246) ein unvergessener Bestandteil der berrückenden Flaniermeile. Mein unumstrittenes Lieblingslied aus Disneys kleinstädtischer Nostalgiehauptstraße ist allerdings das in der Stimmgewalt der Sänger minimal modernere Wir bummeln heute gemütlich zur Main Street U.S.A., ein musikalisch ungeheuer authentisch wirkendes Lied, das 1978 vom Songtexter Stu Nunnery verfasst wurde. Disney wollte das Lied ursprünglich zum 25. Jahrestag der Eröffnung von Disneyland, letztlich wurde er aber erst fünf Jahre später in einer Fernsehsondersendung zum 30. Jahrestag dieses Ereignisses abgespielt. Seither wird das Lied in den US-Parks für kleinere Paraden in der Main Street U.S.A. verwendet oder von den besagten Barbershopquartetten gesungen. Außerdem wurde es als Werbemusik für die Disneyparks in Tokyo und Paris verwendet. Den größten Bekanntheitsschub, sofern man dies bei einem dermaßen unbekannten Lied sagen kann, erhielt Wir bummeln heute gemütlich zur Main Street U.S.A. allerdings durch ein Sing mit uns-Video über die Disneyparks, dessen europäischen Fassungen gleichzeitig auch als überlange Werbevideos für das EuroDisney Resort (wie es damals hieß) fungierten. Dieses Video schob mit seinen Interpretationen einiger Songs nicht nur so manches Lied innerhalb dieser Hitliste um ein paar Ränge nach oben, sondern diente mir damals auch als mentale Vorbereitung für meinen ersten Disneylandbesuch - und Wir bummeln heute gemütlich zur Main Street U.S.A. hatte eine besonders starke Wirkung auf mich. Es war so harmonisch, und die kleine Parade mit Tänzern, Tänzerinnen und viktorianisch gekleideten Disneyfiguren, die dazu zu sehen war, ist einfach dermaßen goldig, dass man seine Mundwinkel unmöglich unten behalten kann. Tja, und während meiner ersten Begegnung mit Donald Duck "in persona" trug er genau das rote Kostüm, das er auch in diesem "Musikvideo" anhat. Klar, dass dieses Lied für mich unheimlich stark nostalgisch belastet ist - aber es hat auch so eine faszinierende Wirkung, seine Ausstrahlung ist nahezu unwiderstehlich und die simple Melodie setzt sich sofort im Gedächtnis fest. Schöööön...

Platz 65: Scream aus High School Musical 3: Senior Year
Musik und Text von Jamie Houston

Wieder einmal befindet sich der an eine Mathematikleuchte vergebene, singende Basketballspieler Troy Bolton in einer für Teenager typischen Problemsituation. Sein Beziehungsleben durchgeht erneut eine Krise und zwischen den Erwartungen seines Vaters und seiner Freunde einerseits, und seinem unerwarteten Bühnentalent andererseits hin und her gerissen weiß der bislang in seinen Entscheidungen stets an der Hand genommene Liebling seiner ganzen Schule nicht, wohin ihn sein Weg zukünftig führen sollte. Es ist eine Lebenskrise, wie sie einem Shakespeare gerecht wäre, zumindest fühlt es sich für den Jungspund so an. Um endlich eine Entscheidung fällen zu können, fährt er des Nachts an einen Hort des Intellekts und der jugendlichen Lebensbestimmung: Er besucht seine Schule. Während sich sachte ein Teenager-Lebenskrisen-Selbstbestimmungs-Verzweiflungssong ankündigt, fahren die reiferen Kinozuschauer von High School Musical 3 prophylaktisch zusammen, um im selben Atemzug neugierig und schadenfroh in ihrem Kinosessel nach vorne zu rücken, immerhin stellte Troys letzter dramatischer Gesangsmonolog Bet on it (Platz 124) einen der lächerlichsten und ungewollt komischsten Momente der jüngeren Disneyfilmgeschichte dar. Und dann, die Überraschung: Während Bet on it Teenie-Technogedudel mit aufgesetztem, existenzielle Furcht darstellendem Ausdruckstanz paarte um die Frage "Oh nein, meine Freundin findet mich doof und meine Kumpels finden mich noch dööfer" filmisch darzustellen und zu allem Überfluss sich noch an einem ikonischen Disneyerbe vergriff, findet Scream die genau richtige Balance zwischen unterhaltsamer Übertreibung und dramaturgisch plausibler, emotional nachvollziehbarer Ernsthaftigkeit. Statt Blauauge Zac Efron mit seinem eigenen Spiegelbild singen zu lassen, stellt sich für ihn in Anlehnung an Fred Astaire die gesamte Welt auf den Kopf. Der Song, eine Zielgruppen tauglich düster-dumpfe Rocknummer, verpackt die verzweifelte, zwischen Wut und Planlosigkeit wechselnde Gefühlslage Troys in (für Disney) hämmernde, deftige Gitarrenriffs, das Lied hat vorantreibende Qualitäten und ein dichtes Tempo, so dass er gleichzeitig der Wut Ausdruck verleiht und sie mit seinem mitwippbaren Takt und der energischen Melodie vergessen lässt. Scream ist ein gelungenes Beispiel musikalisch umgesetzter "Teenangst", das einen im Zusammenspiel mit der gut choreographierten und vortrefflich fotografierten Filmsequenz für die Peinlichkeit des letzten Troy-Bolton-Hilferuf abschließen lässt. Es sind Scream und I Want It All (Platz 87), die mit ihren hohen Produktionswerten und dem dadurch weniger eingeengten Einfallsreichtum der HSM-Macher den Sprung auf die große Leinwand ganz alleine rechtfertigen, hier verlässt HSM das Teenie-Fernsehmusical-Stigma und wird tatsächlich zu einem zumindest technisch erwachsenen Leinwandmusical. Und musikalisch ist Scream ebenfalls einer der etwas reiferen Songs der Reihe, da er immerhin primär auf ältere Jugendliche abzielt, als die meisten anderen Lieder der doch sehr jungherzigen Filmreihe. Will man seinem Unmut ausgerechnet mit einem HSM-Song Luft machen, so ist Scream die unbestritten beste Wahl dafür. Richtig sauberer, super umgesetzter Teenrock, der irgendwie einen Haufen Charme hat.


1 Kommentare:

Sunshine hat gesagt…

"Sei hier Gast" so weit unten?! Also neeee!

"Scream" ist in der Tat ziemlich gut und man kann es sich mit sehr geringem Fremdschämfaktor angucken. *puh*

Naja, sooo genau hab ich auf die Lyrics von "Bop to the top" noch nicht geachtet. Jaja, die sauberen Disney-Filmchen. *g*

Whoa, mein Internet funktioniert wieder so gut wie tadellos. Hat sich der komplett computereingenomme Tag aufgrund Trojanerbereinigung etc. wohl doch gelohnt. *sehnsüchtig nach draußen schiel*

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