Samstag, 3. März 2012

Meine Lieblings-Kinofilme 2011 – Teil II

Meine liebsten Soundtracks 2011 stehen bereits fest, ebenso wie die Ränge 20 bis 17 meiner liebsten Filme des Kinojahres 2011. Allerdings kann ich's darauf ja schwer beruhen lassen, zumal es wirklich langsam Zeit wird, meinen Rückblick auf letztes Jahr zu beenden. Also, ohne weitere Umschweife ...

Guy Ritchies ersten Sherlock Holmes-Film fand ich durchweg vergnüglich, denn vor dem Hintergrund eines toll gestalteten, leicht schrägen viktorianischen Londons und von Hans Zimmers exzentrischer Musik begleitet hat das Duo Downey junior/Law ein wirklich putziges Ermittler-Team abgegeben. Holmes erster Fall war sooo der Bringer nicht, aber wie ermittelt wurde, hat mir sehr gefallen. Bloß schade, dass der Schluss viel Schwung aus diesem temporeichen Krimiabenteuer genommen hat. In der Fortsetzung wurde dann die Mischung neu abgestimmt: Die komödiantischen Einlagen wurden knalliger (dafür seltener), groß mitgrübeln sollte das Publikum eh nicht mehr, dafür war der Fall für Holmes umso schwieriger, dramatischer und folgenschwerer. Dem entsprechend wurde auch der Soundtrack düsterer, schwerer, bedrohlicher. Und obwohl das Ende der Fortsetzung jeden Grund gehabt hätte, unbeschwingt auszuplätschern, findet alles einen stimmigen, knackigen Abschluss. Für mich knapp der bessere Teil der Reihe.

Platz 15: Scream 4
Ich liebe Metahumor, und ich kann Slasherfilmen, in denen ich zwangsweise auf der Seite des Killers bin, da die Opfer allesamt so unausstehlich sind, nichts abgewinnen. Mit Scream 4 kommt also auf der Höhe der "Brutaler, computergenrierter und assiger"-Welle an Remakes ein Film raus, in dem das ganze Horrorgenre (oder eher sein aktueller Stand) nicht nur vorgeführt, sondern endlich auch wieder spannend umgesetzt wird. Böser Humor, blutige Morde und liebenswerte Figuren: Der miese Scream 3 wird durch diese Fortsetzung wieder gutgemacht und über die zäheren Momente dieses Slashers kann ich dank einiger toller Einfälle wie dem gesamten Opening sehr gut hinwegsehen!

Irgendwo in dieser Salzwüste muss doch noch die Black Pearl rumliegen ...
Platz 14: Tree of Life
Ach, seufz ... Mit meiner Meinung zu Tree of Life kann ich doch nur verlieren! Wer Terence Malicks meditative Suche nach dem, was einem das Leben mit Freude und Sinn erfüllt, mag, der findet Tree of Life nicht einfach nur gut, sondern liebt dieses experimentell angehauchte Drama. Wem Malicks Erzählweise zu konfus, seine Umsetzung zu uneinig darüber ist, ob sie nun anspruchsvoll-verkopft oder assoziativ-emotional sein möchte, der fühlt sich nicht einfach von diesen Elementen ein Stück weit abgestoßen, sondern hasst Tree of Life. So weit, so problematisch. Aber nein, man schlägt sich nicht bloß die Köpfe darüber ein, ob Tree of Life nun Kunst oder Quatsch mit Soße ist, sondern überträgt diese "Der Film ist gut/schlecht!"-Debatte immer direkt auf eine höhere Ebene. Die andere Partei muss sich irren! Wer den Film mag, ist ein arroganter, snobistischer Pseudointellektueller, der einfach der Meinung einiger Filmkritiker nachplappert, um klug dazustehen. Wobei auch diese den Film nur lobten, um besser auszusehen. Wer den Film hasst, ist dumm, hat sich seinen Geschmack durch kommerzielle Massenware verdorben und weiß die Größe dieses Kunstwerks einfach nicht zu schätzen! Jeder, der der eigenen Meinung zu Tree of Life widerspricht, versagt, hat keine Ahnung von Filmen und soll sich sonstwo hintrollen.

Ach, Gottchen ... Oder, ach, Existiertnichtchen ... Ganz abhängig davon, wie ihr Tree of Life halt deuten wollt. Wisst ihr, auch ich hab Filme, die mich auf die Palme bringen (und jetzt hat jeder von euch Celine Dions Heulbojengesang im Ohr ...), aber mal ganz rational gedacht: Muss man aufgrund von Tree of Life so einen Aufstand machen? Bevor mich nun also alle anschreien, weil ich ihn zu gut/zu schlecht einordne: Es ist ein Film mit sehr starken Macken und Qualitäten. Und unabhängig des Intellekts, Filmgeschmacks und der Weltanschauung reagiert man auf diese sehr eigenen Merkmale von Tree of Life nunmal anders. Und fertig. Wird man sich halt über diesen Film nicht einig, aber wieso müssen Debatten über diesen Streifen so emotional aufgelasen sein? Beim Barte des Barbossa: Mein mit Abstand liebster Teil der Pirates of the Caribbean-Reihe ist Am Ende der Welt, und selbst ich als riesiger Fan dieser Reihe gehe nicht an die Decke, wenn wer zu mir kommt und sagt "Fluch der Karibik war großartig und Teil 3 war bei weitem der schlechteste Part der Reihe!". Je nachdem, wer das sagt, zucke ich mit den Schultern, gucke verwirrt, grinse oder mach sonst irgendwelche mimisch-gestischen Verrenkungen und dann erkläre ich, weshalb Am Ende der Welt mein Favorit ist. Wenn ich schon bei einem Film, an dem so sehr mein Herz hängt nicht zum Taifun werde, dann muss das doch bei Tree of Life, der dermaßen überdeutlich nicht dazu gedacht war, jedem zu gefallen, auch möglich sein!

Ich zum Beispiel störe mich bei Tree of Life vor allem sich irgendwann entfaltenden Kern-Handlungselement, in dem sich der Teenager Jack aufgrund der Familientragik und der Abwesenheit seines gestrengen Vaters zum absoluten Rotzebengel verwandelt. Tree of Life beginnt so eindrucksvoll, mit so kunstvoll eingefangenen Impressionen des Lebens und einem durchaus erkennbaren roten Faden hinter all seinen zusammengehörigen Gedankengängen ... Und verwandelt sich mittendrin in dieses Familien-/Jugenddrama, das vom Anspruch her meiner Auffassung nach weit hinter den Ambitionen des restlichen Films hinterherhinkt. Der Jungdarsteller Hunter McCracken zieht einfach minutenlang ein und dieselbe, unausstehliche Schnute, benimmt sich wie der letzte Arsch und dann dreht sich dieses Karrussel noch einige Minuten weiter, lange, nachdem ich Sinn und Zweck dieser Station in Malicks filmischem Essay begriffen habe. Und da Malick als konventioneller Erzähler eh nur bedingt etwas taugt, ist diese Phase von Tree of Life, für meine Begriffe, auch noch ziemlich öde. Die ersten 45 Minuten fühlten sich für mich wie fünf an, aber diese Viertelstunde (??) kam mir wie eine Stunde vor. Sorry ... Und, ja, ich finde, dass sich Malicks Intention und sein Stil an anderen Stellen des Films gegenseitig behindern, etwa, wenn er zwischendurch Symbole verwendet, die für die restliche Laufzeit keine offensichtliche Bedeutung haben (... venezianische Karnevalsmaske ...) oder er die Wahrnehmung früher Kindheitserinnerungen imitiert (gut gemacht, atmosphärisch), und währenddessen den Charakter der Filmmutter erklären will (joah ...). Sobald aber komplett verschwommen im Bildhintergrund für eine Zehntelsekunde (?) ein Menschenkörper wild zuckt, dann sorgt das schnell für unnötige Verwirrung. Malick will klar zeigen: Mutter beschützt Kinder vor dem unangenehmen Anblick eines Menschen, der einen Herzinfarkt erleidet. Schön, aber dann hätte er etwas länger draufhalten können, denn so stellt er seinem Publikum ungewollt eine Stolperfalle ("WTF? WIRD DA WER UMGEBRACHT?!!!" "Das muss eine tiefere Bedeutung haben, sonst würd der das ja normal zeigen!"). Das sind Haarspaltereien, die aber im Zusammenspiel mit der mich wirklich sehr, sehr störenden Mittelteilgeschichte davon abhalten, den Film in meine Top Ten zu hieven. Aber das ist eine ganz persönliche Empfindung - ich sage nicht, dass sie den Film schlecht machen. Es frustet mich nur zu sehr, als dass ich es dem kompetenten und intelligenten Filmschöpfer diese Ausrutscher auf meiner persönlich-filmemotionalen Hitliste verzeihen könnte ...

Das obige Bild zeigt eigentlich 2/3 der Dinge, die man über Paul W. S. Andersons durchgeknallte Musketier-Adaption wissen muss. Orlando Bloom läuft als Schurke durch die Gegend herum wie ein frisch frisierter, französischer Pudel. Es gibt Luftschiffe. Und Milla Jovovich spielt erneut die Rolle des Superweibs Alice aus Resident Evil, nur halt in Korsetts gekleidet und Musketen abfeuernd, statt in modernen Shirts und mit MGs in den Händen. Dieser Film ist ein sündiges Vergnügen, bei dem einem das Grinsen kaum eine Sekunde aus dem Gesicht entschwinden möchte. Hohl, absurd und obendrein visuell beeindruckend. Diese Drehorte, diese Kostüme, diese Kampfchoreographie! Und halt obendrein zahllose Logikfehler! Christoph Waltz hat's ganz genau erfasst: Hier steckt man nicht bis zu den Knien in Popcorn, nein, das Popcorn steht einem bei diesem Film bis zum Hals! Wenn jetzt noch die Musketiere mehr knackige Oneliner abfeuern und so den Coolness-Faktor der Dialoge erhöhen würden, dann hätten wir hier einen saudämlichen, anspruchsarmen, poppigen, depperten und überdrehten Top-Ten-Kandidaten.

Platz 12: Rango
Ich hab' so meine Probleme mit Gore Verbinskis ersten Ausflug in die Welt des Animationsfilms. Zwischendurch kommt der sich selbst suchende, anfangs alles andere als heldenhafte Protagonist unsympatischer rüber, als er es offenbar eigentlich soll. Manche der eingestreuten Skurrilitäten könnten besser in die Handlung verankert werden. Und manchmal rutscht diese parodistische Western-Hommage ins reine Abarbeiten der Genre-Standards ab. Würde ich eine Liste der besten Filme 2011 machen, wäre Rango wohl kaum so weit oben platziert (aber noch immer über Die drei Musketiere 3D, selbstredend!). Es überrascht mich also schon ein wenig, dass der Fluch der Karibik-Regisseur mit diesem Film so viel Kritikerlob ernten konnte, wie es nunmal der Fall war. Einige Kritiker riefen Rango ja zu einem Kunstwerk aus, dass den meisten der Pixars zeigt, wo's langgeht. So weit würde ich mit dem Lob für Rango wirklich nicht gehen, auch wenn es noch immer einer der besten seiner Art ist und immerhin alle bisherigen DreamWorks-Animationsfilme schlägt (bis auf Drachenzähmen leicht gemacht).

Weshalb Rango trotz meiner Differenzen mit der einen oder anderen Macke dieses Films einen stolzen, zwölften Platz in dieser Rangliste belegt? Ich mag die Figuren, insbesondere natürlich den im Original von Depp gesprochenen Titelhelden. Dass er manchmal zu sehr daneben rüberkommt, kreide ich weniger der Sprecherleistung oder der Figurenzeichnung an, sondern eher den vereinzelten Szenen. Wenn der Humor von Rango sitzt, und das ist sehr viel häufiger der Fall, als dass er danebenhaut, dann trifft er voll mein persönliches Komikzentrum. Doppeldeutigkeiten, Wortspiele, gelungener Slapstick, Genre-Referenzen, Hommagen und Dekonstruktionen von filmischen Archetypen und eine schöne Prise Skurrilität und Metahumor. Die Animation und der Look sind fantastisch. Kameralegende Roger Deakins lässt einfach jeden Animationsfilm direkt ein gutes Stück besser aussehen. Ich finde die verschrobene Grundstimmung des Films super - es ist so, als hätte Verbinski Robert Rodriguez vormachen wollen, wie dessen Kinderfilme sein sollten. Und dann muss noch Hans Zimmers großartige, verspielte und wenn's sein muss noch immer sehr dramatische Filmmusik erwähnt werden.

Platz 11: Captain America
Für mich eindeutig der beste der Pre-Avenger-Filme aus Marvels Cinematic Universe. Ein hoch sympathisches Ensemble, ein hervorragendes Szenenbild (Comiclook trifft 40er-Jahre Historienstück), gelungene Action und sehr viel Witz. Regisseur Joe Johnston bringt in diesen Pulp-Movie mit dem Budget eines A-Blockbusters jede Menge Ironie ein, nimmt die Figuren und die Prämisse aber trotz dessen ernst. Zweiter Weltkrieg, übernatürliches, Amis gegen verrückte Nazis ... Es ist wie ein Indiana Jones-Film (also, einer der guten), nur mit einem Soldaten statt eines Archäologen. Feinstes Popcornkino, mit ein oder zwei kleinen Längen, aber auch sehr viel Energie!

Stellt euch an dieser Stelle einen Hinweis auf den nächsten Teil der Reihe vor, wie am Ende von Captain America. Vielen Dank für eure Mitarbeit. Fortsetzung folgt ...

Siehe auch:

8 Kommentare:

Flo Lieb hat gesagt…

Man merkt schon, dass du dich im Blockbuster-Kino zu Hause fühlst. Das erklärt dann wohl auch den reichlich ausufernden und subtil apologetischen Text zu Malicks Kunstfilm. Schön, dass er es dann aber trotzdem in deine Top15 geschafft hat.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Mein Text zu "Tree of Life" ist nicht apologetisch. Und "reichlich ausufernd"? Du schaust hier nur äußerst sporadisch vorbei, oder?

WildHuhn hat gesagt…

Scream 4 war doch schon 2010?

Sir Donnerbold hat gesagt…

Nope.

Flo Lieb hat gesagt…

Ich meinte im Vergleich zu den anderen Texten der Top-Kandidaten, nicht allgemein für dieses Blog.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Auch da hatte ich schon öfters Hitlisten, bei denen eine Platzierung plötzlich aus dem Rahmen fällt. Kommt vor, wenn ich Dinge anzusprechen habe, die nicht in die Review passten, und das ist bei "Tree of Life" definitiv der Fall, da es sich dabei um keine klassische Rezension handelte. Sonst hätte ich den Aspekt "Mich nervt die Internetdebatte über den Film" nicht in der Hitliste angebracht (ich glaube das ist der Part, denn du als apologetisch missinterpretierst, kann das sein?).

Und es ist auch eher selten der Fall, dass ich mir in einer Kritik gewisse stilistische Freiheiten gönne und ich danach dem gewillten Leser ein paar Hinweise zu liefern habe, damit er entschlüsseln kann, was denn meine eigentliche Aussageabsicht war.

Aber meine Vermutung hat sich ja bewahrheitet. Man muss nur den Filmtitel nennen, und schon bekommt man plötzlich vermehrt Kommentare. Ich sollte im nächsten Teil der Liste irgendwie einen Seitenhieb auf "Titanic" einbringen.

Dr-Lucius hat gesagt…

Zu Rango: Für mich sah Bürgermeister John (die Schildkröte) immer aus wie Richard Nixon. War das Absicht oder hab nur ich das so gesehen?

The Reader hat gesagt…

Ich denke wir alle wissen, welcher Film die Spitzenposition erobert. Und "Tron Legacy" wird auch irgendwo zwischen Platz 2 und 5 landen, vermute ich. Da es "Winnie Puuh" offensichtlich nicht in die Top 20 geschafft hat, dürfte das in diesem Fall eine außergewöhnlich disneyarme Rangliste werden.

Bin mir bloß unsicher, womit die Top 10 ausgefüllt werden, da mir "Captain America" irgendwie als dein liebster Blockbuster des Jahres (ohne Disney-Logo) in Erinnerung blieb. Also kann ja eigentlich nur ein Löwenanteil der Oscar-Filme folgen?

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