Samstag, 6. Oktober 2012

Waltmenschen: Tyrus Wong

In der Serie Waltmenschen möchten wir den bekannten und weniger bekannten kreativen Mitarbeitern Walt Disneys einige Zeilen widmen Im Schatten der Maus.


Tyrus Wong, geboren 1910

Bedenkt man die allgegenwärtigen Diskussionen, ob Bambi nun eher dem nordamerikanischen oder dem europäischen Bild von Flora und Fauna entspricht, ist es zumindest amüsant zu wissen, dass der vielleicht prägendste Künstler dieses Films weder aus der einen noch der anderen Ecke der Welt, sondern aus China stammt (ungeachtet der Tatsache, dass er seine Heimat bereits als Kind gen Osten hin verließ). Tyrus Wong ist, historisch gesehen, viel mehr Warner Bros. zuzuordnen als Disney, dennoch hatte sein dreijähriges Wirken nicht nur viel Eindruck bei Walt Disney, sondern auch bei vielen Kollegen hinterlassen. Von offizieller Seite des Konzerns wird jedoch lieber verschwiegen, weswegen es bei den drei Jahren blieb – er hatte sich am großen Streik 1941 beteiligt und damit in denkbar schlechte Position für eine Weiterbeschäftigung begeben.

Unbelastet blieb sein Vermächtnis in den Gedanken vieler Kollegen. Seine fast poetische Malerei inspirierte Ollie Johnston, Frank Thomas und viele andere. Mit Tyrus fand Walt 1938 denjenigen, den er für seinen Film Bambi gesucht hatte. Seine Einarbeitungszeit währte nicht lange, als Walt Disney auf die Gemälde aufmerksam wurde, die er, unter Einsatz von viel Licht und Schatten und dem Talent, detailreich aber nicht überladen zu malen, angefertigt hatte. Walt war davon überzeugt, gefunden zu haben, was er für die Umgebung, in der Bambi spielen sollte, gesucht hatte. Sicher hätte Tyrus eine ähnliche Rolle in den Studios übernehmen können, wie Mary Blair oder Josh Meador.

Beinahe wäre es dazu gekommen, dass er sich Disney erneut angeschlossen hätte; der Bitte, dem Studio bei der Umsetzung von Mulan beizustehen, wollte er aber nicht nachkommen, da er sein künstlerisches Arbeitsfeld mittlerweile nicht mehr im Trickfilm sah. Dennoch ist er auch mit fast 102 Jahren noch fidel und öfter auf Veranstaltungen und in den Medien anzutreffen.

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