Montag, 19. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XIX)

Platz 6: Käpt'n Balu und seine tollkühne Crew

Von allen populären Disney-Serien ist dies wohl die bizarrste:

Einige der Figuren aus Das Dschungelbuch leben in einer an die 1930er-Jahre angelehnten Art-Deco-Welt und erleben Abenteuer im Stile von Indiana Jones und der Action- und Spionageserie Die Himmelhunde von Boragora (über einen Frachtpiloten mit einem Flugzeug namens Grumman Goose, der Spione und Südseepiraten bekämpft und am liebsten in der Monkey Bar herumhängt). Zwischenzeitlich gleitet die Serie sogar in "Diesel Punk" ab (wie Steampunk, nur etwas näher an der Gegenwart und benzinbetrieben) und erinnert in ihren Flugsequenzen an Sternenkrieger und Das Schloss im Himmel. Und all das ist entstanden, weil die kreativen Köpfe hinter den Serien des TV-Programmfensters The Disney Afternoon eine Serie über Disney-Nebenfiguren planten, diese Idee aber nie so richtig festzementieren konnten, und sich so neu mit Balu anfreundeten, weshalb sie ihn dazu nutzten, um endlich die Idee für eine Serie über einen Frachtpiloten umzusetzen (die anfangs für DuckTales gedacht war, dort konzeptuell jedich nicht hineinpasste). Der Tonfall der Serie sollte die eines komödiantischen Abenteuers mit Actioneinlagen sein, jedoch wollte man mit der Hassliebe zwischen Balu und seiner Chefin Rebecca auch einen Touch von Screwball und mit einigen ambitionierteren Episoden auch gesteigerte Dramatik einbringen.

Ein absolut verrücktes Konzept, dass sich die federführenden Autoren Jymn Magon und Mark Zaslove unter Zeitdruck (Disney brauchte dringend eine neue Serie) ausgedacht haben. So verrückt, dass sie eingangs richtiggehend Probleme hatten, Zeichner für TaleSpin (so der Originaltitel, in Anlehnung an die DuckTales) zu finden. Viele lehnten ab, sich an etwas zu beteiligen, dass Das Dschungelbuch in Misskredit bringen könnte.

Bei einem solchen wagemutigen Schmelztigel aus unterschiedlichsten Inspirationen und Selbstansprüchen kann eine Serie wie Käpt'n Balu eigentlich nur eine absolute Katastrophe werden. Ein kreatives Tohuwabohu, in dem man nie weiß wo oben und unten ist, dessen Bestandteile einfach nicht zusammenpassen. Oder dieser Wust an Ideen resultiert in einen absoluten Geniestreich. Letzteres ist geschehen. Nicht zuletzt aufgrund der Ambitionen der Showrunner und deren vier untergeordneten Regiesseur/Produzenten-Teams (und Disneys Willigkeit, sie gewähren zu lassen): Wie Serienschöpfer Jymn Magon erklärt, gab man pro Episode das selbe Budget wie Star Trek: The Next Generation aus.

Nun sind mir leider nicht die Produktionskosten der anderen Disney-Serien bekannt, aber Käpt'n Balu sieht zumindest so aus, als könnte es locker die aufwändigste Disney-Serie ihrer Ära (80er/frühe 90er) sein. Andere Studios hätten in den zahlreichen Flugsequenzen zweifelsohne sehr viel Filmmaterial wiederholt benutzt, auch bei Disney hätte man zu einem anderen Zeitpunkt solche Abkürzungen im Arbeitsprozess betrieben. Und die Vielfalt an Schauplätzen, die Käpt'n Balu bietet, ist ebenfalls keine Selbstverständlichkeit: Ob nun wiederkehrender Ort oder einmaliges Missionsziel: Die Hintergründe in Käpt'n Balu sind noch liebevoller und detailreicher, als in DuckTales und Chip & Chap, obwohl bereits diese Serien das Niveau von Fernsehanimation ordentlich anhoben. Mein Lieblingsschauplatz, und wohl auch das vieler Autoren, ist Louie's, die Inselbar des nun in Hawaiihemd und Strohhut herumlaufenden König Louie. In nahezu jeder Ecke gibt es was zu entdecken, und in manchen Folgen verlassen wir sogar die Tiki-Bar und erkunden die mit zahlreichen faszinierendne Punkten ausgestattete Insel, auf der diese Bar steht.

Selbstredend hat Käpt'n Balu so manche schwächere Folge, deren Dramaturgie oder Humor nicht ganz ausgereift ist, das trifft auf nahezu jede Fernsehserie zu. Aber wenn man die Fehltritte ignoriert, dann hat diese Serie meiner Meinung nach das Zeug dazu, den im Web wohl etwas feuriger bejubelten Gargoyles zu zeigen, dass Disney-Zeichentrickserien für Erwachsene besser funktionieren können, als für Kinder. Und das ohne offensichtlich düster und shakespeare'esque sein zu müssen. Der Pilotfilm ist eine wahre Tour-de-force (der beste Zeichentrick-Pilotfilm der Disney-Geschichte, zweifelsfrei), und auch Highlightfolgen wie Balus Entdeckung einer friedvollen Panda-Nation (die letztlich mit ihren fliegenden Häusern den Serien-Hauptschauplatz Kap Süzette angreift) oder die Geisterromanze Beckys schönster Traum arbeiten auf einer emotionalen und inhaltlichen Ebene, die man nach seiner Kindheit wesentlich stärker würdigen kann. Und die zahllosen Anspielungen auf Popkultur und Geschichte versteht man als Kind sowieso nicht.

3 Kommentare:

InvaderPhantom hat gesagt…

Ich hab Käpt'n Balu als Kind immer gerne gesehen, hab aber damals nie realisiert, wie absurd das Konzept der Serie eigentlich ist. Dass derselbe Bär, der im Dschungelbuch im Dschungel lebt und nichts mit Flugzeugen zu tun hat, plötzlich einen Anzug anhat und durch die Gegend fliegt und dabei auf einen aufrecht stehenden Shir Khan trifft, hab ich als Kind anscheinend einfach hingenommen.

Ich hab nicht gewusst, dass das Budget der Serie anscheinend so hoch war!

corny hat gesagt…

Also mir als Kind haben die Folgen im ARD-Disney Club sehr gut gefallen.

Das mit dem Dschungelbuch ist mir zwar schon damals aufgefallen - hat mich aber nicht weiter gestört. Toll fand ich auch schon die Beziehung von balu zu Kid und zu Rebecca! Persönlich fand ich die Serie damals auch besser als Chip&Chap aber deutlich schlechter als DuckTales - das war einfach DIE Serie meiner Kindheit.

Bin mal gespannt was da an Platz eins noch kommt ^^

Sunshine hat gesagt…

Wieder so ein verdammter Titellied-Ohrwurm und dann macht die serie auch noch richtig Spaß. :)

Ich liebe ja Don Kanaille besonders, aber ich weiß noch, wie ich damals immer richtig mitgefiebert habe. manches war ja richtig spannend, und man hatte das Gefühl, dass das alles total schiefgehen kann.

Und so soll's doch sein, nicht oder? *g*

Kommentar veröffentlichen