Dienstag, 14. Januar 2014

Oscar 2014: Die möglichen Nominierungen in der Kategorie "Bester Schnitt"


"Bester Schnitt", oder: Die heimliche Brücke zwischen Technik-Kategorien und den zentralen Sparten Film, Regie und Darstellern. In dieser Kategorie treffen sich Oscar-Spitzenanwärter und präzise orchestrierte Thriller sowie intelligente Komödien und leichtfüßig wirkende Mammutwerke.

Dieses Jahr dürften drei Filme nahezu garantiert in dieser Kategorie vertreten sein: Einerseits Paul Greengrass' packendes Thrillerdrama Captain Phillips, das meisterhaft seine Form annimmt und durch Szenenwechsel, übersichtlich-kinetische Action und zügigem Tempo zu solch einem Glanzstück wird. Andererseits Alfonso Cuarons Gravity, ein Ballett des Weltall-Grauens, das aus wenigen, extralangen Szenen besteht, die sich mit großem Effekt ineinanderfügen. Zu guter Letzt wäre da 12 Years a Slave, der als größter Anwärter auf wichtige Oscar-Ehren und flüssig erzähltes, schwermütiges Drama der Regie gleich viel zu verdanken hat wie dem Schnitt.

Bleiben zwei Nominierungen zu vergeben, doch so viele gute Kandidaten, die sich aber nicht so extrem aufdrängen wie die drei eben genannten Streifen. Rush liegt nahe, als BAFTA-nominierter Film in der Schnitt-Sparte und mitreißendes Rennfahrer-Drama mit flotten Formel-eins-Sequenzen sowie prägnanten Charakter-Momenten. The Wolf of Wall Street bietet sich an: Cutter neigen dazu, mitunter Kollegen zu nominieren, die absurde Aufgaben zu bewältigen hatten. Wie etwa Angus Wall & Kirk Baxter, die David Finchers Unmengen an Takes in Verblendung auszuwerten hatten. Thelma Schoonmaker, eine gefeierte Veteranin der Filmbranche und Scorseses dreifach Oscar-prämierte Dauerkollaborateurin, wiederum schnitt einen vierstündigen Film auf drei Stunden Laufzeit hinunter, ohne einen Subplot oder größere Sequenzen zu verlieren. Unter großem Zeitdruck und mit dem Studio sowie der MPAA im Nacken schliff sie gemeinsam mit Scorsese die Sequenzen des Films schlank und lieferte so ein Epos an, das dermaßen viel Energie hat, dass man ihm die Laufzeit überhaupt nicht anmerkt.

Style und Schwung bringen zudem American Hustle in den Fokus, Her empfiehlt sich aufgrund seines traumartigen Ambientes und der positiv überraschenden Nominierung bei den ACE Awards. Und dann pusht Disney zudem aggressiv Saving Mr. Banks, der ebenfalls eine Nominierung bei den Cutter-Preisen erhielt.

Die stärksten Argumente hat The Wolf of Wall Street in petto womit sich die restlichen eben erwähnten Filme um den letzten Slot prügeln. Ich glaube, bei Her werden viele den Zauber des Drehbuchs über die Umsetzung stellen, während Saving Mr. Banks möglicherweise zu "fluffig" für diese Kategorie erscheint. Stellt sich also die Frage "Rush oder American Hustle?", und auch wenn ich nicht der sein möchte, der eine Rush-Nominierung zu wenig vorhersah, so rechne ich American Hustle insgesamt mehr Chancen ein, weshalb ich mich auch hier für David O. Russels Gangsterposse entscheide.

Die fünf Nominierungen werden also (meiner Mutmaßung nach) folgende sein:

  • Alfonso Cuarón, Mark Sanger (Gravity)
  • Joe Walker (12 Years a Slave)
  • Christopher Rouse (Captain Phillips) 
  • Thelma Shoonmaker (The Wolf of Wall Street)
  • Jay Cassidy, Crispin Struthers & Alan Baumgarten (American Hustle)

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