Dienstag, 17. November 2015

Kenneth Branaghs "Cinderella"


Märchen sind einer der tragenden Pfeiler der Walt Disney Company. Schon der erste Langfilm des Unterhaltungsgiganten, Schneewittchen und die sieben Zwerge, brachte eine altbekannte Mär auf ikonische Weise in die Kinos. Seither packt Disney in unregelmäßigen Abständen weitere animierte Märchenadaptionen an, und sie alle sind im Pantheon der am meisten geachteten Trickfilme vorzufinden. In jüngster Vergangenheit hat der Konzern zudem einen Narren daran gefressen, Märchen, die bereits in animierter Form Teil des Disney-Kanons sind, neu als Realfilm umzusetzen. Rein kommerziell machte sich dieser Trend bislang bezahlt, während diese „Realmakes“ aus künstlerischer Sicht bislang eine bescheidene Bilanz aufweisen.

Gelang es Tim Burton 2010, seinem Milliardenhit Alice im Wunderland trotz allerhand dürftiger Momente zumindest einige clevere Aspekte zu verleihen, stellt die 2014 gestartete Dornröschen-Neuinterpretation Maleficent – Die dunkle Fee eine inkohärente, mittelschwere Katastrophe dar. Robert Strombergs ungelenke Regiearbeit spülte dessen ungeachtet über 750 Millionen Dollar in die Kassen – keine niedrige Hürde, die Cinderella rund zwölf Monate später zu überbieten hatte. Der von Kenneth Branagh auf Zelluloid gebannte Kostümfilm kam unterm Strich nicht ganz an diese Summe heran, mit 542,69 Millionen Dollar muss er sich dennoch nicht vor seinen Genrekollegen verstecken. Gegönnt sei der 95-Millionen-Dollar-Produktion dieser Erfolg! Denn Thor-Regisseur weiß, im Gegensatz zu den Köpfen hinter den zwei soeben genannten Kassenschlagern, die Magie des Pate stehenden Disney-Zeichentrickklassikers einzufangen und gleichwohl eine eigene Identität zu entwickeln.

Im Gegensatz zum unvergesslichen Zeichentrickfilm der Regisseure Clyde Geronimi, Wilfred Jackson und Hamilton Luske blickt diese Cinderella-Adaption ausführlich auf das Leben der Titelfigur, bevor es aufgrund ihrer garstigen Stiefmutter zur reinen Tortur wurde: Gemeinsam mit ihrer fürsorglichen Mutter (Haley Atwell) und ihrem gutmütigen Vater (Ben Chaplin) führt die kleine Ella ein unbeschwertes Dasein … Dann erkrankt ihre Mutter überraschend, letztlich erliegt sie ihrer Erkrankung sogar. Jahre später findet der Witwer in Lady Tremaine (Cate Blanchett) eine neue Liebe. Die oberflächliche, herrische Frau hat aber wenig für Ella übrig; sie gibt allein auf sich selbst und ihre leiblichen Töchter Anastasia und Drizella (Holliday Grainger und Sophie McShera) acht. Als dann Ellas Vater während einer Geschäftsreise spurlos verschwindet, entwickelt sich Tremaine endgültig zu einer gefühlskalten, befehlshaberischen Natter, die ihre Stieftochter ohne Unterlass tyrannisiert. Zum Hausmädchen erniedrigt und nur noch unter dem beißenden Spitznamen Cinderella bekannt, glaubt die gute Seele, in einem Albtraum gefangen zu sein. Doch dann geht die frohe Botschaft durchs Land, dass der nach einer Gattin suchende Prinz (Richard Madden) einen festlichen Ball gibt. Eine gute Fee (Helena Bonham Carter) sorgt letztlich dafür, dass Ella dort ordentlich Eindruck schindet …

In den Walt Disney Animation Studios galt jahrzehntelang die Maxime: In der Kürze liegt die Würze. Dies macht sich auch bei der dreifach Oscar-nominierten Zeichentrickversion von Cinderella bemerkbar, die mit gerade einmal 74 Minuten Laufzeit auskommt. Derart knapp fasst sich Branaghs Realfilm nicht, mit 112 Minuten übertrifft er sogar Burtons Reise ins Wunderland und Strombergs tonal schizophrene Dornröschen-Umdeutung. Ganz so lang hätte die Erzählung nicht ausfallen müssen: Bis die von Cate Blanchett mit denkwürdiger Garstigkeit verkörperte Stiefmutter in die Story Einzug erhält, findet das Skript von Aline Brosh McKenna und Chris Weitz keinen souveränen, narrativen Fluss. Ab diesem Wendepunkt sitzt der Erzählrhythmus zwar bis zum Schluss, jedoch fallen dafür die zahlreichen Wiederholungen von Ellas Lebensmotto „Sei immer mutig und gütig!“ mit der Zeit ziemlich störend auf.

Von diesen Faktoren abgesehen, nutzt Disneys neuer Cinderella-Film seine längere Laufzeit sinnig. Hauptsächlich dienen die zusätzlichen Filmminuten dazu, den Figuren stärkere Konturen zu verleihen. So wird Ellas Widerwillen, sich gegen ihre unerträglichen Stiefschwestern und deren sadistische Mutter aufzulehnen, fundiert begründet. Ebenso gibt es mehr Einblicke in das Palastleben, ferner wird Lady Tremaine deutlich ausdifferenzierter dargestellt als in den meisten Verarbeitungen der Aschenputtel-Erzählung. Zwar bleibt dank der wundervoll fiesen Cate Blanchett stets außer Frage, dass Tremaine sich ihrer Stieftochter gegenüber durch und durch unschicklich verhält, jedoch geben McKenna & Weitz ihr eine plausible, nachvollziehbare Motivation. Somit erhält die zweifache Academy-Award-Preisträgerin die Gelegenheit, sich sowohl in genussvoller Thetralik zu üben, als auch mit leiseren Momenten Akzente zu setzen.

Es ist auch Blanchetts Rolle, die ein Gros der Sequenzen trägt, in denen Cinderella gleichermaßen aufgeweckt wie tänzerisch die eingeschränkten Möglichkeiten thematisiert, die Frauen jahrhundertelang in ihrer Lebensgestaltung hatten: Dass in vielen Märchen Frauen durch einen Prinzen errettet werden, muss nämlich nicht zwangsweise als patriarchale Erzähldynamik aufgefasst, sondern kann auch als Abbildung der Realität vergangener Zeiten verstanden werden. Da bezahlte Arbeit für das weibliche Geschlecht zumeist ein Tabu war, mussten Frauen in der Wahl ihrer Gemahlen taktieren und Initiative ergreifen, wenn sie ihr Schicksal verbessern wollten. Dies kommentiert Branaghs Film mit gebotener Haltung, ohne dabei von der eskapistischen – und vor allem genderneutralen – Märchenstimmung abzulenken. Und ob nun Frau oder Mann: Der Traum davon, durch eine bedingungslose Liebe sein Elend hinter sich zu lassen, ist ungebrochen nachfühlbar. Erst recht in diesem visuellen Prachtwerk, das sich durch Branaghs ehrliche, direkte Inszenierung klar von modernen Hollywood-Blockbustern abhebt.

Kenneth Branagh verzichtet genauso sehr auf das Auffangnetz der Ironie, wie er jeglichem Zynismus entsagt und sich gegen den Trend stellt, alles rau und grimmig zu zeichnen. Dieser Ansatz wäre aufgrund moderner Sehgewohnheiten zum Scheitern verurteilt, wäre Branaghs Film nicht von Anfang bis Ende von einer klar erkennbaren Ehrfurcht gegenüber der Märchenvorlage durchzogen. Branagh ist mit Passion dabei, was sich etwa in den farbenfrohen, minutiös geplanten und prunkvollen Bildern zeigt, die er und Kameramann Haris Zambarloukos auf die Leinwand zaubern. Entgegen der heutigen Hollywood-Norm wurden gar analoge Kameras verwendet, um ein zeitloses Feeling zu kreieren und sich des Weiteren vor dem handgemachten Zeichentrickfilm zu verneigen. Aus eben jenem lieh Branagh mehrere ikonische Bilder, die er allerdings nicht 1:1 kopiert, sondern behutsam variiert – wie etwa die magische Entstehung des Ballkleids, mit dem Ella alle Blicke auf sich zieht.

Generell sind die Verwandlungsszenen am Disney-Klassiker orientiert, aber zugleich originell genug, um nicht bloß eine blanke Hommage darzustellen. Mit rasantem Slapstick und einer ansteckend-amüsierten Helena Bonham Carter als gute, aber konfuse Fee gehören die wenigen übernatürlichen Passagen sogleich zu den Höhepunkten des Films. Knapp dahinter reiht sich bereits der prächtige Ball des Prinzen ein, der dank der fabelhaften, von Sandy Powell (Aviator) gestalteten Kostüme eine echte Augenweide ist. Den Look des Disney-Films lässt Powell wohlgemerkt weitestgehend hinter sich, ähnlich wie auch Komponist Patrick Doyle primär sein eigenes Ding dreht – dies aber erfolgreich: Die Musik ist zeitlos und träumerisch, wenngleich längst nicht so eingängig wie die aus dem Disney-Evergreen.

Obwohl ihre tierischen Freunde – die nur sehr begrenzte Laufzeit erhalten, dann aber zuckersüß daherkommen – klar an den 50er-Jahre-Film angelehnt sind, lässt sich auch Hauptdarstellerin Lily James kaum spürbar vom Zeichentrickklassiker beeinflussen. Die Downton Abbey-Mimin verleiht aber auch ohne solche Schützenhilfe der Titelheldin ein sympathisches, selten kitschiges Naturell – wenngleich sie sich nicht dermaßen in ihrer Figur verliert wie ihre Ensemblekolleginnen. Die Herren der Schöpfung zu guter Letzt tun effizient ihren Dienst, ohne sonderlich aufzufallen. Richard Madden darf als Prinz gut aussehen, Stellan Skarsgård als Großherzog schmierig sein und Nonso Anozie als Kapitän der Palastwache ein paar geschliffene Wortwitze abliefern. Es sind halt die Damen, die in Cinderella im Zentrum stehen – ihre Sorgen, ihre Träume und ihre märchenhafte Garderobe.


Fazit: Trotz kleiner Längen: Cinderella ist um ein Vielfaches besser als Maleficent – Die dunkle Fee und Tim Burtons Alice im Wunderland. Die Optik ist fabulös, Cate Blanchett ist eine Wucht und Kenneth Branaghs Inszenierung beweist, dass Märchen auch heutzutage in nüchterner, ehrlicher Form funktionieren.

Montag, 16. November 2015

Das komplette Dutzend: Mein Ranking der 'Marvel Cinematic Universe'-Filme


Bis Ant-Man endlich in die deutschen Heimkinos krabbelt, dauert es leider noch ein wenig. Immerhin räumt der schrumpfende Superheld aktuell die chinesischen Kinos, wodurch aus dem kleinen ein respektabler Erfolg wird. Was wiederum beweist: Die Marvel Studios haben den Dreh raus. Hier in Deutschland dürfen die Besucherzahlen zwar gern noch ein Stückchen wachsen, dennoch kann sich das Superhelden-Label ganz uneitel als Erfolgsmaschiene bezeichnen. Und missgönnen kann man es dem Studio wohl kaum. Schließlich liefert Marvel - nahezu - durchgehend gute Qualität ab!

Um das Warten auf den DVD- und Blu-ray-Start von Ant-Man zu versüßen, habe ich mich in meine Denkerstube gesetzt und alle Teile des Kino-Franchises namens Marvel Cinematic Universe gegeneinander aufgewogen. Herausgekommen ist nicht ein Ranking der wichtigsten, einflussreichsten oder gemeinhin populärsten Einträge in diese Reihe. Sondern eine Übersicht, welche Filme wie sehr mein Herzen höher schlagen lassen ...


Darüber, wer die rote Laterne in diesem Ranking bekommt, musste ich nicht einen einzigen Augenblick lang nachdenken: Iron Man 2 ist von allen Marvel-Eigenproduktionen die, in welcher der Aufbau des Filmuniversums am ungelenkesten geraten ist und den eigentlichen Plot wiederholt ausbremst. In Sachen Action erreicht Jon Favreaus Regiearbeit mit der Monaco-Sequenz viel zu früh ihren Höhepunkt, während das Finale eine leblose CG-Schlacht zwischen fliegenden Rüstungen ist. Und generell verlieren selbst amüsante Szenen wie die Anhörung ganz zu Beginn, in der Tony Stark sein Anrecht auf den Iron-Man-Anzug verteidigen muss, durch eine zähe Narrative ihren Schwung. Ein leider zu Beginn der Story bereits ausbrennender Whiplash, gespielt von Mickey Rourke, und ein nicht ausreichend genutzter, doch spaßiger Sam Rockwell als Justin Hammer retten Iron Man 2 davor, eine Totalkatastrophe darzustellen.


Ich weiß, mit dieser Platzierung mache ich mir keine Freunde. Aber selbst wenn ich Iron Man deutlich besser finde als sein Sequel, so schaue ich mir Jon Favreaus Riesenerfolg nur noch im Rahmen von Marvel-Retrospektiven an. Was daran liegt, dass ich in Iron Man kaum mehr sehe als einen Standard-Actionfilm. Weder bringt Favreau eine nennenswerte inszenatorische Raffinesse mit, noch ergibt die Motivation des von einem wenig Eindruck hinterlassenen Jeff Bridges gespielten Schurken wirklich Sinn. Aufgrund dessen geht dem letzten Akt zügig die Puste aus. Was enorm unterhält, ist dafür der erste Akt, auch "die Robert-Downey-junior-One-Man-Show" genannt, sowie die Trainingsmontagen, in denen Tony Stark das Iron-Man-Sein probt.


Kontrovers, kontrovers ... Ich weiß! Aber Der unglaubliche Hulk hat einige Punkte, die ihn in meinen Augen über Iron Man heben. So verleiht Regisseur Louis Leterrier dem in Brasilien spielenden ersten Akt eine gute "Mann auf der Flucht"-Atmosphäre, indem er den Look der Slums gekonnt in Szene setzt und Edward Norton freies Geleit darin gibt, einen getriebenen Menschen zu spielen, welcher sich vor seinem inneren Dämonen sowie dem US-Militär versteckt. Die ersten Actionszenen setzen daher auch mehr auf Katz-und-Maus-Spielchen, als auf CG-Gewitter. Der mittlere Teil ist etwas zäher erzählt als nötig, doch ein sich gehörig selbst genießender Tim Roth als Antagonist und die thematisch komplexe Filmmusik halten auch dieses Segment aufrecht, ehe das zerstörerische Finale dank der sich in Hulks und Abominations solider Charakteranimation abzeichnenden Mimik mehr Persönlichkeit mitbringt als der letzte Iron Man-Kampf. Gewiss, Liv Tyler und Norton könnten eine bessere Chemie haben und kaum verlässt der Film Brasilien, fehlt ihm das ästhetische, gewisse Etwas. Trotzdem ein unterschätzter Teil der Marvel-Reihe!


Während Iron Man 2 mit jeder Sichtung in meiner Gunst noch weiter fällt, legt Thor mit jeder Sichtung an Sympathiepunkten zu: Die Charakterisierung Lokis und der sein Handeln antreibende Konflikt sind zwar längst nicht so shakespearesch geraten, wie die Autoren und Regisseur Kenneth Branagh es wohl gern hätten. Und Thors Attacke auf die Welt der Eisriesen ist träge erzählt sowie unästhetisch umgesetzt. Allerdings überzeugt mich dank Chris Hemsworth und Natalie Portman die Romanze zwischen Thor und Jane, die Dialogwitze haben ordentlich Zunder und das "World Building" ist hier zum ersten Mal im Marvel Cinematic Universe richtig schön ausgereift.


Aufgrund erzählerischer Schwächen (so wird die Motivation der schurkischen Dunkelelfen zwei Mal genannt, aber nie wirklich begreiflich) ist das Thor-Sequel möglicherweise der schlechter gemachte Part unter den bisherigen Thor-Filmen. Allerdings habe ich ihn ein Stückchen lieber als das Original: Hemsworth balanciert den Pathos und die spaßige Seite seiner Paraderolle noch besser. Die Actionszenen (vor allem die Attacke auf Asgard sowie das immens spaßige, einfallsreiche Finale) sind schmissiger. Und Tom Hiddleston alias Loki wird besser eingesetzt als noch in Thor. Über die lahmen Antagonisten und einige Längen kann ich nicht hinwegsehen, aber wenn Thor - The Dark Kingdom zündet, dann sprühen deutlich mehr Funken als beim ersten Anlauf.


Das Problem mit solchen Countdowns ist ja, dass sie zwar eine Rangfolge abbilden. Und in Fällen wie diesen sogar eine Rangliste, bei der ich mir recht sicher bin, sie nicht schon morgen komplett umkippen zu wollen. Aber die Abstände zwischen den einzelnen Produktionen lassen sich in einem bloßen Ranking nur schwer abbilden. Naja, dafür gibt es ja die Begleittexte: Gurardians of the Galaxy schlägt Thor - The Dark Kingdom um die doppelte Länge einer Beinprothese! Regisseur James Gunn kreiert hier eine wunderbar verschrobene, dennoch glaubwürdige, farbenfrohe Sci-Fi-Welt, die von immens sympathischen Figuren bevölkert wird. Verquickt mit einer extrem starken Ansammlung an musikalischen Evergreens ist Guardians of the Galaxy ein sehr, sehr vergnüglicher Filmritt. Dass die anarchisch-eigenwilligen Figuren mit ihrer ironischen Art zuweilen in ihnen nicht gerecht werdende, konventionelle Plotschienen geschubst werden, ist bedauerlich. Aber es kommt ja ein Sequel ...


Und noch eine sicherlich aneckende Entscheidung meinerseits: Regisseur Peyton Reed, der zum Projekt hinzugestoßen ist wie die Jungfrau zum Kind, hat mit Ant-Man eine richtig, richtig launige Superheldenkomödie erschaffen! Dieser bunte Mix aus Heist-Movie, Marvel-Bombast, verschrobenem Witz und Schrumpfeskapaden legt ein zügiges Tempo vor, schröpft ein Maximum aus den Kräften seines Titelhelden und schafft es, anders als Guardians of the Galaxy, aus seinem untermotivierten Schurken einen spaßig-fiesen Antagonisten zu formen. Das Spiel mit Konventionen und ironischen Brechungen ist hier zwar weniger riskiofreudiger als in Gunns Weltallspaß, dafür aber auch trittsicherer. Ein richtig erfrischender, kleiner Film in einer überwältigenden, großen Filmreihe!


Iron Man habe ich gern im Kino gesehen. Thor hat Spaß gemacht. Captain America - The First Avenger war die erste Marvel-Eigenproduktion, die ich geliebt habe: Joe Johnston, der Mann hinter dem böse unterschätzten Disney-Superheldenabenteuer Rocketeer, zündet mit diesem pulpigen, stylischen Supersoldatenstoff ein bestens aufgelegtes Retro-Feuerwerk ab. Die Stimmung des Films befindet sich in einer ansteckenden "Indiana Jones ... mit Soldaten!"-Laune, Chris Evans und Hayley Atwell haben mehr Chemie als alle anderen Marvel-Filmpaare, und man muss einfach seinen Hut davor ziehen, wie gut die Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely ihren Protagonisten für das Publikum von Heute aufbereiten. Captain America ist ganz klar ein Mensch seiner Zeit, und obwohl der Film sein historisches Setting atmet und lebt, ist es auch klar ein Film der Gegenwart. Und somit frei von der Propaganda der frühen Comics über Steve Rogers.


Der liebste Avenger der großen Kinogemeinschaft hat mich mit seiner dritten Solomission dann auch endlich vollauf gepackt: Shane Black, der Drehbuchautor hinter solchen Action-Kultfilmen wie Lethal Weapon, schwingt sich nach Kiss Kiss Bang Bang nochmal auf den Regiestuhl und verpasst der Iron Man-Reihe eine tüchtige Dosis Lässigkeit, die sich sehr gut mit der Coolness von Robert Downey junior verträgt. Der zentrale Konflikt handelt dieses Mal nicht von einem Fiesling, der Tony Stark unbedingt seine Erfindung stehlen will, sondern von einer ganz anderen externen Bedrohung. Sowie von den inneren Kämpfen, die unser Titelheld austragen muss. Spritzige Actionszenen, die sich auf eine eigene Dramaturgie und pfiffige Ideen verlassen, statt auf reines Effektgewitter, extrem coole Nebendarsteller und ein herrlich-kesser Twist machen Iron Man 3 zu einem extrem guten 80er-Actionfilm, der sich sehr überzeugend als Marvel-Bombastspaß der Jetztzeit verkleidet. Saucool!


Einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten und womöglich der bislang ikonischste Marvel-Superheldenkracher. Und das alles vollkommen zurecht! Joss Whedon gelang mit seinem Big-Budget-Debüt ein unverschämt agiles Kunststück: Der Buffy-Schöpfer bringt mehrere exzentrische Superhelden unter einen Hut, um mit ihnen ein Actionspektakel zu veranstalten, das für Fans und Neuzugänge gleichermaßen geeignet ist. Schnippische Dialoge, große Actionszenen, in denen jeder Held seine Stärken beweisen kann, aufregende Kamerafahrten, und eine flüssige Dramaturgie: Dieser Film ist waschechte, köstliche Popcorn-Unterhaltung ...


... jedoch ist Marvel's The Avengers auch, wenn wir mal die zu stemmende Mammutaufgabe und Pioniersarbeit total dreist ignorieren, relativ "normal". Dafür, dass ein Gott, ein Mulitmillionär, ein Supersoldat aus den 40ern, ein Wissenschaftler mit Wutbewältigungsproblemen sowie zwei Spitzenagenten zusammenkämpfen, lässt es Avengers noch sehr bodenständig angehen. Das kann man dem Film auch auf gar keinen Fall ankreiden! Beim Schritt von einer Blockbustermarke zu einer Überblockbustermarke direkt mit nerdigem Comicwahnwitz um sich zu schlagen, wäre vermessen gewesen. Als aber im Sommer 2015 Avengers: Age of Ultron anstand, war ich sowas von bereit für exzentrischen, megalomanischen Comic-Irrsinn. Für einen Film, der die komplexe, knallige Mythologie der Vorlagen voller Genuss auf die Leinwand bringt. Und genau das hat dieses Epos geleistet: Mehr von allem, ohne unter dieser Last zusammenzubrechen. Das Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt der Marvel-Filmsaga! Daran wird gewiss nicht jeder Freude haben, doch ich stehe auf diese ganz besondere Geschmacksrichtung!


Was. Für. Ein. Hammerfilm! Wenn so ziemlich das Einzige, was ich zu beklagen habe, der deutsche Filmtitel ist, dann haben wir es zweifelsohne mit einem stolzen Meisterwerk zu tun. Was Anthony und Joe Russo mit Captain America: Winter Soldier fabriziert haben, ist durchdachtes, adrenalinhaltiges, hochspannendes und unterhaltsames Bombastkino, wie es im Buche steht! Die Actionsequenzen überschlagen sich vor starken Stunts und packenden Charaktermomenten, die völlig verkannte Hochdruckmusik von Henry Jackman fetzt mehr, als alles andere in Marvels bisherigem Musikkanon und die Darstellerriege, bestehend aus Chris Evans, Anthony Mackie, Scarlett Johansson, Robert Redford, Sebastian Stan, Samuel L. Jackson und Frank Grillo balanciert perfekt auf dem schmalen Grat zwischen Entertainment-Feuerwerk und Politthriller ... Dieses Mordsstück von einem Superheldenknaller fesselt mich jedes Mal aufs Neue und legt die Messlatte für die dritte Phase des Marvel Cinematic Universe ungeheuerlich hoch! Civil War? Zeig, was du kannst!