Mittwoch, 7. Dezember 2011

Televisionärer Dauerspaß – Meine 24 liebsten Disney-Serien (Teil VII)

Platz 18: Goofy & Max

Nachdem Donalds Neffen, Chip und Chap sowie die Dschungelbuch-Crew den Schritt ins Fernsehen machten (und dabei mal stärker, mal weniger stark neu erfunden wurden), kam 1992 auch Goofy zu einer neuen televisionären Persönlichkeit. Für Goofy & Max nahm sich das Team rund um Serienschöpfer Robert Taylor der Goofy-Cartoons der 50er-Jahre an, in denen Goofy als Durchschnittsamerikaner und -vater auftrat, und versetzte diese Idee in die 90er. Auf dem Weg wurde Goofys Sohn komplett runderneuert und nahm als Max die Gestalt eines aufgeweckten Elfjähigen an, der auf die Sachen stand, die auch viele der Goofy & Max-Zuschauer mochten: Pizza, Skateboarding, Videospiele, Horrorfilme, Streiche ... Ein Kind wie du und ich sollte es sein, nur etwas cooler.

Zu Beginn der Serie zieht Goofy mitsamt seinem Sproß in seine alte Heimat Hundshausen, wo er zum neuen Nachbar von Karlo wird - Goofys altem Schulkumpel. Goofys Schusseligkeit hat Karlo damals öfters zur Weißglut gebracht, und im Erwachsenenalter ist es alles andere als besser geworden. Am liebsten wäre es Karlo, würde sein neuer Nachbar wieder umziehen, aber dieser schnallt Karlos sehr, sehr subtilen Hass nicht. Karlos Ehefrau Karla hat sich dagegen an Goofy einen kleinen Narren gefressen, und so schreit sie mit ihrem lauten Organ ihren listigen Ehemann (immerhin ein Gebrauchtwagenverkäufer) zu etwas mehr Anstand zusammen. Die Runde wird perfekt durch Karlos Kinder, dem schüchternen und ängstlichen KJ sowie der ungestümen Karabienchen, sowie den Haustieren der beiden Familie: Goofys verfressene Katze Mausi sowie Ceasar, den neugierigen Hund der Karlo-Familie.

Basierend auf dieser Konstellation entwickelt sich eine vielseitige Zeichentrickserie, die mal viel von einer gezeichneten Sitcom hat (beispielsweise in Episoden, in denen es um Dinge geht, wie dass Karlo seinen Nachbarn Goofy als Arbeitskraft in seinem Gebrauchtwagenladen ausnutzt oder dass Karlo denkt, er würde bald sterben, weshalb er all seine Lebensträume binnen weniger Stunden erfüllen will), andere Male orientiert sich stärker an klassische Goofy-Cartoons (inklusive How to...-Segmente mit sich über Goofy echauffierenden Erzähler). Wieder andere Episoden nehmen abenteuerlichere Elemente auf, lassen etwa Max und KJ zu Schatzsuchern werden oder Goofy in den Yeti reinrennen. Eine der absurdesten Folgen der ansonsten eher bodenständigen Serie handelte davon, wie Karlo in eine Fliege verwandelt wird - das Ergebnis ist durchaus amüsant, fühlt sich in der Serie allerdings auch deplatziert. In mehreren Folgen holte Goofy auch sein Familienalbum raus, um vons einenVorfahren zu erzählen. So leistete sich die Serie auch eine Western-Episode oder eine Folge, die Mafia-Filme parodierte.

Goofy & Max gehört zum elitären Club jener Disney-Zeichentrickserien, die es über die magischen Grenze von 65 Episoden geschafft haben. Obendrein gab es auch ein Videospiel für den Super Nintendo (in Form eines Puzzle-Abenteuers), ein Weihnachtsspecial und zu guter letzt die Jahre nach der Serie spielenden Filme Der Goofy Film und Goofy - Nicht zu stoppen. Und es ist dieser Serie auch vollauf zu gönnen. Der Durchschnittsjunge Max und sein verrückter (und dennoch immer wieder von Max als Spießer empfundene) Vater Goofy harmonieren super, auch die neuste Inkarnation Karlos ist mit ihren durch und durch sarkastischen Sprüchen eine echte Wonne. Zwischen den Disney-Abenteuerserien und den später aufkommenden Serien über Teenie-Problemchen ist Goofy & Max auch ein Unikum, da sie meistens solche Sitcom- und Familienserien-Grundkonzepte wie "Lasst uns einen Pizzaladen eröffnen!" oder "Familientreffen und nervige Folgen für den Nachbarn" nimmt und ihrem Cartoonserien-Format gerecht auch aufpeppt.

Von manchen Ausnahmen abgesehen (so finde ich die Karlo-als-Fliege-Folge wegen ihrer vielen Einfälle sehr amüsant), fühlen sich völlig irreale Episoden aber auch wie ein Fremdkörper an, da das Hauptkonzept der Serie so gut aufging. Musste Goofy wirklich ein Drachenei finden und die Feuer speiende Echse großziehen?

Wenn Goofy involviert ist, ist natürlich auch Slapstick unvermeidbar, für meinen Geschmack hat man es damit aber manchmal übertrieben und weite Teile einiger Folgen mit einer reinen Zerstörungsorgie verschwendet, so dass der Witz irgendwann flöten ging. Dies passiert ironischerweise oft in flotteren Episoden, während andere Folgen rückblickend einen kleinen Kick vertragen hätten. Trotzdem ist Goofy & Max eine sehr liebenswürdige und stimmige Neuinterpretation von Disneys Alt-Star Goofy mit einer Vielzahl von Ideen. Und während viele andere der Disney Nachmittags-Serien nach Ablauf ihrer Zeit vom Konzern vergessen wurden, durfte Goofy seinen "neuen Sohn" Max behalten und beispielsweise mit in Mickys Clubhaus nehmen.

3 Kommentare:

Aristipp hat gesagt…

Sehr guter Artikel! Wie auch schon die anderen. Ich freue mich schon sehr auf die noch folgenden. Das ganze versetzt mich doch sehr gut in meine Kindheit und erinnert mich an die guten Serien. Danke dafür :-)

Ein wirklich super Blog den ich gerne lese.

Grüße

Anonym hat gesagt…

Super Artikel! Vielleicht machst du auch noch ein Review vom Goofy-FILM, einer meiner absoluten Disney-Lieblinge, weil er so spritzig, so 90er, so anders als die anderen Disney-Klassiker is. Und disney-untypisch gehts auch um Teenager und ihre Probleme (Max is eh so ein unterschätzter Charakter den ich gern viel öfter sehen würde :D)

Würde sicher auch gut in die "Mehr Respekt für..." Reihe passen ;)

Sir Donnerbold hat gesagt…

Er würde definitiv in diese Reihe passen, vielleicht bespreche ich ihn aber auch im Rahmen von "Goofys Meilensteine" - eigentlich plane ich, diese Reihe auf Walt Disneys Lebzeiten zu beschränken, bin aber nicht völlig auf diesen Gedanken fixiert.

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