Donnerstag, 19. November 2009

Musikalisches Immergrün - Meine 333 liebsten Disney-Lieder (Teil X)

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Disney-Liebhaber lassen sich, wenn man gerade gelangweilt ist und irgendeine Form der Beschäftigung sucht, schnell in zwei Klassen einteilen. Wenn man sie bittet, ohne groß darüber nachzudenken, so schnell wie möglich mehrere Disney-Lieder aufzuzählen, werden die einen mit Heigh-Ho, Unter dem Meer, Sei hier Gast, Probier's mal mit Gemütlichkeit und Co. anfangen, die anderen dagegen nennen, ohne mit der Wimper zu zucken, Someday my Prince will come, A Dream is a Wish your Heart makes, A whole new World und Konsorten.
Für die einen ist Disney (und Disneymusik ins besondere) ein Hort der Fröhlichkeit, der unbesorgten Kindheit, der großen, fröhlichen Spektakel. Für die anderen ist Disney das letzte Refugium der reinen, unschuldigen und durch und durch romantischen, großen Liebe.

Genau das finde ich an der Bandbreite der Disneymusik so großartig: Sie deckt die ausgelassene Seite des Lebens ebenso gut ab, wie die balladesque. Ein aufgedrehter Disney-Showstopper ist ebenso bedeutsam und erinnerungswürdig wie ein sternenklares Liebeslied aus diesem Studio.

Dieser Block repräsentiert nur eine dieser zwei unzertrennlichen Hälften. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Platz 276: Ein kunterbunter Tag ("Topsy Turvy") aus Der Glöckner von Notre Dame
Musik von Alan Menken, Text von Stephen Schwartz (dt. Fassung von Frank Lenart)

Ein kunterbunter Tag passt sich wesentlich besser in den ansonsten eher grimmigeren, ernsthaften Disney-Zeichentrickfilm Der Glöckner von Notre Dame ein als die andere spaßige Musiknummer des Films, Ein Kerl wie du (Platz 282). Allein schon die unterschwellig eingebaute Reprise des Leitmotivs von Die Glocken Notre Dames direkt zu Beginn des Songs hat eine enorme Auswirkung darauf, wie nah ich dieses Lied gefühlsmäßig zum Rest des Films stelle. Zudem passt das Lied inhaltlich und dramaturgisch deutlich besser in den Film, die Handlung fließt völlig natürlich in diesen Song hinein. Das von Clopin und dem Chor besungene "Fest der Narren" ist ein aufsehenerregendes, bizarres Spektakel und bei aller Ausgelassenheit bekommt es dank der augenzwinkernde Texte einen unwirklichen, uneinladenden Beigeschmack verpasst, was diese Nummer vorzüglich auf seinen Kontext abschmeckt. Etwas, dass Ein Kerl wie du vollkommen abging. Dessen ungeachtet ist es für meinen Geschmack ein kleines bisschen zu lang geraten.
In der Musicalfassung textete Michael Kunze Ein kunterbunter Tag übrigens komplett um und benannte es, in Anlehnung an die englische Originalversion, Drunter drüber. Vielleicht ist es die Macht der Gewohnheit, vielleicht weil ich eine sinngemäßere Übertragung in den deutschen Sprachgebrauch bevorzuge (und für deutsche ist ein Tag halt eher "kunterbunt" als "drunter drüber"), jedenfalls sagt mir die Filmübersetzung mehr zu.


Platz 275: Der Titelsong von Raw Toonage

Ja. Dieses Lied ist in meiner Gunst höher als das Titellied der Gummibärenbande (Platz 290). Staunt ruhig Bauklötze, bis ihr das Empire State Building in Orginalgröße nachbauen könnt.
Doch mir ist dieser minimalistisch-coole Song allemal lieber als das schnell überreizte Gummibären-Titellied. Es trifft die Stimmung der Serie perfekt, ist eingängig und ein super Kandidat, wenn man mitten in der Nacht mit Freunden kaum bekannte Lieder zitiert. Fangt hiermit an, und plötzlich gucken alle doof, sind von der Relaxtheit der Nummer aber fasziniert.
Die Serie selbst war leidlich unterhaltsam. Das beste der drei regulären Segmente war für mich die popkulturelle Parodie- und Satirereihe Chaotisch-videotisch-voll cool in der unter anderem Samstagmorgen-Superheldenserien, Actiontrailer und Horrorfilme auf die Schippe genommen wurden.

Platz 274: Ultimate aus Freaky Friday
Musik & Text von Jeff Coplan und Robert Ellis Orrall
Es war einmal vor langer, langer Zeit (im Jahr 2003 um genau zu sein). Da war einmal eine junge, aufstrebende Schauspielerin mit musikalischen Ambitionen. Sie pflegte ihr sauberes Disney-Image und galt als Idealbesetzung im modernen Remake von Ein total verrückter Freitag, da sie im echten Leben selbst ohne Körpertausch-Magie eher erwachsen und gezügelt auftritt. Diese junge Frau hörte auf den Namen Lindsay Lohan und sang im Abspann dieser Komödie den Song Ultimate, spielte jedoch nicht wirklich Gitarre, was man an ihrem wildem Rumgezappel im Abspann schnell ablesen kann.
Der Girlierock-Song Ultimate ist typisch für Disneys Spielfilmkomödien dieser Zeit, ob im Kino oder im TV, wenn etwas in der Gegenwart spielte, gab es schnellen, nicht zu Harten, von unabhängigen jungen Frauen gesungenen Rock zu hören. Die meisten Songs wurden jedoch nicht extra für die betroffenen Filme geschrieben, und meistens waren die "Fremdsongs" nochmal einen Ticken besser als die für Disney verfassten. Auch Freaky Friday hatte noch bessere Songs als Ultimate zu bieten, wie etwa den von einer australischen Band gecoverten Titel Take Me Away.

Platz 273: Wie Vater, so Sohn ("Like Father, like Son) aus Aida
Musik von Elton John, Text von Tim Rice (dt. Fassung von Michael Kunze)

So langsam gehen uns die Aida-Lieder aus, die ich mag. Mit Wie Vater, so Sohn begegnet uns auf diesem Platz nun die, vom mich stets an Mamma Mia! erinnernden Anfangstakte abgesehen, rockigste Nummer des Bühnenmusicals. Wenn der einsetzende Chor nicht wäre, könnte es glatt eine Elton-John-Nummer aus seiner poppig-rockigen Phase sein. Klar definierte E-Gitarren, klimperndes Klavier, pophaft-mitsingbarer Refrain. Die Gesamtdramaturgie des Liedes ist etwas unausgereift, was Radames' Erklärung, er teile nicht weiter die Ambitionen seines Vaters Zoser, für mich ein wenig schwächt und an einer besseren Platzierung hindert.
Ich weiß, dass ich mich wiederhole, dennoch möchte ich erneut anmerken, dass mir mehr solcher Lieder in Aida wesentlich lieber wären, als die gefühlt zwei Dutzend nicht vorankommender Schlaftabletten, die dieses Musical größtenteils in Beschlag nehmen. Ich glaube, dass das Musical dadurch reifer wirken soll - dabei ist es ein fataler Irrglaube, dass fehlende Kurzweile eine Geschichte automatisch bedeutsamer und anspruchsvoller macht. Naja, wenigstens machte Disney diesen Fehler nicht bei der Bühnenadaption eines seiner Meisterwerke...

Platz 272: What Time is it? aus High School Musical 2
Musik & Text von Matthew Gerrard & Robbie Nevil

Pünktlich zum herbstlichen Schulbeginn startete auf dem Disney Channel die Fortsetzung des Überraschungserfolgs High School Musical, die damit begann, dass sämtliche wichtigen Charaktere wie gebannt auf die immer überdimensionaler werdende Schuluhr starren und den Beginn der Sommerferien erwarten. Den sie dann ausgelassen besingen und betanzen.
Selbst wenn man von der fragwürdigen Programmierung der Fernsehpremiere absieht, ist High School Musical 2 ein sehr verquerer Film.
Mit den Nummern der Ryan-Geschwister (gespielt von Lucar Grabeel und Ashley Tisdale) verleiht Regisseur Kenny Ortega dem Film die ironische Sichtweise, die man bei High School Musical als Zuschauer noch hineinprojizieren musste. Zugleich ist die elaborierte Eröffnungsnummer What Time is it?, die mit ihrer breit angelegten Choreographie zweifelsohne auf den Emmy schielte, in ihrer naiven Heiterkeit so klinisch rein und quietschfidel, dass man schon ein wenig Zahnweh bekommt.
Dennoch macht What Time is it?, vor allem Dank der aufwendigen Inszenierung, ganz schön Spaß und dient als engeriereicher Start in High School Musical 2, der den eher zähen Anfang seines Vorgängers locker in den Schatten stellt.
What Time is it? ist zudem mit einem 6. Platz in den US-Singlecharts und Platz 19 im Vereinigten Königreich der kommerziell erfolgreichste HSM 2-Song (das Album war indes der erste Fernseh-Soundtrack, der auf Anhieb die Spitze der US-Billboard Charts erklomm).
Für die ABC-Fernsehübertragung der Walt Disney World Christmas Parade nahm die Besetzung des Films des Weiteren eine Weihnachtsfassung unter dem Titel What Time is is? Christmastime! auf.

7 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Also dafür, dass Aido ja SOOOOOO unendlich scheiße ist, kommt es relativ oft in deiner Hitliste vor. ;-)
Ich geb dir noch ein Jahr und dann hat das Musical für die den selben status wie HSM.

Garantiert!

Sir Donnerbold hat gesagt…

No Chance.
Denn die Lieder, die ich nicht mag und dementsprechend nicht in der Liste vorkommen finde ich sooo elendig langweilig und ätzend, dass die Pluspunkte der von mir gemochten Lieder das nicht wirklich wieder rausreißen kann.

Anonym hat gesagt…

Wie gesagt, ein Jahr, dann sehen wir weiter, wer von uns Reccht behalten wird. ^^

Sir Donnerbold hat gesagt…

Da ich mich besser kenne als du (und ich zusätzlich weiß, auf welchen Plätzen dieser Liste der Aida-Rest zu finden ist und wo sich der HSM-Rest befindet) tippe ich einfach Mal auf... mich. ;-)

Clochette hat gesagt…

Leicht gereizt? ;-)

Im Ernst: nach Anonyms erstem Kommentar hab ich mir was zu Essen geholt, es mir gemütlich gemacht, und auf die Fortsetzung gewartet...

Sir Donnerbold hat gesagt…

Das war doch nicht gereizt. Ich habe bloß leicht schnippisch und siegesgewiss die Herausforderung angemommen.

Sollte auch Anonym es als gereizt gedeutet haben und derzeit von mir verschreckt hinter einem kalten Felsen hocken, so möchte ich mich entschuldigen. (Wenn Anonym aber hinter einem warmen Felsen hockt, dann kann sich Anonym die Entschuldigung in die Haare schmieren. Ich entschuldige mich doch nicht für alles.... *g*)

Sunshine hat gesagt…

Einen Tonfall im Internet darzustellen, ist leider verdammt schwer. Deshalb wimmeln meine Posts auch immer von Smileys, ^^s usw. *g*

Ich glaub, ich hätte gemischt, wenn jemand mich nach Disney-Liedern gefragt hätte... Weil ich mich ja nie entscheiden kann. Beides, fröhlich-lebenslustig und romantisch-balladesk, find ich einfach zu schön.

Blöd von mir, früh morgens mal gaaanz kurz reinzuschauen (so nach dem Motto "Lass was Schönes drinstehen, ich bin heut so unmotiviert!"). Daraufhin hatte ich den ganzen (!) Tag abwechselnd Ohrwürmer von "Ein kunterbunter Tag", "Esmeralda" aus der Musical-Variante (weil ich ja grad schon beim Glöckner war...) und - um etwas absolut Unpassendes reinzuschmeißen - "If I never see your face again", das zufällig auf der Fahrt zur Arbeit lief (und dass ich mir rausgesucht hatte, weil du es so gelobt hast - wenn jemand Lieder lobt, die ich nicht kenne, muss ich immer gleich danach suchen - und Maroon 5 gut sind). Danke sehr...

Ähm, ja. Mir ists bei Übersetzungen relativ egal, ob sich das Ganze 1 zu 1 ans Original hält, oder abschweift (weil's nen schöneren Reim ergibt oder sich eben besser auf Deutsch singen lässt etc.). Solange der Sinn nicht verwässert wird, kann ich damit leben. Wenn dann aber erstmal eine Version da ist, kann ich mich ganz schwer für eine Neuübersetzung erwärmen. Selbst wenn sie aus lizenrechtl. Gründen nötig ist (Arielle...). Beim "Glöckner" schmeiß ich allerdings immer wieder die Film- und Musicalversionen von "Einmal/Draußen" durcheinander.
"Ein kunterbunter Tag" find ich gut. :)

An den Titelsong von "Raw Toonage" kann ich mich sogar noch dunkel erinnern... wow.

"Aida"! Naja, jetzt hast du das Musical ja fast durch. *g* Bin mal gespannt, was noch daraus vorkommt (falls überhaupt), und was es nicht in deine Liste geschafft hat. *g*

HSM hat eh den Vorteil, dass viele Songs poppig-fröhlich sind und sich recht gut im Ohr festsetzen. Man kann einfach nix dagegn tun. An "What time is it?" kann ich mich allerdings kaum noch erinnern; muss mir unbedingt Teil 2 noch holen.

Hey, mein Kommentar ist schon fast so lang wie dein Post! *g*

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