Freitag, 15. September 2017

Freitag der Karibik #60


Wie setzt man eine immens erfolgreiche Filmtrilogie fort, deren zentraler Handlungsbogen beendet ist? Im Fall der Pirates of the Caribbean-Saga basierten die Gedanken der verantwortlichen Autoren Ted Elliott und Terry Rossio auf zwei Inspirationen.

Einerseits geisterte ihnen Tim Powers' Roman In fremderen Gezeiten durch den Kopf, der ihnen während der Skriptarbeit an Die Truhe des Todes und Am Ende der Welt in die Hände fiel und der ihnen als Story über Piraten, Meerjungfrauen, den finsteren Blackbeard und die Quelle der ewigen Jugend nicht mehr aus dem Sinn ging. Sie wussten: Wenn es einen vierten Teil gibt, so werden wir unterbewusst bei dieser starken Vorlage klauen - also gehen wir lieber den offiziellen Weg, drängen Disney dazu, die Adaptionsrechte am Buch zu erwerben und planen eine sehr, sehr lose Neuinterpretation.

Laut Terry Rossio war der Stein des Anstoßes für das endgültige Skript indes eine Vorstellung, die er und Elliott hatten. Ein Szenenbild, das ihnen sehr gefiel und das sie als Mittelstück genommen haben, dessen Vor- und Nachgeschichte sie erzählen wollten:

"Jack Sparrow tanzt mit jemandem an Deck. Es ist eher ein romantischer, der Zeit angebrachter Tanz. Ein Schiff im Mondlicht, und Jack Sparrow tanzt, muss vielleicht jemanden verführen. Das haben wir auf einer Karte notiert und dann gesagt: 'Warum tanzt Jack Sparrow?`"

Es ist Fremde Gezeiten anzumerken, welcher erster Gedanke dem Film zugrunde liegt. Er ist (vielleicht auch aufgrund Regisseur Rob Marshall) verträumter, inhaltlich spielt Jack Sparrows Tanzpartnerin Angelica eine große Rolle und das neckische Geplänkel zwischen ihr und Jack prägt sehr den Humor des Films.

Zugleich erklärt dieser Grundstein, weshalb Fremde Gezeiten in meinen Augen schwächer ist als Die Truhe des Todes: Der ersten Fluch der Karibik-Fortsetzung geht die Idee eines großen Dilemmas voraus, der ganze Film arbeitet auf eine dramatische, zweischneidige Situation hin. Fremde Gezeiten basiert dagegen "nur" auf einem reizvollen Bild.

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