Mittwoch, 24. Mai 2017

Directors of the Caribbean: The Search for the Next One


Wie es sich für Fans einer Filmreihe gehört, kann die Spekulation über den nächsten Film nicht früh genug beginnen. Selbst wenn es im Fall Pirates of the Caribbean knifflig aussieht. Vielleicht bin ich zu pessimistisch, aber ich würde meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass es in naher Zukunft mit den Piraten weiter geht. Disney und Jerry Bruckheimer sind sich einfach nicht mehr so grün wie einst. Disney hat mit Marvel und Star Wars zwei riesige, enorm profitable Franchises in der Hand und haben es somit nicht mehr "nötig" in See zu stechen. Zumal die Pirates of the Caribbean-Filme von Natur aus verflixt teuer sind. Und dann ist da noch die Depp-Frage.

Aber sind wir einfach mal kurz optimistisch. Einfach aus dem Spaß an der Freud an der Spekulation. Für mich steht fest: Wenn es weiter geht, wünsche ich mir ein Drehbuch von Ted Elliott & Terry Rossio (den Autoren der ersten vier Filme) oder von Jeff Nathanson, der mich bei meiner Erstsichtung von Salazars Rache zwar mehrfach ins Schwitzen gebracht hat, aber letztlich bewies, die Logik, Tonalität, Sprache und Mythologie dieser Reihe verstanden zu haben. Nur ... wer soll dieses Drehbuch inszenieren? Hier meine Ideen ...
  • Bill Condon: Hat eine gute Beziehung zu Disney. Weiß, mit visuellem Pomp umzugehen. Beherrscht eine Pirates of the Caribbean-taugliche Farbpalette (siehe: die Tavernenszenen in Die Schöne und das Biest). Von ihm könnte ich mir einen Film vorstellen, der mehr in Richtung "prunkvolles Piratenabenteuer" geht.
  • Scott Derrickson: Kann übernatürliche PG-13-Blockbuster (Doctor Strange), hat offenbar ein Händchen für kreative Effektsequenzen und ist (ähnlich wie Gore Verbinski) "an odd duck". Von ihm könnte ich mir einen Teil vorstellen, der die düster-fantastische Ader der Reihe auf interessante Weise weiterverfolgt. Zudem bekommt man viel Spektakel für vergleichsweise niedriges Budget.
  • Fede Alvarez: Der Don't Breathe-Regisseur weiß, sehr klug mit seinem Budget umzugehen (ich prognostiziere, dass das ein sehr wichtiger Aspekt sein wird: Disney wird bei einem etwaigen sechsten Film mit Sicherheit maximal Salazars Rache-Summen ausgeben wollen). Er choreografiert visuell interessante Szenen und dirigiert die Klanglandschaft beeindruckend. Kann selbst ohne explizite Gewalt enorm Spannung schüren, seine Gewaltspitzen werden sehr kreativ sein. Er hat Vorlieben, die dem Grundstock der Reihe zukommen: Gore Verbinski ließ einen Hauch Tanz der Teufel in das Geschehen einfließen, Alvarez hat das Evil Dead-Remake gedreht, das eine rockige Attitüde mitbrachte: Ohne trashy zu werden, machten dessen Gewaltexzesse riesigen Spaß. Das ist der Verbinski-Funke, den ich mir liebend gern nochmal in etwas anderer Form gebe.
  • Christopher McQuarrie: Wenn wir die "unterhaltsame, schnelle, spannende Setpieces stehen im Fokus"-Route gehen sollten.
  • Peyton Reed: Wenn Disney/Bruckheimer danach ist, das Verhältnis "düstere Teile" zu "Abenteuerspaß-Filme mit gelegentlich dunkleren Phasen" auszugleichen, dann traue ich dank Ant-Man Peyton Reed eine originelle Fortführung der Reihe zu.
  • Joe Wright: Wenn man ihm verbietet, zur Inspiration Baz-Luhrmann-Filme zu gucken, könnte er was visuell spannendes machen. Wright wäre eine dringende Empfehlung, sollte der nächste Teil stärker charaktergesteuert-dramatisch werden. Und, hey, Joe Wright hat ja zu gewissen Schauspieltalenten einen guten Draht, von denen ich mir in Teil sechs viel Leinwandzeit wünschen würde, wenn wir hier gerade eh schon träumen ...
  • Lorene Scafaria: Hat den "Hey, mit der arbeite ich gern nochmal zusammen"-Bonus, den auch Joe Wright mitbringt, und ist ein Talent darin, verzettelte Tonalitäten zu einem schönen Ganzen zu weben. Und ich mag es, wie sie trockenen Wortwitz in Szene setzt. Keine Ahnung, ob sie Action kann, aber, frei nach der Marvel-Studios-Schule: "Wir wollen Regisseure, die die Figuren verstehen. Wenn sie Hilfe bei der Action brauchen, wir kennen da die Richtigen ..."
  • Andrea Arnold: Hat schonmal mit Kaya Scodelario zusammengearbeitet, hat einen starken visuellen Stil und schafft es, lange Filme so zu erzählen, dass sie sich kurz und knackig anfühlen. Bei ihr wirken selbst garstige Figuren interessant (und so manche Pressevertreter haben ja offenbar Probleme, mit Disneys Piraten mitzufiebern, gleichwohl würde ich sie kein Stück verharmlost sehen wollen). Nur ihre Vorliebe zum Academy-Ratio-Bildformat müsste sie bitte ausnahmsweise zurückstecken.
  • Lone Scherfig: Ist sehr gut darin, komplexe, widersprüchliche Tonfälle so zu verweben, dass der Film nicht auseinander klafft, sondern ein stimmiges, emotionales Hin-und-Her ergibt. Ich liebe die Pirates of the Caribbean-Filme ja, weil sie albern-dreckig-frech-epochal-bombastisch-düster-clever-bescheuert-actionreich-dialoglastig sind. Also braucht's solch ein Talent.
  • Julie Taymor: Ich habe eine komplizierte Beziehung zu ihr, aber sie wäre definitiv eine Wahl, bei der ich sagen würde: "Oh, das wird spannend." Anders als bei diversen anderen Namen auf dieser Liste würde ich mir aber einen kontrollierenden Einfluss von Studioseite aus wünschen, damit sie sich nicht in Ideen verrennt, die nicht so ganz aufgehen.
  • Joachim Rønning & Espen Sandberg: Ich mag es ja, wenn Filmreihen eine gewisse Symmetrie oder sonstige handwerkliche Logik mit sich bringen. Daher ist meine Idealvorstellung für die ersten sechs Pirates of the Caribbean-Filme: Nach der zusammenhängenden Gore-Verbinski-Trilogie folgt eine etwas losere Trilogie von wechselnden, fähigen Regisseuren. Bevor wir für PotC 6 aber irgendeinen lahmen "Journeyman" bekommen, eine talentierte, aber desinteressierte Person oder gar eine völlige Nulpe, würde ich ohne mit der Wimper zu zucken sagen: "Okay, ist die Reihe hinter den Kulissen halt was krumm geraten und nach drei Mal dem selben Regisseur und einem einmaligen Ausflug machen es die Kon-Tiki-Jungs zwei Mal." Sie sind Fans der Reihe, talentiert, haben für Salazars Rache weniger ausgegeben als Rob Marshall für Fremde Gezeiten und zudem gefällt mir, was sie geleistet haben. Also: Bevor alle Stricke reißen, nehme ich sehr gerne die Beiden nochmal!
Und, was sind eure Vorschläge?

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