Donnerstag, 29. Dezember 2011

Die schlechtesten Kinofilme 2011

Da ist sie wieder, diese Zeit des Jahres, in der man zurückdenkt. Wie schon 2010 möchte ich zum Jahresabschluss zurückblicken und zusammenfassen, welche Filme mir die meisten Nerven abverlangten. Ich sollte wohl direkt betonen, dass dies eine subjektive Liste ist und der korrektere Titel "Die Filme, die ich 2011 am meisten gering geschätzt, gehasst und verabscheut habe" wäre. Bloß ist der bei weitem nicht so griffig.

Bewertet wird nach dem deutschen Kinojahr 2011, es werden also auch Filme berücksichtigt werden, die in ihrem Heimatland vor dem 1.1. 2011 gestartet sind. Außerdem habe ich manche Filme, die richtige Spitzenkandidaten für diese Liste sind, noch nicht gesehen. Etwa Die Schlümpfe, Alvin und die Chipmunks 3, Meine erfundene Frau, Breaking Dawn oder im Falle meiner subjektiven Wahrnehmung nunmal auch Real Steel und Transformers 3. Spy Kids 4D wiederum bekommt erst 2012 seine Chance, in Deutschland verrissen zu werden.

Trotzdem gibt es genügend Stoff für diese Liste, also legen wir am besten einfach sofort los:

 Platz 12: Gnomeo & Julia

Der erste, aber längst nicht der letzte Animationsfilm auf dieser schändlichen Hitliste. Ich war kurz geneigt, stattdessen Happy Feet 2 in diese Liste aufzunehmen, allerdings hat dieser Film mit den fantastischen Krills Will und Bill einen gewaltigen Vorteil gegenüber Gnomeo & Julia. Und obwohl die Gartenzwerg-Nacherzählung von Shakespeares Klassiker rund um Elton Johns Diskographie entworfen wurde, nutzt sie die Musik deutlich schlechter als Happy Feet 2. Und der Film ging meines Erachtens nach schon ziemlich schludrig mit seinen Musikeinsätzen um. Einige lahme Gags, durchschnittliche Animation und überdeutliche Desorientierung, wer eigentlich das Zielpublikum dieser Trickkomödie sein soll, machen Gnomeo & Julia zu einem der vielen Gründe, weshalb 2011 ein schlechtes Jahr für die Trickfilmkunst war.

Platz 11: Fast and Furious Five

Der fünfte Teil der Autorenn- und Autoklau-Kinoreihe Fast and Furios Five ist ein Fall für doppelte Ratlosigkeit: Wieso zum Teufel hat dieser Schmarrn über 600 Millionen Dollar eingenommen, und was zum Teufel haben die Kritiker geraucht, dass dieser an Humor und Spannung mangelnde Actionfilm 78% bei Rottentomatoes bekommt? Von Dwayne Jonson abgesehen ist dies eine Schar unsympathischer Menschen, die rumlabern, sich dann verfolgen, rumlabern und am Ende einen Tresor stehlen. Die Autoren versuchen händeringend, ein zweites Ocean's Eleven zu erschaffen, was allerdings daran scheitert, das die Darsteller eine deutlich schwächere Chemie untereinander haben und sowohl die Figuren, als auch das Skript immens dümmer sind, als aus der Ocean's-Reihe gewohnt. Die Rennsequenzen sind spektakulär und dennoch übersichtlich gemacht, aber für einen Film, der nur von Lärm lebt, hat dieser hier viel zu wenig davon.

Platz 10: Gullivers Reisen

Würden Die Muppets noch 2011 in Deutschland starten, wäre ja alles vergeben und vergessen. Da dem aber nicht so ist, kann ich ohne Gewissensbisse sagen, dass Jason Segel ein sauschlechtes Kinojahr hatte. Bad Teacher versäumte nur knapp den Einzug in diese Hitliste, weil der Film wenigstens gelegentlich seinen bösen Haudrauf-Humor konsequent durchzuziehen weiß. Und weil Jason Segel jede seiner Szenen zum Volltreffer macht. In Gullivers Reisen kann Segel kaum etwas retten und auch der Kugelblitz Jack Black leiert eine seiner lustlosesten Darbietungen runter. Aus einer Familien-Abenteuerkomödie wird schnell ein zusammenhangloses Sammelsurium an Popkulturreferenzen und Kopfschmerzen verursachenden Handlungswendungen.


Platz 9: Resturlaub

Je mehr ich über diese Komödie nachdenke, desto mehr nervt sie mich. Klar, solche Filme sind nicht zum "darüber nachdenken" geschaffen, trotzdem ist es schlecht, wenn mich etwas bei jeder Sekunde, die ich daran denke, immer mehr über seine Schwächen ärgern lässt. Eine äußerst fragwürdige Moral, ein unverantwortlicher Protagonist, ein Feuerwerk an dämlichen Gags, ein schwer verständlicher Einschlag an Lokalkolorit, peinliche Dickenwitze und eine als Sexgöttin verkaufte weibliche Hauptrolle, bei deren Anblick ich mich wie ein kaltes, nasses Handtruch fühle (soll heißen: die einzige Anforderung an diese Rolle war es,  heiß auszusehen, und das tut sie für mich nicht). Und habe ich schon die Moral erwähnt? Also, wenn ich einem Komödienhelden (einer spritzig-leichten, anspruchslosen Komödie) wünsche, gewaltig auf die Fresse zu fallen, muss was schiefgelaufen sein! Ein Film, der meine Antipathien wachkitzelt.


Wo wir schon bei unsympathischen Protagonisten und hinkender Moral sind, kann ich diese Körpertauschkomödie nicht unerwähnt lassen. Vulgaritäten ohne Anlass, nervige Dialoge, schier endlose Szenen und lärmender Humor machen Wie ausgewechselt stellenweise zur reinen Tortur. Nur eine der beiden Figuren lernt ihre obligatorische Lektion, ganze Storyfäden werden vergessen (und dabei ist der Film schon deutlich länger als nötig) und die Fäden, an die sich die Autoren zum Schluss erinnern, werden so breit getreten, dass es nicht mehr feierlich ist. Vom Körpertausch merkt man auch nur was, weil Bateman und Reynolds dauernd davon reden. Darstellerisch ändert sich den gesamten Film über nichts. Dass dieser Film sich auf Platz 8 dieser Liste retten konnte, statt noch höher zu landen, liegt an einer Leslie Mann, die wesentlich besser spielt als in den Filmen ihres Mannes (was aufgrund der flach geschriebenen Figur leider nahezu verpufft) sowie ein paar leidlich amüsanten Chaosszenen. Irgendwas in meinem Hirn muss durchgebrannt sein, aber sich verletzende Babys find ich komisch. Und die Musikauswahl ist recht hinnehmbar.


Manche Filme sind nervig, andere dumm, dieser hingegen ist des Verbrechens der Langeweile schuldig. Ich bin Nummer Vier ist ein Film wie eine überlange, schlecht geskriptete und unwohl gespielte Pilotepisode zu einer eigentlich ganz ansprechend klingenden Fernsehserie. Zwischen den Darstellern herrscht nicht der geringste Funken Chemie, die krude Mischung aus Twilight-mäßiger Teenie-Romanze, Sci-Fi und Action wirkt wie am Reißbrett entworfen, die Action ist mechanisch und ideenlos inszeniert und die Dialoge sind anstrengend. Die interessantesten Elemente werden straflos vernachlässigt, die Figuren könnten blasser nicht sein. Ein herz-, witz- und spannungsloser Pseudo-Blockbuster (produziert von Michael Bay!), der sämtliche aktuellen Kinotrends vereinen möchte und so jegliche eigene Identität verliert.

Platz 6: Milo und Mars

Der Film, der Robert Zemeckis' Motion-Capturing-Schmiede ImageMoversDigital killte und in Deutschland insgesamt sensationelle 885 Besucher anlockte. Milo und Mars handelt von Milo (ach?), der rotzfrech zu seiner Mutter ist. Marsmenschen entführen diese, um ihr Wissen über Erziehung abzusaugen (hä?), was ein tödlicher Prozess ist. Milo, der eher per Zufall mit auf den Mars reist, vereint seine Kräfte mit dem unreifen Erwachsenen Gribble (kein Mensch, den man als Freund haben möchte) und einer durch Hippie-Filme sozialisierten Marsianerin und macht sich auf, seine Mutter zu retten.
Milo und Mars ist zum einen ein anstrengender Film, weil er einfach nie ruhig halten kann. Dauernd muss sich irgendwas bewegen, etwas lärmen, irgendeine schwindelerregende Kameraeinstellung eingenommen werden. Die Szenen, in denen die Kamera still hält, kann man an maximal zwei Händen abzählen. Ununterbrochen, auch wenn überhaupt nichts los ist, bewegt sich die Kamera in einem unwohlen Tempo durchs Bild, das mit ungleichmäßig detallierten Texturen ausgestattet ist. Die menschlichen Figuren bewegen sich zwar mehr, als die aus Toy Story 1, aber die Modelle sehen kaum besser aus. Die digitale Lichtarbeit ist schlecht, alles sieht so klinisch tot aus. Milo hat grausige Wolfsaugen und irritierende Wangenknochen, Gribble kann je nach Lichtverhältnissen richtig gruselig aussehen, und die Story bemüht sich zwar um Emotion, kann sie aber niemals vermitteln.

Und obendrein ist der Film (ungewollt?) frauenfeindlich und gegenüber alternativen Familienmodellen extrem reserviert. Natürlich können auch heute noch die Werte der Familie gefeiert werden, aber Milo und Mars geht immer eine Extrameile, um zu betonen, dass nur Frauen die Erziehung übernehmen sollten und eine richtige Familie aus Vater-Mutter-Kind besteht. Wir haben also eine seelenlose Inszenierung, hässliche Optik und eine leicht falsch zu deutende Aussage. Meine Lieblingskritiken des Films: "Mars Needs To Work Out How To Animate Humans So They Don't Look Like Possessed Shop Window Dummies" und "They took a small story, made it complicated and burdensome, filmed some actors performing it, turned those actors into affectless, mechanical cartoons, converted it to 3-D, and dropped it in theaters. Wheeee!"

 Platz 5: Sanctum

Sanctum ist wie geschaffen für einen Verriss von Horror- und Thriller-Kritiker Phelous. Die Figuren sind so platt wie ein Stück Papier und trotzdem schafft es das Drehbuch nicht, Sinn und Verstand in die Figurenkonstellation zu bringen. Wenn eine Figur als Kletterexpertin eingeführt wird, sonst keine Eigenschaften besitzt und alle besser klettern können als sie, dann ist das entweder schlecht vermittelte Ironie oder Dummheit seitens der Filmemacher. Die Gottgleichheit, mit der die Vaterfigur dieses Films skizziert wird, geht einem unheimlich schnell auf den Senkel, "basierend auf einer wahren Geschichte" wurde selten lockerer definiert als hier und das groß beworbene 3D arbeitet gegen die Spannungswirkung von Sanctum! Hinzu kommen zahllose Klischees und Dialoge wie aus einem in fünfzehn Minuten runtergschriebenen TV-Film, und fertig ist die Fischsuppe.

Platz 4: Your Highness

Wir machen nun einen meilenweiten Sprung hinein in den Abgrund der Kinowelt.

David Gordon Green war einst auf anspruchsvolles Cinema reserviert, doch dann zauberte er mit Ananas Express eine herrlich verschrobene Kiffer-Actionkomödie aus dem Hut. So weit, so gut. In besagter, benebelter Actionparodie spielten James Franco, Danny McBride und Seth Rogen ein berauschtes Heldentrio, das dem Actiongenre seinen eigenen, verrückten Stempel aufdrückte. Nun ersetzten der Regisseur David Gordon Green, Franco und McBride Seth Rogen durch Natalie Portman und das Action- durch ein Fantasysetting, um eine zweite derbe Kifferkomödie zu drehen. So weit, so gut? Nein, denn was deutlich besser hätte werden können, wurde eine einzige, haltlose und den Verstand jedes Zuschauers beleidigende Katastrophe.

Königssohn Thadeous (McBride) spielt am Hof dauernd die zweite Geige hinter dem schöneren und erfolgreichere Aventuiren bestreitenden Fabious (Franco). Eines Tages entführt ein manischer Zauberer (Justin Theroux) Fabious jungfräuliche Verlobte (Zooey Deschanel), und beide Prinzen machen sich auf, die holde Maid zu retten. Unterwegs begegnen sie der Kriegerin Isabel, die beide locker in die Tasche stecken könnte. Und es zwischendurch auch tut. Denn das mit dem "Kräfte vereinen" klappt nicht so ganz ...

Der Plot ist äußerst simpel, und umso schockierender ist es, wie irritierend Your Highness auf seinen Betrachter wirkt. Die Erzählweise erfolgt absolut unkonzentriert und die keinerlei handwerkliches Fingerspitzengefühl aufweisende Inszenierung verstärkt diese Wirkung enorm. Von vorne bis hinten ist diese Fantasy-Kifferkomödie mit Effekten der Mittelklasse gefüllt, die von der infantilen Blödelei der männlichen Darsteller ablenken soll. Dadurch, dass das Timing in diesem Film, sowohl der Darsteller als auch des Schnitts, beinahe schon sagenhaft daneben ist, sitzt kaum eine der platten Pointen und Zoten. Ein Pups- und Peniswitz jagt den nächsten und zwischendurch erfolgen schwulenfeindliche Kommentare. McBrides Mimik entgleist regelmäßig wenn eine vermeintliche Pointe auftauchte, so dass selbst der benebelste Zuschauer mitbekommen müsste, dass er hätte lachen sollen. Die männlichen Figuren sind unsympathisch bis zum geht nicht mehr und die zu bestehenden Abenteuer sind haarsträubend. In diesem Film steckt kaum Mühe oder Herzblut. Es sind einfach ein paar Jungs, die sehr viel Geld verschwenden, um eine Schnapsidee umzusetzen. Der Spaß überträgt sich aber nicht auf den Zuschauer, viel mehr fühlt man sich beleidigt, dass man für das gedankenlos zusammengeschwurbelte Privatvergnügen ein paar Kerle auch noch aufkommen soll. Einzig Steve Jablonskys Musik hört man, trotz ihrer unetwegten Anleihen auf andere aktuelle Blockbuster, zumindest etwas grundlegende Gedankenarbeit an.

Die größte Sünde des Films ist aber, wie mit Natalie Portmans Rolle umgesprungen wird. Portman gibt sich vor der Kamera als einzige Mühe, ihren Charme wirken zu lassen und dem Publikum etwas Schauspiel für sein Geld zu bieten. Ihre Figur hat eine ansatzweise interessante Vergangenheit, ist witzig, unabhängig und kann austeilen. Doch wozu wird Portman letztlich genutzt? Als dumme, den Männern verfallene Love Interest und um mit ihrem kaum bedeckten Hintern die DVD-Käufe anzukurbeln.

Platz 3: Cars 2

Boah, Leute ... Ihr wisst vielleicht schon, dass ich diesen Film verabscheue. Aber ihr habt, denke ich, noch immer keine rechte Vorstellung davon, wie sehr ich Cars 2 hasse. Dieser Film ist kein Blechschaden in der glänzenden Karosserie Pixars, sondern ein saftiger, 200 Millionen Dollar teurer Dreckshaufen, den jeder Disney- und Pixar-Fan mit einem abfälligen Grinsen vor die Haustür geliefert bekommt. Brennend.
Ich hätte im Kino fast geheult, und das nicht vor Rührung, sondern vor Schmerzen. Mein Fanherz verkrampfte schon nach wenigen Minuten, und immer, wenn sich in mir die Überzeugung aufbaute, es könne nicht schlimmer werden, der Film würde sich sogar vielleicht noch fangen ... Wurde es schlimmer, schlimmer, schlimmer! Hook, der im ersten Cars noch ein dümmlich-liebenswerter Sidekick war, wird in Cars 2 zum Helden aufgepimpt (Fehler #1) und seine Dummheit wird von "nicht schlau, aber goldig im Herzen" auf "zu dumm zum überleben" aufgestockt (Fehler #2). Oh, und wie auch immer das geschehen ist: Seine Naivität mutiert in einem schmerzvollen, Nervenenden verätzenden Prozess zu einer ignoranten, arroganten und weltfernen Ich-Bezogenheit, die sich hinter den Geistesstörungen solch legendärer Superschurken wie Bella Swan einreihen kann (Fehler #3 - #95).

Wie, Bella Swan ist kein Schurke? Na, große Klasse ...
Zurück zum Text: Hook ist ein so egozentrischer Vollspacken in diesem Film, dass ich ihm schon nach wenigen Filmminuten einen grausigen Rosttod an den Hals gewünscht habe. Durch die Charakterzeichnung dieses Südstaaten-Trottels geht auch jegliche Moral dieses Films flöten. Nein, nicht einmal das, sondern viel schlimmer. Keine Moral, das wäre ja erträglich. Stattdessen lehrt dieser Film seinen jungen Zuschauern, dass sich die Welt nach den Dummen richten muss. "Wenn du so doof bist, dass du nicht kapierst, wie sehr du deinen Freunden schadest, und du zudem zu unflexibel bist, dich zu ändern, dann müssen sich deine Freunde halt ändern!" Ja, halleluja, gut gemacht, John Lasseter! Tolle Sache, um an die "Denk nicht nur an dich selbst"-Lektion des ersten Cars-Films anzuschließen!

Hooks dauernden Wortwitze gehen einem schnell gegen den Tachozeiger, und dass die Action fast durchgehend völlig handzahm ist, um dann zwischendurch verstörende Maße anzunehmen, spricht auch nicht gerade für diesen Film. Mal ganz davon abgesehen, dass dieser verdummbeutelte Rostkübel Hook am Ende das Mädchen kriegt! Er hat nichts getan, außer dauernd mehr Glück als Verstand zu haben, und er kriegt den flotten Schlitten ab! Boaoooooaaaargh!

Dass Cars 2 nicht noch schlechter platziert ist, hat Pixar erstens seinen hervorragenden Hintergrund-Machern zu verdanken. Diese haben fabelhafte Arbeit geleistet und wunderschöne Landschaften geschaffen. Es reihen sich auch ein paar hübsche visuelle Gags ein, die zwischen den verkorksten Dialogpassagen wenigstens ein paar Lacher ernten können. Den Rest macht Michael Giacchino, einer der derzeitigen Filmmusikgötter. Ich hasse Cars 2 - aber ich würde ihn mir eher nochmal ansehen, als die folgenden zwei Schandflecke ...

Platz 2: Kokowääh

Oder wie es auch heißen könnte: My Own Personal Hell.
Es gab zwar einen einzigen Film, der dieses Jahr in die Kinos kam und den ich noch schlechter fand. Aber ich könnte vergleichsweise problemlos in diesem Film leben. Sollte es wiederum die Hölle geben, und sollte sie sogar persönlich für jeden eingerichtet sein, und sollte ich dorthin kommen, so wäre die Welt von Kokowääh mit einer großen Wahrscheinlichkeit mein Fegefeuer. Ein ständig in einer unverständlichen Sprache dahinsabbelndes Kind, dessen einzig verständlichen Sätze von einem Pappschild unter der Kamera abgelesen klingen. Vorhersehbare Sitcom-Dialog-Retourkutschen. Ein unerzogenes Rotzgör von Kind, dass einem die halbe Wohnung und das ganze Leben zerstört, dass man aber nicht hassen darf, weil es ja soooo süß guckt und soooo ernste Probleme hat. Eine Liebesgeschichte, die bis zum Himmel stinkt und eine audiovisuelle Ästhetik, die in Keinohrhasen noch schön war, nun aber mit solch einer Penetranz eingesetzt wird, dass man jede Sekunde darauf wartet, dass endlich das Logo für das vermeintlich beworbene Familienprodukt eingeblendet wird. Oh, und Til Schweigers sich selbst auf den Leib geschriebene Supervater-, Megastecher- und Überkünstlerrollen haben längst die Grenze von "öhm ... nett" zu verstörend selbstverliebt überschritten.

Ein Film, bei dem ich stets darauf gehofft habe, dass jeden Moment Jason hinterm Kühlschrank hervorspringt und alle abmetzelt. Ja, das wäre mal ein Horrorfilm geworden ...

Und der schlechteste Kinofilm 2011 ist:

    Was für ein Schrottfilm. Wenn man Borat mit einer ultraschlechtauflösenden Wackelkamera nachdrehen, die Gesellschaftskritik auf das absolute Minimum reduzieren und 99% der Gags durch unpointierte Vulgaritäten ersetzen würde, dann bekäme man einen Film, der ungefähr so ein Dreck ist wie I'm still here. Denn ein in die Kamera gehaltener Penis und eine als Hure beschimpfte Frau sind nicht von Natur aus witzig. Witzig ist das alles erst, wenn ich weiß, wieso dieser Penis die Kamera knutscht, warum diese Frau eine Hure ist und wie sie darauf reagiert. Und auch dann benötigt man so etwas wie Timing!
    Es funktioniert einfach gar nichts, die Langeweile ist enorm und durch das unverständliche Gebrummel sowie die forcierten Schocks landet dieser Film souverän auf diesem "Ehrenplatz".

    Die Liste meiner liebsten Filme 2011 hebe ich mir für nächstes Jahr auf. Bei einigen Kandidaten muss ich noch eine Zweitsichtung auf DVD in Angriff nehmen, um mich festlegen zu können, auf welchen Rang sie gehören.

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    7 Kommentare:

    Zoori hat gesagt…

    Haha, habe als regelmässiger Kinogänger keinen dieser Filme in diesem Jahr gesehen (manchmal absichtlich, manchmal unabsichtlich)... und damit wohl alles richtig gemacht. *grins*

    Stefan Kraft hat gesagt…

    Leicht off-topic möchte ich (nach dem Lesen dieses unterhaltsamen Textes :-) ) noch meine Filmlaien-Meinung zu "Cars 2" mitteilen:

    Ich muss zugeben, dass ich den Film (nach nur einmaliger Sichtung) nicht als den Totalschaden ansehe wie Sir Donnerbold. Was aber auch nicht heißt, dass ich ihn toll finde. Ich habe eher den Eindruck gehabt, dass der Film nicht so recht weiß, was seine Botschaft sein soll: Sicherlich die von Sir D. beschriebene - aber Hook hat andererseits ja eingesehen, dass er sich oft genug daneben benommen hat? Im Gegensatz zu Sir Donnerbold (der Hooks Einsicht natürlich in seiner Kritik erwähnt hat) scheint mir der Film in der Hinsicht unschlüssiger zu sein, als Sir Donnerbold meint.
    Mein Gesamteindruck des Films war eher "Na ja, nicht der totale Schiffbruch - es gab Filme, die ich schlimmer fand, die Action war ganz nett u.ä. Aber wenn man bedenkt, wofür Pixar steht..." Insgesamt bin ich wohl Sauros Meinung näher als der von Sir D.

    Ansonsten: Von "Milo und Mars" meine ich (erstaunlicherweise?) irgendwo "underrated movie" gelesen zu haben. "Sanctum" hat im Blog ja bereits eine kleine Diskussion ausgelöst. Und "Gullivers Reisen" hätte es bei mir schon deswegen schwer gehabt, weil sein Trailer anstelle des "Tron Legacy"-Trailers vor der "Rapunzel"-Vorstellung kam. Wobei der Gulliver-Trailer bei mir nicht Lust auf den Film gemacht hat, eher im Gegenteil...

    Sir Donnerbold hat gesagt…

    Klar, Hook sieht ein, dass ihn alle anderen als Dummbatzen erleben (dass diese Erkenntnis überhaupt als große Epiphanie inszeniert wird, ist ja schon tolldreist), aber die "erlernte Lektion" wird in der Szene danach direkt wieder torpediert, so dass die Evolution zu "Scheiß-Aussage" hin zu "missverständliche Aussage" im Grunde genommen wieder rückgängig gemacht wird. Wie ich finde.

    Anonym hat gesagt…

    *hust* TRON: Legacy *hust

    Sunshine hat gesagt…

    Das erklärt langsam auch, warum ich dieses jahr so Probleme habe, den für mich schlechtesten Film auszuwählen: Ich habe keinen der von dir gelisteten Filme gesehen, irgendwas hat mich immer abgehalten (meist miese Kritiken *g*).

    Und ansonsten erwähnst du noch "Breaking Dawn 1", den ich gesehen habe, aber gar nicht sooo schlecht fand. Also, irgendwie. ich mein, die Story regt mich nach wie vor unsäglich auf, aber so als Film... ging es irgendwie noch. Wahrscheinlich weil ich vorher ja schon wusste, was kommt. Vielleicht wird der Film aber doch herangezogen, wenn sich unter dem Rest nichts Schlimmeres findet. *g*

    Aber du hast schon ziemlich gelitten... *tätschel*

    Sir Donnerbold hat gesagt…

    @ Anonym: Du hast schon das Adjektiv im Threadtitel korrekt verstanden, oder? *grins* Nee, Quark: Da ich den Film ja sehr mag, was ich wohl fast schon zu oft erwähnte, wäre ich natürlich gespannt, weshalb du ihn mies fandest. Falsche Erwartungen? Probleme mit dem Design? Waren es die emotional unterkühlten Dialoge?

    @ Sunshine:

    Von dieser Liste habe ich auch nur einen Bruchteil "freiwillig" gesehen. "Fast Five" war halt Teil der Autokinonacht, und da wir alle vier Filme gucken wollten, ließ er sich nicht vermeiden. "Kokowääh" war eine sommerliche Schnapsidee von Freunden. "Cars 2", "Gnomeo & Julia" und "Milo und Mars" (auf DVD) sah ich aus "Pflichtgefühl" (ohne Quotenmeter hätte ich die Zwerge wohl nur auf DVD geguckt).

    So richtig selbst schuld bin ich eigentlich nur an "Your Highness" und "I'm still here". Die Mittelalterkiffer waren interessant, weil "Ananas Express" gefiel und ich seit "Black Swan" überlege, alle Portmans zu sehen. Und bei "I'm still here" war ich zu neugierig.

    Zu "Breaking Dawn": Von den Bloggern/Kritikern die ich gezielt verfolge, bist du die einzige Person, die so "positiv" über den Film denkt. Das meiste was ich so hörte und las sieht ihn wesentlich katastrophaler und gerade die TGWTG-Dreifaltigkeit Spoony/Doug/Brad hat der Film ja geradezu in die Verzweiflung getrieben. Vor allem den armen Noah.

    Stefan Kraft hat gesagt…

    @Sir Donnerbold: Sagen wir es so: Die positive Charakterentwicklung von Hook wird wohl nicht eindeutig genug rübergebracht. Selbst ich finde ja nicht, dass das Ende vollkommen klar ist.

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