Dienstag, 10. Dezember 2013

Meine Golden-Globe-Prognose: Wer wird für 2014 nominiert?


Langsam nähert sich der große Tag der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen 2014. Auf dem Weg dahin gilt es allerdings zunächst die Golden Globes abzuhaken. Die wilde, glamoursüchtige, weniger seriöse Schwester des Oscars. Hier sind Geglitzer und Gepose etwas wichtiger, im Gegenzug fallen die Globes aber auch weniger auf Pseudodramatik rein. Welche Filme werden diese Woche als Globe-Nominierte ausgerufen? Nun, hier sind meine Prognosen für die 14 Kino-Kategorien bei den 71. Golden Globes ...

Bestes Drama
  • Gravity
  • Blue Jasmine
  • Captain Phillips
  • Saving Mr. Banks
  • 12 Years a Slave
In dieser Kategorie bin ich mir ziemlich sicher. Einziger Wackelkandidat könnte Saving Mr. Banks sein, aber als sentimental-optimistischer Film über Filme ist dieser Streifen eigentlich ganz die Liga der Globes, erst recht aufgrund der tollen Besetzung.

Beste Komödie/Bestes Musical
  • American Bullshit
  • Wolf of Wall Street
  • Inside Llewyn Davis
  • Her
  • Das erstaunliche Leben des Walter Mitty
In dieser Sparte bin ich mir bereits wesentlich unsicherer als bei den Dramen. Die ersten drei Streifen sehe ich aufgrund der namenhaften Darstellerriege (bei den Globes nie als Kriterium zu unterschätzen) und des Kritikerhypes als sicher. Her bekommt nahezu täglich ein besseres Image und Walter Mitty könnte vom Look und Ben Stiller profitieren. Andererseits sind Im August in Osage County und Nebraska als Oscar-Favoriten nicht einfach so aus diesem Rennen zu tilgen ...

Bester Drama-Hauptdarsteller
  • Chiwetel Ejiofor - 12 Years a Slave
  • Matthew McConaughey - Dallas Buyers Club
  • Tom Hanks - Captain Phillips
  • Robert Redford - All is Lost
  • Forest Whitaker - Lee Daniels' The Butler
Auch hier denke ich, dass die ersten drei Namen gesetzt sein sollten. Aber ob Hugh Jackman für Prisoners oder einer der Rush-Stars oder Idris Elba als Mandela nominiert werden könnten? Ich bin tatsächlich unsicher ...

Bester Komödien-/Musical-Hauptdarsteller
  • Leonardo DiCaprio - Wolf of Wall Street
  • Christian Bale - American Bullshit
  • Oscar Isaac - Inside Llewyn Davis
  • Bruce Dern - Nebraska
  • Johnny Depp - Lone Ranger
Bevor ihr eure Kommentare in die Tasten hämmert: Ich rechne nicht wirklich mit einer Nominierung für Depp. Da die Globes aber gerne mal mit Glamour-Nominierungen überraschen, die bei den Kritikern durchfielen (Alice im Wunderland), an den Kinokassen untergingen (Bernie) oder komplett floppten (The Tourist), wäre eine Nominierung für Depp kein Wunder. Und wenn Lone Ranger eine Globe-Nennung einheimst, will ich sie wenigstens prognostiziert haben!

Beste Drama-Hauptdarstellerin
  • Sandra Bullock - Gravity
  • Cate Blanchett - Blue Jasmine
  • Emma Thompson - Saving Mr. Banks
  • Adele Exarchoupoulus - Blau ist eine warme Farbe
  • Judi Dench - Philomena
Schwere Kategorie. Da gute Rollen für Frauen leider noch immer selten sind, ist es auch schwer, auf wirklich preiswürdige Performances zu kommen, die obendrein dem typischen Geschmack der Preisjurys entsprechen ...

Beste Komödien-/Musical-Hauptdarstellerin

  • Meryl Streep - Im August in Osage County
  • Amy Adams - American Bullshit
  • Julie Deply - Before Midnight
  • Greta Gerwig - Frances Ha
  • Julia Louis-Dreyfus - Enough Said
Siehe oben.

Bester Nebendarsteller
  • Michael Fassbender - 12 Years a Slave
  • Jared Leto - Dallas Buyers Club
  • Tom Hanks - Saving Mr. Banks
  • Bradley Cooper - American Bullshit
  • Jake Gyllenhaal - Prisoners
Bei den ersten vier Namen bin ich mir sicher, aber Nummer fünf ..?! Gyllenhaal gewann bereits beim Hollywood Film Festival, aber Jonah Hill hat einigen Hype für Wolf of Wall Street, Daniel Brühl hätte eine Nominierung für Rush verdient und George Clooney macht zwar wenig in Gravity, aber er ist George Clooney und dies sind die promisüchtigen Globes ...

Beste Nebendarstellerin
  • Lupita Nyong’o - 12 Years a Slave
  • Oprah Winfrey - Lee Daniels' The Butler
  • Jennifer Lawrence - American Bullshit
  • Julia Roberts - Im August in Osage County
  • Jennifer Garner - Dallas Buyers Club
Sally Hawkins aus Blue Jasmine könnte sich in diese Liste mogeln, ebenso wie Nebraska-Darstellerin June Squibb.

Beste Regie
  • Alfonso Cuaron - Gravity
  • Steve McQueen - 12 Years a Slave
  • David O. Russel - American Bullshit
  • Martin Scorsese - Wolf of Wall Street
  • Paul Greengrass - Captain Phillips
Uff. An Regie-Kandidaten mangelt es wirklich nicht. Baz Luhrmann könnte eine Globe-Überraschung werden und gegen Joel & Ethan Coen für Inside Llewyn Davis sollte man eigentlich auch nicht wetten. Auch John Lee Hancock wäre eine typische Globe-Wahl dank Saving Mr. Banks ... 

Bestes Drehbuch
  • Woody Allen - Blue Jasmine
  •  Joel & Ethan Coen - Inside Llewyn Davis
  • John Ridley - 12 Years a Slave
  • Kelly Marcel & Sue Smith - Saving Mr. Banks
  • Billy Ray - Captain Phillips
Uff, das ist wie eine Tombola. Gravity, Her, Im August in Osage County, Nebraska, Wolf of Wall Street könnten genauso da hinein ...

Beste Filmmusik
  • Steven Price - Gravity
  • Hans Zimmer - 12 Years a Slave
  • Thomas Newman - Saving Mr. Banks
  • Randy Newman - Die Monster Uni
  • Henry Jackman - Captain Phillips
Ginge es nach mir, würden wir sogar drei Zimmer-Nominierungen bekommen ...

Bester Song
  • Let it Go aus Die Eiskönigin
  • Young and Beautiful aus Der große Gatsby
  • The Moon Song aus Her
  • I See Fire aus Der Hobbit: Smaugs Einöde
  • He Loves Me Still aus Black Nativity
Sicher bin ich nur bei den ersten dreien ...

Bester Animationsfilm
  • Die Eiskönigin
  • Die Monster Uni
  • The Wind Rises
  • Epic
  • Ich - Einfach unverbesserlich 2
Oder: Disney gegen den Rest der Welt!

Bester fremdsprachiger Film
  • Blau ist eine warme Farbe
  • Das Mädchen Wadjda
  • Le Passé - Das Vergangene
  • Die Jagd
  • Die große Schönheit
Oder: Frankreich und Saudi-Arabien gegen den Rest der Welt.

Ob ich wirklich richtig lag, erfahren wir am Donnerstag ...

Das Jerusalem-Syndrom

Copyright: SWR / Das Erste

Die Biologin Ruth Gärtner erfährt von ihrem Vater, dass ihre jüngere Schwester Maria in Israel in eine psychiatrische Spezialklinik eingeliefert wurde. Als Ruth ihre Schwester vor Ort besucht, erklärt ihr ein behandelnder Arzt, dass Maria am sogenannten Jerusalem-Syndrom erkrankte und glaubt, die Muttergottes zu sein, die kurz davorsteht den Messias zu gebären. Ruth ist besorgt und kündigt an, Maria zurück nach Deutschland zu fliegen, um sich dort um sie zu kümmern. Doch nur eine Nacht später ist Maria spurlos verschwunden.

Wie sich herausstellt, geriet Maria während ihrer Zeit in Jerusalem in die Fänge einer christlich-fundamentalistischen Sekte, die sie manipulierte, um als Schlüsselfigur in einem wahnsinnigen Kampf gegen andere Religionen zu dienen. Diese Sekte entführte Maria auch aus der psychiatrischen Klinik, ehe Ruth sie zu sich holen konnte. Nun muss sich Ruth an die Fersen der vom fragilen, doch größenwahnsinnigen Peter geleitete Sekte heften, um Ruth zu retten. Hilfe erhält sie dabei vom israelischen Psychiater Uri Peled, der sich für dieses Netz aus Glauben, Wissenschaft und Aberglauben fasziniert …

Was mir zu diesem Plot als erstes einfällt? Nun: „Simpsons Already Did It“! So lautete einst bei South Park eine Anspielung darauf, dass es schwer ist, Storys zu finden, die nicht bereits mit den chaotischen Knilchen aus Springfield erzählt wurde. Ein Stück weit trieben die South Park-Macher damit Selbstverteidigung, immerhin haben Die Simpsons schon einige Jahre Vorsprung und dennoch ein vergleichbares Publikum – natürlich ähneln sich da so manche Geschichten. Dennoch lässt sich die Beobachtung, dass Homer und Co. allerhand Storykonzepte vorweg gegriffen haben, sogar auf deutsche Fernsehfilme ausweiten: Eine Geschichte rund um das berüchtigte, nicht aber als psychologische Diagnose anerkannte, Jerusalem-Syndrom zu spinnen, ist eine spannende Idee. Bloß könnte sie zumindest so manchen Zuschauern bereits aus Die Simpsons bekannt sein, was den Innovationsbonus etwas schmälert.

Davon abgesehen hat die Existenz einer Simpsons-Folge, in der Homer von der einmaligen Atmosphäre Jerusalems beeinflusst durchdreht und glaubt, im Herzstück der drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam zu einem neuen Heiland ernannt worden zu sein, selbstredend wenig Einfluss auf die Rezeption eines SWR-Fernsehthrillers. Es ist trotzdem amüsant zu sehen, dass die Lenker und Denker der ARD teilweise auf Fakten anspringen, die sich auch die Simpsons-Autoren vorknöpfen. Wie etwa aufdie Tatsache, dass bis zu 100 Touristen jährlich während ihres Jerusalem-Aufenthalts von dem Gedanken besessen sind, eine biblische Figur zu sein oder ihr geistiges Erbe anzutreten.

Dieses interessante Grundkonzept genügt den Verantwortlichen hinter dieser Oliver-Berben-Produktion jedoch leider nicht. Statt die kühle Wissenschaftlerin Ruth Gärtner schlicht auf ihre labile, jüngere Schwester Maria treffen zu lassen, die nach wenigen Monaten Arbeit als Touristenführerin in der Heiligen Stadt davon überzeugt ist, die Mutter eines neuen Messias zu sein, spinnen die Autoren dieses Familien- und Psychodrama in einen Verschwörungsthriller weiter. Das Konzept, eine streng rationale, ungläubige Naturwissenschaftlerin Hatz auf religiöse Fanatiker machen zu lassen, ist aber nicht nur abgedroschen, sondern vor allem schwer in die konventionelle ARD-Fernsehfilmlaufzeit von 90 Minuten zu pressen. Was ein Dan Brown in einen Roman mit dem Umfang eines Türstoppers packt oder Ron Howard in Brown-Kinoverfilmungen mit Überlänge verarbeitet, wird in Das Jerusalem-Syndrom in eineinhalb Stunden runter gebrochen. Klar, dass da kein Raum für Suspense erzeugende falsche Fährten, clever ausgetüftelte Rätsel und soghaft wirkende Verschmelzungen aus Fakt, Fiktion und Religion bleibt. Geschweige denn für runde Charakterisierungen.

Stattdessen ist die Protagonistin antireligiös eingestellt, weil ihr gläubiger Vater unfähig war, zudem sind die Motivationen der Sektenführer hauchdünn und obendrein bleibt das bei gelungenen Verschwörungsthrillern so essentielle Miträtseln aus, weil der Plot nahezu störungsfrei direkt vom Startpunkt zum durchgehend telegraphierten Finale marschiert. Inhaltlich ist Das Jerusalem-Syndrom daher recht mager ausgefallen. Jedoch überzeugt diese zwei Millionen Euro schwere deutsch-israelische Koproduktion wenigstens handwerklich. Triebel und Schick deuten in ihrem passionierten Schauspiel mehr Charakter an, als es ihre fadenscheinig geschriebenen Rollen auf dem Papier rechtfertigen würden, und der 54-jährige Regisseur Dror Zahavi fängt Jerusalem an Originalschauplätzen von seiner faszinierendsten Seite ein. Besonderes Lob verdient sich der Thriller zudem für seine natürliche Mehrsprachigkeit – Figuren müssen in diesem Projekt zwischen Sprachen hin und her wechseln, was sich auch inhaltlich auswirkt und dem etwas überdrehten Verschwörungsstoff eine reale Note verleiht.

Das Jerusalem-Syndrom läuft am 11. Dezember um 20.15 Uhr im Ersten.