Mittwoch, 26. Februar 2014

Meine 30 Lieblingsfilme 2013 (Teil III)

Und somit beende ich meinen Rückblick auf die 30 Filme, die sich 2013 am erfolgreichsten in mein cineastisches Herz gedrängelt haben. Nach den Plätzen 30 bis 21 und den Plätzen 20 bis 11 folgen hier nun meine zehn absoluten Favoriten:

Platz 10: Don Jon (Regie: Joseph Gordon-Levitt)
Was für ein Regiedebüt: Ohne falsche Scham und frei von forcierten Tabubrüchen packt Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur Joseph Gordon-Levitt in seiner dramatischen Sucht- und Liebeskomödie Don Jon das selten behandelte Thema Pornosucht an. Und macht sich ganz nebenher mit Köpfchen über formelhafte Hollywood-Schmonzetten lustig. Gekonnt spielt Gordon-Levitt mit Stilmitteln der Überzeichnung, Satire und Irreführung, ohne dieser Geschichte einen emotionalen Kern zu verwehren. Gordon-Levitts sex-, porno- und selbstsüchtiger Protagonist hat einen von Beginn an unmöglich zu verleugnenden guten Kern, den aber erst einige plausible, trotzdem kurzweilig karikierte Liebeslektionen sowie eine Handvoll tiefschürfender Gespräche freilegen können. Scarlett Johansson wiederum gibt ein herrliches Biest ab und Julianne Moore wandelt unbeschwert als gute Seele des Films durch die geistreiche, schmissige und dennoch einfühlsame Handlung. Nicht zu lang, nicht zu kurz, schwer vorhersehbar und toll geschnitten: Da können Don Jons geliebte Pornos nicht mithalten.

Platz 9: Captain Phillips (Regie: Paul Greengrass)
Seefahrtsthriller, auf wahren Begebenheiten basierendes Drama, charakterstarker Kommentar auf die Wettbewerbsgesellschaft: Paul Greengrass zielt auf das anspruchsvolle sowie das nach Spannung und Schauwerten suchende Kinopublikum gleichermaßen ab und erzählt in mitreißenden, ungeschliffenen, dennoch kinoreifen Bildern von einem wahren Schiffsüberfall, der sich 2009 in der Nähe der somalischen Gewässern ereignete. Tom Hanks brilliert (vor allem im emotional aufreibenden Finale) als Captain Richard Phillips, der seine Besatzung um jeden Preis zu beschützen versucht, Newcomer Barkhad Abdi bietet ihm als Piratenanführer beeindruckend die Stirn. Das keinerlei Längen aufweisende Drehbuch von Billy Ray und Greengrass schnörkellose, minutiöse Inszenierung erlauben keinerlei Verschnaufpause und gen Schluss ist Gänsehaut garantiert! So soll kluges Spannungskino sein.

Platz 8: Blue Jasmine (Regie: Woody Allen)
Sehr frei nach Tennessee Williams: Die über viele Jahre hinweg vom Reichtum ihres Ex-Mannes verwöhnte Jasmine verlässt ihre Luxusheimat in New York und versucht mit Hilfe ihrer optimistischen Adoptivschwester in San Francisco ein neues Leben aufzubauen. Doch die emotional instabile, finanziell gebeutelte Junggesellin ist unfähig, die Erinnerung an früher ziehen zu lassen ... Woody Allens bitterböse High-Society-Komödie, die zu gleichen Teilen eine mitleiderregende Tragödie ist, fußt zu großen Teilen auf Allens genauer Beobachtungsgabe menschlicher Schwächen und, selbstredend, auf Cate Blanchetts bereits von vielen Cineasten intensiv beleuchtete Performance in der Titelrolle. Garstig, egomanisch, arrogant – und dann zutiefst verletzt, von Selbsthass zerfressen und bedauerlich: Jasmine durchläuft eine intensive, aufreibende Gefühlsachterbahn, die Blanchett lebensnah und mit großem Nachhall umsetzt. Hinzu kommen ein mit kleinen Gesten viel aussagendes Ensemble aus Nebendarstellern und denkwürdige Dialogpassagen aus Woody Allens legendärer Feder – nicht so magisch wie Midnight in Paris, dafür war der New Yorker Neurotiker lange nicht mehr so greifbar und emotional lebensnah wie hier. Man muss ja nicht gleich aus den Oberen Zehntausend gefallen sein, um vergangene Fehler nicht vergessen zu können.

Platz 7: Inside Llewyn Davis (Regie: Ethan & Joel Coen)
So liebe ich sie, die Coens! Fand ich True Grit (gemessen an den Maßstäben der findig mit Genreregeln spielenden Gebrüder) enttäuschend konventionell, bietet Inside Llewyn Davis wieder den sicherlich zum Patent angemeldeten Coen-Mix aus staubtrockenem Humor, Genrekommentar und Verlierertragik. Die Odyssee des künstlerisch integren Folkmusikers Llewyn Davis, der sich jeglicher Kommerzialisierung verweigert und nur für seine Musik Verantwortung übernehmen möchte, führt das Publikum durch die in ausgewaschene Farben getauchten 60er-Jahre, kurz bevor sich in der Folkszene weitreichende Änderungen am Horizont zusammenbrauen. Der Titelheld wie auch die Zuschauer kreuzen ihre Wege mit kuriosen Musikern, piefigen Bildungsbürgern und liebenswerten Katzen, und wie so oft bei den Coens gilt auch in diesem bedächtigen Musikerdrama: Der Weg ist das Ziel. Was soll man sagen: Bei solch einer dichten Atmosphäre wie der von Inside Llewyn Davis fällt es schwer, zu bereuen, diesen Weg gegangen zu sein.

Platz 6: Les Misérables (Regie: Tom Hooper)
Die auf Victor Hugos Monstrum von einem Roman basierende Musicalsensation kommt auf die große Leinwand – was bietet sich einem Regisseur da an? Es wäre die große Gelegenheit, die Opulenz der Erzählung auf visueller Ebene an ihre emotionale und thematische Bandbreite anzupassen, ein spektakuläres Historienepos zu erschaffen und in schwelgerischen, aufwändigen Bildern von den titelgebenden Elenden zu erzählen. Tom Hooper jedoch wählte den entgegengesetzten Weg und nutzte die sich ihm bietenden cineastischen Möglichkeiten, um den Zuschauer noch näher an das Leid von Hugos Figuren zu rücken. Rasch geschnittene, kurze Übergangssequenzen ermöglichen im Zusammenspielt mit den ausführlichen, direkt auf die vom Schicksal gezeichneten Gesichter der Figuren haltenden Einzelsequenzen eine fast schon erschöpfende Sogwirkung, so dass es ein Leichtes ist, sich in den eingängigen Liedern und den brillanten Darbietungen von Hugh Jackman, Anne Hathaway und Co. zu verlieren. Übrigens: Das ständige Draufhauen auf Russell Crowe ist maßlos übertrieben! Aber selbst wenn man meint, über einzelne Castingentscheidungen jammern zu müssen, kann man sich nur schwerlich dem Rausch dieser genial komponierten Tragödie entziehen.

Platz 5: The Master (Regie: Paul Thomas Anderson)
Paul Thomas Anderson sinniert in diesem Drama über Sucht, Fremd- und Selbsttäuschung sowie die Glanz- und Schattenseiten einer Schüler-Mentor-Beziehung. In einem ganz eigenen, fast meditativen Tempo rückt der Regie-Virtuose zwei überlebensgroße, facettenreiche und ebenso faszinierende wie abstoßende Persönlichkeiten in den Fokus seiner opulenten 70mm-Aufnahmen: Den schwer durchschaubaren Sektenführer Lancaster Dodd (Philip Seymour Hoffman) und seinen alkoholsüchtigen, sexbesessenen Schüler Freddie Quell (Joaquín Phoenix). In wenigen, ausführlichen und soghaften Einzelszenen liefern sich Dodd und Quell ein Duell der Starrköpfigkeit, das sich durch die überwältigenden Darbietungen der Hauptdarsteller ins Gedächtnis brennt. Doch diese von Orientierungslosigkeit berichtende Geschichte ist kein Zwei-Personen-Stück: Mit Amy Adams mischt eine dritte Schauspielgröße mit, deren Figur das Geschehen unaufdringlich kommentiert und behutsam beeinflusst. Ein schauspielerisches, eindringlich inszeniertes Meisterwerk!

Platz 4: Django Unchained (Regie: Quentin Tarantino)
Brutal witzig, brutal ehrlich und brutal … äh … gewalttätig. Nachdem Quentin Tarantino in Inglourious Basterds nach eigenem Gutdünken den Zweiten Weltkrieg umschrieb, widmet sich der Kunst und Vulgarität zu einer süchtig machenden Symbiose vereinende Autorenfilmer in diesem Rachewestern der Sklaverei. Urkomische Dialoge, smarte Genrekommentare, stylische Gewaltausbrüche und umwerfende Darbietungen von Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson sowie einem zu schnell unterschätzten Jamie Foxx lassen Django Unchained trotz (typisch Tarantino!) langer Laufdauer wie in Windeseile vorbei sausen. Irgendwo zwischen Metakino, Schmuddelspaß und Westernaction fürs anspruchsvolle Publikum – kaum einer kann so dynamisch auf mehreren cineastischen Hochzeiten gleichzeitig tanzen wie Tarantino.


Platz 3: Gravity (Regie: Alfonso Cuarón)
Ein technischer Meilenstein, der von der Kritik und weiten Teilen des zahlenden Publikums euphorisch aufgenommen wurde, dessen Status als Meisterwerk aber seither von einer lauten Minderheit hinterfragt wird. Zu dünne Dialoge, zu wenig Handlung, heißt es. Doch wird Gravity von seinen Gegnern nicht für das kritisiert, was diesen Weltall-Survivalthriller auszeichnet? Die Geschichte dreht sich um zwei Astronauten, deren Space Shuttle während eines Einsatzes zerstört wird, woraufhin sie mit schwindender Hoffnung auf Rettung durch den Weltraum trudeln. Dies ist wahrlich keine glaubwürdige Szenerie für tiefschürfende, grammatikalisch komplexe Monologe, in denen zwei Hilfesuchende allmählich und unterschwellig die wahren Befindlichkeiten ihrer Seelen andeuten. Es gibt für Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) und Matt Kowalski (George Clooney) in solch einer Situation kaum etwas zu bereden, und wenn sie miteinander kommunizieren, so ist es vollends plausibel, dass sie entweder in wenigen Worten ihre missliche Lage und mögliche Rettungspläne skizzieren, oder sich in beruhigendem, wenngleich redundantem Smalltalk üben. Dass sich daraus, wenn beide befürchten, zeitnah einen grausamen Tod sterben zu müssen, letztlich Gesprächsfetzen entwickeln, in denen Ryan direkt auf einen schwer zeichnenden Schicksalsschlag zu sprechen kommt, ist da nur konsequent. Wer hat nicht bereits einmal eine persönliche Tragödie durchmachen müssen, und wieso sollte man diese Geschichte für sich behalten, wenn der Tod bereits seine Sense wetzt und es die Möglichkeit gibt, der Trauer ein letztes Mal Luft zu machen?
Die Kunstfertigkeit, die Gravity erzählerisch ausmacht, ist nicht, wie subtil oder unsubtil etwas thematisiert wird. Die große Leistung von Regisseur/Autor Alfonso Cuarón und seinen Mitautoren Jonás Cuarón & Rodrigo García ist viel mehr, mit welcher Konsequenz sie ihre Spannungsgeschichte verfolgen und wie diese mit der angeschnittenen Thematik von Verlust, Trauerüberwältigung, Angst und Zukunftsglauben räsoniert. Es braucht für den Zuschauer das Feingefühl eines Meteoriten, um Ryans seelische Wunde auszumachen, aber es dürfte Cineasten noch für Generationen beschäftigen, auseinander zu pflücken, wo die Parallelen zwischen innerer Befindlichkeit und äußerer Bedrohung zu ziehen sind, wo sich bedeutsame Differenzen auftun und wieso all dies zusammen solch eine emotionale Achterbahnfahrt ergibt. Dass der Children of Men-Regisseur in diesem Thriller obendrein entgegen jeglicher Konvention eine strikte Handlung spinnt, die auf Rückblenden oder Subplots verzichtet, und einfach nur der Protagonistin folgt, verstärkt nur die Wirkung von Gravity. Es geht um Ryans Überlebenskampf und nichts weiteres. Keine wissenschaftlichen Gedankenspiele, keine weiteren Lebensschicksale, einfach nur eine Frau und ihre Lage – durch diese Reduzierung rückt Cuarón seiner Heldin näher, als man je zuvor im digitalen Effektkino einer Hauptfigur kam. Damit beinhaltet Gravity eine beachtliche erzählerische Leistung. Und diese erst erlaubt es, dass die beeindruckende Umsetzung dieses Films mit makellosem 3D, täuschend realen Computeranimationen, schwindelerregend perfekt choreographierten, extralangen Kamerafahrten und beklemmendem Sounddesign (inklusive einem Gänsehaut-Score von Steven Price) mehr darstellt, als nur eine Demonstration der Möglichkeiten digitalen Filmemachens.

Platz 2: Lone Ranger (Regie: Gore Verbinski)
Ich habe bereits so viel über diesen Film geschrieben, es wird Zeit, anderen das Feld zu überlassen:

'' For what is perhaps the hundredth time, I’ve heard someone casually bash last summer’s film of The Lone Ranger. […] Based upon the trailers, many people thought it would be the epitome of the Big Dumb Summer American Movie. Perhaps I am guiltier than most of being contrarian, but I want to let you know that although the movie didn’t find much of an audience last summer, The Lone Ranger was actually not just good, but great. It might be the first postmodern epic. I don’t mean the term epic loosely, as in the grand exploits of a generic, steroidal hero. The Macintosh dictionary app offers an admirably succinct definition: “a long poem, typically one derived from ancient oral tradition, narrating the deeds and adventures of heroic or legendary figures or the history of a nation.” Apart from being a movie rather than a poem, Gore Verbinski’s film meets all of the other requirements. It is even a story about the creation of America, in terms of that geographically symbolic moment of an epoch, the transcontinental railroad. [..] And the final action sequence is an amazing set piece that should please fans of action films. The William Tell Overture that began the television show begins that sequence, in the adrenaline rush that begins the movie’s third act. The overture is expanded into its own extended, manic piece, somehow realizing something sublime in the weird appropriation from opera, for a Western. […] The cruelty of William Tell being forced to shoot an arrow into an apple atop his own son’s head carries with it odd semiotic resonances into the old west, as is the cruelty of the Tell’s political situation. The West is made to seem just as politically menacing. In this version of The Lone Ranger, the music is both rousing and almost comically atavistic in a scene that goes on seemingly forever, but, to my taste, without the sense of eyeball-numbing relentlessness of the late sequences in The Matrix Revolutions and Man of Steel. It is more like Buster Keaton’s The General mixed with the chase scene from Raiders of the Lost Ark mixed with The Lone Ranger. And all rather coherent, in terms of cinematography. […] [I]f you want a feel-good family epic set in the Western frontier, this movie is not for you, and if you crave a movie of such excess that casts no shadows upon the meaning of that spectacular excess, then The Lone Ranger forces you to make too many moral, political, and epistemological choices as a viewer. If you like the Crank films, though, or Samuel Beckett, or Buster Keaton, then watching The Lone Ranger can be a deeply satisfying experience.'' – John King

''Everything you need to know about the picture, its attitude towards story, myth, representation, reality and this new vision of Tonto in particular is in this first five minutes. In short, everything is at question. Who is good, what is real and not, how the story is told, where the story is happening (inside one story, and still another), what the story's stakes are ("There comes a time, kemosabe, when good man must wear mask."), and why it needs telling by this character in particular […] Everything in the film is so absurd, and so patently fabricated by the very telling, as coming from Tonto's cracked brain, that it fits as a madman's kaleidoscopic vision, not a cohesive tableau, of his life/story. Because, despite the name and the Disney trappings, this is Tonto's film: a polyphony at play, producing flux of ideas. […] The fact that a Disney tentpole was launched to tell this version of the story is something to celebrate. Furthermore, the movie is full of energy, almost like one long chase sequence, albeit with necessary pauses to spell the characters as much as the audience. Verbinski has all the right theoretical ideas for me to back when it comes to how he wants to figure the West of yesteryear. But maybe more importantly he has an eye for action set-pieces as lucid as anybody working in late Hollywood's blockbuster-bound era of the past three decades. He likewise riddles his films with sight gags, but they're never just gags — they always play into the concept of the film, and Verbinski's consistent tendency to make movies about various systems of order falling apart and/or exploding.'' – Ryland Walker Knight

''I will say it and I will say it loudly: Gore Verbinski's The Lone Ranger is perhaps the most subversive Hollywood film since Paul Verhoeven's still misunderstood sci-fi masterpiece, Starship Troopers (1997). Not only does this sneaky, revisionist epic attempt to recontextualize the history of Western films, screenwriters Justin Haythe, Ted Elliott, and Terry Rossio — working directly from Zane Grey's 1915 novel The Lone Star Ranger — have designed an ambitious journey through America's tainted, tattered history. […] Th[e] meditative walk [during the end credits] can be interpreted as history (represented by Tonto) slipping back into the past, or perhaps the truth leaving without anyone noticing. For me, it proved how intricately thoughtful The Lone Ranger truly is. Perhaps this film about two old-school heroes (who urge anyone who'd listen never take their own masks off) was a bit too modern for audiences in 2013. Hopefully, eventually, viewers will come to appreciate this inspired, unlikely, uncompromised, maniacal treasure.'' – Jesse Hawthorne Ficks

''The movie's crazy-quilt of references includes Dead Man, El Topo, Blazing Saddles, The Searchers, A Man Called Horse, the Man with No Name trilogy, Verbinski's own Rango, the cinematic contraptions of Sam Raimi and Tim Burton (check out Bonham-Carter's ivory leg-cannon!), and Keaton's train-crazy The General. (There's a General-worthy shot of Tonto perched on a long ladder that's balanced across a locomotive like a seesaw.) […] Luckily, The Lone Ranger is more than the sum of its references, because Verbinski and his screenwriters wind them around the core of a vision. This is a story about national myths: why they're perpetuated, who benefits. As we watch this story unfold, we're not seeing "reality," but a shaggy, colorful counter-myth.'' – Matt Zoller Seitz

''Wer an dieser ausgeklügelten Western-Hommage keinen Spaß hat, ist selbst Schuld.'' – Antje Wessels


Platz 1: Alles eine Frage der Zeit (Regie: Richard Curtis)
Der richtige Film mit den richtigen Darstellern und Machern im richtigen Jahr!

Mehr müsste ich meiner Ansicht nach eigentlich nicht sagen, aber ich fürchte, dass einige Leserinnen und Lesern dann nur eine Erklärung fordern würden. Gern gemacht: An anderer Stelle ging ich bereits vor einiger Zeit darauf ein, wie bemerkenswert es ist, dass in Gesprächen über Musik es gemeinhin durchaus respektiert wird, wenn jemand seinen Lieblingstitel aufgrund emotionaler Assoziationen auserkoren hat. Im Austausch über Filmkunst erfährt dies weitaus weniger Achtung – und ich frage mich, was denn so verabscheuungswürdig daran sein soll, eine emotionale Entscheidung (nämlich die Wahl des Lieblingsfilms) auf Basis von Gefühlen zu treffen. Also, ich habe kein Problem damit. Kinners, keine Bange: Wäre ich Mitglied der Hollywood Foreign Press oder der Academy of Motion Picture Arts & Sciences, käme ich keineswegs auf den Gedanken, aus rein sentimentalen Gründen Alles eine Frage der Zeit als besten Film vorzuschlagen. Aber solange ich in meinem Blog eine höchst persönliche Liste über meinen ganz eigenen Lieblingsfilm 2013 erstelle? Wieso zum Geier sollte ich Richard Curtis' jüngste Regiearbeit nicht auf den ersten Platz setzen?

Sie weiß mich einfach zu umschmeicheln! Dieses liebevolle Comedy-Drama mit einem hauchzarten Fantasy-Twist und wohl gewählten schwermütigen Momenten erzählt von einem schüchternen 21-Jährigen namens Tim Lake, der von seinem Vater eröffnet bekommt, dass er (genauso wie jeder andere seiner männlichen Anverwandten) die Fähigkeit hat, durch die Zeit zurückzureisen. Tim kann dies aber nur nutzen, um Momente in seinem eigenen Leben erneut zu besuchen und nach Wunsch umzuschreiben. Wie Tim bald darauf lernen muss, hilft ihm diese Fähigkeit aber nicht, einseitige romantische Gefühle in beidseitige Liebe umzuformen. Trotzdem nutzt Tim das Zeitreisen, um dann und wann Kleinigkeiten zu korrigieren – mal mit freudigen, mal mit desaströsen Folgen. Regisseur und Autor Richard Curtis lässt vor diesem reizvollen Hintergrund eine ruhige, sentimentale und humorvolle Reflexion über Liebe, Familienzusammenhalt und Hoffnung spielen.

Es geht um Tod, das Finden des richtigen Lebenspartners und das behutsame Aufbauen eines eigenen Lebens sowie einer ganz eigenen Lebensphilophie. Wunderschön erzählt und technisch makellos eingefangen, in ein liebliches musikalisches Kleid gehüllt – und somit der Film, in den ich mich mehr verlieren konnte als in jeder anderen Produktion des Jahres 2013. Von den ersten Minuten an traf Curtis mit seiner dezent-britischen Verschrobenheit und großen, ehrlichen Einfühlsamkeit genau den Nerv, den es bei mir zu treffen galt. Nicht zuletzt auch dank des goldigen Domhnall Gleeson und der bezaubernden Rachel McAdams in den Hauptrollen sowie Bill Nighy und Tom Hollander in tollen Nebenrollen. Kurzum: Romantikspezialist Richard Curtis gelang eine berührende Verschmelzung aus Dramatik, Romantik und Humor, die in meinem Filmherzen für immer fest mit dem Kinojahr 2013 verbunden sein wird und mich glücklich (sowie einer leichten Spur von Gänsehaut) strahlen lässt.

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