Mittwoch, 18. August 2010

Muppets aus dem All

1999 startete mit Muppets aus dem All der sechste und bislang letzte Muppet-Kinofilm, bevor die liebenswürdigen Anarchopuppen komplett ins Fernsehen und Internet zogen. Ihre Kinorückkehr ist allerdings in Arbeit.
Der von Columbia Pictures veröffentlichte Film ist in mancherlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Muppet-Streifen. So gehört er zu den wenigen Muppetproduktionen, an denen Disney keine Rechte hält, außerdem fällt er aufgrund seines Mangels an Musicaleinlagen aus dem üblichen Muppetrahmen. Stattdessen sind in Muppets aus dem All solche Soul- und Funk-Klassiker wie Brick House oder Celebration zu hören. Das genügte für einige eingeschworene Fans von Jim Hensons beliebten Gestalten, Muppet aus dem All stiefmütterlich zu behandeln. Ich kann mich allerdings problemlos damit arrangieren, da ich mit den Original-Muppetliedern außerhalb ihrer Disneyphase mitten der 90er (Die Muppets Weihnachtsgeschichte & Muppets - Die Schatzinsel) nie so viel anfangen konnte. Funk und Soul als Begleitmusik eines Muppetfilms finde ich dagegen ganz passend, da diese Stilrichtungen aus der Blütezeit der verrückten Puppen stammt und sich somit als deren Lieblingsmusik anbietet.

Muppets aus dem All fällt außerdem dadurch auf, dass er nach zwei Muppetadaptionen bekannter Stoffe wieder eine neue Geschichte erzählte. Spätere Fernsehfilme mit Kermit und Konsorten orientierten sich (wohl aufgrund der bescheidenen Kinoeinnahmen dieses Films) wieder vermehrt an alten Geschichten: It's a Very Merry Muppet Christmas Movie nimmt sich dem Konzept von Ist das Leben nicht schön? an und Muppets: Der Zauberer von Oz... naja, das könnt ihr euch ja wohl denken. Muppets aus dem All hingegen lässt sogar die altebaknnte "Die Muppets wollen eine Show aufstellen / retten"-Masche links liegen und konzentriert sich auf Gonzos unbekannte Herkunft: Aufgrund seiner Einzigartigkeit neurdings von Albträumen geplagt, möchte Gonzo unbedingt herausfinden, wo er herkommt. Praktischerweise geben ihm kurz darauf seine Frühstücksflocken eine Antwort, indem sie Botschaften von Außerirdischen an ihn übermitteln, die Gonzo zur Vermutung verleiten, er sei ein Außerirdischer, nach dem seine Familie nun Ausschau hält. Natürlich wird Gonzo deshalb für verrückt erklärt (noch mehr als sonst), aber eine Geheimbehörde der US-Regierung nimmt diese Theorien für Voll... und Gonzo zum Gefangenen um so an die Aliens heranzukommen.

Muppets aus dem All ist ein Film, bei dem ich nie ganz mit mir einig werde, wie ich ihn finden soll. Er ist definitiv besser als Muppets: Der Zauberer von Oz oder Die Muppets: Briefe an den Weihnachtsmann, allerdings auch ein klarer Absturz gegenüber den vorherigen Kinofilmen Die Muppets Weihnachtsgeschichte und Muppets - Die Schatzinsel. Ob ich Muppets aus dem All nun aber mittelmäßig, gut oder unterdurchschnittlich finde, das vermag ich einfach nicht mit klarer Bestimmtheit zu sagen. Muppets aus dem All enthält einige sehr amüsante Szenen, wie Gonzos Träume, das gemeinsame, morgendliche Aufwachen im Muppet-Haus oder einen Großteil der Rettungsaktion für Gonzo, andererseits gelingt es Regisseur Tim Hill (Alvin und die Chipmunks von 2007) weder eine richtige Dramaturgie aufzubauen, noch ein straffes Tempo durczhuziehen, so das der Film nach jeder eingeschobenen, sketchartigen Einlage schlaff einige Handlungsszenen abspult. Magie oder denkwürdige Szenen sind äußerst selten, andererseits treffen die Autoren in diesem Film noch den Stil des einmaligen Muppet-Humors. Die Witze fühlen sich noch Muppet-artig an, und nicht etwa zu weichgespült oder zu harsch. Dieser Balanceakt gelang in späteren Muppet-Produktionen nicht mehr so gut wie hier.

Da einem Muppets aus dem All mittlerweile überall für einen Appel und 'n Ei hinterhergeworfen ist, kann ich den Kauf des Films dennoch für jeden halbwegs Muppet-Interessierten empfehlen. Es ist kein Klassiker, aber sicherlich besser als alles, was die Muppets nach 2002 außerhalb des Internets angestellt haben.

0 Kommentare:

Kommentar posten