Mittwoch, 15. September 2010

Ab wann ist ein Tor ein Tor?

Das Gelände des Disneyland Paris' (nennen wir es mal stur weiterhin Disneyland Resort Paris um zu betonen, dass ich nicht vom Themenpark rede) ist recht groß, und diesem Platz sei Dank sind Pläne für weitere Themenparks seit jeher Teil der Zukunftsüberlegungen des europäischen Disney Resorts. Frühe Pläne für das "dritte Tor", den Park neben Disneyland und dem Studios Park, sahen einen überdachten Wasserpark mit dem Namen Lava Laggon vor. Dieses polynesische Paradies hätte neben dem Newport Bay Club eröffnet (wieso auch nicht, ein neuenglisches Hafenhotel neben den Tropen...), doch der ambitionierte Wasserpark kam nie zur Fruchtung.

Gestern wurde öffentlich gemacht, dass Euro Disney SCA seinen Vertrag mit der französischen Regierung verlängerte, und als Teil dessen sollen bis 2030 bis zu 8 Milliarden Eurovon verschiedenen Investoren ins Resort fließen (außerdem wurde das Grundstück von 1943 auf 2330 Hektar vergrößert). Wenn Disney bis dahin seine Vorhaben erfüllt, gelange das Resort in den alleinigen Besitz von Euro Disney SCA.
Eine frühe Investition, die Teil dieses Deals ist, wird der seit längerem fernab der breiten Öffentlichkeit angekündigte Park Les Villages Nature de Val d’Europe sein. In Kooperation mit dem französischen Unternehmen Pierre & Vacances Group wird unter diesem Namen ein Erholungskomplex gebaut, der in mehreren Phasen bis zu 500 Hektar einnehmen soll. Die "Hauptattraktion" dieses Komplexes soll ein Wasserpark sein (siehe die Konzeptzeichnung oben). Die Presse und das Internet sprechen davon, dass das Disneyland Resort Paris somit seinen dritten Park erhielte.

Nein. Dieser Komplex wird in der offiziellen Pressemeldung als weitere Touristenattraktion bezeichnet. Les Villages, welches in der Nähe der Davy Crockett Ranch gebaut wird, hat für Disney eher den Stellenwert des Golfkomplexes, und nicht den eines eigenständigen Themenparks.

Ich bin übrigens auch so pessimistisch, dass ich behaupte, der Wasserpark werde auch für die Besucher die Bedeutung des Golfplatzes haben. Internationale Reisende werden wohl kaum circa fünfzehn Fahrminuten weg vom Park kurz in einen Wasserpark hüpfen, wenn sie stattdessen auch in den beiden "echten" Parks rumrennen können. Für die Wasserratten gibt's ja noch die Pools in den Hotels. 1,8 Milliarden und anvisierte 500 Hektar sind für dieses Projekt viel zu hoch gegriffen.


Die Pläne für einen dritte, ausgewachsenen Park bleiben aber natürlich bestehen. The Disney Blog munkelt, es könnte ein Marvel-Park werden. Ein komplett neues und eigenständiges Konzept, ja, das hätte Gefallen. Aber Marvel? Wie im Blog selbst eingeworfen, sind die Marvel-Figuren keinesfalls die naheliegendste Wahl für einen französischen Themenpark. Und da Disney mittlerweile gelernt hat, nicht zu blind in die französische oder europäische Kultur reinzudonnern, wird der Marvelpark wohl nie Realität. Wage ich einfach zu behaupten.

Ich möchte aus völlig uneigennützigem Interesse einfach an die Bösewichter-Park-Idee erinnern. Das passt doch zu uns vom Bösen faszinierten, fiesen Europäern...

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