Montag, 28. Juli 2014

Big Hero 6 wird das jüngste Opfer von Disneys deutscher Titelpolitik


Erst kürzlich habe ich noch Partei dafür ergriffen, dass der deutsche Kinomarkt noch immer Raum für gelungene deutschsprachige Filmtitel bietet. Nun aber muss mir eine Ankündigung von Disney Deutschland mit Nachdruck vorführen, dass hierzulande trotzdem der reinste Irrsinn grassieren kann. Disneys Tricksparte hat ja bereits seit einiger Zeit einen Hang zum titeltechnischen Schwachfug, doch was aus der Marveladaption Big Hero 6 wird, wird wohl noch lange nach ebenbürtigen Beispielen suchen.

Der deutsche Filmtitel lautet: Big Six – Riesiges Robowabohu. Wieso solch ein Untertitel? Wieso wird das "Hero" gestrichen? Hätte man es nicht wenigstens in einem Zeichen die Jahrzehnte übergreifender Empathie durch "Ninja" ersetzen können? Und wie albern will Disney denn noch werden?

Update: Der Film hat einen neuen Titel!

Mittwoch, 23. Juli 2014

Endlich, mehr Jack am Horizont!


So sicher wie die Gezeiten: Pirates of the Caribbean wird erneut in die Kinos segeln! Nachdem der nächste Part der bombastischen Abenteuerfilmreihe mehrere Male verschoben wurde, hat Disney nun offiziell ein neues Startdatum für Teil fünf angekündigt. Am 7. Juli 2017 ist es endlich so weit!

Kurioserweise meidet die Disneymeldung jegliche Details über den Titel, nachdem zwischenzeitlich Dead Men Tell No Tales als Untertitel in Stein gemeißelt schien. Möglicherweise haben Jerry Bruckheimers Andeutungen, dass der nächste PotC-Film nicht all zu viel übernatürliche Elemente beinhalten wird doch eine größer Aussagekraft, als von vielen Fans vermutet.

Macht euch bereit auf Jahre voller Vorfreude, denn diesem Kinotermin sehne ich entgegen. Aaaab ... jetzt!

Dienstag, 22. Juli 2014

Entengeschnatter: Kinofreud und Kinoleid


Antje freut sich darüber, oft ins Kino gehen zu können. Stephan spricht übers Essen. Sidney schimpft über unerzogene Kinogänger. Und Bianca ist die einzig zurechnungsfähige in dieser Truppe.

Ist das hier wirklich eine neue Folge unseres Podcasts oder nur ein Zusammenschnitt alter Clips? Tja. Es ist WIRKLICH eine neue Folge. Denn Bianca weißt uns auf Zimt-Popcorn hin, Stephan ist den Tränen nah, Antje schläft fast ein und Sidney stellt ausnahmsweise Mal persönliche Fragen.

Auf zum Podcast!

Samstag, 19. Juli 2014

Predators


Ein wenig erinnert der Anfang an die ersten Folgen von Lost: Ein leicht lädierter, fitter Mann in der Blüte seines Lebens landet desorientiert im Dschungel. Er ist nicht alleine. Eine ganze Gruppe von Personen ist in diesem fremden Dschungel gestrandet, und keiner weiß, wie ihm geschah. Seltsame Ereignisse lassen die verschwiegene, gezwungenermaßen zusammengeschweißte Truppe vermuten, dass sie aus einem bestimmten Grund dort gelandet sind. Aber dies ist keine Kinofassung der vor kurzem beendeten Hitserie. Wir erhalten keinen Einblick in die Seelen der Figuren, sondern bekommen nur allernötigste Alibi-Charakterisierung unserer kriegerischen Helden. Und sie sind auch gar nicht auf einer mysteriösen Insel gelandet, sondern auf einem fremden Planeten. Und schon fühlt sich Predators wie ein schwacher Neuaufguss des Kultfavoriten Predator von 1987 an. Denn obwohl Predators eine Fortsetzung darstellt und die Grundprämisse einer entführten und wild zusammen gewürfelten Truppe, die auf einem fremden Planeten als Jagdgut für eine blutrünstige Alienrasse dient, viele neue Möglichkeiten bietet, beruht sich die Produktion darauf, ihr Vorbild hölzern nachzueifern. Somit erinnert Predators eher an die zahlreichen aktuellen  Horror-Remakes, als an eine würdige Fortführung.

Anders als die Alien-Reihe besteht das Predator-Franchise aus bloß einem einzigen guten Film, nämlich John McTiernans Dschungel-Action-Horrorthriller mit Arnold Schwarzenegger. Es folgten ein schwächerer zweiter Teil und die beiden Alien vs. Predator-Crossoverfilme. Predators hatte das Potential, diese Statistik aufzubessern. Die Grundidee des Skripts beruht nicht auf wirtschaftlichem Hollywood-Kalkül, sondern aus ehrlicher Fanliebe: Mitte der 90er schrieb der damals noch nahezu unbekannte Robert Rodriguez ein Drehbuch für 20th Century Fox, das dem Studio aufzeigen sollte, in welche Richtung das Franchise aus Sicht eines treuen Fans zu gehen habe. Das Projekt wurde als zu teuer erachtet und verschwand im Archiv. 2009 kramte man es wieder heraus und bat daraufhin den mittlerweile längst in Hollywood etablierten Rodriguez, das Predator-Fanchise doch auf Basis seines Drehbuchs wiederzubeleben. Der stets mindestens fünf Projekte in der Hinterhand haltende Workaholic beschloss, den Film zu seinen Troublemaker Studios zu nehmen und als Produzent zu fungieren, statt sein nicht perfekt abgerundetes, doch ambitioniertes Drehbuch selbst aufzufrischen und zudem als Regisseur tätig zu werden. Daraufhin folgte eine Revision des Skripts durch Michael Finch und Alex Litvak. Auf Basis dieser neuen Drehbuchfassung führte dann Nimród Antal Regie. Auf dem Papier merkt man Predators, der sozusagen ein Stück offiziell verfilmter Fanfiction ist, noch immer Rodriguez‘ heiße Fanliebe an, genauso wie sich in den besseren Momenten des Films der markante, etwas anarchische Instinkt seines Produzenten verorten lässt.

Dennoch scheitert Predators in seinem Vorhaben katastrophal und man fragt sich, was Rodriguez aus seiner Grundidee rausgeholt hätte, hätte er sich wieder einmal als Ein-Mann-Filmcrew dahinter geklemmt, statt zu viele Köche an diesen Brei heranzulassen. Die Idee, hauptsächlich gefährliche und ruchlose Kämpfer auf einem Alienplaneten auszusetzen und gegen die Predators anzusetzen, hat enormes Potential und im Verlauf des Films finden sich weitere Stellen, die das Zeug zu einem spannenden, actiongeladenen und unterhaltsamen B-Movie mit A-Produktionswerten haben. Doch Regisseur Antal gelingt es weder, Rodriguez' charakteristischen Stil adäquat umzusetzen, noch die beklemmende Spannung von John McTiernans Predator einzufangen. Bis auf vielleicht drei Ausnahmen zünden die Witze nicht, den potentiell ikonischen Predator-Fanmomenten fehlt die Innigkeit zum Material und statt einer einschüchternden Atmosphäre erzeugt Antal bloß Langeweile. Die für den gewünschten Thrill benötigten Elemente sind vorhanden, aber die zähe Inszenierung lässt eine Gelegenheit nach der anderen verpuffen. Erschwerend kommt eine selbst für die Belange eines solchen Films unglaublich schlechte Charakterzeichnung hinzu. Die Motivation der Figuren wird von Szene für Szene zurecht gebogen und man kann als Zuschauer nie eine wirkliche Beziehung zu den Figuren aufbauen, so dass es einem, anders als bei Predator, unmöglich ist mitzufiebern. Die Figuren sind reines Predator-Kanonenfutter, und selbst in diesem Departement versagt der Film: Die Action ist schwerfällig inszeniert und der Splatterfreund darf im Kino enttäuscht feststellen, dass Predators seine FSK-Freigabe ab 18 Jahren einer einzigen, kurzen Gewaltspitze verdankt, während der Rest sehr zahm und blutleer ist.

Was man Predators einzig zugutehalten kann, ist Adrien Brodys Darstellung eines namenlosen Söldners, der sich aufgrund seiner Erfahrung als Kampfstratege zum Anführer der Menschentruppe aufschwingt. Die gegen den Strich gebürstete Casting-Entscheidung, Brody (Der Pianist) als Schwarzenegger-Ersatz zu wählen, geht tatsächlich auf, vor allem, da Brody als einziges Mitglied des Ensembles selbst aus den schwachen Drehbuchzeilen das Beste macht und  wenigstens einen glaubwürdigen Charakter formt. Auch Topher Grace (Spider-Man 3) als verängstigter Arzt und Walton Goggings (The Shield) als Todeszellen-Insasse können als Comic Relief zumindest in manchen Szenen überzeugen, während der Rest des Ensembles vollkommen blass bleibt. Bis auf einen lächerlich übertreibenden Laurence Fishburne (Matrix), der die im Film vorherrschende Langeweile kurz mit unfreiwilliger Komik wachrüttelt.

Predators ist eine gut gemeinte Fortsetzung mit großem Potential, die an der durchgehend schlechten Umsetzung krankt. Spannung wird durch die langatmige Regieführung im Keim erstickt, die Action wurde hilflos in Szene gesetzt und das misslungene Drehbuch macht aus pfiffigen Ideen einen müden sowie zahmen Aufwasch des Originals von 1987.

Dieser Artikel ist eine überarbeitete Fassung meiner Kritik, die ich bei Quotenmeter.de zum Kinostart veröffentlicht habe.

Freitag, 18. Juli 2014

Gelungene deutsche Filmtitel: Es gibt sie noch!


Wer nicht gerade über annehmbare Englischkenntnisse verfügt ist an den deutschen Kinokassen aufgeschmissen. Filmfreunde eines gewissen Alters (oder jene, die in der Schule halt einfach in anderen Bereichen ihre Stärken hatten), müssen einem schon leid tun, wenn sie sich durch einen Dschungel von Betitelungen wie Edge of Tomorrow, Brick Mansions, Her und The Place Beyond the Pines zurechtfinden wollen. Und selbst der beste Englischunterricht kann keine deutsche Zunge darauf vorbereiten, Eintrittskarten für Oblivion oder Maleficent zu erwerben. Andererseits dürften sich nur wenige Filmliebhaber in jene Zeiten zurückwünschen, in denen aus Wise Guys sowas wie Zwei Superpflaumen in der Unterwelt wurde. Kurzum: Das Finden eines ansehnlichen deutschen Filmtitels ist eine Kunst für sich, die alle paar Jahre andere Methoden zu ihren Favoriten erhebt.

Inspiriert von meiner Kollegin Ananke Ro, die sich kürzlich über unnötige englische Titel ausließ, möchte ich an dieser Stelle den gegenteiligen Weg beschreiten und einfach Mal Komplimente verteilen. Denn in den vergangenen Jahren fanden noch immer Filme den Weg ins Kino, deren Titel einfallsreich, rund und zutreffend sind. Und obendrein deutschsprachig.

Beispiele aus dem Jahr 2014:
  • X-Men: Zukunft ist Vergangenheit ("X-Men: Days of Future Past")
  • Das Schicksal ist ein mieser Verräter ("The Fault in Our Stars")
  • Für immer Single? ("That Awkward Moment")
  • Im August in Osage County ("August, Osage County")
  • Die Pute von Panem ("The Starving Games")
  • Zwei vom alten Schlag ("Grudge Match")
Days of Future Past dürfte bereits für Muttersprachler ein dezent verwirrender Titel sein, da ist es nur löblich, dass Fox sich an der Comicübersetzung orientierte und den für deutsche Ohren ähnlich wirkenden Titel Zukunft ist Vergangenheit wählte, statt den US-Titel beizubehalten. Beim Romantikdrama Das Schicksal ist ein mieser Verräter haben wir den schönen, eigenständig denkenden Titel zwar der Romanübersetzung zu verdanken, aber heutzutage muss man sich ja schon freuen, wenn aktuelle Romane in ihrer Kinoversion nicht auf einmal wieder englische Titel haben. Für immer Single? ist zwar generisch, trifft den Plot aber besser als der US-Titel, der sich an einem halbgaren Subplot aufhängt. Bei Im August in Osage County helfen zwei kleine Partikel hiesigen Filmfreunden, den Titel so zu verstehen, wie englische Muttersprachler den US-Titel verstehen (Zeitangabe, Ortsangabe), weshalb ich um diese vom Verleih in letzter Sekunde getätigte Entscheidung sehr froh bin. Und so dämlich Die Pute von Panem ist, so ist der Gag noch immer über dem Niveau der Filme der für diese Parodie verantwortlichen Regisseure. Sowie eine Übersetzung, bei der kreativ gedacht wurde. Genauso gut hätte es auch The Hungry Games werden können oder Die Tribute von Penam. Tja, und Zwei vom alten Schlag hat einfach Charme, wie ich finde. Guter Titel für eine Boxkomödie.

Beispiele aus dem Jahr 2013:
  • Der Hobbit: Smaugs Einöde ("The Hobbit: The Desolation of Smaug")
  • Die fantastische Welt von Oz ("The Great and Powerful Oz")
  • Das hält kein Jahr ..! ("I Give it a Year!")
  • Die Bestimmer - Kinder haften für ihre Eltern ("Parental Guidance")
  • Prakti.com ("The Internship")
  • Alles eine Frage der Zeit ("About Time")
Smaugs Einöde wird zwar kaum in den Titelolymp aufsteigen, doch wenn man bedenkt, dass wir beinahe Die Einöde von Smaug bekommen hätten, muss ich diesen Titel einfach lobend erwähnen. Schön, dass Warner auf die Kritik reagiert hat. Und wenn Disney schon angesichts der mäßigen Bekanntheit der Oz-Romane Zuschauer nicht mit Der große und mächtige Oz locken will, dann wenigstens mit dem ebenso treffenden und schöne Bildwelten versprechenden Die fantastische Welt von Oz. Das hält kein Jahr ..! ist sprachlich angenehmer als die gewiss ebenfalls intern besprochene Idiotenübersetzung Ich gebe denen ein Jahr. Bei Die Bestimmer - Kinder haften für ihre Eltern könnte ich auf den Übertitel verzichten, der Untertitel jedoch trifft den nicht sofort ersichtlichen Gag des US-Titels. The Internship ist ein sterbenslangweiliger Titel für eine Komödie, da ist mir das zwar alberne, aber knuffige Wortspiel des deutschen Titels viel lieber. Alles eine Frage der Zeit schlussendlich nimmt einen englischen Titel, den viele Verleiher sicher beibehalten hätten und übersetzt ihn kongenial.

Beispiele aus dem Jahr 2012:
  • Ziemlich beste Freunde ("Intouchables")
  • Merida: Legende der Highlands ("Brave")
  • Wie beim ersten Mal ("Hope Springs")
  • Was passiert, wenn's passiert ist ("What to Expect When You're Expecting")
Die Unantastbaren wäre zu nah an Die Unbestechlichen und Die Unglaublichen, also war Kreativität gefragt. Ziemlich beste Freunde passt zum Filminhalt und weckt Neugier. Passt! Merida: Legende der Highlands ist viel schöner als eine Direktübersetzung oder das Beibehalten von Brave, außerdem ist der Titel ehrlicher. Denn "mutig" ist an diesem Pixar-Machwerk nichts. Hope Springs als Ortsangabe und Aussage über wiedererwachende Hoffnung lässt sich nicht retten, also bleibt die Wahl zwischen einer freien Übersetzung oder dem englischen Titel. Oder einem dummen Untertitel. Wie beim ersten Mal beschreibt genau, was passiert (alte Menschen entdecken ihre Liebe mit naiven Augen wieder) und ist daher lobenswert. Was passiert, wenn's passiert ist ist im Grunde die einzig logische Übersetzung, doch wen hätte es überrascht, wäre aus dem US-Titel Was erwarten, beim Erwarten? oder In voller Erwartung geworden wäre? 

Dies wären erstmal ein paar Beispiele, die ich gerne anbringen wollte. Doch es gibt noch viele weitere deutsche Filmtitel, die besser sind als ihr Ruf. Manchmal fallen sie bei all den behämmerten Filmtiteln schlicht nicht mehr auf ... 

Mittwoch, 16. Juli 2014

Der Gaucho-Tanz, die idiotische Nazi-Gegenargumentation und das wahre Problem



Na, vielen Dank auch, Götze, Klose, Schweini und Konsorten. Und natürlich auch besten Dank, liebe Moderatoren der Frühstücks- und Service-Magazine im Ersten und im ZDF: Jetzt muss ich wegen euch tatsächlich hier im Blog noch einen Beitrag zum Thema Fußball-Weltmeisterschaft abliefern. Also, echt, das hätte es einfach nicht gebraucht!

Zunächst einmal muss ich wohl die obligatorische Präambel loswerden: Per se habe ich nichts gegen Fußball. Der Sport spricht mich einfach nur nicht an. Und so, wie es Menschen nun einmal mit Dingen machen, für die sie nichts übrig haben, käme ich nie auf die Idee, mir selber Fußball anzuschauen. Ich finde Fußball aber nicht so schlimm, dass ich wegschaue, wenn Menschen mit denen ich meine Zeit verbringe, Fußball gucken. Etwa bei einem gemeinsamen Essen. Daher bin ich nicht gegen die Fußball-WM. Ich verfolge sie einfach nur nicht, feiere sie nicht und sehne mich nicht nach ihr, wenn sie ansteht. Millionen Menschen machen genau dies mit dem Oscar, dem CHIO, der Dart-Weltmeisterschaft und ähnlichem. Dies ist völlig legitim. Und ich habe auch nichts dagegen, wenn Leute, die Fußball mögen, sich über Fußball freuen. Ich erfreue mich ja auch an meinen Interessen und Hobbys.

Womit ich Probleme habe? Ich mag es nicht, wenn ich während der WM oder auch EM allen möglichen Leuten zehnmal erklären muss, weshalb ich kein Sehvergnügen an diesem Sport habe. Ich hasse es, wenn ich mich aufgrund meiner Meinung rechtfertigen muss. Ich hasse es, wenn mich Menschen verbal anhauen, ich solle doch gefälligst über meinen Schatten springen und mitfeiern, mitjubeln, mittrinken und mitgröhlen, "denn das machen ja sonst auch alle!" Ich verabscheue solche Sätze wie "Na komm, alle zwei Jahre könntest auch du dich mal der Mehrheit anschließen!". Kurzum: Ich hasse Gruppendruck, das Meinungsdiktat, Fußball gut finden zu müssen, weil ihn ja auch sonst jeder liebt. Das dürfte eine legitime Meinung sein, immerhin würden sich Menschen auch über mich beschweren, wenn ich fünf Wochen lang nur darüber reden würde, dass alle Welt Wilfred gucken müsste und ich mich abschätzig gegenüber Personen mit anderen Sichtweisen verhielte. Ich kann nicht bei etwas mitfiebern, dass ich nicht spannend finde. Und genauso wenig kann ich für die Fußball-WM meine Einstellung ignorieren, es falsch zu finden, etwas oder jemanden allein aufgrund seines Herkunftslandes anzufeuern.

Ich habe kein Problem damit, wenn Menschen das deutsche Nationalteam für das fähigste befinden und daher hinter ihm stehen. Ich mag nur nicht die Ansicht "Die deutsche Elf muss gewinnen, denn es ist die deutsche! Natürlich bin ich für unser Team!" Ich sehe genauso wenig Sinn dahinter, ein Team doof zu finden, nur weil es aus einem anderen Land kommt. Dies ist keine Meinung, die ich allein bei Fußball habe. Ich rege mich auch jedes Jahr auf, wenn jemand beim Oscar dafür ist, dass Deutschlands Beitrag zum Fremdsprachen-Oscar gewinnt, bloß weil der Film aus hiesigen Gefilden kommt. Ich feuere zudem beim ESC Jahr für Jahr den Beitrag an, den ich am besten finde. Und schimpfe über Menschen, die sagen "Deutschland gehört nicht in die untere Hälfte", weil sie finden, dass "unser" Land gewinnen "muss". Wenn der Song aus Deutschland halt mies ist, dann darf der gerne auch das Schlusslicht bilden. Möge der Bessere gewinnen, das ist meine Devise.

Und während dieser WM lief fast alles so, wie es meiner Ansicht nach gerne öfter laufen dürfte. Denn die gesellschaftliche Abscheu gegenüber Fußballmuffeln erschien mir (trotz steigender Quoten für Fußballspiele) gesunken. Keine Übergriffe, keine Beschimpfungen, sondern weitestgehend eine gesunde "Nun, jedem das seine!"-Einstellung. Ja, extrem verdutzte Blicke gab es noch immer, aber die lassen sich verkraften. Zumal während der WM sogar der Sportjournalismus sein kritisches Denken wiederfand: Negative Berichte über die FIFA und gesunder Abstand von blind-nationalen Deutschlandfans waren gegeben und wenn die deutsche Elf gelobt wurde, dann nicht, weil sie ja aus Deutschland ist und daher eh die beste sei. Sondern aufgrund vorbildlichem Fairplay und gesundem Ehrgeiz, gepaart mit Respekt vor den Gegnern und dem Gastgeberland. Wenn so eine Mannschaft auch noch gewinnt, dann darf sie selbst meinetwegen bejubelt werden. Tja, und dann kam der "Gaucho Dance" ... Seufz!



So albern und peinlich ich diese Einlage auch finde, viel wütender hat mich die Berichterstattung in der ARD und beim ZDF gemacht, die diesen kurzen Augenblick auf der Fanfeier der heimgekehrten Fußballer thematisierte. Daher stelle ich meine Schimpftirade über "unsere Jungs" kurz hinten an und muss erstmal über das ARD-Morgenmagazin und Volle Kanne meckern.

Für all jene, die von "Gauchogate" nichts mitbekommen haben: Im Rahmen der Heimkehrfeier am Dienstag tanzten einige der DFB-Spieler mit buckeligem Rücken herum und sangen mit gedrückter, gespielt dummer Stimme "So geh'n die Gauchos, die Gauchos, die geh'n so ...", ehe sie mit normaler Stimme und durchgestreckem Rücken herumtollten: "Und so geh'n die Deutschen, die Deutschen, die geh'n so!" Daraufhin explodierten diverse soziale Netzwerke vor Schimpftiraden, außerdem sprang der Feuilleton in die Bresche und kritisierte diese Aktion in wohl gewählten Worten.

Am Mittwochmorgen griffen dann die ganzen Frühstückssendungen der öffentlich-rechtlichen Sender in Ermangelung anderer Themen diese Debatte auf. Und zwar in der einseitigsten Weise, die man sich denken kann. "Das ist ein bekannter und harmloser Spaß unter Fußballfans", schnauzte einer der Moderatoren des ARD-Morgenmagazins in seiner Anmoderation eines Einspielers über eben jene Situation. Dessen Aussage lautete sinngemäß: "Manche meckern, aber wieso? Es ist nicht bedenklich rassistisch, also ist es okay." Dann wurde kurz Jürgen Trittin dazu befragt, später ergänzte der Moderator zudem (der Erinnerung nach wiedergegeben, diese Anmoderation konnte ich in der Mediathek nämlich nicht finden): "Ich bin mir sicher, dass der Tanz auch in Zukunft getanzt wird, er wurde ja auch schon immer getanzt, da ist nichts dabei." Ähnliche Worte auch bei Volle Kanne: Mal nicht übertreiben, Deutsche dürfen sich auch mal freuen, ohne sie direkt in die Nazi-Schublade packen zu müssen.

Auch wenn es mich verwundert hätte, würden sich die ARD und das ZDF nun, nachdem die deutsche Fußballnationalmannschaft den Sendern neue Rekordwerte einbrachte, gegen die DFB-Jungs wenden, so hätte ich mir eine differenziertere Betrachtungsweise gewünscht. Vor allem aber ist es lächerlich, wie die weltmeisterlichen Fußballer in Schutz genommen wurden: "Man muss ja nicht immer gleich die Nazikeule rausholen", war das Hauptargument, mit dem die ganze Debatte im Keim erstickt werden sollte.

Gewiss: Ich stimme den Moderatoren zu. Der Gaucho-Tanz war nicht rassistisch, Klose und Co. haben nun keine neue Generation von Neonazis herbeibeschworen. Aber: Davon sprach auch kaum jemand! Ja, bei Twitter kamen vereinzelte Rassismusvorwürfe auf. Aber ich habe bei Twitter während des Halbfinalspiels Deutschland gegen Brasilien darüber geschrieben, dass ich Das große Rennen rund um die Welt geguckt habe. Und darauf ging im Fernsehen auch niemand ein. Wieso auch? Wichtiger sind die Mehrheitsmeinungen und die gut geschriebenen Essays im Feuilleton. Und da wurde einhellig kritisiert, dass es kein gutes Bild macht, wenn eine Mannschaft, die während des Turniers noch aufgeschlossen, dankbar und fair erschien nun selbstgefällig den Verlierer demütigt.

Und eben dies ist der springende Punkt. Dies ist der Stein des Anstoßes. Es erzürnt manche Gemüter, wie die Siegermannschaft eines großen Sportturniers, die sich im Finalspiel kurz vor Ende der Verlängerung durch ein einzelnes Tor nach vorne spielen konnte, nun einen auf Ballermann-Sauflaune macht und gröhlend über die Verlierer herzieht. Da spielt nicht nur Scham über den Saufkumpanen-Humor mit, den die Herren Weltmeister aufzeigten, sondern auch Enttäuschung über den raschen Charakterwandel. Während der WM: Bescheidenheit. Ruhe. Besonnenheit. Freundliche Statements in alle Richtungen. Kaum haben sie den Pokal sicher: Ach wir sind ja schon geiler als die anderen!

Kaum jemand sieht im Gaucho-Tanz eine rassistische Geste. Doch er drängt sich als Geste eines schlechten Gewinners auf. So viele Menschen schimpfen über einen arroganten Stefan Raab, aber hat er je Schlag den Raab damit beendet, den Gegner unvorteilhaft zu imitieren und sich dann selbst zu feiern? Wie würden bitte all jene, die nun die Nationalelf in Schutz nehmen, reagieren, würden sie bei Monopoly gegen mich verlieren, woraufhin ich dann so tanzend durch das Wohnzimmer meiner Gegner trolle? Man würde mich hassen. Nun machen das ein paar prominente Fußballer mit Vorbildfunktion, und bei denen soll das dann plötzlich menschlich und nah am Herzen der Fans sein?

Dass der Gaucho-Tanz nun so hohe Wellen schlägt, liegt nicht daran, dass manche Menschen erst jetzt von solchen Fangesängen erfahren, liebe Moderatoren des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Sogar ich kenne diesen Tanz bereits, schließlich wurde er so ähnlich bereits 2006 auf der Fanmeile aufgeführt. Schon damals fand ich ihn beschissen. Nun aber zeigte die Nationalelf während der WM absolute Vorbildfunktion (naja, abgesehen von einem gewissen Großmaul, dass eine Reporteraussage der Marke "bitte beim nächsten Spiel nicht nachlassen" mit großkotzigem Geprahle und seiner Eistonnenakündigung quittierte), gewann in den Augen vieler (auch nicht-deutscher) Fußballkenner völlig verdient den Pokal ... und benahm sich dann doch wieder wie kleine, unerzogene Bengel nach ein paar Litern Bier zu viel. Da darf einem gerne die Hutschnur platzen.

Vor allem aber wäre all dies bald wieder vergessen, würden nun nicht die falschen Verteidigungsargumente rausgeholt. Man kann eine "Was für schlechte Gewinner"-Tirade nicht abwürgen mit "Hey, es war aber nicht rassistisch!". Und, bitte, seit wann ist "Das gab's schon immer!" eine gute Ausrede? Wenn die Eltern eines übergewichtigen Kindes aufgrund von Mobbingvorfällen an eine Behörde schreiten, darf man die dann auch wegschicken mit der Begründung: "Aber fette Kinder wurden doch schon immer beleidigt!" Darf ich in Zukunft die Zahlung meines Rundfunkbeitrags verweigern, "denn, naja, als ich klein war, musste ich auch nicht zahlen"?

Die Jungs waren besoffen und haben sich daneben benommen, sich von ihrer arroganten Seite gezeigt. Dafür darf man sie auch mal schelten, nachdem ihnen auch schon jede Menge Lob in sämtliche Körperöffnungen gepustet wurde. Danach wollen wir alle die Sache auch gerne wieder vergessen, des lieben Frieden und der Freude um den Pokal willen. Also, liebe ARD, liebes ZDF, tut nicht so, als würden wir wieder "Nazi!" schreien, nur weil wir einen glücklichen Deutschen sehen. Wir schreien: "Na, da ist aber unsympathisch!", weil wir jemanden sehen, der sich im Überschwang arrogant verhält.

Dienstag, 15. Juli 2014

Big Hero 6: Der Trailer mit dem verwirrten Jungen und seinem Ballonding

Disney hat sich endlich aufgerafft und einen etwas ausführlicheren Ausblick auf Big Hero 6 auf die Welt losgelassen. Mich überzeugte ja bereits der Teaser, generell scheint im Web der Hype auf den Film bislang aber leider auszubleiben. Bis zu den Marvel-Kinofans scheint er nicht so wirklich vorgedrungen zu sein, während so manche Disney-Fans klagen: "Na toll, nun nerven mich die Superhelden nun auch noch in meinem geliebten Disney-Kanon."

Also: Neuer Trailer. Neuer Versuch. Dieses Mal mit mehr Handlung, mehr Figureninteraktion und noch mehr charmantem Witz:

Montag, 7. Juli 2014

Marvel hat seine erste Promisynchro


Und los geht es: Ab sofort warten die Marvel-Realfilme nicht nur mit bekannten Talenten vor und hinter der Kamera auf, sondern auch mit prominenten Sprechern in der deutschen Synchronfassung. Wie Marvel Deutschland heute öffentlich machte, wird in Guardians of the Galaxy nämlich nicht Tobias Kluckert (seines Zeichens deutscher Stammsprecher von Bradley Cooper) den schießwütigen Fanliebling Rocket Racoon sprechen, sondern Schauspieler Fahri Yardim.

Yardim schätzt den im englischsprachigen Original von Cooper gesprochenen Choleriker als eine Rolle ein, die ihm darstellerisch einiges abverlangt: „Nach außen erscheint er wie eine fiese kleine Ratte, aber im Herzen ist er ein kleiner Waschbär geblieben, verletzlich wie ein Schmetterling."

Der Hamburger Schauspieler, der unter anderem in Almanya – Willkommen in Deutschland und Der Medicus zu sehen war, ist rein von der Stimmfarbe her keine schlechte Besetzung: Sein Organ ähnelt dem Klang, den Cooper seiner Rolle im zweiten englischen Trailer gab, sehr und im Gegensatz zu manch anderem Promisprecher der vergangenen Jahre beherrscht er auch sein schauspielerisches Fach. Spannend wird es nun aber, zu sehen, ob Marvel Deutschland beziehungsweise Disney Yardim auch kontinuierlich besetzen können. Es wäre schade, wenn Rocket Racoon bei späteren Auftritten eine andere deutsche Stimme hätte.

Sonntag, 6. Juli 2014

Die besten Disney-Küsse zum Tag des Kusses

Es gibt so viele Gedenktage für grausige Dinge, da kann man es nicht genug feiern, wenn auch einmal ein Tag zu Ehren schöner Aspekte des Lebens heran bricht. Heute etwa ist der Internationale Tag des Kusses. Und ganz gleich, ob ihr Glück in der Liebe habt oder euch noch nach eurer besseren Hälfte sehnen müsst: Mit Disney ist ein solcher Tag doch gleich viel knuffiger, warmherziger und bezaubernder.

ForeverTheDisneyKids stellte erst kürzlich 15 denkwürdige Disney-Küsse zusammen, und wann könnte ich dieses Video besser teilen als heute?



Dies sind zwar nicht meine 15 liebsten Disney-Küsse, dennoch ist es eine tolle Auswahl. Was sind eure Favoriten?

Freitag, 4. Juli 2014

Yo-Ho, Yo-Ho, 'ne Piratenbraut für mich!

Es ist schon ulkig. Filme, die Rekorde brechen, dürfen fest damit rechnen, dass sie einen gewaltigen Backlash erhalten. Es ist schwer, eine Gruppe von Menschen zusammenzutrommeln, die Avatar – Aufbruch nach Pandora gesehen haben, ohne dabei auch eine Handvoll eifriger Gegner des Kassenschlagers zu finden. Ebenso wird über Titanic, die Transformers-Filme oder auch Skyfall gelästert. So mancher Hass ist gerechtfertigt, andere Male ist er überzogen.

Nun lässt es sich halbwegs logisch erklären, weshalb es einfacher ist, Feinde eines bombastischen Blockbusters zu finden, als Gegner eines mittelgroßen Erfolgs wie Die Unfassbaren: Schon allein die simple Tatsache, dass mehr Menschen Avatar gesehen haben, erhöht die Möglichkeit, mehr Kinogänger zu finden, die eine negative Meinung über den Film haben. Genauso ließe sich mutmaßen, dass eine wenig besuchte Produktion demnach vergleichsweise sicher sein sollte, keine lautstarken, von vielen Filmfreunden wiederholten Hassparolen erdulden zu müssen. Denn wenn ja kaum jemand das Projekt gesehen hat, können auch längst nicht so viele Personen lästern ... Aber weit gefehlt. Wenn eine Hollywood-Produktion über ein hohes Budget verfügt und dann an den Kinokassen scheitert, herrscht nur selten eine überwältigende Gleichgültigkeit vor. Stattdessen herrschen Schadenfreude und Gehässigkeit vor. Und es werden verdächtig viele Stimmen laut, die dem Film seinen Misserfolg gönnen – so dass sich teilweise die Frage stellt, wo auf einmal die zahlreichen Besucher herkommen, wenn das Projekt doch eigentlich gefloppt ist.

Und so entwickeln sich fast schon in schöner Regelmäßigkeit aufwändige Produktionen zur Punchline der Filmbranche und diskussionsfreudiger Kinofreunde. Infolgedessen bleiben einige Flops länger im Gespräch als so manches gewinnbringende Werk. Immer und immer wieder werden Werke wie John Carter, Lone Ranger, Ishtar, Howard – Ein tierischer Held oder Die Abenteuer von Pluto Nash ans Tageslicht gezerrt und zum Prügelknaben gemacht. Manche dieser Flops haben sich ihre Häme redlich verdient, andere sind Opfer eines Teufelskreises aus mieser PR, ungerechten Kritiken und voreingenommenen Betrachtungsweisen. So mancher Flop konnte sich über die Jahre zum Kultfilm verwandeln oder gar zum großen Klassiker (man denke etwa an Fantasia), doch was ist mit diesen vielfach geschundenen Streifen, die nicht ganz das Zeug zum später wiederentdeckten Filmjuwel haben, es aber vollauf verdient hätten, schlicht als ansprechender, kurzweiliger Bombast angesehen zu werden?

Lasst uns einen Blick auf den letzten aufwändig produzierten Piratenfilm werfen, der ohne Johnny Depp auskam und staunen, wie viel Spaß er trotz mancher Mängel macht.

Meine Damen und Herren, ich erbitte mir mehr Respekt für …

Die Piratenbraut

Der 1995 in den USA gestartete Abenteuerfilm mit Geena Davis in der Hauptrolle ist ein Misserfolg, wie er im Buche steht. Bei einem Budget von 98 Millionen Dollar spülte er weltweit weniger als elf Millionen in die Kassen, woraufhin das verantwortliche Studio Carolco Pictures (unter anderem Heimat der ersten drei Rambo-Filme) Konkurs anmelden musste. Hauptdarstellerin Davis und Piratenbraut-Regisseur, ihr Ehemann Renny Harlin (Stirb langsam 2), gerieten aufgrund dieses Films und ihrer nächsten Zusammenarbeit (Tödliche Weihnachten) in einen so großen Krach, dass sie sich scheiden ließen. Und zudem sorgte dieser Flop dafür, dass Filmstudios das Genre des Piratenfilms als sicheres Kassengift erachteten. Erst mit Fluch der Karibik startete 2003 wieder ein großer Realfilm über Seeräuber. Dieser wurde bekanntlich zu einem gigantischen Hit, aber so ganz sind die Rum saufenden Schurken der sieben Meere ihren Ruf nicht los geworden: Abseits der Disney-/Bruckheimer-Reihe gibt es weiterhin keine nennenswerten Realfilm-Piratenabenteuer ...

Selbstredend kann ich nur mutmaßen, was passieren würde, käme Die Piratenbraut erst heutzutage in die Kinos. Jedoch erscheint es mir angesichts der Launenhaftigkeit dieses visuell aufwändigen, nicht all zu geistreichen Films glaubwürdig, dass er zu einem soliden Sommerhit aufsteigen würde. Zu einer Art "Fluch der Karibik light", ähnlich, wie auch die Vermächtnis-Filme mit Nicolas Cage den Hunger der nach spaßigen Abenteuerfilmen gierenden Kinogänger stillten. Aber im Jahr 1995? Damals brauchte es keine süffig-unterhaltsamen Abenteuerfilme, um zwischen all den zappendusteren, explosiven Giga-Blockbustern etwas Abwechslung in Sachen Popcorn-Unterhaltung zu haben. Mit Ace Ventura, Goldeneye (Bonds Rückkehr ins leichtfüßige Fach), Jumanji, Batman Forever und Casper waren einige der größten Hits des Jahres bereits flott, leicht verdaulich und launig. Doch anders als Die Piratenbraut spielten sie in der Gegenwart, so wie die meisten Hits dieser Dekade. Erst dank der Fantasywelten von Harry Potter, Herr der Ringe oder nunmal Fluch der Karibik wurden die Zuschauer wieder für andere Zeiten gewonnen, wovon Die Piratenbraut als Film der 2010er-Jahre gewiss profitieren würde.

Aber gut. Die Piratenbraut kam bekanntlich 1995 heraus und legte eine denkwürdige Bauchlandung hin. Und eben dieser Misserfolg scheint nahezu die einzige Raison d'être in der Filmgeschichte zu sein, die dieses Projekt aufweisen kann. Denn unter den geschundenen Riesenflops ist Die Piratenbraut eines der Werke, die kaum inhaltlich besprochen werden. Dabei ist Renny Harlins Swashbuckler dank interessanter Schwächen und liebenswerter Stärken wahrlich aufregend genug, um auch abseits dieses wirtschaftlichen Aspekts besprochen zu werden!

Das stärkste Element dieses Piratenspaßes ist die Instrumentalmusik von John Debney, der sich in späteren Jahren unter anderem durch Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast, Ein Königreich für ein Lama, Die Passion Christi und Iron Man 2 einen Namen gemacht hat. Die bombastischen, kraftvollen Melodien aus der Pirates of the Caribbean-Saga sind für mich zwar unschlagbar, dennoch lässt sich Debneys Score nicht genug loben, weil er in der Welt der filmischen Piratenmusik die ideale Brücke zwischen den klassischen Hollywood-Swashbucklern und der Disney-/Bruckheimer-Reihe schlägt. Lauter, stärker und wilder als das, was in den urigen Piratenfilmen zu hören war, aber konventioneller, harmonischer und fideler als Hans Zimmers durch rockig-moderne Einflüsse eingefärbte PotC-Musik. Die Stücke gehen ins Ohr, wecken Abenteuerlust und Sehnsucht nach einem Karibikurlaub. Aber auch abseits der subtil zahlreiche Leitthemen aufbauenden und dann komplex verwebenden Musik Debneys, die sich vor allem auf Holzblasinstrumente, enorme Percussionarbeit und einen heroischen Chor verlässt, ist Die Piratenbraut besser als man erwarten mag.

Da wären etwa die weitwinkligen Kulissen von Mindy Marin, Norman Garwood, Roger Cain, Keith Pain und Maggie Gray, die vor allem aus heutiger Sicht eine Augenweide sind. Heute würden solche Sets nur mit ausführlicher digitaler Hilfe erstellt, aber in diesen Kulissen könnte man sich glatt verlaufen. Vor allem die Tavernen sind mit ihrem Detailreichtum und einem leichten Grad von Stilisierung sehenswert. Die Kostüme wiederum sind (erst recht jetzt, nachdem Filme wie Fluch der Karibik oder zahlreiche gelungene Superheldenfilme eine neue Ära des fantastischen Realismus einläuteten) eine komplizierte Sache: Einerseits sind sie prunkvoll und abwechslungsreich. Andererseits sehen sie ungeheuerlich künstlich aus. Die Piratenbraut fällt nämlich genau zwischen den Ästhetiken großer Swashbuckler-Klassiker und modernem Kostümbombast wie in Fluch der Karibik zu bestaunen: Die Kameratechnik und die Farbwelt dieses 1995 veröffentlichten Flops sind modern genug, um den altmodisch-theatralen Charme der Ära von Douglas Fairbanks und Errol Flynn hinter sich zu lassen. Gleichwohl ist noch nicht der Aufwand eines Fluch der Karibik oder Herr der Ringe erreicht. In diesen Filmen sind die Figuren schmutzig, verdreckt, verschwitzt. Jack Sparrow ist voller Hautunreinheiten, Verbrennungen und Narben, andere Piratencharaktere haben auffallend vergilbte Augen und die Zähne der PotC-Figuren sind nicht gerade gepflegt. In Die Piratenbraut hingegen sind zwar Leinenhemden, Kapitänsmäntel und allerhand exzentrische Outfits zu sehen, doch all dies sieht aus wie frisch von der Stange. Die Kostümwahl stimmt, doch der Alterungsprozess wurde nicht so intensiv betrieben wie bei den Bruckheimer-Piraten. Man nehme noch das gepflegte Auftreten der Darsteller hinzu (Hauptdarstellerin Geena Davis bekommt irgendwann mal eine kleine Rußschmiererei im Gesicht ab und das war es fast schon) und schon will die Illusion nicht mehr so ganz aufgehen.


Fluch der Karibik breitet vor seinem Publikum ein lebendes, atmendes Paralleluniversum aus. Die Piratenbraut sieht dagegen so aus, als hätte jemand intensiv über Piraten recherchiert ... und dann einen Haufen gut aussehender Schauspieler für ein Hochglanz-Fotoshooting eingekleidet. Geena Davis' Zähne strahlen und ihr Schweiß glänzt gerade so sehr, dass es den Bereich "Karnevalskatalog" verlässt und den Sektor "FHM-Cover für eine Sommerausgabe" penetriert. Oder vielleicht auch die Ecke "Frau in einem Michael-Bay-Film, vor der Finalstunde". Aber "ja, so sehen Piraten nach Tagen auf hoher See aus"? Den Status erreichen Davis und ihre Nebendarsteller nie. Was Die Piratenbraut daran hindert, optisch in allen Belangen herauszuragen, jedoch unfreiwillig den schrillen Charme dieses Films unterstützt. Peinlicher als die künstlichen Kostüme sind da schon die Totalen und Weitaufnahmen auf See, die zwar die Prächtigkeit der für den Dreh genutzten Schiffe einfangen, gleichzeitig aber auch durch das ruhige Wasser vorführen, dass Die Piratenbraut zu weiten Teilen in statischen Gewässern gedreht wurde. Und nicht etwa im Ozean (oder wenigstens in einem Wassertank, bei dem man sich die Mühe machte, Wellen zu erzeugen).

Um auf Geena Davis zurückzukommen: Ja, die Stylisten und die Kostümabteilung haben sie so hergerichtet, dass es wirkt, als sei ihre Figur der kessen Piratenkapitänin Morgan Adams vom Set eines Softcore-Films mit Piratenthematik geflohen (ein Eindruck, der durch ihre Einführungsszene und die überbeleuchtete, leicht verschwommene Optik der ersten halben Filmstunde verstärkt wird). Doch Davis' weiß, dies zu ihrem Vorteil zu nutzen: Obwohl es unentwegt so aussieht, als würde sie sich gleich ausziehen und mit ihren Welpenaugen ihre Feinde verführen, spielt sie mit kesser Wirkung gegen dieses Auftreten an. Mit verschmitztem Lächeln und schneidigen Sprüchen erschafft sie eine Piratenkapitänin, die sich schlicht dadurch definiert, dass sie gerissen und abenteuerlustig ist. Und nicht dadurch, dass sie eine "Frau in einer Männerdomäne" ist. Da nunmehr Jahr für Jahr das Frauenbild in Blockbustern auseinandergepflückt wird und viele Frauenfiguren als desolat eingeordnet werden müssen, ist es ziemlich erstaunlich, wie selbstverständlich und gelungen die Positionierung dieser Figur geraten ist.

Etwas glatt skizziert ist Morgan Adams zugegebenermaßen schon: Ihr Erzfeind ist immerhin ihr Onkel Dawg Brown, der ihren Vater tödlich verletzte, um an eine Schatzkarte zu gelangen. Statt das Motiv familiärer Rachegelüste in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen, schenken die Drehbuchautoren Robert King und Marc Norman dieser viel Potential aufweisenden Dynamik aber nahezu keine Beachtung. Stattdessen nutzen sie diesen Plotpunkt allein, um eine Schatzsuche in die Wege zu leiten. In deren Rahmen begegnet sie in einer schwer bewachten britischen Kolonie dem Gentleman-Betrüger William Shaw (Matthew Modine), den sie dank seiner Sprachkenntnisse für die Schatzsuche anheuert. Zwischen den beiden Tricksern entwickelt sich eine gewisse Anziehungskraft, wobei diese Lovestory genau das richtige Maß trifft und daher als "humoriger Beigeschmack und Plotmotor" dient, nicht etwa als überbordende Pseudoromanze, die die weibliche Hauptfigur untergräbt.

Shaws Figur ist ähnlich wie Morgan Adams ein unterhaltsamer Archetyp, dem zumindest im Original der letzte Feinschliff fehlt. In der deutschen Synchronfassung wiederum weiß Christian Tramitz dem Betrüger einen zusätzlichen Pfiff zu verleihen, ebenso wie Sabrina Trooger dynamischer ihre Zeilen von sich gibt als Davis, der zuweilen leider die Strapazen anzuhören sind, die die hinter den Kulissen von Zankereien geplagte Produktion mit sich zog. Und wie es halt so öfters bei Vergleichen zwischen Synchro und Original ist: Auch hier gibt es nicht allein auf einer Seite Licht und auf einer Schatten. Frank Langella trägt in der Originalfassung extrem dick auf und belebt somit jede einzelne Szene, in der er zu sehen ist. Sein deutscher Sprecher Michael Mendl hingegen hält sich deutlich stärker zurück, was Langnellas Rolle des manischen Dawg einen Teil seiner Wirkung raubt.

Glücklicherweise funktionieren Actionszenen in jeder Sprache (okay, die Oneliner mal ausgenommen, aber die haben in Die Piratenbraut in der deutschen wie in der englischen Fassung den Witz eines albernen 80er-Actionfilms - und die Autoren sowie Darsteller wissen es!), und in dieser Hinsicht liefert Renny Harlin ein pralles Entertainment-Paket. Flotte Schwertkämpfe, packende Schiffsduelle und auch sehr packende, amüsante Verfolgungsjagden (die explosive Kutschfahrt durch die Hafenstadt Port Royal könnte einige Elemente der London-Verfolgung in Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten inspiriert haben) sind allesamt mit versierter Hand inszeniert und haben neben den knalligen Schaueffekten auch stets eine inhaltliche Relevanz zu bieten. Gleichzeitig ist die Action einer der Gründe, weshalb Die Piratenbraut so ein seltsamer Film ist. Denn Harlin legt eine klare 80er-/90er-Actionsensibilität zu Tage, was sich unter anderem in den riesigen Explosionen äußert und den gelegentlichen Spitzen des Grauens. Die Pirates of the Caribbean-Filme würde ich insgesamt als düsterer bezeichnen, jedoch haben diese auch eine dunklere thematische Grundlage und heben sich ihre Gewaltspitzen für dramatische oder atmosphärische Momente auf. Die Piratenbraut handelt hingegen nur von einer Schatzsuche, schwenkt auf dem Weg dahin aber dann und wann auf einen brutalen Mord, eine verrottende Leiche oder ähnliche Elemente rüber, schlicht um daran zu erinnern "hey, wir sind ein Piratenspaß ... für Erwachsene!".

Im Gegenzug dazu zaubern Figuren zwecks einer knalligen Pointe gelegentlich Gegenstände wie ein Dreiklingenschwert herbei, die aus dem bodenständigen Swashbuckler, der allein auf flotte Sprüche und weitreichende Action setzt, urplötzlich eine "Everything goes!"-Actionkomödie machen. Diese fügen sich in die mitunter stilisierten Kulissen ein, die nicht so recht zu den realistischen Sets passen wollen. Ebenso wirken die Dialoge wie aus drei unterschiedlich gewichteten Piratenabenteuern entliehen. Vom romantisierten Abenteuerklassiker im modernen Gewand zur derben Komödie hin zum wilden Popcorn-Ritt: Die Piratenbraut will alles sein, aber nicht durchgehend, sondern in episodenhaften Schüben. Gutes Erzählen ist anders. Allerdings sind Skript und Inszenierung dieses Flops so geraten, dass Die Piratenbraut nicht zu einem qualvollen Zweistünder verkommt, sondern als launiger, unterhaltsamer Unfall erscheint: Alles in diesem Film wirkt leicht verschroben und zur gleichen Zeit sehr ansprechend. Dank der Action und des hohen Erzähltempos ist Harlins Swashbuckler jedoch kein "Guilty Pleasure" der Marke "so schlecht, dass es wieder gut ist". Dafür ist er dann doch zu kompetent zusammengestellt.

Nein, Die Piratenbraut ist viel eher einer dieser cineastischen Sonderfälle. Energetisch, verrückt und rasant, stets mit einer atmosphärischen Dissonanz, die so konstant spürbar ist, dass man sich mit der richtigen Einstellung einfach dran gewöhnt. Gut? Nein. Schlecht? Auch nicht. Großes Kino mit gesunder Planlosigkeit? Aber sowas von!

Und deshalb hat Die Piratenbraut mehr Respekt verdient!

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