Freitag, 5. März 2021

Freitag der Karibik #72

 Where's a Pirate?

Vieles ist seit dem letzten Freitag der Karibik geschehen! Box-Office-Analysten sagten die Pirates of the Caribbean-Saga tot, weil sie mit Teil fünf "nur" 794 Millionen Dollar eingenommen hat. Dann wurde öffentlich, dass Disney derzeit an zwei Pirates of the Caribbean-Filmen arbeitet. Nicht an zwei Entwürfen, von denen sich dann einer durchsetzen soll. Nein. Es werden zwei Filme entwickelt, die Disney umgesetzt sehen will. Gerüchteweise einer, der die altbekannte Filmwelt fortführt (wenngleich mit neuen Figuren im Fokus), und einer, der eher eine Art Neustart darstellt.

Und da drängt sich mir eine Frage auf: Was sollte mit He's a Pirate geschehen, wenn Jack, Will, Elizabeth und Konsorten nicht mehr im Fokus der Filmreihe stehen? Ist das Motiv so eng mit den Figuren verwoben, dass es unpassend wäre, es ohne sie weiter zu verwenden? Oder ist das Motiv eher mit der Filmreihe verquickt, so dass es falsch (und enttäuschend wäre), ohne es weiterzumachen?

Meine Position dazu: He's a Pirate könnte weiter verwendet werden. Während The Medaillon Calls alias "Jack Sparrows Einmarschmusik" fest mit Jack assoziiert ist, und daher ohne ihn nicht mehr in purer Form verwendet werden sollte (über kurze, kaschierte Referenzen ließe sich reden), ist He's a Pirate ein allgemeiner eingesetztes Stück. Allein schon, dass seine pure (und wohl am stärksten in den Köpfen des Publikums verankerte) Version im Abspann von Fluch der Karibik vorkam, und es generell im ersten Teil immer wieder während Actionmomenten variiert wird, sollte das deutlich unterstreichen.

He's a Pirate in einem Film ohne Will, Jack und Elizabeth einzusetzen, wäre also nicht so, als würde man einen heroischen Akt von Thorin Eichenschild in Der Hobbit mit einem schaurig-schurkischen Motiv aus Der Herr der Ringe untermalen. Oder sowas in der Art. Dennoch weiß ich nicht, wie ich zu einem sturen "Wir benutzen He's a Pirate exakt so wie früher, denn das ist, was die Fans wollen"-Denken stehen würde. 

Letztlich kommt es natürlich auf den Film, seine Tonalität, Story, Figuren und den Moment an, in dem man auf He's a Pirate zurückgreifen würde. Vielleicht findet man den perfekten Rückgriff, in dem es die altbekannte, pure Version sein muss, eventuell aber auch nicht. Per se, rein theoretisch gesprochen, würde ich aber hoffen, dass man dieses großartige Stück Musik nicht als Krücke benutzt, um sich im neuen Kapitel der alten Pirates of the Caribbean-Welt einerseits, geschweige denn beim ersten Kapitel in einem neuen Pirates of the Caribbean-Buch andererseits, auf alten Verlässlichkeiten ausruhen zu können.

Mein Gespür würde daher besagen, dass man bei Pirates of the Caribbean: Welchen Seemansgarn in der von Gore Verbinski errichteten Welt können wir denn noch so spinnen? musikalisch besser an Teil fünf anschließt als an Teil vier, sich also stärker darum bemüht, neue Themen prominent aufzubauen, statt alte abzuwandeln. Eine hörbar umarrangierte, aber klar wiedererkennbare He's a Pirate-Version, wie sie Geoff Zanelli im Abspann verwendet, darf liebend gern hier und da auftauchen. Ist ja auch die altbekannte Filmwelt, wenngleich wir uns in anderen Winkeln tümmeln, da ist das noch gut zu vernehmende Echo bekannter Musik durchaus angebracht.

Kniffliger wird es beim gerüchteweise eigenständigeren Pirates of the Caribbean-Projekt: Auf der einen Hand muss man diese Eigenständigkeit auch deutlich ausdrücken und durchziehen. Auf der anderen Hand wäre die Frage erlaubt, weshalb das denn dann noch Pirates of the Caribbean sein soll, statt etwa eines gänzlich neuen Piraten-Franchises, wenn man sich völlig von ikonischen Aspekten der Filmreihe distanziert. Wie etwa He's a Pirate.

Das ist eine wesentlich kompliziertere Balance, die man halten müsste, als beim obigen Gedankenspiel. Meine Annäherung wäre es wohl, in diesem Film He's a Pirate noch stärker umzuarrangieren und behutsam in die wahrscheinlich neue Klangwelt dieses Abenteuers einzuweben. So, dass das Publikum beim Zuschauen nicht raushört: "Oh, sie spielen endlich die Hits!" Es sollte eher eine unterbewusste Familiarität werden, quasi ein "Oh, wenn ich aufmerksam dem Album lausche, realisiere ich, weshalb ich dieses komfortable Gefühl habe, einen alten Bekannten wieder zu treffen: Da versteckt sich He's a Pirate in der Komposition!"


Aber egal, wie die Verantwortlichen vorgehen werden ... Ich kann erste, konkrete Meldungen über die zwei PotC-Filme nicht abwarten! 

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