Samstag, 21. Mai 2016

Meine Lieblingsfilme 2015 (Teil IV)

Was lange währt, wird endlich ... gut? Nun, das müsst ihr entscheiden, ob sich das lange Warten seit dem dritten Teil dieser Hitliste gelohnt hat. Es waren sehr arbeitsreiche und turbulente Wochen. Und etwas, für das ich so viel Passion übrig habe wie für die Präsentation geliebter Filme, wollte ich einfach nicht zwischen Tür und Angel, Überarbeitung und rarer Entspannung reinquetschen. Also lieber sagen: "Wenn ich eh schon spät dran bin, dann bringe ich es wenigstens so zu Ende, wie ich es angebracht finde." Ob die Auswahl an Filmen angebracht ist, könnt ihr diskutieren, müsst ihr aber nicht. Denn ich spreche hier aus vollem Herzen, und somit sind meine Top 15 völlig angebracht: Wer kann besser entscheiden, welche 15 Filme ich am meisten mag, und welche somit in dieses Ranking gehören, als ich selber?

Natürlich bin ich trotzdem gespannt, inwiefern ihr meine Hitliste nachvollziehen könnt, wo sie sich mit euren Countdowns deckt und was euch besonders überrascht. Bevor das Warten aber endlich ein Ende hat, zögere ich die Vorstellung meiner Top 15 jedoch noch ein letztes Mal hinaus. Mit weiteren Ehrennennungen: Ridley Scotts Der Marsianer - Rettet Mark Watney hat mich im Kino sehr gut unterhalten (und so ein Grinsen ins Gesicht gezaubert, dass mich die "Die Globes spinnen, den Film als Komödie zu sehen!"-Debatte mal am verlängerten Rücken küssen kann). Das 3D ist gut, die Songauswahl pointiert, Matt Damon spielt engagiert und Ridley Scotts Inszenierung ist rund. Aber so gewitzt das aus der spannenden Survival/Rettungsmission-Story entwachsende Dialogbuch sein mag: Schon beim ersten Rewatch hat mich der Film deutlich weniger gepackt und ja, die dramatischeren Passagen treffen mich so stark nicht, weshalb Der Marsianer knapp den Einzug ins Ranking versäumt hat. Mistress America von Noah Baumbach ist ein peppiges Vehikel für Greta Gerwig und Lola Kirke, das auf quirlige Weise Zeitgeist-Porträt mit Streitgespräch-Farce vermengt, nur blieb es nicht so intensiv in meiner Erinnerung haften wie die Filme aus dieser vierteiligen Jahresbestenliste. Mr. Holmes ist eine kluge, durchaus spannende Auseinandersetzung mit dem Älterwerden und der Beziehung zwischen Erinnerung und Fiktion, und Die Highligen drei Könige ... macht trotz mancher Längen und manchmal fragwürdiger Schrulligkeiten einfach verdammt viel Spaß.

Doch die Top 15, die gefallen mir nochmal um ein Vielfaches besser. Hier sind sie ...

Platz 15: Ich und Earl und das Mädchen (Regie: Alfonso Gomez-Rejon)

Herzerwärmend, selbstironisch, Genrekonventionen aushebelnd und voller liebevoller Filmreferenzen. Und bei aller Überzeichnung sind die hier agierenden Figuren dennoch fähig, authentische, charmante Dialoge von sich zu geben: Die Romanadaption Ich und Earl und das Mädchen ist ein liebevoller, tragikomischer Indie-Genuss, der dezent nerdige Wohlfühlstunden bietet und in eine etwas verschrobenere, dennoch dramatische Version unserer schnöden Wirklichkeit entführt.

Platz 14: Steve Jobs (Regie: Danny Boyle)

Ein Mann. Drei Abschnitte in seinem Schaffen. Drei Kameras, drei Musikrichtungen, drei Bild- und Klangästhetiken. Der mitunter sehr hibbelige Regisseur Danny Boyle nimmt Aaron Sorkins Schnellfeuerdialoge und formt aus ihnen einen stilistisch überbordenden Film, der seinen Style mit Substanz unterfüttert. Michael Fassbender gibt eine intensive Performance als Jobs, der Innovator, Jobs, der Nachtragende und Jobs, der Träumer, sowie als Jobs, der Problemvater ab. Seth Rogen, Michael Stuhlbarg, Kate Winslet, ach, einfach der gesamte restliche Cast überzeugt ebenfalls rundum. Und dass Daniel Pemberton für seinen Score keine Oscar-Nominierung erhielt, ist richtig, richtig bedauerlich.

Platz 13: Whiplash (Regie: Damien Chazelle)


Jazz ist Krieg. Und Musik ist mehr Leiden als Leidenschaft: Damien Chazelle nimmt in Whiplash den filmischen Mythos des exzentrischen, doch wohlmeinenden Mentors und wirft ihn für eine ungewöhnlich nervenaufreibende Geschichte über Bord, in der J. K. Simmons auf meisterlichem Niveau herumbrüllen und Schüler verbal missbrauchen darf, während Miles Teller als talentierter Drummer völlig von seiner harten Ausbildung verschluckt wird. Mit gemeinem Witz, dramatisch-menschlichen Momenten, fetziger Musik und einem furios geschnittenen Finale ist Whiplash eine musikalische Tour de Force, die ihresgleichen sucht.

Platz 12: Mad Max: Fury Road (Regie: George Miller)

Wild. Wahnwitzig. Rasant. Rau. Verrückt. Stets vorwärtstreibend: George Millers vierter Mad Max-Film ist pures Actionkino, mit waghalsigen Stunts, explosiven Ideen, einer bombastischen Musikuntermalung, extrastylischen Bildern und einem dünnen Plot, der die dynamischen Bewegungen nur äußerst selten ausbremst. Das, was an offensichtlicher Handlung fehlt, kompensiert der durchgeknallte Australier mit Bände sprechender Ästhetik. Ob in den Kostümen, den Frisuren, den Requisiten oder den Schauplätzen. Hinzu kommen eine coole, taffe Charlize Theron und eine verdammt noch mal geile, Feuer speiende E-Gitarre! Ein einmaliger, regelrechter, doch eigenwillig denkender, fiebriger Action-Trip!

Platz 11: Heil (Regie: Dietrich Brüggemann)

Der fiebrige, verrückte, laute, schrille Cousin der kommerziell ungleich erfolgreicheren Buchverfilmung Er ist wieder da: Der in seinen vorhergegangenen Filmen so gesittet und geerdet vorgehende Regisseur Dietrich Brüggemann leiht sich einige Seiten aus Christoph Schlingensiefs Lehrbuch und zelebriert seine "Verflucht nochmal, wir dürfen die Rechte in Deutschland nicht aus den Augen lassen, und, gute Güte, wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen, wenn wir eine offenere Gesellschaft wollen"-Botschaft als abgedrehte, gewollt überfrachtete (Pseudo-Trash-)Komödie. Dick überzeichnete Karikaturen rennen, stolpern und irren hier quer durch die Bundesrepublik, wahlweise, um die Bundesrepublik wieder in das (und nun alle schön das "R"-Rollen und zudem aus vollem Halse krächzen) rrrächtä Licht tzu rrrückän, oder um genau dies zu verhindern. Doch irgendwo hinter dieser hysterisch-manisch-zotig-ulkig-grotesken Oberfläche wartet eine treffgenaue Beobachtung, welche Konstruktion aus kleinen Zahnrädern den politischen Rechtsruck überhaupt ermöglicht. Vom nur nach schockierender Authentizität und rätselhaften Botschaften schielenden Kunstbetrieb hin zu den als Promoshows dienenden Talksendungen und der mitunter sehr hibbeligen Antifa und Polizisten, die eine sehr eigenwillige Prioritätenfolge haben. Wunderbar bescheuert, grell, einfallsreich, mutig und bei all den launigen Sketchen, die hier in die Handlung gewoben werden, trotzdem nicht auf den Kopf gefallen. Geiles Ding.

Platz 10: Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (Regie: Alejandro González Iñárritu)

Willkommen im Verstand eines Schauspielers. Eines ehemaligen Superhelden-Megablockbuster-Darstellers, der nun auf den Brettern der Theaterwelt seine künstlerische Integrität retten will. Oder beweisen. Oder vortäuschen. Oder sich von seiner wahren Integrität ablenken will? Michael Keaton weiß jedenfalls, sämtliche potentielle Dimensionen dieses tragikomisch-satirischen Showbiz-Psychogramms zur Schau zu stellen. Verstärkt durch die hypnotische, mit ultralangen Plansequenzen punktende Kameraarbeit von Emmanuel Lubezki und einer lässigen, teils aggressiven Drum-Untermalung durch Antonio Sánchez raubt uns Alejandro González Iñárritu jegliches Gefühl dafür, was Analogie, was filmische Realität und was Vorstellung der handelnden Figuren ist - und erzeugt so eine einzigartige Erzählung über Hybris. Hybris unter Schauspielern. Unter Regisseuren. Unter Kritikern. Obendrein gibt es noch Emma Stone als leicht psychotische Star-Tochter und Edward Norton als ... ungeheuerlich komische Edward-Norton-Kopie. Aber was versuche ich überhaupt, diesen mehrfachen Oscar-Gewinner zu erläutern? Ein Film ist ein Film, und nicht, was ich über ihn schreibe!

Platz 9: A Most Violent Year (Regie: J. C. Chandor)

Wobei passionierte Hinweise auf nicht genügend geachtete Filme dennoch willkommen sind, also erkläre ich halt, welches Meisterwerk ein Großteil der Kinowelt versäumt hat, als er A Most Violent Year mit der kalten Schulter begrüßt hat: J. C. Chandor erschuf ein neues, mit stiller Suspense gestärktes Drama, wie es einst von Sidney Lumet gedreht worden wäre. Oscar Isaac trumpft als Geschäftsmann im Ölbusiness auf, der sich viel darauf einbildet, vollkommen fair und ohne jegliche Gaunereien den Weg nach ganz oben beschritten zu haben. Okay, abgesehen vom Frisieren seiner Steuer und manch überaus ausgefuchster, wenngleich legaler Geschäftstaktikten. Angesichts seiner teils sehr kriminellen Mitbewerber dennoch eine erstaunliche Leistung, die nun aber auf dem Spiel steht: Ausgerechnet er ist nun im Visier des neuen, ambitionierten Staatsanwalts in New York, und genau jetzt, wo er expandieren will, schrecken seine finanziellen Unterstützer zurück, während kurioserweise nur seine Öltanker überfallen werden. Chandor bleibt bei dieser moralisch komplexen Geschichte (hat Isaacs wortkarger, viel mit seinen Augen ausdrückender Protagonist diese Pechsträhne verdient, wird er seine moralischen Bedenken aufgeben, und wenn ja, wäre das gerecht?) auf dem Boden, verzichtet darauf, einen Scorsese-Gangsterstück zu inszenieren. Die spannendste Sequenz ist eine raffiniert gefilmte Verfolgungsjagd zu Fuß sowie ein Streitgespräch mit Jessica Chastain, die Isaacs Leinwandfrau mimt, die aus einer Gangsterfamilie stammt. Kühl, klug, klasse gefilmt.

Platz 8: Magic Mike XXL (Regie: Gregory Jacobs)

Nach dem (zumindest in meinen Augen) doppelzüngigen, sexnegativen ersten Teil ("Stripper ist ein Drecksjob, alle drogenabhängig und verlogen, fang damit gar nicht erst an ... Oh, guck mal, haben wir hier nicht 'ne geile Tanzsequenz?!") habe ich praktisch gar nichts von der Fortsetzung erwartet. Und prompt wurde sie die wohl größte Überraschung des Jahres 2015: Statt des außerhalb der Tanzszenen steifen Channing Tatum gibt es hier Charmebolzen-Tatum zu sehen, der den Titelhelden als zwar nicht gerade hochintelligenten, wohl aber aufgeweckten, einfühlsamen Beau mit dezent geknicktem Ego anlegt. Wo im Erstling die Chemie zu seinem Co-Star Alex Pettyfer verpestet war, regiert hier ein launiges Zusammenspiel engagierter, gut aufgelegter Typen - insbesondere Joe Manganiello besticht neben Tatum mit einer verschmitzten Performance. Und die ach-so-betont-dramatische Handlung, der durch die geifernde Inszenierung der Standard-Stripsequenzen ein Beinchen gestellt wurde, wird gegen einen amüsanten Road-Trip eingetauscht. Bloß, dass es dieser ganz heimlich faustdick hinter den Ohren hat und in den Dialogen und Stripszenen darüber referiert, wie auch im Erotikbusiness Selbstverwirklichung möglich ist. Sowie eine größere, weniger abgedroschene Zufriedenstellung der Kund(inn)en. Gewürzt mit einer saukomischen, ironischen Musikauswahl (Oh ho ... Like an oreo ...), einer umwerfend peppigen Jada Pinkett Smith, einer erstaunlich normalen, charmanten Amber Heard und richtig, richtig originellen Tanzeinlagen ergibt dies ein wirklich scharfes Paket von einem Film. Hut ab!

Platz 7: A World Beyond (Regie: Brad Bird)

Es gibt Filme, die werden Kritiker-Flops, und ich kann mir erklären, weshalb sie verrissen werden, selbst wenn sie in meinen Augen große Qualitäten aufzuweisen haben. Heil ist solch ein Fall. Bei A World Beyond derweil kann ich mir noch so viele negative Kritiken durchlesen, ich kann schlicht nicht verstehen, was da meine Kolleginnen und Kollegen, die diesen Film brutal abstrafen, bitte gesehen haben wollen. Ich kann es nachvollziehen, wenn man dieses nostalgische Abenteuer, das mit seiner schwelgerischen Weltsicht und seinen gewitzten Kinderfiguren in den 80ern noch von Steven Spielberg gedreht worden wäre, nicht liebt. Aber es als reaktionär, spießig oder lahm zu bezeichnen? Naja, jedem das Seine. Ich finde Brad Birds farbenfrohe Science-Fiction-Geschichte mit ihrem schmissigen Dialogwitz, ihren sympathischen Hauptfiguren und seinem 50er-Jahre-Futurismus-Look sowie seiner eingängigen, bezaubernden Musik aus der Feder Michael Giacchinos richtig toll. Ja, kleinere Längen haben sich eingeschlichen, aber wenn Raffey Cassidy als Athena verbal und non-verbal austeilt, Britt Robertson als Casey Newton immer wieder munter nach vorne guckt und George Clooney wieder einmal den liebenswerten Grummel-Clooney auspackt, dann habe ich großen, großen Spaß. Und, ja, die Disney-Referenzen helfen mir, das Ganze noch mehr zu genießen. Meckert ihr nur!

Platz 6: Ex_Machina (Regie: Alex Garland)

Sunshine-Drehbuchautor Alex Garland legt mit seinem Regiedebüt ein ungeheuerlich starkes Brett hin: Ex_Machina ist einer dieser Filme, die sich auf zahlreiche Weisen beschreiben lassen, und sie alle werden ihm gerecht. Es ist ein Low-Sci-Fi-Kammerspielthriller über den Angestellten eines exzentrischen IT- und Robotik-Genies, das eine Künstliche Intelligenz entwickelt hat und diese überprüfen lassen will. Durch das beklemmende Setting, das unberechenbare Handeln des von Oscar Isaac gespielten Erfinders Nathan und die kühle, mal einschüchternde, mal eingeschüchterte Art der von Alicia Vikander beeindruckend gespielten Ava schürt Garland eine dichte Atmosphäre und erschafft eine dichte Spannung, so dass es schwer fällt, nicht um Domhnall Gleesons Caleb zu bangen. Doch Ex_Machina ist mehr als nur ein Spannungsfilm. Es ist auch eine Auseinandersetzung damit, inwiefern unsere alltägliche Ethik auf Künstliche Intelligenzen zutrifft, womit, je nach Sichtweise, auch die mit erstaunlichen Spezialeffekten zum Leben erweckte Ava zur Triebfeder der mitleidenden Anspannung wird. Und neben all dem ist Ex_Machina vor allem eine tiefgreifende Analogie über Genderdenken sowie die Stolperfallen unserer patriarchalen Gesellschaft. Oder habt ihr geglaubt, dass es ein Zufall ist, dass hier ein chauvinitisches, sich aufspielendes Männlein sowie ein überbetont freundlich-einfühlsamer Bube glauben, diejenigen zu sein, die ein mit gemeinhin als feminin aufgefassten Merkmalen ausgestattetes Wesen definieren können, dürfen und müssen?

Platz 5: Into the Woods (Regie: Rob Marshall)

Ein ungewöhnlicher, schwieriger, komplexer Film. Nicht, dass die Handlung besonders kompliziert sei: Ein Bäcker und seine Frau wollen endlich ein Kind haben, weshalb sie versuchen, den Fluch einer Hexe aufzuheben. Währenddessen kreuzen sie den Weg diverser bekannter Märchenfiguren ... und blicken hinter die tradierte Heile-Welt-Fassade. Doch als Gesamtwerk ist Into the Woods schwer einzuordnen. Ist er eine disneyhafte Entschärfung der Vorlage (der böse Humor wird klar minimiert) oder ist er eine für dieses Studio rare Dramatisierung (der böse Humor wird klar minimiert). Ist es Marshalls bühnenhafteste Musicaladaption (die Kamera ist ruhiger als vom Chicago-Regisseur gewohnt, der Schnitt nicht so musikvideohaft) oder ist es eine sehr filmische Übersetzung des Sondheim-Musicals (der sehr theateraffine Aufbau des Stücks wird stark gebrochen)? So oder so ist es ein Film, der genau meinen Nerv trifft. Komplexe, facettenreiche Songs. Ein großartiger Cast, unter anderem bestehend aus einer liebenswürdigen Emily Blunt, einer humorvollen Anna Kendrick, einer wunderbar rotzig-goldigen Lilla Crawford, einem herrlich schmierigen Chris Pine, der unfassbaren Meryl Streep und einem kuriosen Johnny Depp als Pädo-Wolf. Scharfzüngige Dialoge, ein märchenhaft-grimmer Look und eine Story, die mit emotionalen Höhen und Tiefen aufwartet. Ein sperriger Film, bei dem ich genau verstehe, weshalb manche Filmfreunde nicht warm mit ihm werden. Ein ungewöhnlicher Film, von dem ich denke, dass man ihn wenigstens respektieren sollte. Und ein Gesamtpaket, das wie auf mich zugeschnitten ist!

Platz 4: Avengers: Age of Ultron (Regie: Joss Whedon)

Wilder als Marvel`s The Avengers. Durchgeknallter. Vollgestopfter. Dramatischer. Ungewöhnlicher. Und dennoch auch lustiger. Age of Ultron übertrumpft den ersten Teil in ziemlich allen Belangen, abgesehen von der Zugänglichkeit. Age of Ultron kommt schneller in Gang, hat aufregendere Schauplätze und da die Avengers bereits eine eingespielte Gemeinschaft sind, mit kleinen Kabbeleien und mit durch gemeinsame Erfahrungen gestützten Sympathien, gibt es auch allen "Was haben wir nur getan?!"-Bedrohungen zum Trotz mehr genüsslich-amüsanten Dialogspaß. Es ist ein wenig albern, das Gefühl zu haben, einen Milliarden-Dollar-Hit verteidigen zu müssen, aber: Der Backlash bezüglich der Black-Widow-Szenen lässt mich ratlos zurück. Nein, es ist nicht sexistisch, wenn "Die Frau nun natürlich verknallt ist". Sexistisch ist Ungleichbehandlung, und nachdem alle anderen Avengers ein romantisches Leben erhalten haben, wieso darf nicht auch Natasha darüber nachdenken, ob sie vielleicht mehr für einen Freund empfindet? Und wieso darf ein Superheldenblockbuster nicht genutzt werden, um zu sagen, dass Frauen selber die Entscheidungsgewalt über ihren Körper haben sollten? Naja, was soll's. Ultron rockt, einer der lustigsten Schurken im Marvel-Universum und endlich einer mit Persönlichkeit. Außerdem: Die Party-Szene. Die allein ist schon spitze!

Platz 3: Baymax – Riesiges Robowabohu (Regie: Don Hall & Chris Williams)

2013 hat Die Eiskönigin - Völlig unverfroren nur knapp meine Flopliste verpasst. Lass jetzt los ist einfach ein zu guter Song, um zuzulassen, dass "sein" Film in der Flopliste landet. Selbst wenn alles um Elsas Powersong herum diese Abstrafe verdient gehabt hätte. Baymax - Riesiges Robowabohu hat 2015 zum die Disney-Ehre in meiner Welt verteidigt! Don Hall und Chris Williams entführen uns in diesem animierten Superheldenfilm über Freundschaft und Trauerbewältigung in eine wunderschöne, aufregende, farbenfrohe Großstadtwelt - und formen mit dem Gesundheitspflegeroboter Baymax eine neue Disney-Figur, die direkt so tief in mein Herz watschelte, dass sie nunmehr zu meinen liebsten Disney-Schöpfungen zählt. Aber ich liebe nicht nur den gutherzigen, umsorgenden Baymax und die großartige Stadt San Fransokyo, sondern auch die kreativen Actionszenen, die pointierten Dialoge, den knuffigen Slapstick sowie, vor allem, diese so glaubwürdige, herzliche Art, mit der Hall & Williams das Thema Tod (und vor allem die Wochen und Monate nach dem Ableben eines geliebten Menschen) anpacken. Einfach ein richtig, richtig schöner Film!

Platz 2: Star Wars – Das Erwachen der Macht (J. J. Abrams)

Rey! Poe! Finn! BB-8! Kylo Ren! Der neue Star Wars-Film nimmt ein uns bereits bekanntes Universum und bevölkert es mit neuen, aufregenden Figuren, deren Interaktion einen großen Sehgenuss darstellt und den Actionsequenzen eine emotionale Tragweite gibt. Bildhübsche Kameraarbeit, ikonische Soundgestaltung, einfallsreiche Szenenübergänge und obendrein Harrison Fords engagierteste Leinwandleistung seit, was, zehn, fünfzehn Jahren? John Williams' Score könnte die neuen Themen etwas prominenter einsetzen, und R2-D2 hat hier was von einem Deus-Ex-Machina-Droiden, dafür hat J.J. Abrams' Franchiseneustart einen gewaltigen Gänsehautschluss sowie Schauspielleistungen, die weit über dem Genrestandard schweben. Nun bleibt nur die Frage: Wie geht es weiter?

Platz 1: Alles steht Kopf (Regie: Pete Docter)

Ich habe gelacht. Ich habe geweint. Ich habe darüber geschmunzelt, wie oft ich gerührt war. Ich habe Freudentränen vergossen. Ich habe über den visuellen Ideenreichtum gestaunt. Ich habe innerlich gejubelt, wie wunderschön, eingängig und emotional komplex Michael Giacchinos Musik ist. Ich habe mir gewünscht, den perfekt gestalteten, so aussagekräftigen Emotionen in Rileys Kopf noch stundenlang zuschauen zu können. Ich wollte ihn mir sofort noch einmal anschauen. Und noch einmal. Und noch einmal. Pixar, mal besonders introspektiv. Und urkomisch. Und aufwühlend. Und dabei noch auf gestalterischer Ebene so schlüssig und stimmig. Ein Meilenstein der Trickkunst!

Das war es nun also! Auf dass die kommenden Monate für mich entspannter werden und uns allen noch jede Menge Spitzenfilme bescheren. Und auf dass meine Topliste 2016 noch vor den Oscars 2017 fertig wird!

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Top!

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