Dienstag, 6. Oktober 2020

Musikalisches Immergrün – Die besten Disney-Songs der Dekade (Teil XII)

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Platz 20: My Year aus Zombies - Das Musical

Musik und Text von Hannah Jones, Jack Kugell und Matt Wong


Wie sieht ein klassischer "Happy Village"-Song aus, in einer Filmwelt, die comichaft, auf keusche Art campy, mit Retro-Ästhetik versehen und von hip-modernen Einflüssen durchzogen ist? In einem Film, der Rassismus sowie Klassismus anklagt, dies aber via einer Romeo-und-Julia-Geschichte über einen Zombie und eine menschliche Cheerleaderin? Noch dazu auf dem Disney Channel? Nun, ganz einfach: So! My Year lässt Musical-Zeitlosigkeit mit modernen Einflüssen kollidieren, all dies übermäßig fröhlich, bis es selbstsicher-albern wird, aber nicht direkt eine Persiflage darstellt, selbst wenn die dazugehörige Szene mehrmals gezielt bis ganz nah an die Grenze herandüst. Ich find's überaus faszinierend und vergnüglich.


Platz 19: Wir kennen den Weg ("We Know the Way") aus Vaiana

Musik von Opetaia Foa'i, Text von Opetaia Foa'i und Lin-Manuel Miranda (dt. Text von Tommy Amper)


Wir kennen den Weg ist zwar nicht weiter der erste Song im Film, war aber der erste Song, den Mark Mancina, Opetaia Foa’i, und Lin-Manuel Miranda für Vaiana geschrieben haben und zudem ist es der erste Song, den viele Fans und Pressemitglieder zu Gehör bekommen haben. Und es war auch ein echt starker Vorgeschmack für das, was Vaiana zu bieten hat: Mit starker Percussion und von Fernweh, Stolz und Abenteuerdrang versehenen Lyrics ist Wir kennen den Weg eine extrem schöne Feier der seefahrenden Vorfahren unserer Titelfigur. In einer frühen Filmfassung eröffnete das Lied übrigens den Film und zeigte unter anderem die Geburt Vaianas.


Platz 18: Cruisin' for a Bruisin' aus Teen Beach Movie

Musik und Text von Mitch Allan, Jason Evigan, Jason Charles Miller und Nikki Leonti


Die Retronummer in Teen Beach Movie: Protagonist Brady und Protagonistin Mac sind in Bradys Lieblingsfilm gelandet, und es gibt für Brady nichts, das schöner wäre, als mitzuerleben, wie die grease-ige Rockerbande im Lieblingsschuppen der chilligen Surfer landet und eine Rockabillynummer zum Besten gibt, in die er schon immer mal einsteigen wollte. Dass Brady wirklich da einsteigt, war im Film eigentlich nicht geplant, aber weil Brady-Darsteller Ross Lynch die Choreo zum Song beherrschte und voller Passion hinlegte, wurde die Szene umarrangiert. Der Song selbst ist einfach richtig schön kaugummigroovy und riesiges Vergnügen.

Platz 17: Ich geb' dir, was du willst ("I'll Get You What You Want (Cockatoo in Malibu)") aus Muppets Most Wanted

Musik und Text von Bret McKenzie (dt. Version: Christine Roche & Klaus-Rüdiger Paulus)


Schurkensong, Bret-McKenzie-Style: In Muppets Most Wanted ersetzt ein böses Double Kermit in der Muppet-Truppe, und zerstört das Teamwork und den Teamgeist sowie die besondere Chemie in deren Show, indem er einfach allen unentwegt das gibt, was sie wollen. Um eine grantelnde Miss Piggy milde zu stimmen, äußert Constantine in Kermit-Verkleidung eine Nummer im Stil von Lionel Richie, Michael McDonald und den Doobie Brothers. Mit Groove, Flair, Disco-Funkel-Funkel und (urkomisch geratener) Bemühung, sexy zu sein, gibt er Miss Piggy immer absurdere Versprechen. Sehr, sehr lustig, doppelbödig und echt groovy!

Platz 16: Der Einband kann täuschend sein ("A Cover Is Not The Book") aus Mary Poppins' Rückkehr 

Musik von Marc Shaiman, Text von Scott Wittman und Marc Shaiman (dt. Text von Nina Schneider)


Bei meinem ersten Anschauen von Mary Poppins' Rückkehr war noch Stellt euch das nur mal vor ganz klar mein Lieblingslied aus dieser späten, späten Mary Poppins-Fortsetzung. Die Melodie der Tauchfahrt-Begleitnummer hat mich einfach mehr mitgenommen. Aber als Gesamtszene betrachtet hat mich schon während der Pressevorführung mit weitem Abstand Der Einband kann täuschend sein mehr gepackt. Viel mehr! Sehr, sehr viel mehr. Noch während des ersten Anschauens dieses Rob-Marshall-Filmmusicals habe ich mich in diese Szene schockverliebt. Emily Blunt, die eh schon super in dieser Rolle ist, blüht förmlich auf, während sie Mary Poppins spielt, die nun in Velma-Kelly-Bob eine Cockney-Vaudeville-Dame spielt, die zusammen mit Laternenanzünder Jack kleine (oft anzüglich angehauchte) Geschichtlein zelebriert. Chicago trifft Walt Disney Pictures, und Marshall inszeniert das mit Leichtigkeit, Fröhlichkeit und Geschmack. Lin-Manuel Miranda spielt besser als im restlichen Film, das bewusst künstliche Bühnenbild ist wunderschön und die Zeichentrickfiguren lassen mein Herz höher schlagen. Eine Bombenszene, die mich kurz glauben ließ, Mary Poppins' Rückkehr könnte mein Lieblingsfilm 2018 werden. Leider brach der Film danach brutal ein, aber die Szene selbst blieb in meinem Herzen, weshalb ich die Szene immer und immer wieder geguckt habe - was wiederum mein Ansehen des Songs vergrößerte. Die darin nacherzählten Geschichten stammen übrigens allesamt aus Travers-Büchern.

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Samstag, 22. August 2020

Musikalisches Immergrün – Die besten Disney-Songs der Dekade (Teil XI)

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Platz 25: It's Goin' Down aus Descendants 2
Musik und Text: Antonina Armato, Tim James, Tom Sturges und Adam Schmalholz

Dieser Song ist einer der zentralen Gründe, weshalb ich Descendants 2 als den Höhepunkt von Kenny Ortegas knalliger Fieslingssprößlingetrilogie erachte: Raus mit dem pappigen Herzschmerz von Teil eins, rein mit "Wie stellt sich Kenny Ortega eigentlich eine dramatische Actionszene vor ... nach eigener Art?" Disneys Spezialist für Camp und glitzernder Musicaltheatralik gestaltet das, was in einem handelsüblichen (TV-)Abenteuerfilm über den Kampf zwischen Gut und Böse wäre, mit gerapptem Egostreicheln, hektischem Elektrobass, einem Soundeffekt, der so klingt, als würde direkt neben dem Filmgeschehen ein unbehelligter Super Mario seelenruhig Münzen einsammeln und einer peppigen inneren Dramaturgie. Das ganze macht einfach Laune, und weil Descendants 2 der klotzende Höhepunkt der Trilogie ist, ist das alles gar nicht der Höhepunkt von Akt drei, sondern nur das Vorspiel für das eigentliche Filmfinale. 


Platz 24: Rotten to the Core aus Descendants
Musik und Text: Joacim Persson, Shelly Peiken und Johann Alkenas

Der Song, mit dem alles begann: Nach großem Vorab-Antihype älterer Disney-Fans, die das Konzept "Was, wenn alle Disney-Schurken ihre Filme überlebt hätten, ungefähr zur selben Zeit aktiv gewesen wären und Kinder bekommen hätten, die wiederum nun zusammen mit den Kindern der Helden auf dieselbe Schule gehen?" als großen Affront abgetan haben, der unmöglich Spaß machen könnte, lief dieser bunte Irrsinn 2015 im Disney Channel. Und beim Eröffnungssong Rotten to the Core sollte schnell klar werden: Aha, so läuft dieser Hase also. Ironisch-dick aufgetragen und selbstbewusst-durchgeknallt, übergossen mit einer dicken Soße aus EDM und disneytauglich-weichgewaschenem Dubstep. Muss man nicht mögen, sollte man aber als seine ganz eigene, schräge Nummer erkennen, die keinerlei Anspruch erhebt, Teil des Meisterwerke-Kanons zu sein. 

Fun Fact: Einer der Verantwortlichen hinter dieser sehr tanzbaren "Hallo, das sind wir, hier sind die Markenzeichen unserer Figuren und so klingt dieser Film halt"-Eröffnungsnummer ist Joacim Persson, einer der Auddly-Geschäftspartner von ABBA-Mann Björn Ulvaeus, der unter anderem schon Nummern für Kelly Clarkson, John Legend, Lady Gaga und Miley Cyrus verantwortete.


 
Platz 23: Can't Back Down aus Camp Rock 2: The Final Jam
Musik und Text: Antonina Armato, Tim James und Tom Sturges

Anhand der Camp Rock-Filme lässt sich sehr gut der Einfluss der High School Musical-Reihe auf die Disney Channel Original Movies messen: Teil eins kam 2008 heraus, wurde aber erst kurz nach der Ausstrahlung von HSM 2 gedreht und entwickelt, während der HSM-Zug erst ins Rollen kam. So fügt sich der Film zwar in Disneys Tendenz ein, im Fernsehen mehr und mehr auf Musik zu setzen. Jedoch verfolgt Camp Rock noch eine "Realweltlogik", die Songs sind allesamt diegetisch: Sie ertönen in Momenten, in denen in einem Musiker-Sommercamp auch wirklich gesungen würde. Camp Rock 2 hingegen wurde von der HSM-Welle getroffen und vermischt (ähnlich wie die HSM-Filme) Realweltlogik mit Momenten, die vollauf eine Musicalhaltung einnehmen. Das mag ein Bruch mit den Paramatern der Filmreihe sein, führte aber zum stärksten Moment der zweiteiligen Saga: Can't Back Down ist ein mit Wucht und Zorn und Power gesungener Protest- und Durchhaltesong, in dem sich die Protagonisten anfeuern, gegen die widrigen Umstände aufzulehnen, die ihnen widerfahren. Nämlich ... die mögliche Abschaffung ihres Lieblingssommercamps. Ja, die Unverhältnismäßigkeit zwischen Ernsthaftigkeit und Vehemenz der Musik sowie der Performances einerseits und den flippigen Tanzmoves mehrerer Figuren sowie des Anlasses für die Nummer ist Teil des Charmes. Und es ist einfach ein waschechter "Banger", unter anderem geschrieben von Antonina Armato, die schon den ähnlich operierenden Troy-Bolton-Selbstfindungs-Tanzsong Bet On It verfasst hat. Wenn man's weiß, hört man's glatt raus, oder?


Platz 22: Kinderlümper ("Kinderlumper") aus Phineas & Ferb
Musik und Text: Michael Diederich, Robert F. Hughes, Martin Olson, Dan Povenmire und Michael Singleton (dt. Fassung von Christine Roche, Ursula von Langen & Thomas Amper)

Ein sehr unterhaltsamer Song, der exzellent einfängt, was an Phineas & Ferb so großartig ist: Hier, in der nunmehr vierten Staffel, gönnen wir dem albern-sympathischen Schurken Dr. Doofenshmirtz eine ausführliche, jazzige Big-Band-Nummer im Stil von Cab Calloways Minnie the Moocher, die gleichzeitig riesiges Mitleid für ihn erzeugt, weil ihm in seiner Kindheit grausige Bösnachtmärchen eingetrichtert wurden, die andererseits aber auch eine große Lachnummer ist, da sie ein vollkommen übertriebener Kinderschreck ist. Was auf der visuellen Ebene jedoch kaum gebrochen wird - der titelgebende Kinderlümper sieht schon schrecklich aus und kreist unheimlich um die in grau-braunen Rückblenden gezeigten, verängstigten Kinderlein.

Später in der Folge kommt es zu einer fröhlicheren Reprise - als Invertierung dessen, wie Musicals gerne zu einer dramatischen Reprise tendieren.

 
 Platz 21: You and Me aus Descendants 2
Musik und Text: Mitch Allan und Nikki Leonti Edgar

Das wahre Finale von Descendants 2: Auf einer Yacht treffen unsere Figuren zusammen und feiern die große Liebe, die sich kurz zuvor in einem CG-Kampf durchgesetzt hat. Alle sind klatschnass, das Deck steht knöcheltief unter Wasser und es wird ein harmonischer, poppig-froher Song angestimmt, der Freude und Verständnis feiert, und uns alle in die Verantwortung zieht, dies zu vermitteln. Kenny Ortegas Choreografie der Szene ist wirklich hübsch und unterstreicht die ansteckende Glückseligkeit der Nummer sehr gut. 

Fortsetzung folgt ...