Sonntag, 11. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil XI)

Platz 14: Phineas & Ferb

Es gibt 24 Tage voller Disney-Serien, bis der Blog-Alltag beginnt und es ernst wird ... Und so stellt sich wieder die Frage: Was tun, damit dieser Countdown ein voller Spaß wird? Wir könnten ... Zum Beispiel die Hitliste ein wenig mit einem persönlicheren, bagatellenhafteren Einblick in das Leben des Chefautoren würzen. Ganz einfach, weil ich das in diesem spezielleren Fall erzählenswert finde. Vor allem für langjährigere Begleiter, die noch meine frühen Reaktionen auf Phineas & Ferb mitbekamen. Und für Neulinge, die bislang gar nichts mitbekamen. Und für jeden dazwischen. :-p

Meine erste Begegnung mit Phineas & Ferb war obiges Bild sowie ein dazugehöriger Artikel darüber, dass die Serie bald in den USA startet und Disneys spaßigste-cartoonigste Serie überhaupt sei und Kinder sich in sie vernarren werden, da sie an den Spaß des Sommers erinnert. Oder ein ähnlich pathetisches, fast hippes Marketinggeschwätz. Das ganze wiederholte sich nochmal kurz vor dem Super RTL-Start, inklusive quietschig-greller Promoarbeit im Micky Maus Magazin.

Ich kann's direkt heraus sagen: Der Zeichenstil schreckte mich enorm ab. Dieses übertrieben stilisierte, flippig-moderne mit dem Dreieck-Kopf und dem F-förmigen Kerl, dieses schielende Schnabeltier, die grellen Farben. Neeeee, dafür fühlte ich mich dann doch zu alt und sehnte mich nach dem "guten, klassischen Disney-Stil" zurück. Zudem war der Werbetext in der Micky Maus derart kinderorientiert, dass ich bei diesem Clash von "cool" und kiddie glatt ein "SpongeBob meets Micky Maus Clubhaus" erwartete.

Bei dieser Vorprägung konnten die ersten zwei oder drei Episoden bei mir unmöglich zufriedenstellend abschneiden, zumal mein Vertrauen in die Disney-Fernsehstudios nach Produktionen wie Teamo Supremo oder den unzähligen Playhouse Disney-Serien eh vollkommen zerrüttet war. Mein Urteil, nachdem ich pflichtmäßig in die Serie reinschnupperte: Dämlich und lahm. Eine tödliche Kombination. Und so gab ich Phineas & Ferb auf.

Lange Zeit später überkam mich an einem äußerst drögen Tage die Langeweile, und so hämmerte ich nach Zerstreuung geifernd wahllos auf meine Fernbedienung. Ich landete auf Super RTL, exakt in dem Moment, in dem folgendes auf mich zu sprang:


 True Story! Ehrlich!

Und da saß ich nun wie hypnotisiert mit riesigen Glotzerchen vor dem Fernseher. Die konsequent selbstbewusste Dämlichkeit dieses Songs beeindruckte mich immens. Trotzdem zappte ich, wohlwissend welche mich zuvor verschreckte Serie da gerade unterhielt, sofort wieder um, als das Lied vorbei war. Einige Wochen später erwischte ich zufällig erneut einen Song, den ich ungeheuerlich witzig fand. Leider erinnere ich mich nicht mehr daran, welches Musikstück mich erneut für wenige Minuten an Phineas & Ferb binden konnte. Ich weiß aber noch ganz genau, dass ich danach ins Internet stürmte und nach Serienbeschreibungen suchte. Immer wieder stolperte ich über "Better than SpongeBob!", "Disney's SpongeBob! Only wackier!" und ähnliches. Da mich der Schwamm stets nur nervte (sieh's mir bitte nach, duweißtschondassdugemeintbist!), ordnete ich die zwei tollen Phineas & Ferb-Songs mental als "Ausrutscher nach oben" ein.

Erst im Frühjahr 2011 stieß ich auf einen Artikel, der wohl ganz klar an eine andere Zielgruppe gerichtet war, als meine vorhergegangenen Begegnungen mit Material über Phineas & Ferb. Darin wurde sie als Disneys mit Abstand "erwachsenste" aktuelle Serie gepriesen, da sie mit zahlreichen cleveren Mehrdeutigkeiten und einer unüberschaubaren Menge an Running Gags aufwartet, wobei letztere obendrein regelmäßig gebrochen, parodiert oder abgewandelt werden. Meta-Humor und Selbstironie seien die Hauptzutaten dieser Serie - und ich habe nunmal eine riesige Schwäche für Meta-Humor.

Ich konnte daraufhin nicht anders, als mich gezielt (wenngleich anfangs unregelmäßig) vor den Flimmerkasten zu setzen und Phineas & Ferb mit neuen Augen zu betrachten. Es hat ein paar Episoden gedauert, bis ich reinkam. Anfangs fand ich es nett, konnte die Lobpreisungen allerdings nicht nachvollziehen, aber mit jeder Folge lebte ich mich immer mehr in die innere Logik der Serie und ihren Humor ein. Schlussendlich fand ich sie richtig klasse und wollte keine Folge mehr verpassen. Und holte natürlich die mir bislang unbekannten Episoden nach.

Dadurch konnte ich die Probleme für Quereinsteiger sowie für bei Ausgabe 1 startende "Nachkömmlinge" richtig gut nachvollziehen. Denn Phineas & Ferb ist eine Serie, die für den älteren Zuschauer gleich in zweifacher Hinsicht mit der Zeit reift. Einerseits muss man als Zuschauer erst mit den ganzen Eigenreferenzen, Seitenhieben auf etablierte Serien-Konventionen, den Parodien eigener Running Gags (!!) sowie der anfangs befremdlichen Tradition, auf Teufel komm raus in jeder Folge einen Song unterbringen zu müssen (ganz gleich, wie sehr oder wie wenig sich eine Gesangseinlage anbietet) warm werden, um all das würdigen zu können.
Andererseits reift die Serie aber nicht nur, wenn man ihr Format kennenlernt, die Macher selbst benötigten offenbar einige Zeit, um sich einzuspielen: Nachdem ich in Mitten der Serie "reinkam" und zum Verehrer dieses kultig-knalligen Cartoons wurde, fing ich parallel dazu an, die ersten Episoden nachzuholen. Und bei denen war das Timing deutlich zäher, der Witz etwas kindischer (und weniger surreal-bissig) und statt sich mit seinen Running Gags abwechselnd selbst zu verballhornen und selbst zu zelebrieren, hat man sich in den ersten Folgen tatsächlich schlicht nur einfallslos wiederholt. Seit der Anfangszeit wird Phineas & Ferb jedoch kontinuierlich besser - weshalb diese Serie mit zukünftigen Staffeln noch die Chance hätte, sich in meiner Rangliste hochzuarbeiten.

Was kann ich also interessierten Noch-Nicht-Fans raten? Tja, zu allererst solltet ihr euch wohl etwas informieren. Also: Phineas & Ferb sind zwei Stiefbrüder, die jeden Tag der Sommerferien damit verbringen, etwas großes zu tun. Etwa einen Gartenstrand, eine Achterbahn, ein Gourmet-Restaurant, eine riesige Geisterbahn oder einen monster-Truck zu bauen. Ihre Schwester Candace ist davon bessessen, ihrer Mutter von den Tätigkeiten der beiden zu berichten, aber das ist richtiggehend dazu verdammt, schief zu gehen. Das Haustier der Familie, Perry das Schnabeltier, wiederum hat stets einen eigenen Subplot über seinen Tätigkeiten als Geheimagent, der den verrückten Wissenschaftler Dr. Doofenschmirtz aufhalten soll.

Zu den Running Gags gehören: Die Frage "Wo ist denn Perry?", Phineas Verehrerin Isabella mit ihrem Standardspruch "Was macht ihr g'rade?" und die immer absurder werdende Weise, wie Phineas & Ferbs Erfindungen vom Erdboden verschwinden. Klingt für euch zunächst "Hm, naja?" Dann solltet ihr drei bis vier Episoden schauen (nicht aber welche aus den ersten fünf) und neu urteilen. Entweder ist es dann was für euch - oder nunmal nicht.

3 Kommentare:

InvaderPhantom hat gesagt…

Phineas and Ferb ist meiner Meinung nach einfach nur genial und eine der sehr wenigen modernen Kinderserien, bei denen ich wünschte, auch mit ihnen aufwachsen zu können ;)

Der Humor ist einfach perfekt, Perry das Schnabeltier und Dr. Doofenschmirtz sind die Helden der Sendung. Ich hab auch eine große Schwäche für Meta-Humor, und der ist bei P&F reichlich vorhanden. Wenn Dr. Doofenschmirtz zum Beispiel von einem seiner großen Pläne erzählt, und am Ende Agent P und der Doktor dastehen auf das "Dun-Dun" im Hintergrund warten, was aus welchen Gründen auch immer verzögert war. xD

Ich liebe es auch, wie die Macher mit den Elementen der Serie so sehr spielen, dass es einfach nur noch ins Obskure getrieben wird. xD Zum Beispiel der Gag, dass die Mutter immer zu spät nach Hause kommt und somit nie sieht, was Phineas und Ferb im Garten angestellt haben. In einer Folge fährt sie dann mit dem Auto vor dem Haus vor und zurück, woraufhin die große Erfindung im Garten immer wieder auftaucht und verschwindet xD natürlich durch eine Unsichbarkeitsmaschine vom Doktor, die wegen einem Kampf zwischen Agent P und dem Doktor die Erfindung immer wieder unsichbar und sichtbar macht - genial! xD Wenn Running Gags ins Übertriebene gezogen werden und die Macher ganz genau wissen, was für einen verrückten Mist sie gerade schreiben, lieg ich am Boden! :D

Auf jeden Fall meine persönliche Disney-Lieblingsserie. (ja, in diesem Fall schlägt die Genialität einer Serie sogar die Nostalgie!)

Sir Donnerbold hat gesagt…

Da muss ich doch einfach einspringen und weitere Running-Gag-Abwandlungen erwähnen, die ich aus Gründen der Übersichtlichkeit zuvor wegließ:

- Candace telefoniert mit Jeremy: "Was tuuust du g'rade?" Umschnitt auf ein Isabella, die am Frühstückstisch Zeitung ließt, Cue zu Psychomusik und einem irritiert-bösen Aufblicken Isabellas.

- Dr. Doofenshmirtz erzählt von seiner Vergangenheit, was üblicherweise in absurd-dramatische Anekdoten mündet. Dieses Mal ist's kurz und harmlos. Stille. Stille. Perry guck blöd d'rein. Doofenshmirtz (sinngemäß): "Was? Nicht jede Rückblende muss traurig sein!"

- Die gesamte Episode über gab es keinen Song zu hören. In den letzten ca. 10 Sekunden trottelt Perry ins Bild. Phineas: "Oh da bist du ja ..." Im Hintergrund schiebt sich opulente Musical-Staffage rein, Dutzende von Statisten und alle singen "PeeeeeeeeeeeeeEEEEeeeeEEErrrYYY!"

- Perry beschlagtnahmt im Agenteneinsatz einen Bananenlaster. Der Besitzer (sinngemäß, zur Kamera): "Ulkig, ich habe letztens erst eine Musikkasette über ein Bananentruck fahrendes Schnabeltier gekauft!" Man rate, welches Lied in der Sekunde eingespielt wird.

Das wären schonmal vier von vielen Favoriten. xD

Stefan Kraft hat gesagt…

In Erinnerung an Deinen Artikel habe ich mir vor kurzem einige der P&F-Lieder zu Gemüte geführt... Ich kann nur einem Kommentator auf einer bekannten Videoplattform zustimmen: Bei der Serie sind schon im Abspann bessere Lieder drinnen, als so manche Band jemals produziert hat. Manche der Lieder haben ein enormes Ohrwurmpotenzial.

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