Montag, 25. März 2013

Meine 25 Lieblingsfilme 2012 (Teil II)

Der Märzen des Jahres 2013 findet unverhofft schnell sein Ende und wir können bereits erfolgreich auf meine Auswahl der 10 besten Film-Soundtracks 2012, die Oscar-Verleihung und meine Hassfilme 2012 zurückblicken. Aber meine Top 25 der Filme, die 2012 mein Herzen erobert haben, ist weiterhin inkomplett. Manche würden dies als Faulheit betrachten. Ich sehe es als ungezügelte Ehrfurcht. Ich habe nunmal große Schwierigkeiten, meine Lieblinge in eine Rangliste zu zwängen. Doch ich mache Fortschritte ...

Platz 19: Iron Sky (Regie: Timo Vuorensola)

Mond-Nazis greifen die Erde an. Klingt nach Exploitation-Trash oder einem verzweifelten Versuch, auf der Grindhouse-Welle des selbstironischen Retro-Filmmülls mitzuschwimmen. Stattdessen entstand eine überdrehte Komödie, die nach ihrem augenzwinkernden Exploitation-Einstieg völlig unerwartete Wege geht und zu einer dem Popkulturhumor der Web-2.0-Generation angepassten Politsatire voller knalliger Einfälle mutiert. Iron Sky ist bescheuert, aber viel smarter, als eine webfinanzierte Blödelkomödie sein dürfte. Es ist ein Nerdevent von einem Film - und auch wenn er keineswegs in ewige Filmbestenlisten gehört, so macht er mir auch bei wiederholtem Sehen zu viel Spaß, als dass ich ihn von dieser Liste fernhalten könnte.

Platz 18: Chronicle (Regie: Josh Trank)

Was passiert, wenn ein Außenseiter, dem das Unglück an den Fersen haftet und der einen unerträglichen Vater hat, gemeinsam mit zwei anderen Jungs an Superkräften gelangt und die danach aufkeimende Freundschaft auf Band festhält? Nun, die raue Realität lehrte uns, dass Menschen gerne immer und immer wieder auf ihre Lieblingsopfer draufhauen, also darf man sich für einen Superhelden-Found-Footage-Film über einen gepeinigten Jugendlichen keine all zu großen Hoffnungen auf gepflegtes Sozialverhalten machen ... Chronicle ist ein Superheldenfilm, wie man ihn sonst nicht zu sehen bekommt, und ein Paradebeispiel für durchdachte Verwendung des Found-Footage-Ansatzes sowie ein Film, der den Nerv so mancher treffen sollte, die während der Schulzeit auch mal alles andere als rosige Tage erlebten. Das Finale ist leider arg überzogen, weshalb der lebensnahe Subtext leidet, dennoch ist Chronicle ein überraschend starker, resonanter Film und mit seinen gelungenen Tonfallwechseln ungefähr das, was ich von Hancock erwartet hatte.

Platz 17: Skyfall (Regie: Sam Mendes)

Ich habe großen Respekt für die James Bond-Filmreihe übrig, ist sie doch alleiniges Elternteil des spaßigen Agentenkinos und einer der Taufpaten des modernen Blockbusters. Ein Fahnen schwingender Fan des Doppelnullagenten bin ich allerdings nicht, und die ersten beiden Craig-Bonds kamen bei mir trotz großartiger Grundideen nie herausragend weg. Casino Royal zerstörte mit einem elendig lang gezogenen Abschluss zweieinhalb sehr gelungene Akte und Ein Quantum Trost ging in einem Schnittgewitter und zu aufgezogener Action trotz toller Atmosphäre unter. Aber mit Skyfall stieg Craigs Bond in unverhoffte Höhen auf: Die Grundstimmung des Films vereint die düstere, Post-9/11-Blockbuster-Stimmung eines The Dark Knight mit Old-School-Bond-Spaß, sieht dank Kameramann Roger Deakins fantastisch aus und mit Javier Bardem bekam es 007 mit einem seiner stärksten Widersacher zu tun. Großes Unterhaltungskino, was sonst soll man über den Streifen sagen? Leider steigerte er sich in meinen Augen nicht bei wiederholtem Ansehen, sonst wäre vielleicht ein besserer Rang drin.

Platz 16: Dame, König, As, Spion (Regie: Tomas Alfredson)

Nach dem Popcorn-Agenten, kommt nun der Agentenfilm für das geduldige Publikum: George Smiley, ein aufrichtiger und geistig hellwacher Agent im gehobenen Alter, sieht sich mitten im Zeitalter der überdimensionalen Aktenschränke und staubigen Archive mit seinem kniffligsten Fall konfrontiert. Verhöre, nachdenken in verquarzten Zimmern, Aktenwälzen und auf das Stehlen von Akten ersetzen in diesem Agentenfilm Schießereien und Verfolgungen. Gary Oldman begeistert mit einer charakterstarken, coolen Performance, Regisseur Tomas Alfredson zelebriert den 70er-Jahre-Muff und der Fall ist nicht trotz, sondern dank der gelassenen Erzählung enorm spannend.

Platz 15: Gefährten (Regie: Steven Spielberg)

Steven Spielberg hat eine schwer zu verleugnende Neigung zum Kitsch. Nicht all seine Filme fallen dieser Angewohnheit anheim, doch genügend, um dem kommerziellen Regiegott eine sehr sentimentale Ader zuzusprechen, die er mit großem Brimbamborium feiert. Gefährten, die Geschichte des geliebten Pferdes eines Farmersjungen, das als Kriegspferd eingezogen wird und auf wundersame Weise gleich mehrere Stationen des Ersten Weltkrieges mitmacht, macht aus seiner Rührseligkeit nicht eine Sekunde lang ein Geheimnis. Gefährten ist ein lebensbejahendes, liebenswürdiges Gemälde, dass jedoch nicht in reiner Zuckeigkeit versinkt, sondern noch immer eine relativ plausible Geschichte voller interessanter Nebenfiguren erzählt. Die Melodramatik geht eine gesunde Balance mit dem geschichtlichen Hintergrund ein, was vor allem der generell sehr märchenhaften, teils allerdings mit rauer Realität gewürzten Bilder der Kameralegende Janusz Kaminski zu verdanken ist. Gefährten ist wahrlich nicht Spiebergs spaßigster, spannendster oder anspruchsvollster Film, aber visuell wie atmosphärisch ein Anwärter auf seinen schönsten.

Platz 14: John Carter (Regie: Andrew Stanton)

Pinocchio. Fantasia. Tron. Und nun: John Carter. Disney hat eine lange Historie an ambitionierten, ungewöhnlichen Filmen, die trotz passionierter Crew und aufwändigem Marketing (ob gut oder schlecht sei dahingestellt) eine satte Bauchlandung hinlegen. Vergessen werden diese Flops aber nicht. John Carter ist das jüngste Mitglied dieser langen, langen Reihe. Andrew Stantons mit Feuereifer und Herzblut erschaffenes Sci-Fi-Abenteuerepos ging an den Kinokassen baden und teilte die Kritiker. Aber ich sag es euch: Dieser Film wird sich sein Kultpublikum erarbeiten. Zu faszinierend die Mythologie, zu denkwürdig Michael Giacchinos Musik, zu malerisch die Bilder, zu zufriedenstellend das Ende. John Carter ist ein Big-Budget-Flop mit Nachspiel in Sachen Publikumsgunst. Ihr werdet es sehen ...


Siehe auch:

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Kommen 2014 dann auch Teil III und IV der besten Filme 2012 oder nur ein Teil pro Jahr :-(

Sir Donnerbold hat gesagt…

Allein dieses Jahr kamen doch schon zwei Teile. ;-)

Außerdem: Wäre mir nicht unvorhergesehen der Monat März verdorben worden, wäre die Hitliste bereits beendet. Sorry, wenn eure Geduld überstrapaziert wird, aber leider hat es seine Gründe. :-|

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