Samstag, 22. Mai 2010

Looney Tunes 2010 - Ein guter Weg und ein nicht so guter

Drehen wir die Uhr auf den Oktober 2009 zurück: Warner Bros. verkündet eine Glück bringende Nachricht für alle Freunde von Bugs Bunny und seinen Weggefährten. Eine Looney Tunes-Zeichentrickserie ging ebenso in Produktion wie ein neuer Kino-Kurzfilm. Leider sollte nur das Fernsehprojekt gezeichnet werden - im Kino sollte ein computeranimierter Kojote den Roadrunner jagen.

Zurück in die Gegenwart: Die NY Times veröffentlicht einen Hintergrundbericht über Warner Bros. Wiederbelebungsversuch der historisch wertvollen Cartoonfiguren. Der Wiedererkennungsgrad unter Kindern sei für Bugs Bunny, Porky "The Artist formerly known as Schweinchen Dick" Pig und die restliche Kompanie sei im Keller. Geld kann man so nicht verdienen, und irgendwo verspüren ja manche Firmenbosse tatsächlich sogar so etwas wie Verantwortung für die Vergangenheit ihres Konzerns. Man kann Daffy Duck und Taz nicht einfach so in Vergessenheit geraten lassen.

Wenn man die Verantwortlichen so reden hört, glaubt man glatt, dass es den Figuren dieses Mal gut ergehen wird. Angeblich werden 750.000 Dollar pro Episode der Zeichentricksitcom The Looney Tunes Show ausgegeben. In dieser Serie wohnen Daffy und Bugs als WG-Partner zusammen und rasseln regelmäßig mit ihren Nachbarn Yosemite Sam, Tweety & Sylvester, Marvin the Martian und Porky Pig zusammen. Ein Konzept, das das Potential zum peinlichen Flop und zum erfrischenden Erfog hat. Zumindest kreativ sollte man sein Geld auf letzteres setzen: Peter Roth, der Präsident von Warner Bros. Television, und Sam Register, ausführender Kreativ-Vizepräsident von Warner Bros. Animation, distanzieren sich nämlich deutlichst von vergangenen Lonney-Comebacks. Nach den Tiny Toon Abenteuern ging es bergab, ein Bild der Loonatics, einer verrissenen Sci-Fi-Action-Anime-Variation der klassischen Looneys, hängt mittlerweile als ein Mahnmal in den Warner-Büros um an falsche Entscheidungen zu erinnern. Die Figuren sollen sich wieder so wie einst benehmen. Die minimalen Designänderungen wären getroffen worden, um sich nicht den unerfüllbaren Vergleichen mit den begnadeten Animatoren von früher auszuliefern. Sobald man Bugs wie in den 40ern zeichnet, erwarte man gleiche Animation, und das sei unmöglich.

Gegen leichte Änderungen des visuellen Konzepts ist auch nichts auszusetzen. Eine eigene Version sollte für den Kenner erkennabr sein - es zeichnet ja auch jeder Comiczeichner seinen Donald Duck anders, wieso sollten Bugs und Co. 2010 im Fernsehen nicht leicht anders aussehen als 1940 im Kino? Das obige Bild der neuen Gestaltung gefällt mir jedenfalls.

Die schlechte Nachricht: Die bislang drei in Produktion befindlichen Roadrunner-Cartoons sind computeranimiert und für die Zukunft erwägt man auch keinen Kurswechsel. Das obige Bild ist als Spielerei, als kurioses Poster für Fans ganz gut. Doch als die neue, offizielle Inkarnation dieser Figuren? Es ist zu überfrachtet für das Konzept dieser Figuren. Das ist so, als zeichnete Don Rosa Kasperl-Micky-Comics mit solcher Detailliebe wie seine Duck-Comics. Es funktioniert nicht. Und was wäre denn so übel daran, die Figuren gezeichnet ins Kino zu bringen?

Generell verstehe ich nicht, weshalb die großen Hollywoodstudios im Kino vor Zeichentrick zurückschrecken, diese Kunstform im Fernsehen hingegen weiter am Leben erhalten. Als Disney 2004 den Tod des Zeichentricks verkündete, blieben die Disney-Trickserien von einer Computer-Rundumerneuerung verschont. Kim Possible, Phineas & Ferb... Zeichentrick. Und Fox haut neben den Simpsons einen Family Guy-Klon nach dem anderen raus. Weshalb glaubt man in Hollywood, dass Zeichentrick gerade noch gut genug für die Glotze wäre, im Kino dagegen nichts zu suchen hat? Gäbe es eine bessere Möglichkeit, heutige Generationen wieder an Zeichentrick zu gewöhnen, als dieses Experiment mit dem Experiment "Mal gucken, wie sie auf alte Figuren und zeitlosen Humor reagieren" zu verknüpfen?

5 Kommentare:

Adrian vom Baur hat gesagt…

Ich finde ja, dass das Roadrunner-CGI-Bild deutlich besser und interessanter aussieht als die redesignten Bugs & Daffy für die neue Serie.

Anonym hat gesagt…

"Sobald man Bugs wie in den 40ern zeichnet, erwarte man gleiche Animation, und das sei unmöglich."

Man schafft es im Jahr 2010 nicht Zeichner soweit auszubilden, dass sie ein Animationsniveau erreichen, dass bereits 1940 vorherrschte? Bitte WAS?

Ich verlange nicht den selben Stil, da sehe ich Änerdungen völlig ein, aber es sei unmöglich solche Animationen zu erstellen?

Eine sehr bedenkliche Aussage.

Andi hat gesagt…

Schöner Post. Vorweg sollte ich vielleicht sagen, dass die Looney Tunes lange Zeit an mir vorbei gingen und ich erst in den letzten Monaten damit begonnen habe mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Viele Cartoons habe ich bisher nicht gesehen und die meisten Figuren sind mir auch noch unbekannt, aber dank Wikipedia-Studie weiß ich, dass man die Looney Tunes gar nicht als so "tot" bezeichnen kann: In den letzten Jahrzehnten wurden wesentlich mehr Cartoons mit den alten Figuren erstellt als bei Disney. Da waren es ja bekanntlich nur zwei - einer pro Dekade. Zwar haben es nicht alle ins Kino geschafft, aber zumindest gab es vergleichsweise viel neues Material. Dass jetzt gerade Coyote und Roadrunner weitergeführt werden soll freut mich besonders, denn die Zahl der Cartoons die ich von anderen Looney-Figuren gesehen habe geht gegen 0 - Wile E. Coyote (allein der Name) und Roadrunner find' ich einfach klasse. Vor allem die späteren Cartoons im krakeligen Design von Friz Freleng.
Abgesehen davon, dass ich trotz der billigen Hintergründe und Animationen aufgrund der Gags und Figuren DePatie-Freleng-Fan bin kommt dieses obergeniale Grinsen vom Kojoten in Frelengs Karikuren-Stil noch geiler rüber.
Dass du das neue CGI-Design nicht befürwortest wundert mich, bist doch sonst für jeden Scheiß zu haben ;-)
Das Bild sieht ja aber gar nicht so schlecht aus, dass muss ich zugeben. Jedenfalls würde mich eine CGI-Variante der Warner-Figuren nicht so sehr treffen wie die entsetzlichen CGI-Version unserer geliebten Disney-Figuren. A pros pos: Was haben alle nur gegen "Kasperl-Micky"? Ich war zwar immer schon (früher unbewusst) großer Paul-Murry-Fan, aber trotzdem fand ich es toll, dass Micky mal wieder seine roten Hosen tragen durfte und damit näher an der eigentlichen Konzeption der Figur war als der altkluge Detektiv. Als ich die Reaktionen darauf ca. 5 Jahre später im Netz gelesen habe, war ich verwundert. Liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass Micky in einer donaldistischen Welt generell nix zu melden hat (leider).
Bist du eigentlich auch Rosa-Fan? Kann mich nur erinnern, dass du zumindest kein Barks-Fanatiker bist, was mir sehr sympatisch ist. Schön, aber selten! (leider)

Eine Sitcom hatte ich mir eigentlich immer mit den Ducks gewünscht - sogar in Comic-Form. Schade, jetzt hat Warner die Idee ja schon. Mit dem "Clubhaus" konnte ich persönlich übrigens nicht viel anfangen. Aber die neuen Cartoons waren toll, deswegen bin ich froh, dass es "Neue Micky Maus Geschichten" gab ;-)
Alles in allem würde es mich freuen, wenn es mal wieder eine irgendwie "reifere" Inkarnationen der Disney-Figuren vor allem im bewegten Bild zu sehen gäbe, mehr so Richtung DuckTales und nicht (nur) an Kinder adressiert.

Sir Donnerbold hat gesagt…

@ Anonym: Genauso zu zeichnen wie jemand anderes ist schon schwer, dann noch exakt so zu animieren wie eine Gruppe unglaublich talentierter Leute, die es zur Blütezeit dieser Kunst taten... Das ist schon schwer.

@ Andi: Ich bin überhaupt nicht für jeden Scheiß zu haben. Nur weil du übertrieben allergisch auf Remakes und Fortsetzungen reagierst, heißt das nicht, dass jemand, der da aufgeschlossen ist sogleich alles mögliche mögen muss. ;-)

Andi hat gesagt…

A pros pos Cartoons: Das wird dich vlielleicht interessieren: http://215072.homepagemodules.de/topic-threaded.php?board=215072&forum=11776729&threaded=1&id=513699&message=7191279

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